Out of Mind-Control - ein Lycra-Krimi

  • Hallo zusammen,


    in meinem Vorstellungsbeitrag hatte ich bereits erwähnt, dass ich auch gerne Geschichten schreibe, in denen enge glänzende Kleidung vorkommt. Daraufhin wurde ich auch von ein paar Leuten gebeten, die Geschichten hier einzustellen, wurde aber auch darauf hingewiesen, dass sie jugendfrei sein müssen. Die Geschichten, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe, stehen allerdings online in einem besonderen Archiv, in dem es vor allem um Bewusstseinskontrolle (mind control) und eben auch Erotik geht. Besondere (Fetisch-)Kleidung ist dabei auch eine gern gesehene Kategorie, ist aber - während es hier Hauptsache ist - dort eher Nebensache. Dennoch enthalten alle meine Geschichten entweder Lycra oder Latex oder auch beides ... nur halt auch Erotik und mind control. Und die Geschichten sind auf englisch.


    Aber ich habe extra für dieses Forum meine neuste Geschichte genommen und sie ins Deutsche übersetzt und erotikmäßig etwas entschärft. An den Stellen, wo ich nicht noch mehr entschärfen konnte, habe ich auf die Originalgeschichte verwiesen (die Fundstelle nenne ich gern auf Einzel-Anfrage). Diese Geschichte eignet sich als Einstieg auch ganz gut, weil sie nicht Mind Control nicht in einem soooooo krassen Maße hat - es ist eben ein Krimi. Aber der Krimi spielt auch in einem besonderen Setting, nämlich in irgendeinem frei erfundenen westlichen Land, in etwa 10-20 Jahren, in dem die Todesstrafe gilt (keine Angst, das ist nur nebenbei wichtig ... dennoch: es ist ein Krimi, und da gibt es zumindest ein oder zwei Mordopfer).


    Selbstverständlich gilt, dass alle Namen, Personen, Unternehmen etc. frei erfunden und Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Verstorbenen rein zufällig sind. Auch handelt es sich um Fiktion, die für Kinder nicht geeignet ist und die in keinster Weise Rückschluss darauf zulässt, wie man Menschen behandeln sollte oder wie ich selbst dazu stehe. Es ist einfach nur ein erfundener Lycra-Krimi mit erotischen und mind-control-Elementen - mehr nicht.


    Es gibt insgesamt 12 Kapitel, heute starten wir mit den ersten beiden. Das zweite ist etwas länger, weil erstmal ein paar grundlegende Dinge erklärt werden müssen. Die weiteren Kapitel, die ich alle 2-3 Tage einstellen werde, sind etwas knapper. Ich hoffe, die Geschichte gefällt Euch. Ich würde mich jedenfalls über Feedback freuen - auch gerne zwischen den Fortsetzungen. Und ich kann die eine oder andere Fortsetzung auch gerne später einstellen. Oder ihr sprecht Euch ab, nicht öffentlich mitzuraten - dann kommen die Fortsetzungen etwas schneller. (Nur die, die von mir den Link zum Original bekommen oder die Geschichte schon selbst gefunden und weitergelesen haben, bitte ich nichts zu verraten, um den anderen nicht den Spaß zu verderben).


    ;) OK, lange Rede - kurzer Sinn: Viel Spaß beim Lesen und Mitraten!

  • Out of Mind-Control – ein Lycra-Krimi

    von Catsuit78


    = Kapitel 1 – 2802 =

    Janine lächelte glücklich als sie aus dem Bus stieg. Es war ein sonniger Sommermorgen und sie freute sich schon auf den Feierabend. Zwar war dieser eigentlich zum Greifen nah, doch sie reihte sich zunächst in den Schwarm ihrer Kollegen ein, der Schichtbeginn und Haupteingang entgegen strebte. Sie begrüßte einige von ihnen und verabredete sich für ein paar schöne Stunden nach Feierabend am Strand. Obwohl sie erst einen Monat in der Firma arbeitete, hatte sie schon ein paar Freunde gefunden – und das war großartig, denn sie war auch neu in der Stadt.


    Janine und die anderen gingen durch die gläsernen Automatiktüren und vorbei an einer der immer freundlich lächelnden jungen Empfangsdamen. Einige von ihnen begaben sich in die unteren Stockwerke, während Janine und die restlichen Kollegen einen großen Aufzug betraten, der sie nach oben beförderte.

    “28-02 ... 28-02 ...” sagte sie im Umkleidebereich immer noch zu sich selbst, obwohl sie schon längst auswendig wusste, welchen Gang sie zu nehmen hatte. Sie stoppte vor ihrem Spind, drückte ihren rechten Zeigefinger auf den kleinen Scanner und die Tür sprang auf. Janine öffnete sie ganz, holte eine Chipkarte aus ihrer Tasche und steckte sie in einen dafür vorgesehenen Schlitz. Eine kleine Anzeige informierte sie über die anstehenden Aufgaben und ein kleiner Plastikbeutel schlitterte durch einen Schacht in den Spind. Janine öffnete ihn und holte einen weißen Lycra-Catsuit hervor.


    Sie zog sich sofort komplett aus und stopfte all ihre Sachen in den Spind. Sie durfte ihre Unterwäsche eigentlich anbehalten, aber sie hatte recht schnell rausgefunden, dass sie das enge und glatte Material am liebsten mochte, wenn es ihre Haut überall berührte. Und sie wusste, dass viele ihrer Kollegen/innen es ihr gleich taten.


    Janine öffnete den Frontreißverschluss und setze sich auf die Bank im Gang. Sie ließ den rechten Fuß in den Anzug schlüpfen und erlaubte dem dünnen Material, ihre glattrasierten Beine Stück für Stück zu umschließen. Dann steckte sie den linken Fuß hinein, stand auf und zog den Anzug Richtung Schritt. Diesen Teil der morgendlichen Umkleideprozedur mochte sie am liebsten; und so atmete sie tief ein und zog den Anzug langsam und genüsslich an sich hoch.

    Als er sich sanft und fest zugleich an ihren Schritt angeschmiegt hatte, erinnerte sich Janine daran, dass sie sich beeilen musste. Und so zog sie den Anzug über ihre Hüfte, steckte ihre Arme hinein, nahm ihre langen dunkelblonden Haare, verzwirbelte sie einmal kurz, stopfte sie auf den Rücken unter den Anzug und stülpte schließlich die gesichtsoffene Haube von hinten über ihren Kopf. Dann griff sie nach dem Zipper auf ihrem Bauch und zog ihn nach oben bis zum Kinn, sodass der weiße glänzende Stoff des Catsuits sie nun komplett – lediglich mit Ausnahme ihres Gesichtes und ihrer Hände – umhüllte.


    Janine ließ ihre Hände über ihre neue weiße makellose Haut gleiten, über ihre festen Brüste und ihren flachen Bauch. Sie genoss die Berührungen und den Druck des Anzugs für einen Moment und schloss die Augen. Wiederum musste sie sich an die Zeitvorgabe von 15 Minuten für das Umziehen erinnern. Daher ließ sie ihre Hände noch einmal schnell durch ihren Schritt gleiten, setzte sich wieder und schlüpfte in ein Paar weißer knöchelhoher Chucks. Sie grinste. Hier zu arbeiten – und vor allem in solchen Outfits – war für sie ein echter Hauptgewinn. Sie würde diesen Job nie mehr hergeben wollen.


    Janine bemerkte schließlich noch, dass die etwa 8 cm breiten Streifen an ihrem Anzug, die an den Seiten vom Hals über die Arme bzw. von den Achselhöhlen am Körper bis zu den Knöcheln entlang liefen, heute blau waren. Ihre Personalnummer 2802 war zudem in blau auf ihrer Brust aufgedruckt.


    „OK, heute also Buchhaltung und Steuern...“ sagte sie zu sich selbst, schloss den Spind und begab sich den Gang entlang, an dessen Ende sie abbog und auf weitere Frauen in weißen Ganzanzügen traf. Ihre Catsuits hatten auch blaue Streifen, aber auch rote, grüne, orangefarbene, lilafarbene oder gelbe. Nach jedem weiteren Quergang stießen mehr und mehr Frauen und schließlich auch Männer hinzu. Jeder schien sich sehr auf die Arbeit zu freuen und keinem war das Outfit auch nur im Geringsten peinlich. Einige taten sogar so, als würden sie noch die eine oder anderen Falte glätten, nur um das Gefühl zu genießen, in dem Anzug berührt zu werden.


    Alle betraten schließlich eine große Halle mit hunderten von Arbeitsplätzen, die jeweils mit dem gleichen Tisch, Bürostuhl, Telefon und Computer ausgestattet waren. Zudem waren sie alle mit etwa 1 m hohen Wänden umgeben. Die lycraverpackten Angestellten begaben sich geordnet in verschiedene Gänge und verteilten sich auf bestimmte Arbeitsplätze.



    Janine ging auch zu ihrem Platz, schaltete den Computer an und rollte mit dem Bürostuhl dicht an den Schreibtisch. Als der Stuhl in der vorgesehenen Position stand, klappte aus der Rückenlehne ein Gestänge zu ihrem Nacken aus, an dessen Ende sich ein Kabel und ein Stecker befanden. Janine strich noch einmal schnell und genüsslich über ihre lycrabedeckte Brust. Sie atmete erregt ein, räusperte sich dann aber, da sie wusste, was nun anstand. Sie streckte ihre Arme nach hinten aus, griff mit der rechten Hand nach dem Stecker und suchte mit der linken Hand nach der kleinen Nackenöffnung im Anzug. Als sie die kleine metallene Buchse in ihrem Nacken gefunden hatte, drückte sie den Stecker bis zum Anschlag hinein.


    Dann legte sie ihre Unterarme auf die Armlehnen, positionierte sich im Stuhl und sah auf den Monitor auf dem Schreibtisch. Das gewohnte Fenster erschien und zeigte einen Countdown von 10 Sekunden an. Wie immer zählte Janine den Countdown leise mit: „... fünf, vier, drei, zwei, eins...“ – und dann wurde alles schwarz.



    Was Janine nicht mehr mitbekam, war dass ihr Körper für einen Moment all seine Anspannung verlor, ihr Unterkiefer aufklappte und sie regungslos mit leeren Augen geradeaus starrte. Doch dann erzitterte ihr Körper kurz, kam wieder zu Leben und nahm eine sehr aufrechte und orthopädisch perfekte Sitzposition ein. Janines Blick war plötzlich voller Energie, und ihre Hände griffen nach der Maus und der Tastatur auf dem Tisch. Janine blinzelte zweimal.

    „Drone 2802 aktiviert und verbunden. Drone 2802 funktionsbereit.”


    Dann erschien auf dem Monitor ein neues Fenster mit der Überschrift ‘heutiger Tagesplan’. Janine – bzw. 2802 – sah sich die erste Aufgabe an und blinzelte wiederum zweimal.


    „Bereite Gewerbesteuererklärung für Kunde Nr. 0919-2017 vor, Drone 2802 wird gehorchen,“ sagte sie mit ruhiger Stimme, öffnete verschiedene Dateiordner und Programme, überprüfte die Zahlen und sortierte Dokumente, füllte die amtlichen Vordrucke online aus usw., usw.


    Nach etwa vier Stunden ohne eine Sekunde Pause oder Ablenkung schloss 2802 alle anderen Fenster auf dem Monitor und markierte die erste Aufgabe im Tagesplan-Fenster als erledigt. Sie wollte dann nach der nächsten Aufgabe sehen, doch der Monitor wurde plötzlich schwarz. 2802 runzelte die lycrabedeckte Stirn und streckte ihre Hand bereits nach dem IT-Notfallknopf auf dem Telefon aus, aber hielt kurz inne als der Monitor wieder zum Leben erwachte und den Tagesplan anzeigte. 2802 las die nächste Aufgabe pflichtgetreu und ohne darüber nachzudenken vor:

    „2802 wird den Ordner ‚wichtige Steuerunterlagen‘ aus dem Schreibtisch nehmen und sich zum CEO begeben, um wichtige interne Steuersachen zu besprechen. In seinem Büro – und erst dann – wird 2802 die Pistole aus dem Ordner nehmen und den CEO erschießen. 2802 wird auf weitere Instruktionen warten. 2802 wird gehorchen.“


    Doch bevor 2802 den Befehl ausführen konnte, erschien noch ein weiteres Fenster auf dem Monitor und informierte sie, dass ein mobiles Steuerungsprogramm gerade installiert wurde, sodass sie danach die Verbindung im Nacken trennen können würde. Und so zog sie, als das Fenster verschwand, den Stecker aus ihrem Nacken, öffnete die Schreibtischschublade, nahm den Ordner an sich, stand auf und ging leise den Gang entlang und aus der Halle heraus, nahm den Aufzug zur obersten Etage, ging zum Büro des Vorstandsvorsitzenden, zeigte auf den Ordner und sprach die Frau an, die vor dem Büro an ihrem Schreibtisch saß.


    „2802 muss sehr eilige interne Steuerangelegenheiten mit dem CEO besprechen. Es dauert nur fünf Minuten.“


    „Jetzt gerade nicht. Die Leiterin der Arbeitseinteilung spricht gerade mit ihm. Warte da drüben und ich schaue, was ich tun kann,“ sagte die Frau und zeigte auf eine Couch. 2802 nickte, ging zur Couch, aber setzte sich nicht hin, da ihr die Frau ein Hinsetzen nicht befohlen hatte. Sie stand nur da und schaute starr geradeaus, den Ordner mit ihren Armen fest vor die Brust gepresst.


    „Chef? Da ist eine Drone aus der Buchhaltung, die Sie in einer dringenden Angelegenheit sprechen möchte,“ sprach die Frau in die Sprechanlage. Zunächst kam keine Antwort, doch dann schien der CEO die Sprechtaste zu drücken, obwohl das Gespräch im Büro noch im Gange war.


    „... das nicht mehr lange mitmachen! Du wirst schon noch sehen, was du von deiner Dickköpfigkeit haben wirst!“ hörte man eine Frau schreien.

    „Halt die Klappe, Nora! In dieser Sache bewegst du dich auf allzu dünnem Eis!“ bellte der CEO zurück und sprach dann mit gemäßigter Stimme in die Sprechanlage, „Ähm ... Ja, ich denke, wir sind hier mehr als fertig. Schicken Sie die Drone rein!“


    Einen Moment später stürmte eine junge, lässig gekleidete Frau mit einer blonden Kurzhaarfrisur mit langem Seitenscheitel und schwarzer Hornbrille aus dem Büro. Als sie 2802 erblickte, zögerte sie für einen Moment, lief dann aber kopfschüttelnd und sich leise über den CEO beschwerend weiter Richtung Aufzug. Die Frau hinter dem Schreibtisch sah zu 2802 herüber und gewährte ihr Einlass. 2802 nickte bestätigend, begab sich in das Büro und schloss die Tür hinter sich.

    Nur Sekunden später hörte die Frau einen Schuss aus dem Büro. Sie sprang von ihrem Stuhl auf und schrie n Richtung der Verwaltungsbüros: „Was war das?! Hilfe! Das war doch ein Schuss! Ruf doch jemand die Polizei! Hilfe!”


    Sie sprintete zur Tür, riss sie auf, schaute hinein, sah aber nur die lycrabekleidete Drone mit einer Pistole in der Hand. Die junge Frau schaute zur Sekretärin, blinzelte zweimal, sagte „Drone 2802 wird gehorchen“ und betätigte den Abzug ein zweites Mal...




    = Kapitel 2 – Tatort =

    “Mensch, Trish!” rief der Inspektor vom Beifahrersitz als seine Kollegin den Wagen durch die engen Innenstadtstraßen manövrierte. „Wir haben schon zwei Tote! Und die laufen auch nicht weg. Also mach mal etwas langsamer!“


    Trish seufzte, schaltete Blaulicht und Sirene aus und schwamm mit dem normalen Verkehr mit. Sie war neu in der Mordkommission und immer noch an die Verfolgungsjagden aus ihrer Zeit im Rauschgiftdezernat gewöhnt. Sie war ohnehin das genaue Gegenteil des Inspektors – immer unter Strom, voller Energie und vielleicht etwas zu wenig analytisch.


    Aber sie mochte den Inspektor, der nur zwei oder drei Jahre älter war als sie, wirklich sehr. Obwohl sie überwiegend das weibliche Geschlecht bevorzugte, hatte sie sich irgendwie in den Inspektor verknallt als sie vor zwei Wochen im Büro ihres Vorgesetzten einander vorgestellt worden waren. Trish drehte ihren Kopf mit den dicken braunen schulterlangen Locken zum Inspektor und lächelte keck.


    „OK, also die Lektion des heutigen Tages: Zurückhaltung und Ruhe sind die Schlüssel zur höchsten Verurteilungsrate im Bezirk, Inspektor?“


    “Bitte, ich hab’s dir doch schon mal gesagt ... nenn mich Frank,“ lächelte der Inspektor zurück. Er mochte Trishs Aufgeschlossenheit und Pfiffigkeit ebenso wie ihre großen grünen Augen und die Art und Weise, wie sie ihren athletischen Körper in engen Klamotten, üblicherweise in engen Jeans und Shirts sowie einer knappen kurze Lederjacke, präsentierte.


    „Nun, vielleicht deswegen, ja...“ lachte er leise vor sich hin, als Trish den Wagen vor dem Eingang parkte, „Aber es geht halt immer um die ganzen kleinen Details. Glaub‘ nicht alles, was die Leute dir sagen, aber lass‘ sie immer in dem Glauben, dass du es tust. Sammle einfach die Fakten, werte die Spuren aus ... und dann verstehst du schon.“



    Als Trish und der Inspektor die Eingangshalle betraten, sah eine junge Frau hinter einem Pult von ihrem Laptop zu ihnen hoch und lächelte ihnen zu. Die Beamten gingen direkt zu ihr und je näher sie kamen, desto mehr konnten sie von ihrem Outfit erkennen.


    Sie trug ein glänzendes enges Kleid aus extra starkem silbernen Lycra, das keine Ärmel, aber einen tiefen Ausschnitt hatte. Das Kleid ging ihr bis in die Mitte der Oberschenkel und sowohl die Armöffnungen als auch der Ausschnitt waren von aufgedruckten türkisfarbenen Streifen gesäumt. Anscheinend war ein Korsett zwischen das doppellagige Lycra eingearbeitet und so streng geschnürt worden, dass ihre ohnehin nicht unbeträchtlichen Brüste noch etwas mehr betont wurden. Trish, die zumindest eine besondere Vorliebe für enge und glänzende Bekleidung hatte, fiel zudem auf, dass die Frau unter dem Kleid einen türkisfarbenen Wetlook-Ganzanzug trug, der sie vom Hals herab – bis auf die Hände – komplett bedeckte. Der silberne Schriftzug ‚IM-03‘ war mitten auf ihrer türkisfarbenen Brust aufgedruckt. Ihre Beine endeten in hochhackigen silbernen Stiefeletten und ihr platinblondes Haar war zu einem Dutt hochgesteckt. Alles in allem war sie von Kopf bis Fuß durchgestyled und sah makellos aus, nichts war dem Zufall überlassen. Nicht ein einziges Haar war nicht perfekt arrangiert.


    Die Frau sah die beiden Beamten mit ihren eisblauen Augen an, legte den Kopf schräg und sagte mit einer freundlichen, aber schwunglosen Stimme: „Guten Tag mein Herr, meine Dame. Mein Name ist Jenny. Ich bin Ihre Informationsmanagerin IM-null-drei. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“


    Als sie den Kopf wieder in die Ausgangsposition zurückschnellen ließ, zeigte ihr der Inspektor seinen Dienstausweis. Doch bevor er sich und Trish vorstellen konnte, sprach die junge Frau schon weiter und zeigte zu den Türen hinter ihrem Rücken.


    „Ich verstehe, ... Inspektor ... Frau Kommissarin. Sie wurden von Ihrer Dienststelle bereits angekündigt. Ihre Kollegen sind schon oben. Bitte nehmen Sie einen der Aufzüge zur obersten Etage, gehen Sie am Verwaltungsbereich vorbei direkt zum Büro des – ehemaligen – CEO. Sie werden dort erwartet.“


    „Ähm, danke ...“ sagte Trish verdutzt und begleitete den Inspektor zu den Aufzügen. Beide schauten sich noch einmal nach der Frau um. Während Trish deren enges glänzendes Outfit nochmals bewunderte, entdeckte der Inspektor eine kleine metallene Box mit blinkenden LEDs und einer kurzen Antenne im Nacken der Frau. Er zog seinen altmodischen Notizblock aus der Tasche und hielt seine Beobachtungen mit einem Bleistift fest.



    “Merkwürdige Dinge spielen sich hier ab. So viel steht jetzt schon fest. Und damit meine ich nicht nur das extravagante Outfit der jungen Dame da unten,“ sagte der Inspektor, als die beiden den Aufzug verließen und zum großen Schreibtisch vor dem Chefbüro gingen, „... und IHR Outfit auch nicht!“


    Eine Frau stand neben dem Schreibtisch, bekleidet mit einem schwarzen Lycra-Catsuit mit breiten orangefarbenen Streifen an den Seiten. Der Anzug, auf dessen Brust die Nummer 1703 orangefarben aufgedruckt war, bedeckte alles bis auf ihr Gesicht. Dazu trug die Frau schwarze enge Gummistiefel und schwarze Gummihandschuhe.


    Trish versuchte, sich und den Inspektor vorzustellen und zeigte der Frau ihren Dienstausweis. Aber die Frau reagierte kein bisschen, sie sah nur starr geradeaus und blinzelte ab und zu. Trish zuckte mit den Schultern und bewegte ihre Hand vor dem teilnahmslosen Gesicht der Frau hin und her, während der Inspektor feststellte, dass auch diese Frau das kleine elektronische Empfangsgerät im Nacken trug.


    „Sie wird Ihnen nicht antworten. Diese Drone ist im Wartemodus,“ sagte eine Frau, etwa Ende Vierzig in einem hochwertigen Hosenanzug, die zu ihnen kam und ihre Hand zur Begrüßung ausstreckte. „Guten Tag, ich bin Frau Meister, Melissa Meister, die Vorstandsassistentin. Und Sie müssen hier sein, um in dieser Tragödie zu ermitteln.“


    „Ja, das sind wir,“ entgegnete der Inspektor, stellte sie beide vor und runzelte die Stirn. „Ähm, wie haben Sie sie gerade genannt? Drone?“

    “Ja, Dronen sind die Angestellten, die an unserem Effizienzsteigerungssystem – ESS – teilnehmen.“


    Währenddessen sah sich Trish den lycraverpackten Körper der Frau etwas genauer an und kicherte leise als sie die kleinen Ausbeulungen sah, die die Brustwarzen der Frau unter dem schwarzen Lycra erzeugten: „Also ich mag Ihren Bekleidungsstil ... oder zumindest desjenigen, der hier für die Arbeitskleidung verantwortlich ist. Doch allein die Bekleidung macht sie nicht zu einer Drone, oder?“


    “Korrekt. Nun, dieses Unternehmen ist eines der größten nicht nur im Bereich der industriellen Automatisierung und Ablaufplanung, sondern auch in der Kybernetik. Wir haben ein Implantat entwickelt, das – einmal im Nacken installiert – sich sofort mit den Nervenbahnen im Rückgrat verbindet. Daran kann ein Datenanschluss oder eine Fernsteuerungseinheit angeschlossen werden, um die Drone mit allen erforderlichen Daten zu versorgen und sie allein auf die Arbeitsaufgaben zu fokussieren.“


    „Diese Drone zum Beispiel,“ fuhr die Assistentin fort, „ist unserer Reinigungsabteilung zugeordnet, was man anhand der Farbgebung des Anzugs erkennen kann. Ein schwarzer Anzug steht für die Abteilung ‚Wartung, Sicherheit und Reinigung‘. Die Streifen stehen für die Arbeitsaufgabe, in diesem Fall Reinigung. Ich hatte 1703 hierher gerufen, um das Büro zu reinigen, wenn Sie fertig sind.“


    “Faszinierend,” sagte der Inspektor und sah sich die schwarz gekleidete Frau nochmals an, während Trish ihren Kopf schüttelte, einerseits angeregt durch die enge Uniform, aber auch irritiert wegen der erfolgten Gehirnwäsche.



    Als die Assistentin, Trish und der Inspektor schließlich das Chefbüro betraten, fiel ihnen sofort die im Gegensatz zur äußerst modernen Architektur des übrigen Gebäudes sehr altbackene Einrichtung des Büros auf. Die Wände des breiten Raumes waren mit Eichenfurnier verkleidet, am einen Ende stand ein großer Konferenztisch, am anderen ein alter, fast schon antiker Schreibtisch. Die Leiche im ledernen Chefsessel hatte man mit einem Tuch ebenso abgedeckt, wie die Leiche auf dem hochflorigen dunkelgrünen Teppichboden. Drei Polizeibeamte waren dabei, den Raum zu vermessen und Bilder zu schießen, ein kahlköpfiger Mann in einem weißen Laborkittel sah aus dem Fenster. Der Inspektor kniete sich zunächst neben die Leiche auf dem Fußboden, hob das Tuch an und sah den weißen Lycra-Anzug.


    „Auch eine ihrer sehr fokussierten Angestellten?“ fragte Trish schnippisch.


    „Ähm ... ja,“ räusperte sich die Assistentin, „2802 war heute dem Bereich Buchhaltung und Steuern zugeteilt. Ich saß an meinem Schreibtisch als sie mich um ein kurzes Gespräch mit dem CEO bat. Sie ... sie müssen verstehen, da war nichts Merkwürdiges dran. Sie war im Dronen-Modus und solange kann eine Drone keine eigenständige Entscheidung treffen, die im Konflikt zur Arbeitsaufgabe steht ... und ... Ach, ich zeige es Ihnen einfach.“



    Die Assistentin verließ das Büro und begab sich zurück zur lycrabekleideten Frau, die immer noch regungslos neben dem Schreibtisch wartete.

    „Es gibt unzählige Absicherungen, damit die ESS-Technik nur innerhalb der Arbeitszeit und nur innerhalb eines umgrenzten Bereichs funktioniert. Außerdem ist die Technik auf die Arbeitsaufgabe beschränkt. Bürodronen sind sogar mit einem Kabel angeschlossen, um sie an ihrem Schreibtisch zu halten. Sollen sie ihren Arbeitsplatz verlassen, müssen sie zunächst auf ein mobiles Steuerungsprogramm upgedated werden ... und dessen Funktion ist auch auf nur eine Stunde limitiert.“ Dann sprach sie mit der wartenden Reinigungskraft: „1703, Reaktivierung!“


    Die lycrabekleidete Frau blinzelte zweimal, sah die Assistentin an und sagte ruhig: „Wie kann 1703 Ihnen behilflich sein? Soll 1703 mit der Reinigung beginnen?“

    „Nein, 1703, ich möchte, dass Du einen der Computermonitore nimmst und ihn aus einem Fenster wirfst!“ befahl ihr die Assistentin und grinste den wartenden Beamten süffisant zu.


    „Das tut mir leid. Das ist nicht Teil meiner Arbeitsaufgabe. Bitte wenden Sie sich an die Entsorgungsabteilung oder die Haustechnik,“ erklärte 1703.


    „Na gut. Dann verpass‘ mir eine Ohrfeige und danach Dir selbst auch eine!“ versuchte es die Assistentin nun, aber die Drone reagierte nicht. Stattdessen fing ihr Körper an zu zittern.


    „Negativ! Dies ist ... nicht Teil meiner Arbeitsaufgabe. Verletzung der ... Sicherheitsbestimmungen. Sofortige Abschaltung ... erforderlich,” stotterte die Drone, schloss ihre Augen und als sie sie wieder aufmachte, verlor ihr gesamter Körper seine Spannung. Die Frau sah sich verwundert um und räusperte sich: „Frau Meister? Was ist passiert? Habe ich schon Feierabend? Das ist doch nicht die Umkleide ... Ich verstehe nicht.“


    „Keine Sorge, ich habe nur die ESS-Absicherungen vorgeführt. Alles ist in Ordnung. Bitte gehe wieder zurück in den Dronen-...“

    “Stop!” schritt Trish ein und stellte sich zwischen die beiden Frauen. Die Reinigungskraft erhaschte einen Blick auf Trishs Dienstausweis, der halb aus der Brusttasche ihrer Lederjacke heraus ragte. „Ja? Ist wirklich alles in Ordnung?”


    “Ich würde nur gerne was wissen... Finden Sie es nicht merkwürdig, versklavt zu werden, indem Sie von Ihrem Arbeitgeber eine Gehirnwäsche erhalten?“ fragte Trish harsch.


    „Ähm ... es ... es ist eine sichere Technologie. Die Idee dahinter ist, die Basis für eine gesunde und effiziente Arbeitsbeziehung zu schaffen. Ich werden nicht abgelenkt, ich gehe nicht zu früh, ich beachte alle Sicherheitsbestimmungen,“ erklärte die Frau stolz und klang dabei, als habe sie die Worte aus einer Broschüre oder einem Werbefilm gelernt.


    „OK, aber inwiefern profitieren SIE bei dieser Sache?“ ließ Trish nicht los.


    „Naja, die Arbeitszeit vergeht wie im Flug. Ich verbinde mich mit dem System, zähle von 10 rückwärts und eine Sekunde später ist meine Schicht vorbei und ich kann nach Hause gehen. Und ich bekomme einen höheren Stundenlohn als eine vergleichbare Nicht-Drone. Und dieser Anzug ...“ sagte die Frau, atmete tief ein, sah an ihrem glänzenden Körper herab und streichelte sich über den Bauch.


    Doch ganz plötzlich verschwand ihr Lächeln. Sie ließ ihre Arme wieder herabhängen und nahm Haltung an: „Drone 1703 reaktiviert und verbunden. 1703 funktionsbereit.“


    „OK, das reicht jetzt aber,“ sagte die Assistentin, legte eine kleine Fernbedienung wieder zurück auf ihren Tisch und führte die Beamten zurück in das Chefbüro. „Sie sind ja nicht hier, um das Meinungsbild unserer Angestellten abzufragen, sondern eher, um einen Mordfall zu lösen. Und ich hoffe, dass Sie nun verstehen, dass es einer Drone nicht möglich ist, jemanden zu töten ... ja nicht mal, jemandem eine Ohrfeige zu verpassen. Die Technologie ist sicher.“



    „Nein, ist sie nicht!“ unterbrach sie der Mann im weißen Laborkittel mit unangemessen lauter Stimme. Er war von drahtiger Gestalt und trug eine kleine runde Brille. Er schaute noch immer aus dem Fenster auf den Platz vor dem Haupteingang, wo sich gerade eine Menschenmenge mit Protestplakaten zu bilden begann.

    „Da sind sie wieder, immer pünktlich, jeden Montag um 15 Uhr, angeführt von dem Wichtigtuer. Diese Technikverweigerer, genauso dickköpfig wie der Chef. Sie sehen einfach nicht, dass sich die Welt ändert und man nichts dagegen tun kann,“ murmelte er vor sich hin, drehte sich dann aber um und schüttele dem Inspektor und Trish die Hand: „Dr. Gresslich, Leiter der Forschungsabteilung. Nun, unser verstorbener CEO war ein industrieller Dinosaurier. Ich hatte ihm immer gesagt, dass diese ESS-Technologie vielleicht gut genug war, um schnelles Geld zu machen, aber auch anfällig für Sabotage ... wie Sie sehen können. Er weigerte sich beharrlich, in eine neue und sichere Technologie zu investieren, meine Technologie. Aber was soll’s? Ich bin ja nur ein kleiner Miteigentümer; er hatte immer das letzte Wort.“


    „OK, und was ist dann Ihre Technologie, Doc?“ fragte der Inspektor neugierig und zog sein Notizbuch aus der Tasche.


    „Naja, ich kann Ihnen keine Details verraten, da ich mit den Strafvollstreckungsbehörden und dem Innenministerium zusammenarbeite. Wir suchen nach einer Möglichkeit, rechtskräftig verurteilte Schwerverbrecher in der Todeszelle dauerhaft zu Dronen zu machen ... damit sie quasi ihre Schuld gegenüber der Gesellschaft wieder wettmachen.“


    „Jaha! Kostenlose Arbeitssklaven für die Industrie ... Zombies, die im Park den Müll wegräumen oder als Sexpuppen oder Kanonenfutter verheizt werden. Ich ... ich bin so angeekelt von Dir und Deiner sogenannten Forschung!“ bellte ihn die Assistentin an.


    „Na gut! Vergessen Sie es! Meine Zeit ist zu wertvoll, um hier weiter vergeudet zu werden. Falls Sie weitere ... sinnvolle Fragen haben, machen Sie bitte einen Termin aus,“ blaffte der Wissenschaftler und hielt eine Visitenkarte hoch.


    „Bitte, Doktor,“ versuchte ihn der Inspektor zu beruhigen, „vielleicht sind Sie ja noch so nett und beantworten mir noch eine weitere Frage. Ich versuche hier einfach nur die Puzzleteile zusammen zu setzen.“


    „OK, aber schnell ... Inspektor! Und ansonsten sagen Sie ihrer Sekretärin, dass sie mit meiner Sekretärin einen Termin absprechen soll,” sagte Dr. Gresslich gelangweilt und gab die Karte an Trish weiter, die sie ihm mit knirschenden Zähnen aus der Hand schnappte.


    „Ist es möglich, die Programmierung einer Drone abzuändern ... ihr eine andere Arbeitsaufgabe zuzuweisen, egal welche?“


    “Wir haben hier keine Killer-Drohnen, falls Sie das meinen. Und wie ich schon sagte, meine Zeit ist einfach zu kostbar für sowas...“ seufzte der Wissenschaftler und verließ das Büro.



    “Und die Leute da draußen? Wer sind die? Und wer ist der ‚Wichtigtuer‘?“ wandte sich Trish nun an die Assistentin.


    „Ein Computerfreak, Studienkollege und ehemaliger Kollege von Dr. Gresslich,“ rollte Frau Meister mit den Augen. „Nach einem Unfall hier in der Firma und einem Rechtsstreit gegen uns gründete er mit anderen Nerds eine Gruppe, die sich gerne in die IT großer Unternehmen hackt, um ihre Verwundbarkeit aufzuzeigen. Aber wir sind eine echte harte Nuss, denn die Dronen sind nur mit dem ESS verbunden und das ESS ist vom Internet getrennt. Sie können also gar nicht von außen zugreifen.“


    „Also ist das nur seine Rache oder was wollen die?“ bohrte Trish nach und grübelte.


    „Oh, nur billige Meinungsmache. Er hat in den Demonstranten ein paar gefügige Schreihälse gefunden, die das ESS und unsere Forschung missbilligen. Ach ja, er ist übrigens der Typ in dem Rollstuhl mit dem Laptop auf dem Schoß, das er rund um die Uhr eingeschaltet hat.“


    „Danke, Frau Meister. Ähm, wissen Sie zufällig, was der Doc damit meinte, als er sagte, er sei ja nur ein kleiner Miteigentümer?“ fragte nun der Inspektor und grinste. „Es tut mir leid, aber es ist wegen meines Vorgesetzten. Er sitzt mir im Nacken und will immer möglichst viele Details in meinem Bericht sehen.“

    „Kein Problem, Inspektor. Der Verstorbene hielt 51% der Anteile, Dr. Gresslich hält 20% und der Rest gehört einer Gruppe von leitenden Mitarbeitern. Daher konnte der Doktor bislang keine strategische Entscheidung ohne den CEO machen ... und nun nicht ohne Lilly und Laura.“


    „Lilly und Laura?“ hakte der Inspektor nach und notierte die Namen.


    „Ja, der CEO hatte zwei Töchter. Laura, die ältere Tochter, soll sowieso seine Nachfolgerin werden. Sie studiert in Japan, ich habe sie schon informiert und sie wird den nächstmöglichen Flug nehmen.“


    „Und Lilly, nun ja...“ seufzte die Assistentin, „sie ist die jüngere und hatte schon ziemliche psychische Probleme, nachdem ihre Mutter vor drei Jahren verstorben war. Sie ist eine Angestellte hier im Haus und wird 20% der Anteile erben, aber ich gehe davon aus, dass sie diese direkt nach der Testamentseröffnung an Laura überschreiben wird. Sie ist nervlich nicht so robust aufgestellt. Sie hat mich auch darum gebeten, den restlichen Tag frei bekommen zu können.“


    „OK ... wir kümmern uns um Laura, wenn sie ankommt. Vielleicht sollten wir unsere japanischen Kollegen bitten, sie zum Flughafen zu begleiten. Und wir müssen ein Auge auf Lilly halten,“ schlug Trish vor, da die Person hinter dem Mord vielleicht auch vor den Kindern des CEO nicht Halt machen könnte.

    „Ja, stimmt,“ bestätigte der Inspektor. „Bitte ruf Kommissar Müller an. Er soll Japan verständigen und dann Lillys Wohnung beobachten. Morgen früh löst du ihn ab und bleibst an ihr dran bis ich dazu komme, OK?”


    Trish nickte, zog ihr Handy aus der Gesäßtasche ihrer knallengen Jeans und verließ das Büro.


    „Wenn ich etwas vorschlagen dürfte, Inspektor,“ sagte die Assistentin. „Die Abteilung, in der Lilly arbeitet, ist ziemlich ... naja ... gleichförmig. Ihre Kollegin würde sofort auffallen. Aber ich könnte ihr eine Personalnummer zuweisen, damit sie Lilly ungestört folgen kann. Sie müsste sich aber genau so kleiden wie die anderen und müsste so tun, als wäre sie bei der Arbeit.“


    „Exzellente Idee, Frau Meister. Ich denke, das mit der Kleidung wird ihr nicht schwer fallen...“ sagte der Inspektor lächelnd und weihte Trish in den Plan ein als sie zurückkehrte. Trish war für einen Moment etwas zurückhaltend, aber dann stimmte sie zu, denn ein Undercover-Einsatz würde ihr sicher gefallen, zudem sah er das Tragen dieser engen Lycrakleidung als Tarnung vor.



    Der Inspektor und Trish verabschiedeten sich und gingen zurück zum Aufzug. Doch nach nur wenigen Schritten drehte sich der Inspektor plötzlich um, hob eine Hand und ging zurück zur Assistentin.


    „Da wäre nur noch eine Sache... Ich kenne mich nicht wirklich aus in diesen ganzen Computerdingen, aber werden die Handlungen der Drohnen nicht irgendwie aufgezeichnet ... wie so eine Art Verlaufsprotokoll? Haben Sie Zugriff auf sowas? Ich meine, jetzt wo wir schon hier sind ... und, naja, ich will das so dezent wie möglich behandeln und nicht unbedingt ihre Jungs aus der IT oder dem Personalbüro da mit reinziehen...“


    „Ja selbstverständlich, Inspektor,“ sagte Frau Meister und ging zu ihrem Schreibtisch. Sie gab ein Passwort ein und tippte, scrollte durch verschiedene Fenster, aber seufzte schließlich und schüttelte den Kopf. „Tut mir leid ... die Aufzeichnungsdaten von 2802 enden mit dem Abschluss ihrer Arbeitsaufgabe für den Kunden 0919-2027.“


    „Keine Sorge,“ sagte der Inspektor und legte seinen rechten Zeigefinger an seine Nase um nachzudenken.


    „Gibt es keine Sicherungskopien? Sichern Sie diese Daten nicht auf mehreren Medien?“ unterbrach Trish die Gedanken des Inspektors.

    „Nun, ich bin alle unsere Server durchgegangen ... aber ja, es gibt noch ein Speichermedium.“


    „OK? Warum sehen wir es uns dann nicht mal an? Lassen Sie mich raten ... Die Daten befinden sich auf dem Rechner des CEO und Sie haben nicht die erforderliche Sicherheitsfreigabe?“ fragte Trish ungeduldig.


    „Nein, nein. Ich bin immerhin Leiterin der IT-Sicherheit. Es ... es ist einfach deswegen nicht möglich, weil 2802 diese Daten zerstört hat, als sie eine Kugel in ihren Kopf jagte. Das Implantat nutzt inaktive Bereiche des Gehirns, um einen kleinen Datensatz zu speichern. Man kann damit etwa eine Stunde rekonstruieren. Aber wenn kein Gehirn mehr übrig ist ...“ erklärte die Assistentin achselzuckend und seufzte.

  • Erst einmal vielen Dank für diese neue Geschichte. Das ist thematisch wirklich mal was ganz Neues ...


    Einerseits reizt die Vorstellung von Lycra als (Büro)arbeitskleidung ungemein, andererseits ist das Szenario auch sehr beklemmend. Erinnert so ein wenig an diverse SciFi-Filme aus früheren Jahrzehnten, finde ich. So eine willenlose Arbeiterschaft ... uniforme Kleidung usw.


    Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

  • Catsuit78

    Vorab erst mal herzlichen Glückwunsch.

    Du hast es immerhin geschafft, dass ich gestern Abend über eine halbe Stunde lang nicht einschlafen konnte, weil ich an deine Geschichte denken musste. Selbst heute tagsüber habe ich paar mal dran gedacht. Schlecht für mich, gut für dich. Die beste Voraussetzung für einen guten Krimi.


    Wie der Graf es auch schon feststellte, ist deine Geschichte recht beklemmend für uns fortschrittsgläubige Leute. Einen Netzwerkanschluss im Nacken zum Gehirn zu haben widerspricht irgendwie ethischen und moralischen Gesichtspunkten.

    Eine Drohne, so wie wir sie 2018 kennen als Flugobjekt, welches "gute" Aufgaben erledigt wie Fotos im unwegsamen Gelände zu schießen oder Medikamente bzw. dringend benötigte kleine Dinge auszuliefern ist ja schon möglich. Ebenso die "bösen" Aufgaben,, dass eine Drohne Waffen tragen kann und die auch einsetzt. (OK, du schreibst Drone statt Drohne).

    Aber Dinge wie das von dir beschriebene ESS in 15-20 Jahren schon serienreif einzusetzen halte ich doch für sehr verfrüht.


    Nun denn.

    Wer auch immer "2802" veranlasst hat, den Geschäftsführer umzubringen, und welche Rolle der undurchsichtige Dr. Gresslich spielt (bei seinem Namen denke ich immer an das Adjektiv "grässlich") und die anderen Figuren wie die Assistentin oder die Demonstranten, wirst du bestimmt irgendwann aufdecken.


    Vorab möchte ich dich bitten, bei den weiteren Kapiteln darauf zu achten, das Maß für Erotik und Gewalt so zu beschränken, weil hier jeder - auch Unter-18-jährige - mitlesen können.


    Gruß

    Desi

  • Erstmal vielen Dank für das bisherige Feedback.

    Kurz zur Erläuterung: Das Thema/Setting ist sicher etwas beklemmend. Auch ich wünsche mir eine solche Entwicklung nicht. Aber vielleicht regt das Ganze ja zum Nachdenken an, dass wir (also nicht wir hier im Forum, sondern die Menschheit an sich) mit der Digitalisierung vorsichtiger umgehen sollten. Aber das nur am Rande. Ob sowas in 20 Jahren machbar ist, weiß ich nicht. Aber die Geschichte ist ja auch nur Fiktion (vielleicht sogar SciFi, ohne Weltall), sodass die Jahresangabe (15-20) nur darauf hindeuten soll, dass die Geschichte nicht in ferner Zukunft spielt.

    Danke für den Hinweis mit dem Worte Drone/Drohne. Diese Bezeichnung ist nicht an das Flugobjekt angelehnt, sondern an die männliche Biene, den fleißigen Arbeiter. Da ich die Geschichte zuerst auf englisch geschrieben hatte, ist mir wohl das 'h' in Drohne bei der Rückübersetzung verloren gegangen. In den zukünftigen Kapiteln werde ich 'Drohne' schreiben.

    Ich werde auch die nächsten Kapitel vor dem Veröffentlichen nochmal durchgehen und stark kürzen/ändern, um sie zu fokussieren und kompatibel zu halten.

    Insgesamt hoffe ich, dass Ihr trotz des Rahmens der Geschichte (weiterhin) Spaß am Lesen, Rätseln sowie an den Lycra-Beschreibungen habt ...

  • Auch von meiner Seite, wenn auch etwas verspätet, vielen Dank für die Story.

    ich muss zugeben, dass ich derzeit schlecht zum Lesen komme, werde das aber auf jeden Fall nachholen.

    Ich freue mich über einen neuen Mitautoren (Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft)

    Da ich weiß wie schwer es ist eine Geschichte aus dem Fetisch-Milieu einigermaßen Jugendfrei zu gestalten, hoffe ich dass deine Story dadurch nicht komplett entstellt wird.

    Für solch ein frei zugängliches Forum macht es oft Sinn, Gechichten bereits in einer Regelkonformen Variante zu schreiben. Beim nachträglichen zensieren und umschreiben geht oft zu viel der Essenz der Stories verloren.

    Schön, dass du dir diese Arbeit aufbürdest und uns teilhaben lässt. Werde mich heute Abend mal damit belohnen.

  • Besten Dank. Dann will ich Euch nicht weiter auf die Folter spannen. Hier kommt das nächste Kapitel. ;)



    = Kapitel 3 – Trish & Jenny =


    “Frau Kommissarin, dürfte ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten?” fragte die lycrabekleidete Rezeptionistin als Trish und der Inspektor auf sie zukamen.

    Trish blieb direkt neben ihr stehen und bewunderte erneut das glänzende Outfit. Sie hätte den perfekten glänzenden Körper der Empfangsdame gerne berührt – aber das hier war Arbeit, nicht Freizeit. „Ich wurde gerade von Frau Meister informiert. Ihnen wurde die Personalnummer 2907 zugeteilt. Den Spind mit der Arbeitskleidung und weiteren Informationen finden Sie im dritten Stock,“ erklärte die Frau, gab Trish eine Chipkarte und bat Sie darum, ihren rechten Zeigefinger über einen Scanner zu ziehen.


    „Und wann haben SIE Feierabend? Vielleicht kann man sich ja noch auf ein Getränk treffen...“ lächelte Trish IM-03 an und versuchte, mit ihr zu flirten. Doch Trishs Bemühungen prallten förmlich an der Frau ab: „Meine Schicht endet in einer Stunde und neunundzwanzig Minuten, Frau Kommissarin. Hier dürfen nur arbeitsbezogene Dinge erörtert werden. Danke für Ihr Verständnis.“


    “OK, OK,” gluckste Trish und hielt ihr Handgelenk hoch, “Ich verstehe, aber wenn die Schöne in der Drohne mich nachher gerne treffen möchte, weiß sie ja, wo sie mich finden kann.”


    „Tut mit Leid, Frau Kommissarin. Hier dürfen nur arbeitsbezogene Dinge erörtert werden. Danke für Ihr Verständnis. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.”



    “Was sollte das denn?” fragte der Inspektor, überrascht von Trishs Flirt-Versuch mit einer anderen Frau, als sie das Gebäude verließen und zu ihrem Wagen gingen, der nun von der protestierenden Menschenmenge umschlossen war.


    „Ich wusste, dass ich die Rezeptionistin von irgendwo her kannte. Ich hatte sie mal in einem Café gesehen, ganz nette Location und ein bekannter Treffpunkt von Schwulen und Lesben, wo man ... naja, sich etwas besser kennenlernt,“ sagte Trish und zeigte auf das Werbe-Armband, das sie vom Café bekommen hatte. „Ich ... ähm versuche einfach, ein paar Infos von ihr zu bekommen, die über den Empfangstisch hinausgehen. Vertrau‘ mir ... ich habe einen Plan!“

    „Oh ... und keine Angst,“ fügte sie hastig hinzu und zwinkerte, als der Inspektor sie und das Armband verblüfft ansah, „ich stehe auch auf Männer.“

    „Ähm ... ja ... also, darauf wollte ich nicht ... ähm ... naja, aber sei bitte vorsichtig!“ fügte der Inspektor verlegen hinzu und lächelte.


    Als sie ihren Wagen erreichten, baten sie die Demonstranten, zur Seite zu gehen. Zunächst bewegte sich die Menschenmenge, die Transparente wie ‚Keine Elektro-Sklaverei!‘ oder „Stoppt die Gehirnwäsche! Jetzt!’ hoch hielten, nicht.


    “Bereiten Sie dem Ganzen jetzt ein Ende? Geben Sie der Bestie den Todesstoß? Oder hat die Polizei mal wieder nicht genug Zeit, um das Richtige zu tun?“ fragte der Mann im Rollstuhl den Inspektor. Er hatte ein Laptop auf seinem Schoß.


    „Und Sie? Haben Sie nicht mal genug Zeit für frische Klamotten?“ sagte Trish und schaute auf seinen fleckigen Wollpullover mit Rollkragen, der aussah als habe er ihn schon seit Wochen an.


    „Komm schon, Trish, lass den Mann in Ruhe... Nein, es gab einen Mord. Der CEO wurde erschossen,“ sagte der Inspektor und die Menge beruhigte sich langsam. Doch dann kam so etwas wie Jubel auf.


    „Wow! Also gibt es Hoffnung, dass diese Gehirnwäschensklaverei endlich aufhört. Das muss ich online stellen... Leute! Sieht so aus, als würden wir die Schlacht gewinnen!” rief der nerdige Anführer der Demonstranten. Er hob seine Faust ‘gen Himmel und die Menge jubelte.


    „Ach, haltet doch alle die Klappe!“ schrie Trish und öffnete rabiat die Fahrertür. „Ich mag diese Gehirnwäschenscheiße auch nicht! Aber da ist ein Mensch getötet worden! Und Ihr bejubelt das? Lasst und bloß in Ruhe unsere Arbeit machen! Und jetzt aus dem Weg!“



    Zwei Stunden später saß Trish an einem Tisch in einer ruhigen Ecke des Cafés. Völlig gedankenversunken starrte sie in ihr Laptop und nippte an ihrer Kaffeetasse. Ab und zu schaute sie zum Eingang auf. Und schließlich betrat die Rezeptionistin tatsächlich das Café. Sie trug immer noch den türkisfarbenen Ganzanzug, aber statt des silbernen Lycra-Kleides und der silbernen Stiefeletten hatte sie nun schwarze knöchelhohe Sportschuhe und ein hochgeschlossenes schwarzes Kleid mit langen Ärmeln – nicht aus Lycra – angezogen. Den strengen Dutt hatte sie geöffnet und trug ihre hellen Haare als Pferdeschwanz. Als sie Trish erblickte, lächelte sie und setzte sich zu ihr.


    „Hey, Jenny, echt schön, Dich wieder zu sehen,“ wurde sie von Trish lächelnd begrüßt, und Trishs Lächeln wurde umso breiter, als sie feststellte, dass Jenny nicht nur türkisfarbene Strumpfhosen trug, sondern tatsächlich den türkisfarbenen Anzug.


    „Und ich freue mich, dass Du Dich an meine Einladung erinnert hast. Denn heute Nachmittag hatte ich nicht unbedingt den Eindruck. Oh, und bitte nenn‘ mich hier nicht ‚Frau Kommissarin‘,“ lächelte Trish sie an und tat so als würde ihre Hand nur versehentlich an Jennys Lycra-Oberschenkel entlang streifen.

    „Keine Sorge ... Trish! Das ist der Sprech von IM-03. Aber Du hast Recht. ESS-Beschäftigte benehmen sich ziemlich anders, wenn sie auf der Arbeit sind. Naja, bei meinem Job geht es eher um Gleichförmigkeit oder ‚corporate identity‘, denn ich repräsentierte als IM-03 ja meinen Arbeitgeber. Aber ich habe mich bei der Einstellung auch dafür entschieden, dass ich mich an möglichst viel von dem erinnere, was auf der Abreit passiert. Und an Dich habe ich mich echt gerne erinnert,“ lächelte Jenny Trish mit großen Augen zu, als die Bedienung zu ihnen kam.


    „Hallo, Jenny, möchtest Du was trinken? Und kann ich Dir noch was bringen, Trish?“ fragte die Bedienung freundlich. Alle Bedienungen des Cafés waren extrem freundlich und kannten alle Kunden – jedenfalls bei ihrem zweiten Besuch – mit Namen. Außerdem sahen sie sich alle sehr ähnlich, jedenfalls hatten sie alle die gleiche Körpergröße, Figur und Frisur und trugen alle das gleiche Outfit. Die Bestellungen wurden zu 100% korrekt aufgenommen und jede Bedienung wusste genau, was ggf. bereits aus war bzw. welche Sonderwünsche von der Küche umgesetzt werden konnten. Nachdem sie Cocktails bestellt hatten, fuhr Trish fort: „Was meinst Du damit ... ‚dafür entschieden, viel zu erinnern‘?“


    „Naja, wenn ich auf der Arbeit bin, bin ich nicht wirklich ich selbst. Also wenn ich mit dem System über das Implantat in meinem Nacken verbunden bin, bin ich nicht Jenny. Ich bin IM-03 und das einzig Wichtige ist Effizienz ... effiziente Arbeit ohne Ablenkung. Und wenn meine Schicht endet, verschlüsselt das System eigentlich alles, was passiert ist, damit ich auf diese Erinnerungen nicht zugreifen kann. Aber –je nach Job – dürfen wir Erinnerungen behalten bzw. aufrufen, falls wir wollen.“


    „Oh, danke,“ sagte Trish zur Bedienung als sie die Cocktails auf den Tisch stellte. Die Frau hinter der Bar machte die Cocktails immer im Nu, da sie anscheinend alle Rezepte auswendig konnte und genau wusste, wo sich die Zutaten befanden. Trish und Jenny stießen an und Trish hakte nach: „Das heißt also, dass sich eine Drohne grundsätzlich an nichts erinnern kann, was auf der Arbeit passiert ist?“


    „Jaja, und das ist eines der tollen Dinge am ESS. Wenn du einen langweiligen Job hast oder in einer ungemütlichen oder gar ekeligen Umgebung arbeiten musst, werden dich keine Erinnerungen daran in deiner Freizeit beschäftigen. Die Arbeit ist in einer Sekunde vorbei. Als wäre überhaupt nichts passiert.“

    „Klingt echt ... toll,“ versuchte Trish zu klingen als würde sie es auch meinen, lächelte Jenny zu und schob sanft ihre Hand auf Jennys lycrabekleidetes Knie. „Aber Du hast Dich entschieden, Dich zu erinnern?“


    „Ja, ich ...“ hauchte Jenny begeistert und holte tief Luft als Trish anfing, ihren glatten Oberschenkel zu streicheln, „... find’s toll, mich an Leute zu erinnern, mit denen ich am Empfang zu tun hatte. Deswegen kenne ich auch Deinen Vornamen ... IM-03 musste ja für Dich einen Spind einrichten. Aber Betriebsgeheimnisse sind natürlich immer verschlüsselt. Also falls Du mich hier verhören willst, muss ich Dich leider enttäuschen.“


    “Oh, DU enttäuschst mich nicht, Jenny – im Gegenteil!” flüsterte ihr Trish ins Ohr und ließ ihre Hand weiter an Jennys Oberschenkel entlang fahren. Sie beugte sich zu Jenny rüber und berührte ihre Lippen mit ihren eigenen. Jenny schloss die Augen für einen Moment, holte Luft und küsste Trish schließlich. Se legte nun auch eine Hand in Trishs Nacken und streichelte ihn sanft. Beide Frauen küssten sich innig. Danach setze sich Jenny wieder aufrecht hin, nippte an ihrem Cocktail und kicherte verlegen.


    „Das ist doch schön, oder? Und Du bist schön ... vor allem in dem Anzug,“ säuselte ihr Trish zu, streichelte sie weiter und küsste sie erneut.


    “Oh Trish...“ schloss Jenny ihre Augen. „Hast Du denn auch gesehen, das ... dass auch die Bedienungen Steuerungseinheiten in ihrem Nacken tragen. Dieses ... hmmm ... dieses Café gehört nämlich zu unseren Kunden.“


    „Ja, das hab‘ ich gesehen,“ sagte Trish und ließ ihre Hand nun über Jennys Rücken zu ihrem Nacken gleiten. „Tatsächlich fängt eine meiner Freundinnen gleich mit ihrer Schicht an, und sie hat sich bereit erklärt, mir zu helfen ...“


    „Dir mit was zu helfen?“


    Doch bevor sie es merkte, hatte Trish bereits die Steuerungseinheit ihrer Freundin in Jennys Implantat gedrückt. Jenny verstummte sofort, öffnete ihre Augen wieder und setzte sich aufrecht. Sie legte ihre Hände flach auf ihre Knie und sah starr geradeaus. Sie blinzelte ein paar Mal und blieb total ruhig.

    „IM-null-drei aktiviert und verbunden. Achtung. Kein Zugriff auf Server mit Arbeitsaufgaben. Achtung. Falsche Steuerungseinheit mit dieser Einheit verbunden. Notfallabschaltung in 20 Sekunden ... 15 Sekunden...“ führte IM-03 mit einer sehr monotonen Stimme aus, während Trish hastig auf ihrem Laptop tippte.


    „10 Sekunden ... 5 Sekunden. Abbruch der Notfallabschaltung. Verbindung hergestellt ... aktiviere Hotspot Modus,“ bestätigte die Drohne und starrte weiterhin geradeaus. Trish öffnete ein paar Dateien, die auf IM-03 gespeichert waren und sah sich kopfschüttelnd ihre Begegnung vom Nachmittag als Video an.


    „Sag mir, IM-03, gab es heute oder in den letzten Tagen etwas Ungewöhnliches auf der Arbeit?“ fragte Trish und streichelte zur Beruhigung wieder Jennys Oberschenkel. Doch es war keinesfalls Jenny/IM-03, die beruhigt werden musste, sondern vielmehr Trishs schlechtes Gewissen.


    „Ja, Frau Kommissarin,“ antwortete IM-03 ruhig, „IM-null-zwei ist heute Morgen nicht zum Dienst erschienen und es war unmöglich, sie zu erreichen. Daher musste ich ihre Schicht übernehmen. Sie hat uns den ganzen Tag über nicht kontaktiert.“


    „Oh Jenny, das macht mich echt an. Würde es echt gerne treiben mit Dir, in dem Anzug,“ murmelte Trish leise vor sich hin, aber anscheinend nicht leise genug.


    „Tut mir leid, Frau Kommissarin. Es mit mir treiben lassen gehört nicht zu meiner Tätigkeitsbeschreibung. Bitte wenden Sie sich an unseren Vertrieb. Man wird Sie gerne mit unserer Produktpalette vertraut machen.“


    Trish lachte laut auf, tätschelte Jennys Oberschenkel und fütterte ihr Laptop mit weiteren Befehlen.


    „Komm schon, Trish!“ sagte eine Bedienung, die sich neben sie setzte und ungeduldig mit ihren Fingern auf den Tisch trommelte. „Meine Schicht beginnt in fünf Minuten und ich brauche meine Steuerungseinheit. Also hast Du gefunden, wonach Du gesucht hast?“


    „Oh ja, absolut. Sieh mal zu Deiner Kollegen hinter der Bar,“ grinste Trish schelmisch, gab einen Befehl ein, legte ihre Pistole auf den Tisch und drückte Enter. Sofort hörte die Bedienung hinter der Bar damit auf, Gläser zu polieren, stellte alles ab und ging langsam aber zielgerichtet auf Trishs Tisch zu. Sie blieb davor stehen, nahm die Pistole, zielte auf Trish und drückte den Abzug. Aber die nicht geladene Waffe machte nur ‚klick‘.

    Trishs Freundin schaute zu ihrer Kollegin und dann zu Trish: „Ach du Scheiße!“

  • Catsuit78


    Habe jetzt die ersten beiden Kapitel gelesen (zum dritten bin ich noch nicht vorgedrungen).

    Da hast du ganz schön einen vorgelegt. Ich habe den Eindruck, dass du unter uns Schreiberlingen die Sache am professionellsten angehst. Wenn die Qualität so bleibt, steht uns was Großes bevor.

    Schon der Anfang macht unheimlich Appetit auf mehr. Thematisch ganz auf meiner Linie. Hervorragend die Möglichkeiten der Technik in naher Zukunft aufgezeigt.

    So ein wenig meine ich Isaac Asimov im weitesten Sinne herauszulesen. Dementsprechend spekuliere ich auch bereits, wie sich das alles am Ende auflöst. (Aber ich halte mich mit Prognosen zurück).

    Alleine was du in den ersten Kapiteln an Handlung begonnen hast, kann in der Folge 300 Seiten füllen.

    Ich werde die Geschichte auf jeden Fall mit Interesse weiter verfolgen (und mich mit Kritik nicht zurückhalten. Allerdings kann Kritik auch Positiv sein :))

  • Vielen Dank lycwolf für die Rückmeldung. Gerade der Anfang dient ja dazu, möglichst viele Verdächtige aufzubauen. Insofern hoffe ich, dass ich das geschafft habe (aber sieht ja so aus). Mal sehen, wer es am Ende ist - vielleicht eine/r oder auch mehrere. Aber lest und ratet mal schön weiter. ;)

    Ja, ich würde auch gerne mehr schreiben (vielleicht nicht 300 Seiten), aber ich schließe Geschichten immer ganz gerne vollständig ab, bevor ich sie veröffentliche, um notfalls am Anfang noch was ändern zu können. Und daher siegt manchmal das Bedürfnis nach einem Ende über die Länge. Aber viele meiner Geschichten haben auch Fortsetzungen (und tatsächlich arbeite ich derzeit parallel schon an der Fortsetzung zu diesem Krimi ...).


    Ich habe etwa 3/4 der Geschichte übersetzt / überarbeitet und werde vermutlich heute Abend oder sonst morgen das nächste Kaptiel einstellen. Immer schön schrittweise, um die Spannung aufrecht zu halten. Viel Spaß weiterhin. :)

  • So, wie versprochen der nächste Teil...



    = Kapitel 4 – Lilly & Nora =

    In der Zwischenzeit war Lilly, die jüngere Tochter des CEO, zu Hause angekommen. Sie lebte auf dem Anwesen ihres Vaters, allerdings alleine im Gästehaus. Als sie das Wohnzimmer betrat, musste sie immer noch schluchzen und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Sie zog ihre Klamotten aus und ein weißer Lycra-Ganzanzug mit grünen Seitenstreifen kam zum Vorschein. Sie stopfte ihre dicken braunen schulterlangen Haare in den Anzug und zog die gesichtsoffene Haube über den Kopf. Sie holte tief Luft und atmete langsam aus, um sich auf das Gefühl des engen Anzugs zu konzentrieren.


    Sie hatte nie wirklich einen Kleidungsfetisch entwickelt, aber ihr Vater hatte ihr einmal im Vertrauen erzählt, dass die Anzüge ein geheimes Innenfutter hatten, das unbemerkt und langsam eine Art Abhängigkeitsgefühl erzeugte, um die ESS-Mitarbeiter davon abzuhalten zu kündigen oder wieder in den Standardbereich zu wechseln. Lilly waren danach auch tatsächlich Kollegen und Kolleginnen aufgefallen, die sich anscheinend wegen dieses magischen Gefühls sehr häufig in dem Anzug selbst berührten.


    Lilly hatte das immer akzeptiert bzw. ignoriert. Weil sie wusste, was und warum es vor sich ging, hatte sie nie einen sexuellen Nutzen darin gesehen, sodass sich der Anzug für sie zwar gut anfühlte, aber mehr auch nicht. Doch heute brauchte sie diese verdrängte Annehmlichkeit mehr denn je. Und so stand sie für einen Moment einfach nur da und ließ ihre Hände langsam über die glatte Oberfläche gleiten, die fast jeden Millimeter ihres kurvigen Körpers bedeckte.

    Dann machte sie sich eine große Tasse Tee, zog sich einen kuscheligen Kapuzenpulli über den Anzug, setzte sich mit hochgelegten Beinen auf ihr Sofa und nippte an der Tasse, während sie mit der anderen Hand ihre lycrabedeckte Hüfte streichelte. Sie dachte an ihren Vater und die wenigen, aber schönen Momente, die sie mit ihm gehabt hatte. Mit diesen schönen Erinnerungen fing der Anzug schließlich doch an, einen gewissen Effekt auf Lilly zu haben. Und so glitt ihre Hand, die immer noch die Hüfte streichelte, langsam Richtung Schoß. Als Lilly dies bemerkte, schnellte sie hoch und schaute ungläubig auf ihre Hand.

    „Nein, nein, Lilly ... das ist nicht die richtige Zeit,“ sagte sie zu sich selbst und riss sich zusammen. Sie rieb kurz ihre Oberschenkel aneinander und streckte ihre Beine. Die Erregung war schön, aber sie musste sie und sich selbst unter Kontrolle halten. Etwas Aufmunterung durch den Anzug war gut, aber nicht mehr. Lilly wollte nicht Gefahr laufen, in die Abhängigkeitsfalle zu tappen. Dann nippte sie wieder an der Tasse und dachte an ihren Vater.



    Etwa eine Stunde später wurde die Eingangstür aufgeschlossen und Nora, die Leiterin der Arbeitseinteilung, betrat das Gästehaus. Sie legte ihre Laptoptasche ab, ging direkt zu Lilly, umarmte sie fest und küsste sie.


    „Ich bin so schnell gekommen wie möglich. Oh Lilly, das tut mir alles so leid. Mein aufrichtiges Beileid. Komm her, meine Liebe,“ sagte sie und drückte Lilly nochmals fest. Dann zog sie die Lycrahaube von Lillys Kopf, strich ihr durch die braunen Haare und sah in ihre verweinten braunen Augen.

    „Du weißt, dass ich Dich liebe, Lilly. Und ich bin immer für Dich da, vor allem jetzt.“


    „Danke, Nora, ich liebe Dich auch,“ schluchzte Lilly nur und umarmte ihre Freundin erneut. Die beiden Frauen saßen für mehrere Minuten einfach nur da, Arm in Arm, ohne ein Wort zu sagen. Doch dann räusperte Nora sich:

    „Hmm ... Du weißt ja ... Dein Vater und ich hatten unsere Differenzen, obwohl ich eine seiner besten Führungskräfte bin. Er wollte immer, dass Du Mr. Handsome oder Mr. Business Suit heiratest ... und nicht mich ... und erst recht keine Frau. Aber ... ähm ... also versteh mich nicht falsch ... Das hier könnte einen Neubeginn bedeuten, für uns zwei, Lilly.“


    „Was?!“ schrie Lilly auf und löste sich aus Noras Umarmung, “Wie kannst Du sowas sagen? Er wurde ermordet ... heute! Und ... und Du sprichst von einem Neuanfang?! Das klingt fast so, als käme Dir sein Tod gelegen...”


    „Oh Lilly, das tut mir leid! Ich ... oh mein Gott ... Ich hätte das nicht sagen sollen, Lilly. Ich weiß. Aber ... aber ich liebe Dich doch so sehr. Ich brauche Dich.”


    „Na, schönen Dank auch! Heute bin ich es, die Dich braucht. Hier geht es nicht um Dich, jedenfalls nicht heute. Boah! Ich ... ich halte das nicht mehr aus!” schrie Lilly weiter, zog sich die Lycrahaube wieder über den Kopf und den Pulli aus. Sie trank den letzten Schluck Tee und begab sich ins Obergeschoss.

    „Was hast Du vor, Lilly?“ rief Nora ihr hinterher und folgte ihr.



    Im Schlafzimmer stand ein Spinning-Rad. Lilly setze sich auf die Bettkante, zog sich Sportschuhe an, holte ein Laptop aus dem Schrank und schaltete es ein.

    „Ich werde etwas trainieren. Das Programm, das Du für mich geschrieben hast, hilft mir nicht nur beim Sport, weil es eine Stunde Training in einer Sekunde vorbeigehen lässt, sondern schaltet auch meinen Kopf ab. Und das ist genau das, was ich gerade brauche. Ich will nicht denken müssen!“

    „Aber Lilly,“ versuchte Nora sie zu beruhigen und umarmte sie erneut, „bitte lass uns über alles reden. Das ist doch keine Lösung. Der einzige Weg ... nun, Du kannst nicht weglaufen, Du musst Dich damit beschäftigen, um es zu verarbeiten...“


    „Aber nicht heute Abend! Also lass mich heute bitte allein. Nora, bitte!” schnaufte Lilly zurück, befreite sich abermals von Noras Umarmung, schloss ein Kabel an das Laptop an, setzte sich auf das Trainingsrad und steckte das andere Ende des Kabels in ihr Nackenimplantat. Sofort durchfuhr ihren Körper ein Zucken und sie nahm eine gerade Position ein.


    „Trainingsdrohne verbunden und online. Trainingsdrohne wird gehorchen. Beginne Training. Verbleibende Zeit: 60 Minuten.”


    Nora seufzte, als sich Lillys Oberkörper nach vorne neigte, ihre Hände die Griffe umschlungen und sie begann, in die Pedale zu treten. Nora setzte sich auf die Bettkante und sah Lilly für einen Moment zu. Ihre Augen bewunderten Lillys weiblichen Körper in dem engen Lycra-Anzug und wie ihre fantastischen Po-Backen sich auf und ab bewegten. Nora mochte diese Frau wirklich sehr. Vielleicht war sie mit ihren Äußerungen wirklich etwas zu voreilig gewesen, jedenfalls in einem Moment der Trauer. Aber sie liebte Lilly wirklich, ihre Haare, ihre großen braunen Augen, die Rundungen ihres Körpers. Dann grinste sie, zog ihre Hand aus ihrer engen Jeans, lehnte sich hinüber zum Laptop und gab einige Befehle ein.


    „Unterbreche Training, initialisiere Vergnügungsmodus,“ sagte Lilly plötzlich, stieg vom Rad und drehte sich um. Sie sah Nora ausdruckslos an, ging langsam auf sie zu, kniete sich vor ihr hin und öffnete ihre Jeans. Nora atmete tief ein, ließ sich auf das Bett fallen und sich von Lilly die Hose ausziehen...


    [Lilly verwöhnt ihre Freundin, was dieser sehr gefällt. Für den genauen, nicht jugendfreien Wortlaut wird auf die Originalversion der Geschichte verwiesen.]


    Dann stand Lilly auf und ging ins Bad. Nora zog das Laptop auf die andere Seite des Bettes, damit das Kabel nicht aus Lillys Nacken gezogen wurde. Lilly machte sich frisch und ging zurück zu Nora, die immer noch entspannt auf dem Bett lag. Nora hätte Lilly am liebsten nochmal feste gedrückt, aber Lilly ignorierte sie einfach und setzte sich wieder auf das Rad.


    „Beende Vergnügungsmodus. Setze Training fort. Verbleibende Zeit: 57 Minuten, 21 Sekunden,“ äußerte Lilly kühl und trat wieder in die Pedale. Nora seufzte, nahm das Laptop, änderte ein paar Einstellungen und drückte Enter. Lilly hörte für einen Moment mit dem Treten auf und während Nora sich ihre Hose anzog, äußerte sie kurz „Verbleibende Zeit: 42 Minuten, 20 Sekunden.“ und setzte das Training fort.


    „Oh Lilly. Es tut mir leid und ich lass‘ Dich jetzt auch allein. Aber ich brauche Dich, ich will Dich so sehr. Egal, ob als mein Mädchen oder mein Spielzeug,” sagte Nora, streichelte Lillys Rücken und verließ das Haus. Aber Lilly bekam von all dem nichts mit und trat noch etwas schneller in die Pedale...

  • Catsuit78

    Hier ein paar Gedanken.

    Am meisten imponiert mir Trish mit ihrer lockeren Art, andere zu umgarnen, und im gleichen Moment als zielstrebige Ermittlerin die Fäden in der Hand zu behalten.

    Nora finde ich egoistisch und pietätlos, so wie sie mit ihrer Freundin umgeht und sie ausnutzt.

    Ein Sonderfall ist für mich Jenny oder IM-03. Da weiß ich nie so recht, wieviel Erinnerungen ihrer einen Persönlichkeit an die andere weitergegeben werden.

    Wie du oder Lycwolf schon sagtet, es gibt eine Menge Verdächtigte, aber ich weiß noch nicht, wer es sein könnte, und selbst wenn, würde ich es für mich behalten.


    Im Moment finde ich die Handlung sogar noch packender als die Kleidung der Protagonisten,


    An alle: Wenn ihr glaubt zu wissen wer der/die Täter(in) ist bzw die Täter sind, schreibt an Catsuit78 per Konversation und nicht hier rein, um die Spannung für die anderen hoch zu halten.

  • Ja, Desi , so geht es mir mit Trish auch. In der ursrpünglichen Planung der Geschichte sollte sie nur die Assistentin des Inspektors sein (also auch bzgl. des Umfangs ihrer Auftritte), aber letztlich hat sie wegen ihres Ermittlungseifers die führende Rolle bekommen, wobei der Inspektor (es ist ja ein Krimi) am Ende noch seinen großen Moment haben wird. Aber das dauert noch ein wenig, denn wir haben ja noch 8 Kapitel vor uns.


    Ich freue mich echt, dass Euch die Geschichte gefällt. Das ist immer der größte Lohn für den Schreiberling. Daher auch von mir die Bitte, hier die Lösung nicht öffentlich zu verraten (wobei offene Diskussionen und Gedankenaustausche - wie bislang erfolgt - schon sehr interessant sind).


    Das nächste Kapitel kommt irgendwann am Wochenende, ggf. heute Abend noch. Also weiterhin viel Spaß! :)

  • Also ich bin nach wie vor ein Kapitel im Rückstand, aber Kapitel 3 ist erneut exzellent. Generell ist die Struktur und der Aufbau deiner Geschichte extrem spannend und vereinnahmend. Genau wie das ESS-Konzept. Auch die stets darunter liegende erotische Komponente spornt die Phantasie des Lesers an.
    ansonsten sehr geschickt gemacht, wie die Komissarin an zusätzliche Informationen kommt (Hoffen wir mal, dass sie auch anderweitig mit der Empfangsdame zusammenkommt).
    Auf jeden Fall hat sie bereits die Bestätigung für die Manipulierbarkeit des ESS-Systems enthüllt. Wer aber steckt dahinter und was sind die Motive? (Bestimmt nicht das, was einem als Erstes in den Sinn kommt. Aber ich habe ja versprochen mich mit Spekulationen zurück zu halten und die Geschichte zu genießen.)

    Was das "erst die ganze Geschichte fertig stellen und dann veröffentlichen" angeht, halte ich es genauso. Allerdings fällt mir immer kurz vor Veröffentlichung noch was wichtiges ein und ich muss nochmal ´ran.

  • So, hier das nächste Kapitel. Wir erinnern uns: Am nächsten Tag sollte Trish Lilly auf der Arbeit im Auge behalten.

    In diesem Kapitel habe ich an einer Stelle mal eine etwas andere Erzählperspektive ausprobiert.

    Viel Spaß beim Lesen.



    = Kapitel 5 – Undercover Drohne =

    Am nächsten Morgen stand Trish eine Stunde früher auf, verzichtete auf ihre morgendliche Laufrunde und duschte sich. Als sie wieder ins Schlafzimmer kam, öffnete Jenny gerade ihre Augen und lächelte sie an.


    „Guten Morgen, Trish ... und vielen Dank für letzte Nacht“ zwinkerte sie ihr zu und schaute auf ihren türkisfarbenen Catsuit, der neben dem Nachttisch lag.


    „Tut mir wirklich leid, Jenny. Irgendwie war es nicht OK, Dich in dem Café so in eine Falle zu locken. Gerade, wo ich diese Gehirnwäschen doch ohnehin als Unding empfinde. Insofern hoffe ich, dass ich es letzte Nacht irgendwie wieder gut gemacht habe,“ sagte Trish und zog sich ihre schwarze Skinny-Jeans, ein kurzes Shirt und eine taillierte kurze Lederjacke an. Sie setzte sich neben Jenny, gab ihr einen Kuss und zog sich ein Paar Chucks an. Beide Frauen sahen sich für einen Moment in die Augen, aber auf Trishs Gesicht stand immer noch ihr schlechtes Gewissen geschrieben.


    „Hey, alles gut! Das ist keine große Sache, außerdem scheint es Dir ja bei Deinem Fall geholfen zu haben. Und ich bin es echt gewohnt, eine Drohne zu sein,“ sagte Jenny ruhig und streichelte Trishs Rücken.


    „Es ist nicht nur das, sonder auch ... Du ... wir. Ich ... naja, ich finde Dich echt großartig, aber ...“ stotterte Trish, die dienstlich zwar immer sehr zielstrebig, aber in privaten Dingen eher schüchtern war, und holte tief Luft, „... ist halt kompliziert. Wir ermitteln bei Euch... Und ich mag durchaus Frauen, sogar hauptsächlich. Aber ich mag auch Männer und zur Zeit einen ganz besonders.“


    „Deinen Kollegen, den Inspektor?“ fragte Jenny und Trish nickte. Jenny gluckste und streichelte über Trishs Oberschenkel. „Seeeeeehr interessant. Aber hey, zerbrech’ Dir nicht den Kopf darüber. Alles ist cool. Finde einfach heraus, wo Dein Herz hin will. Und bis dahin haben wir einfach etwas unverbindlichen Spaß. OK?“


    Trish lachte laut auf, küsste Jennys Stirn und stand auf.


    „Oh,“ fügte Jenny hinzu, „vielen Dank noch, dass Du mir im Café mit Deiner kleinen Vorführung die Augen geöffnet hast. Ich ... naja, ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich werde die Outfits echt vermissen, aber ... aber ich will da wirklich nicht mehr arbeiten.“


    „Aber Du musst. Also zumindest erstmal noch. Denn wenn Du nicht zur Arbeit erscheinest, werden sie misstrauisch. Aber keine Sorge, ist nicht für lange. In zwei Tagen werden wir den Fall abgeschlossen haben. Hmmm ... kannst Du Dich nicht krank melden? Sag‘ einfach, dass Du Deine Tage hast.“


    “Keine Chance!” sagte Jenny und zog sich die Bettdecke wieder über die nackte Brust. „Unsere Vitalparameter werden während der Arbeitszeit ständig gescannt und aufgezeichnet. Sie wissen, dass ich meine Tage schon letzte Woche hatte. Aber ähm ... ich könnte sagen, dass ich gestürzt bin und mir das Knie gestoßen habe.“


    „Perfekt! OK, dann ruf‘ doch an und ich mache Dir Frühstück,“ sagte Trish und verließ das Zimmer. Als sie zurückkehrte mit einem Tablett mit Brötchen, Marmelade und Orangensaft, legte Jenny gerade ihr Handy zur Seite.


    „OK, sie haben’s gekauft. Und rate mal ... meine Kollegin Susanne, also IM-02, ist wieder auf der Arbeit erschienen, sodass ich noch einen zusätzlichen Tag frei habe. Vielleicht kannst Du mir ja mehr über Deine Arbeit erzählen, über den Fall. Vielleicht kann ich Dir ja helfen...“ sagte Jenny, setzte sich auf, sodass die Decke wieder an ihr herunter rutschte, und nahm das Tablett auf den Schoß.


    Trish seufzte, klemmte ihren Pistolenholster an den Gürtel und stemmte ihre Hände in die Hüfte: „Das ist echt ‘ne nette Idee. Aber ... ich muss jetzt schon zur Arbeit. Tut mir leid, Jenny. Und heute wird ein echt anstrengender Tag. Wir müssen Lilly beschützen und Lauras Ankunft planen. Aber ich rufe Dich heute Abend an, OK?“


    „Cool. So machen wir’s. Und falls Du heute Abend etwas Ablenkung brauchst: ich, mein Körper und der Catsuit können in Nullkommanix hier sein.“


    „OK, danke Dir. Lass Dir einfach Zeit, mach’s Dir gemütlich und zieh die Tür einfach hinter Dir zu, wenn Du gehst,“ sagte Trish und küsste Jenny zum Abschied.



    Trish war ziemlich verblüfft, als sie am Anwesen eintraf. Doch dann erinnerte sie sich daran, dass Lilly ja nicht nur eine ESS-Angestellte war, sondern auch die Erbin eines millionenschweren Vermögens. Trish parkte ihr Auto um die Ecke und ging zurück Richtung Haupttor. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite saß ein Mann in einem Auto und öffnete das Seitenfenster.


    „Hey, Tom, wie sieht’s aus?“ fragte Trish ihren Kollegen, der das Anwesen die Nacht über bewacht und abgehört hatte.


    „Nichts Ungewöhnliches. Obwohl...“ sagte der Kommissar, gähnte laut und lachte. „Eine Frau hat sie besucht, scheint ‘ne Freundin zu sei, vielleicht ihre feste Freundin ... hörte sich jedenfalls über das Mikro so an. Frank hat schon eine Kopie der Aufzeichnung. Nachdem die Frau weg war, hat unsere Kleine noch etwas trainiert und ist dann ins Bett gegangen. Sie müsste jede Minute zur Arbeit aufbrechen.“


    „Alles klar. Danke Dir ... Oh, hast Du zufällig noch so ‘nen kleinen Ohrstöpsel dabei, mit dem ich mit Frank Kontakt halten kann? Ich bin gestern nicht mehr ins Präsidium gekommen.“


    Tom nickte, holte ein kleines Kästchen aus dem Handschuhfach, öffnete es und hielt es Trish hin. Trish nahm sich einen Ohrstöpsel heraus, steckte ihn in ihr linkes Ohr und ging zu ihrem Auto zurück.


    Einige Minuten später verließ ein Auto das Anwesen und Trish folgte ihm in sicherem Abstand. Als sie auf den Parkplatz des Unternehmens fuhren, schaltete Trish den Ohrstöpsel ein und versuchte, den Inspektor zu kontaktieren.


    „Inspektor, ähm ... Frank? Kannst Du mich hören?” fragte Trish und nach einigen Momenten hörte sie seine Stimme.


    „Guten Morgen, Trish. Ja, ich bin noch im Präsidium, breche aber gleich auch auf. Ich überprüfe gerade noch Lillys Freundin, eine Frau namens Nora, anscheinend die Leiterin der Arbeitseinteilung. Wer weiß, vielleicht kommt sie als Täterin in Frage. Aber wie sieht es bei Dir aus? Alles klar? Bleib einfach ruhig und sag mir, was passiert. Und bei dem kleinsten Zeichen von Gefahr ruf bitte sofort Verstärkung. OK?“


    „Ja, alles klar, Frank,“ sagte Trish nur, wobei sie vermied, IM-03 bzw. Jenny schon jetzt zu erwähnen, um sich in der Hektik nicht bezüglich letzter Nacht zu verplappern. Sie parkte ihr Auto und beschrieb immer mal wieder, was gerade passierte...


    (Schritte)


    „Wir gehen zum Eingang ... durchqueren die Eingangshalle ... eine andere Rezeptionistin, gleiches sexy Outfit ... IM-02 ... ja, über die müssen wir nachher noch sprechen ... So, ich versuche den gleichen Aufzug zu nehmen wie Lilly ... melde mich, wenn wir im dritten Stock sind ... So ... ‚Morgen zusammen‘“


    (dumpfe Begrüßungen, Aufzugmusik)


    „OK, ich bin jetzt im dritten Stock. Lilly geht zum Umkleidebereich, ich folge ihr ... Wie war nochmal meine Nummer? Ach ja ... 2907 ... mal sehen ... OK, da bin ich. Lilly ist im anderen Gang, aber ich kann sie noch sehen. Gut, den rechten Zeigefinger scannen, Chipkarte einschieben ... hmmmm ... Oh, da kommt meine Arbeitskleidung.“


    (Rascheln einer Plastiktüte, die geöffnet wird, Trish holt tief Luft)


    „Weißer Lycra-Anzug mit gelben Streifen. Sehr schön! OK, bin in einer Sekunde zurück, ich ziehe mich nur eben aus und den Anzug an ...“

    An dieser Stelle spitzte der Inspektor die Ohren und versuchte sich vorzustellen, was gerade passierte, wie Trish den Anzug über ihren athletischen Körper zog. Doch dann unterbrach sie auch schon seinen kurzen Tagtraum.

    „Oh mein Gott! Oh ja, das Ding ist echt eng ... wie geil! Und ... hmmm ... er fühlt sich schön weich und glatt an...“

    „Vielleicht schenken sie Dir ja einen, wenn die Ermittlungen vorbei sind,“ spaßte der Inspektor.

    „Ich wette, Du würdest mich jetzt gerne sehen,“ zog sie ihn auf und atmete – schelmisch grinsend – noch ein paar Mal bedeutungsschwangen ein und aus.


    (Geräusch von Händen, wie sie über Lycra streichen)


    „Zum Schluss noch die Kopfhaube ... perfekt! Oh ja ... sehr schön, alles in allem sehr anschmiegsam. Kaum zu glauben, aber es hat ein wenig auf meiner Haut gekribbelt, als ich den Anzug angezogen habe. Ich versteh’s nicht, aber er fühl sich absolut ... OK, Trish ... gaaaaanz ruhig! An die Arbeit!”


    (wieder Hände, die über den Stoff gleiten)


    „Was muss ich denn überhaupt machen bzw. vorgeben zu machen? Call Center Agent? Meinetwegen ... Oh, schnell ... Lilly ist schon fertig ... schnell noch die Schuhe anziehen, meine Sachen in den Spind...”


    (hastiges Gewusel, zuklappende Spindtüren, schnelle Schritte)


    „Alles klar. Ich folge ihr ... Wow, der Anzug fühlt sich sogar beim Gehen super an ... Ah, verdammt!“

    „Was? Was ist los, Trish? Ist was passiert?”


    (Trish kichert)


    „Nein, alles in Ordnung. Ich ärgere mich nur, dass ich meinen Slip und BH drunter angelassen habe. Ohne wär’s bestimmt noch besser.“

    Der Inspektor atmete erleichtert aus und rollte mit den Augen, als er seinen Wagen aufschloss. Natürlich war ihm in den letzten Tagen mehr als aufgefallen, dass Trish eine Vorliebe für enge Klamotten hatte. Aber jetzt wollte sie ihn einfach nur auf den Arm nehmen.


    (Schritte, geschäftiges Treiben)


    „Wow! Wir betreten eine große Halle mit mindestens ... 300 Arbeitsplätzen. Und es ist gerade Schichtwechsel. Wow! Wie im Bienenstock! So ... meiner ist A-21-10 ... ich muss anders abbiegen als Lilly, aber ich sehe sie noch ... Ah ja, da bin ich. Lilly sitzt nur drei Reihen vor mir auf der anderen Seite des Ganges ... also vermutlich B-18-01. Sie setzt sich hin, etwas kommt aus der Nackenstütze ihres Stuhls ... und sie steckt es in ihren Nacken. Mein Gott ... sie zittert am ganzen Körper ... schon vorbei ... beginnt zu arbeiten. Wow, das ist echt seltsam hier. Ich kann immer noch nicht glauben, dass alle diese Leute es mögen, einfach so kontrolliert und versklavt zu werden.“

    „OK, Trish,“ sagte der Inspektor, als er seinen Wagen aus der Tiefgarage des Präsidiums steuerte, “halte Dich damit nicht auf. Gute Arbeit bislang. Also bleib einfach ruhig, benimm Dich wie die anderen und behalte Lilly im Auge. Ich bin in einer knappen halben Stunde bei Dir.“

    „Ja, natürlich,“ sagte Trish und setzte sich auch hin. Als sie den Computer vor ihr einschaltete, erwachte ihr Stuhl auch zum Leben und fuhr einen Stecker in Richtung ihres Nackens aus.


    ‚Neeee, mein Junge, so eine bin ich nicht,‘ dachte Trish und ignorierte den Stecker, zumal sich in ihrem Nacken ja ohnehin kein Implantat befand. Sie sah nur zwischen dem Bildschirm und Lilly hin und her. Als alles um sie herum ruhiger geworden war, fiel Trish auch wieder die enge Ganzkörperumarmung des Anzugs auf, sodass sie sich nebenbei wieder langsam streichelte und sich ihre Hände unbewusst über ihre Schenkel bewegten. Als eine Hand in ihren Schritt glitt, rappelte sie sich auf und räusperte sich.


    ‚Der Anzug ist echt ne Wucht! Fühlt sich an als würde er mich dazu bringen, ihn zu mögen ... ihn wieder anziehen zu wollen ... mich in ihm berühren zu wollen ... hmmm ... ähm ... nee, ich muss der Ablenkung widerstehen! Verrückt! Das ist definitiv völlig verrückt!’ sinnierte Trish vor sich hin und sah wieder zu Lilly rüber. ‚Aber von einem Computer ferngesteuert zu werden ... das ist totaler Quatsch!‘


    Plötzlich wurden ihre Gedanken durch ein Fenster unterbrochen, das auf dem Bildschirm erschien: ‚Achtung! Steuerungskabel nicht innerhalb vorgegebener Zeit verbunden. Korrekten Sitz des Kabels prüfen! Benachrichtigung der Arbeitseinteilung in 30 Sekunden.‘


    Trish geriet etwas in Panik, denn sie wollte diesen Undercover-Einsatz nicht vermasseln. Wenn die Meldung rausgehen sollte, wäre ihre Deckung aufgeflogen. Aber sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie griff nach dem Telefonhörer und wollte vorauseilend die Arbeitseinteilung anrufen, aber der Computer hatte schon runter gezählt auf 4... 3... 2...


    Doch plötzlich öffnete sich ein weiteres Fenster auf dem Bildschirm: ‚Manueller Eingriff. Countdown gestoppt durch Administrator meisterm,‘ und dann verschwanden beide Bildschirme wieder. Trish sackte etwas zusammen und atmete erleichtert aus.


    „Alles in Ordnung, Trish?“ fragte der Inspektor über den Ohrstöpsel.


    „Jaja, alles gut. Das System ist nur ausgeflippt, weil ich mich nicht anschließen konnte. Sieht aus als hätte Frau Meister sich drum gekümmert. Sonst ist alles OK. Lilly benimmt sich wie die ganzen anderen Zombies um mich herum. Aber jetzt muss ich auch versuchen, mich so zu benehmen. Bis später, Frank,“ sagte Trish, legte den Ohrstöpsel auf den Schreibtisch und setzte stattdessen ein Headset auf.


    Dann öffnete sie einige Fenster auf dem Bildschirm, nahm eine gerade Sitzhaltung ein und tat so, als führte sei ein Telefongespräch mit einem Kunden. Sie sagte kein Wort, sondern bewegte nur ihre Lippen. Doch nach nur wenigen Momenten wurde sie schon wieder von der Enge des Anzugs abgelenkt und ließ eine Hand unter den Schreibtisch rutschen.


    Währenddessen hörte der Inspektor nur dumpfe Geräusche über seinen Ohrstöpsel. Er stellte sich vor, wie Trish dort saß, in dem weißen Lycra-Anzug. Sie war echt ambitioniert, und der Inspektor mochte das. Aber er wusste auch, dass ihre Arbeit gefährlich sein konnte. Und seine Befürchtung wurde jäh bestätigt, als er Trish rufen hörte: „Hey ... nein ... hey ... lasst mich los! Wer seid ihr? Nein ... nein … Scheiße! Ahhhhhhhhhhhh! Nein … Ich … Nein! Lasst mich…”

    “Trish! Kannst Du mich hören?! Trish! Was ist los?” rief der Inspektor und beschleunigte den Wagen. Trish antwortete nicht, es war nicht einmal mehr irgendetwas zu hören. Der Ohrstöpsel war tot.



    Die folgenden Minuten kamen dem Inspektor wie Stunden vor. Eine richtige Autoverfolgungsjagd hatte er zuvor nie erlebt, aber er gab sein Bestes. Als er schließlich am Unternehmen eintraf, stoppte er den Wagen mit quietschenden Reifen, sprang heraus und stürzte in die Eingangshalle. Als er gehetzt auf sie zulief, lächelte ihn die andere Rezeptionistin nur freundlich an, genau so wie IM-03 es am Tag zuvor getan hatte: „Guten Morgen, Inspektor. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“


    “Notfall! Sagen Sie Frau Meister, dass sie zum Arbeitsplatz meiner Kollegin kommen soll! Sofort!” rief er nur und rannte weiter zu den Aufzügen. IM-02, die dem Inspektor noch nie begegnet war, aber seine und Trishs Identität und ihren Plan von den Daten auf dem Server kannte, blieb total ruhig und legt ihren Kopf leicht schräg: „Selbstverständlich, Inspektor. Ich kontaktiere sofort Frau Meister.“


    Im Aufzug holte der Inspektor tief Luft und sah ungeduldig auf die Anzeige ...1 ...2 ...3! Als sich die Türen gemächlich öffneten, drückte er sich hindurch, rannte durch den Umkleidebereich in den Arbeitsbereich.


    „Oh Mann! Das bin ich echt nicht gewohnt ... Halte durch, Trish! ...A-18 ...A-20, A21 ... und Platz 10!“ keuchte der Inspektor. Als er Trishs Arbeitsplatz erreichte, hielt er für einen Moment inne. Trish saß da, auf dem Stuhl und mit einem Headset. Sie schaute auf den Monitor und alles sah in Ordnung aus.

    „Trish!” rief der Inspektor, griff nach der Lehne des Stuhls und zog an ihr. „Trish! Was ist passiert. Alles in Ordnung?”


    Aber Trish blieb völlig ruhig und ignorierte sogar ihren Kollegen. Sie sah immer noch auf den Monitor, zog ihren Stuhl zurück zum Tisch und sprach mit gelassener Stimme in das Headset: „Ja natürlich, ich kann Ihre Situation vollkommen nachvollziehen. Ich garantiere Ihnen, dass wir alles zu Ihrer Zufriedenheit erledigen werden. Ich notiere gerade Ihre Beschwerde und einer unserer Techniker wird Sie sofort zurückrufen, um einen Termin abzustimmen. Ja natürlich, ja ... Gut, gibt es sonst noch etwas, das ich jetzt gerade für Sie tun kann?“


    „Trish! Hör‘ mit dem Schauspiel auf! Hörst Du mich? Trish?!” rief der Inspektor ihr ungeduldig zu, packte sie an den Schultern und schüttelte sie ein wenig.

    Aber Trish wünschte der Kundin nur einen schönen Tag, legte auf und schloss ihren Bericht ab. Dann sah sie den Inspektor an und sagte mit einer monotonen Stimme: „Bitte treten Sie zurück. Bitte behindern Sie mich nicht. Drohne 2907 muss die Arbeitsaufgabe ausführen.“


    “Drohne? ... Was?!” sagte der Inspektor ungläubig und sah in Trishs Nacken, während sie den nächsten Anruf annahm. Dem Inspektor fiel die Kinnlade herunter als er das Implantat sah, das durch den Anzugstoff in Trishs Nacken gedrückt worden war, und dass sie mit dem Kabel aus dem Stuhl verbunden worden war. Der Inspektor wusste nicht, was er tun sollte. Und so griff er nach dem Kabel, umklammerte es fest und wollte es aus Trishs Nacken ziehen.


    „Stop! Tun Sie das nicht!“ schrie Frau Meister den Inspektor an. Sie näherte sich dem Arbeitsplatz zusammen mit einem jungen Mann in einem weißen Kittel. Während der Mann mit einem Koffer in der Hand ruhig stehen blieb, stieß Frau Meister den Inspektor zur Seite. „Sie könnten ihr Gehirn beschädigen, wenn Sie sie einfach so abstöpseln. Sie muss erst den Drohnen-Modus beenden, damit ihr Gehirn wieder volle Kontrolle über ihren Körper zurückerhält.“


    Die Assistentin sah sich das Implantat und dann Trish an. Sie zog eine Karte mit einem QR-Code aus der Tasche und hielt sie Trish hin. Trish sah sich die Karte an, blinzelte zweimal und wandte sich dann an den Anrufer: „Tut mir leid, mein Herr. Es gibt hier gerade einen Notfall. Bitte bleiben Sie am Telefon. Ich werde Sie sofort und ohne Wartezeit mit einer Kollegin verbinden. Keine Sorge, meine Kollegin ist bereits vollständig über Ihr Anliegen informiert.“


    Trish machte dann ein paar Klicks und Eingaben, legte auf, nahm das Headset ab und stand auf. Das Kabel blieb in ihrem Nacken stecken und wurde etwa einen Meter aus der Lehne des Stuhls gezogen. Trish sah zu Frau Meister und nahm Haltung an: „Notfallabbruch durchgeführt. Administrator identifiziert über Codekarte. Notfallsteuerung aktiviert. Hallo, Frau Meister. Wie kann 2907 Ihnen behilflich sein?“


    Der Inspektor atmete tief ein, legte seine rechte Hand auf seine Stirn und schüttelte seinen Kopf. Es tat ihm total leid, was mit Trish passiert war, und er hoffte, dass Frau Meister den Alptraum nun beenden würde.


    „2907, bitte beende den Drohnen-Modus und trenne die Steuerungsverbindung,“ sagte sie und Trish blinzelte zweimal.


    „Ja, Frau Meister. Beende Drohnen-Modus. Trenne Verbindung,“ sagte Trish und schloss ihre Augen. Ihr Körper verlor die Anspannung und ihr Kopf sank langsam nach unten. Nach zwei Sekunden zuckte sie zusammen, öffnete ihre Augen, wedelte mit den Armen und rief: „Nein! Nein, lasst mich los! Hilfe...“


    Doch dann bemerkte sie, dass die Situation bereits vorbei war, holte tief Luft, sank runter auf ihre Knie, sah zum Inspektor und begann zu weinen. Dieser schaute Trish sorgenvoll an und kniete sich neben sie.


    „Das erste Mal unter dem Einfluss des ESS ist immer ein Schock für Körper und Geist. Daher erfolgt das erste Mal auch immer unter ärztlicher Beobachtung. Doktor Hilfraich, könnten Sie sich bitte um die Kommissarin kümmern?“ erklärte die Assistentin, während sie das Kabel aus Trishs Nacken zog. Der Mann im weißen Kittel kniete sich auch neben Trish, öffnete seinen Koffer und prüfte ihre Vitalzeichen.


    Einige Minuten später stand Trish wieder auf ihren Beinen und holte tief Luft. Der Inspektor umarmte sie, um sich zu entschuldigen und sie zu beruhigen. Trish genoss die Umarmung und hätte den Inspektor für seine Sorge am liebsten geküsst. Dann setzt sie sich auf die Schreibtischkante.


    „Das war echt merkwürdig, Frank. Es tut mir so leid ... ich hätte besser aufpassen müssen. Aber der Anzug ... Und dann ... irgendjemand muss mir so ein Implantat in den Nacken gedrückt haben ... und dann ... dann ... Warte mal! Was ist mit Lilly?“


    Die beiden Beamten und Frau Meister sahen zum Platz B-18-01 rüber. Er war leer...

  • Zu Kapitel 5.
    Ich kann mir nicht helfen, aber genau das habe ich geahnt.
    Das was mit Lilly passiert ist.
    Und vor allem das, was mit Trish passiert ist.
    Sie ist sich ihres Lebens nicht mehr sicher und wird sich wohl genau überlegen müssen, diese Firma noch mal zu betreten.


    Obwohl ich so was hatte kommen sehen, finde ich die Geschichte weiterhin echt gruselig. Ein Gefühl, was ich nicht mag.

  • Zunächst noch zu Kapitel 4:

    "...initialisiere Vergnügungsmodus..." - phantastisch!

    Leider kann sich der Leser nur ausmalen, wie Lilly Nora verwöhnt. (Obwohl. Wenn ich es mir recht überlege, gar nicht so schlecht wenn man auf die eigene Phantasie angewiesen ist). Allerdings ist es nicht das selbe ob man einen gleichwertigen Partner, oder wie Nora es ja selbst zugibt, nur ein Spielzeug hat.

    (Nachdem die Geschichte zu Ende ist, würde auch ich den Link zum Original begrüßen. Aber erst wenn alles durch ist, denn auch in dieser Form ist die Story sehr anregend)


    Bei Kapitel 5 bin ich jetzt auch auf dem Laufenden:

    Anders als Autorenkollege Desi finde ich den "gruseligen" Aspekt der Geschichte sehr aufregend. Eine regelrechte Dystopie.

    Den Einfall mit der Audioverbindung zum Ermittlungspartner finde ich ebenfalls gelungen. Zwar muss man sich etwas umgewöhnen, aber es passt zur jeweiligen Handlungssituation.

    Trish wurde zunächst ganz schön gefordert, von ihrem Lycra-Anzug. Kein Wunder dass sie kaum die Hände von sich lassen konnte.

    Aber wer hat sie überwältigt und gegen ihren Willen mit der ESS verbunden?

    Und was ist mit Lilly?

  • Danke für Eure Rückmeldungen.


    Ja, die Gesichte ist etwas gruselig (und wir sind gerade mal kurz vor der Hälfte), aber das macht - zumindest für mich - auch den Reiz aus. Lycwolf hat es mit Dystopie gut getroffen. Einige meiner Geschichten gehen sogar noch mehr in die Richtung (eine Autorenkollegin in dem englischsprachigen Archiv meinte mal, meine Welt (in den Geschichten) sei düster, aber sexy zugleich ... Recht hat sie). Andere Geschichten passieren im Hier und Jetzt, sind dann aber auch nicht so tiefgehend. Mich reizt einfach die Möglichkeit, in den Geschichten meiner Fantasie etwas mehr Lauf zu lassen eine bestimmte Welt zu erschaffen oder den Gedanken "Was wäre wenn ..." einfach mal auszuspielen.


    Und ja, lycwolf, es ist natürlich etwas anderes, wenn Lilly gegenüber Nora diesen doch sehr anderen Part einnimmt. Allerdings passt das ins Bild und beschreibt ihren Charakter. Sie ist nun mal eher labil (Probleme nach dem Tod der Mutter / will eine Drohne sein / will nicht - wie Laura - in die Fußstapfen des Vaters treten), aber mag das anscheinend auch, denn sie hat sich ja von Nora ein Sportprogramm schreiben lassen.

    Danke auch für den Kommentar zur Erzählung über Audioverbindung; ich fand das einfach mal ganz witzig in der Umsetzung, dass nicht nur der allwissende Erzähler das Wort hat, sondern auch mal eine Rolle selbst berichtet.


    Im nächsten Kapitel schauen wir uns dann mal an, was mit Lilly passiert ist... ;)

  • Und weiter geht es. Wie angekündigt, schauen wir uns nun Lilly etwas genauer an. Ob ihr wohl gar nichts passiert ist oder es so weitergeht wie bisher oder es noch ne Spur extremer wird? Jedenfalls viel Spaß beim Lesen.

    Da wir nun Halbzeit haben und dieses Kapitel nicht so lang ist, gibt es das nächste vermutlich noch vor dem Wochenende.



    = Kapitel 6 – Lilly =

    Etwa eine Stunde früher ...
    Als Lilly ihren Spind öffnete und ihre Chipkarte einlegte, seufzte sie traurig. Trotz ihres anstrengenden Trainings hatte sie alles andere als gut geschlafen. Ihr Vater bedeute ihr alles, insbesondere nachdem bereits ihre Mutter verstorben war. Und dann auch noch Noras Andeutung... Das alles war zu viel für sie.

    Lilly schaute auf den Monitor und sah, dass sie heute die gleiche Aufgabe hatte wie am Tag zuvor. Dementsprechend erhielt sie auch keinen neuen Catsuit, sodass sie den geborgten Catsuit aus ihrer Tasche zog und ihn geistesabwesend anlegte. Doch als sie die Haube über den Kopf zog und den Anzug zurecht strich, bemerkte sie wieder diese warme enge, aber zärtliche Ganzkörperumarmung. Lilly schloss ihre Augen für einen Moment und genoss das Gefühl.

    Sie seufzte erleichtert auf und dachte an die bevorstehenden acht Stunden, wie sie sich gleich mit dem System verbinden würde und dass sie danach nichts mehr mitbekommen würde. Sie würde bis zum Ende ihrer Schicht weder aufwachen noch sich Sorgen machen. Lilly lächelte und freute sich darauf. Als ihre Hände Richtung Schritt wanderten, schreckte sie jedoch auf.


    „Komm‘ schon ... das ist weder die Zeit noch der Ort für sowas. An die Arbeit!“ sagte sie zu sich selbst, zog die knöchelhohen weißen Chucks an und ging zu ihrem Arbeitsplatz. Sie setzte sich, verband sich mit dem System, wartete auf den Countdown und sagte schließlich ohne es selbst noch zu hören: „Drohne 265 aktiviert und verbunden. 265 funktionstüchtig.“


    Sie öffnete automatisch verschiedene Dateien und begann mit der Arbeit. Doch nach ein paar Minuten erschien ein Fenster auf dem Bildschirm, das alle anderen Fenster blockierte. 265 las den Inhalt leise vor:

    „Sofortige Anwesenheit von Drohne 265 erforderlich. Abbruch aller anderen Aufgaben. Update auf mobile Steuerungssoftware. Anschließend Trennung der Verbindung und Standortverlagerung zur Forschungsabteilung, OP1. Dort Abwarten weiterer Instruktionen. 265 wird gehorchen.“


    Der Bildschirm wurde dann komplett schwarz und ein QR-Code erschien sowie danach durchlaufende Binärdaten. 265 blinzelte stetig und starrte auf den Bildschirm. Als der Bildschirm sich wieder verdunkelte, blinzelte sie zweimal hintereinander, zog den Stecker aus ihrem Nacken und stand auf. Sie drehte sich wortlos um und sah, dass auf der anderen Seite des Ganges zwei schwarz gekleidete männliche Drohnen hinter einer Arbeitsdrohne standen. Einer der Männer ergriff die weiß gekleidete Frau und hielt sie fest, während der andere ihr etwas in den Nacken drückte.


    „Hey ... nein ... hey ... lasst mich los! Wer seid ihr? Nein ... nein … Scheiße!“ schrie die weibliche Drohne, aber 265 hörte schon gar nicht mehr zu. Hier passierte alles aus gutem Grund. Und ihre einzige Aufgabe war es, den Anweisungen zu folgen.Und so verließ sie ihren Arbeitsplatz und die Halle, nahm den Aufzug und ging Richtung Forschungsabteilung. Sie ging durch ein Labor und immer weiter, denn niemand hielt sie auf und alle Türen, die zum Öffnen eigentlich eine Schlüsselkarte benötigten, gingen von selber auf.


    Schließlich kam sie in einen Hochsicherheitsbereich und betrat einen Raum, der wie ein Operationssaal aussah. Weil aus diesem keine andere Tür hinausführte, blieb 265 stehen und sah sich ruhig um. Es gab mehrere Bildschirme, ausgeklügelte Gerätschaften, aber keinen OP-Tisch in der Mitte des Raumes, sondern eher sowas wie eine silbergraue, extrem schmale und im Innern hell erleuchtete Telefonzelle mit verspiegelten Scheiben.


    265 stand einfach nur da und wartete auf weitere Instruktionen. Was anderes konnte sie nicht tun, da sie nur die gegebenen Befehle ausführen durfte, nichts anderes. Doch dann schaltete sich ein Monitor direkt vor ihr ein: ‚265! Komplett ausziehen! In die Kammer stellen! Füße auf die eingezeichneten Stellen! Ruhe bewahren!’

    265 nickte, sagte nur “265 wird gehorchen”, zog sich aus, öffnete die Tür, betrat die hell erleuchtete Kammer, drehte sich um, positionierte ihre Füße auf vorgegebenen Stellen und schloss die Tür, die sofort verriegelt wurde. Zudem schnappten Metallschellen aus dem Boden und fixierten 265s Füße. Sie war nun gefangen.



    „Was? ... Was passiert hier?!” fragte Lilly, als ein Sicherheitsprotokoll den Drohnen-Modus beendete und sie ‘aufwachte’. „Oh nein! Nein! Hilfe!”

    Sie drückte mit ihren Händen gegen die Tür und die Seitenscheiben, aber es half nichts. Die Kammer erwachte noch mehr zum Leben und von oben senkte sich aus dem hellen Lichtschein etwas Rundes mit zig filigranen Drähten, an deren Enden leuchtende Dioden befestigt waren, herab und schon sich langsam über Lillys Kopf. Lilly atmete hastig ein und aus und schaute sich verzweifelt um, versuchte sich weg zu ducken. Aber ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr richtig und so stand sie wie angewurzelt und erstarrt in der Kammer, während das Ding auf ihrem Kopf mit ihr Verbindung aufnahm.


    Von außen war nicht viel zu sehen oder zu hören, da die Kammer fest versiegelt worden war. Nur Lillys anfängliche Bewegungen konnten durch einen Beobachtungsschlitz in der Verspiegelung der Tür gesehen werden. Schließlich war alles recht ruhig, man sah nur Lilly in der Kammer stehen und Daten über Monitore huschen etc.


    Nach ein paar Minuten wurde etwas durch Schläuche in die Kammer hinein und etwas anderes wieder herausgepumpt. Auf einem Monitor blinkten Fortschrittsmeldungen auf. Zudem konnte man erkennen, wie sich Lillys Haut anscheinend schrittweise verfärbte.


    [Der gesamte Umwandlungsprozess ist in der Originalgeschichte deutlich ausführlicher und extremer beschrieben.]


    Schließlich zogen sich die Bolzen zurück und die Tür der Kammer schwang auf. Eine Gestalt trat aus der Kammer, ohne ein einziges Haar am Körper, ohne Brustwarzen, mit abgeflachter Brust, ohne Hand- und Fußnägel, ohne primäres Geschlechtsmerkmal, mit seidenmatt-silberner Latexhaut, deutlich schlanker als Lilly und mit einem Gesicht, das keine Besonderheiten mehr hatte – bis auf extrem dünne Lippen und fast schon leuchtende eisblaue Augen mit kleinen Pupillen. Die Gestalt, die insgesamt eher aussah wie eine lebendige silberne Schaufensterpuppe, trug einen runden metallenen Rahmen von etwa 12 cm Durchmesser mittig unterhalb ihrer angedeuteten Brüste, in dem sich blinkende LED und Anschlüsse für Schläuche und Kabel befanden.


    „Umwandlung abgeschlossen,“ sagte die Gestalt mit Lillys Stimme und schloss die Augen. „Überprüfe Sicherheitskopie der vorherigen humanoiden Persönlichkeit und Erinnerungen auf dem Sicherungslaufwerk. Überprüfung erfolgreich. Lösche lokale Datensätze. Formatiere internen Speicher. Formatiere ...”


    Ein paar Momente später öffnete die silberne Gestalt ihre Augen und sagte mit einer abgehackten Roboterstimme: „Forma-tierung-ab-geschlossen. Instal-liere-neues-Betriebs-system-und-Basis-programmierung. Instal-liere ... instal-liere ... In-stallation-erfolgreich. System-check ... System-check. Alle-Systeme-voll-funktions-tüchtig. Einheit-MFB1-aktiviert-und-bereit. Batterien-bei-80-Prozent...“



    Einige Minuten später betrat Dr. Gresslich den OP. Er sah sich den makellosen silbernen Frauenkörper, wie er mit blinkenden LED in der Brustschnittstelle da stand, einige Zeit lang mit großen Augen an.


    „Oh Gott! Es hat geklappt!“ jauchzte der Wissenschaftler und hielt sich beide Hände vor die Stirn. Er schnappte sich eine Tastatur und gab einige Befehle ein. Die Kammer schloss sich wieder, die Gestalt ging auf ihn zu und nahm kurz vor ihm Haltung an:

    „Multi-funktions-bot, Serien-nummer-000-000-000-01 / derzeitige-Be-zeichnung-MFB1 / aktiviert-und-voll-funktions-fähig. Batterien-bei-80-Prozent. Erwarte-Befehle.“


    Der Wissenschaftler gluckste wie ein kleines Kind und ließ seine Hände über die gummiähnliche silbrige Haut gleiten. MFB1 reagierte überhaupt nicht, sondern starrte stumm geradeaus.


    „Endlich hat es tatsächlich geklappt! Eine vollautomatische Umwandlung ... endlich!“ lachte Dr. Gresslich, doch dann grübelte er einen Moment nach und sah MFB1 an. „Ich muss auf Nummer sicher gehen. Wollen wir doch mal sehen, ob Du echt echt bist... MFB1, lade Erscheinungsbild Puppe, Modell Blondchen-1!“


    [In der Originalgeschichte greift er zu einer krasseren Maßnahme.]


    Dr. Gresslich hatte insgeheim damit gerechnet, doch konnte seinen Augen kaum trauen, als wieder kleine Brustwarzen an MFB1 erschienen und sich die Brüste leicht vergrößerten. Zudem wuchsen lange blonde Haare aus ihrem Kopf, Augenbrauen wuchsen nach, lange Wimpern erschienen und die Lippen wurden praller und färbten sich glänzend rot. Zuletzt änderte sich noch die Haut; sie wurde wieder hautfarben, blieb aber noch leicht samtig-glänzend und latexähnlich. Die nackte, menschengroße Puppe stand regungslos vor ihm und sah ihn mit großen Augen an.


    „Yessssss! Meine fleißigen Naniten! Ihr leistet ganze Arbeit!“ rief Dr. Gresslich triumphierend als der Inspektor, Trish und Frau Meister den OP betraten.

    Trish sprang sofort zum Wissenschaftler rüber und nahm ihn in den Polizeigriff. Der Inspektor hob den weißen Lycra-Catsuit vom Boden auf, hielt ihn hoch, sah sich die Nummer 265 an und dann zur lebenden Puppe rüber.


    „Ich denke, Sie haben uns jetzt so einiges zu erklären, Dr. Gresslich...“

  • Irgendwie hat sich da jemand ganz verdächtig gemacht.

    Würde mich aber auch nicht wundern, wenn er noch eine weitere Trumpfkarte im Ärmel hat.

    Dazu den komplett wandelbaren MFB1.

    Und auf Laura wartet... (von der haben wir noch nichts gelesen).

    Lillys Beobachtungen von den zwei dunklen Gestalten, die bei Trish waren, sind wohl nun flöten. Oder doch gesichert?

    Hut ab vor deiner Fantasie.

    P.S.: Was sind Naniten?