Die galaktische Turnfee Nereida Drei

  • Die galaktische Turnfee Nereida Drei ist eine von mir selbst ersonnene Geschichte mit Sci-Fi-Fantasy-Anteilen, eine Geschichte mit viel Harmonie, aber auch Disharmonie; über eine lockere Vereinsturngruppe, Beziehungen, Ängste, Verwandte, Freunde, Freude, Tanzen, Turnen, Turnanzüge, Leggings, Lycra und natürlich über Nereida und ihre Welt.

    Im alten Forum hatte ich meine Geschichte von der Turnfee Nereida veröffentlicht.
    Nun gibt es das Forum nicht mehr und die bisherigen Folgen sind verschwunden.

    Ich möchte gerne hier weiter fortfahren, stehe aber vor dem Problem, dass ich dann bei euch 36 Kapitel als bekannt voraussetzen muss.
    Aber es gibt ja auch neue Leser.

    Oder ich kopiere alle gewesenen Kapitel hier hinein.
    36 Kapitel hier rein zu kopieren bedeutet aber 41000 Wörter bzw. 257000 Zeichen einzufügen.

    Ich weiß nicht, ob das gestattet ist.

    Ich könnte auch eine Zusammenfassung aller 36 Kapitel schreiben (das wird etwas dauern) und danach mit Kap. 37 fortfahren.

    Oder Interessenten schicken mir per PN ihre E-Mail und ich schicke ihnen per E-Mail die Geschichte bis Kap. 36 zu, um das Forum zu entlasten.

    Schreibt mal eure Meinung.


    Hier das Inhaltsverzeichnis meiner Turnfee-Geschichte.

    (Nur wer es unbedingt sehen möchte, oder alle Kapitel schon gelesen hat, klicke auf "Spoiler anzeigen". Wer sich die Spannung bewahren möchte, unterlässt es...)

    Viel Spaß beim Lesen.

    Desi

    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Die galaktische Turnfee Nereida Drei

    Ein Sci-Fi-Märchen von Desi

    Hinweis des Autors:
    Meine Geschichte darf frei weiterverbreitet und -kopiert werden.
    Allerdings untersage ich hiermit die kommerzielle Verwendung meiner Geschichte.
    Kommentare bitte über PN (Konversation) oder hinter meine Geschichte.


    Hier kommt nun Folge 1 meiner Turnfee-Geschichte. Viel Spaß beim Lesen.

    Kap. 01: Nereida kommt


    An einem trüben Samstagnachmittag saß ich allein an meinem Rechner und surfte lustlos im Internet. Auf den Seiten meiner Lieblingsbands las ich zum x-Mal dieselben Informationen. Die brachten auch nichts Neues mehr raus. Man merkte daran, dass man älter wird. Auf den Nachrichtenseiten gab es ebenso nichts Gescheites; von Unruhen und Kriegen auf der Welt wurde da berichtet wie auch von Tsunamis, Waldbränden und weiteren schauerlichen Dingen. Die Sportnachrichten beschränkten sich auf Fußball, Tennis und Golf, wie fast immer. Von Turnwettkämpfen z.B. las man da nichts, dazu musste man schon Spezialseiten aufrufen.


    Ich mochte diese Wettkämpfe und schaute sie mir gerne an, besonders die jungen Frauen. Diese Gelenkigkeit, Anmut und Leichtigkeit, das gefiel mir daran sehr. Könnte ich mich doch auch so elegant bewegen. Und dann die Turnanzüge aus Lack und Lycra! Die schönsten Farben, Muster und Schnitte hatten die Sportfirmen da einfließen lassen, ich staunte immer wieder. Das kam auch meiner Vorliebe zu Gute, die Vorliebe für diesen schönen Stoff Lycra. Besonders fuhr ich auf Schwarz ab.


    Einige wenige Turnanzüge hatte ich selber und turnte zu Hause darin. Ich hatte viel Freude an der Bewegung und die Lycra-Turnanzüge animierten mich weiter zu machen. Das fand ich schön.


    Ich öffnete die Suchmaschine Startpage.com, tippte 'Turnanzug' ein, drückte Enter und klickte auf 'Images'. Lauter prächtige Turnanzüge erschienen da. Einer schöner wie der andere. Besonders einer mit sattem Schwarz und raffiniertem Tülleinsatz und Strassbesatz hatte es mir angetan. Daneben stand geschrieben 'Nereida III'. Den wollte ich haben!


    Mein Wunsch war wohl so stark, dass ich voll Inbrunst laut heraus schrie: "Nereida Drei, komm bitte her!", und eigentlich genau wusste, dass das ja Unsinn war. Wie sollte ein Turnanzug schon auf Zuruf herbei kommen?


    Etwas Seltsames geschah: Ein gleißendes Licht erstrahlte in der Mitte meines Zimmers, verdichtete und verlängerte sich mit einem Rauschen, Sphärenklänge hüllten den Raum ein. Ich starrte wie gebannt auf das Licht, unfähig, mich zu bewegen; lauschte den Tönen, die mich tief berührten und mich fesselten. Es zeichneten sich Umrisse ab, wie von einem menschlichen Körper. Lichtschwaden umkreisten die Gestalt in allen Farben. Die Farben drangen in die Gestalt ein, und die Gestalt nahm die Farben an. Zu meinem Erstaunen erschien eine Frau, etwa Anfang 30. Sie war wohlgeformt, hatte eine makellose leicht gebräunte Haut, eine sportliche Figur, ihr dunkelblondes Haar fiel locker herab. Die Frau trug ein langes Kleid mit einem fremdartigen Muster in verschiedenen Farben, das sich meinen Blicken entzog. Ihre dunklen Augen mit den schwarzen Augenbrauen blitzten mich freundlich an.


    Noch benommen von dem unglaublichen Ereignis starrte ich sie an. Wie kam sie hierher? Das war doch alles nicht möglich?!?

    Sie fing an zu sprechen: "Du hast mich gerufen, Ingo?"

    Ihre Stimme klang klar, hell und sanft, und sie riss mich aus meiner Starre.

    Woher kannte sie meinen Namen? Wer war sie? Und wieso hatte ich sie gerufen?


    Die Frau lächelte und tänzelte leicht vor mir.

    Anscheinend konnte sie meine Gedanken lesen.

    "Du kennst meinen Namen, Ingo, denn du hast mich ja gerufen", begann sie.

    "Ich heiße Nereida, genauer Nereida Drei."


    So langsam wurden meine Gedanken wieder klarer. Die Turnfotos aus dem Internet, ja, das war es. Und der eine Turnanzug hieß Nereida-III.

    "Hallo Nereida", stammelte ich, immer noch etwas benommen,

    "ich bin ganz verdattert. Von woher kommst du, und wie kommst du, äh...?"


    Nereida erkannte meine Verwirrung und fiel mir ins Wort.

    "Entschuldige bitte, dass mein Erscheinen dich verwirrt hat.

    Ich komme aus einer anderen, höheren Dimension.

    Das Reisen durch Raum und Zeit ist für mich ein Kinderspiel."


    "Und das Licht um dich herum?"

    "Die Licht- und Klangeffekte, die du gesehen und gehört hast, dienten mir zur Synchronisation mit deiner Welt. Zu deiner Beruhigung hab ich einen Körper angenommen, der dir in deiner Welt vertraut vorkommt."


    "Was ist das für eine Welt, von der du kommst, Nereida?"

    Ich war neugierig.


    "Ich komme von der Tanz- und Turnwelt R-Wi", antwortete sie zwinkernd und drehte sich einmal schnell und elegant um ihre Achse.


    "Turnwelt?", fragte ich verblüfft.


    "Ja", strahlte sie. "In unserer Welt ist alles in Bewegung.

    Wir Bewohner von R-Wi tanzen und turnen unsere Welt in die Existenz.

    Die Bewegung füllt uns mit Lebensenergie. Und die brauchen wir zum Leben.

    Ohne Turnen und Tanzen gehen wir sonst zugrunde."

    Nereida tanzte vor meinen Augen. Sie hatte so etwas Magisches, Leichtes an sich. Es war ansteckend. Ich konnte nicht anders, als mich ebenfalls zu bewegen.


    "Und was hat das mit meinem Ruf zu tun?"


    "Dein inbrünstiger Ruf, oder genauer gesagt die Macht deiner Gedanken, deines Wunsches haben die Dimensionen durchdrungen und mich alarmiert. Da ist jemand, der mich und meine Hilfe braucht. Mich, die Turnfee Nereida."


    "Turnfee? So siehst du ja gar nicht aus. Und wo sind deine Flügel?" meinte ich skeptisch.


    Sie lachte. "Moderne Feen brauchen keine Flügel mehr. Und für Turnfeen sind sie beim Turnen und Tanzen sowieso nur hinderlich. Schau mir mal zu", forderte sie mich auf.


    Nereida begann ihre Hüften zu schwingen, sie lächelte und drehte sich mehrfach um die eigene Achse. Nicht nur ihr Gesicht, sondern ihr ganzer Körper strahlte dabei soviel Freude aus. So was hatte ich noch nie gesehen! Das Licht umfing sie wieder und verdeckte wirbelnd ihren sich windenden Körper. Nie gehörte Klänge drangen an mein Ohr. Ein schönes Schauspiel! Waren es nur ein paar Sekunden oder einige Minuten, ich weiß es nicht mehr. Gespannt wartete ich ab.

    Als das Licht und die Musik verschwand und ich Nereida wieder sah, meinte ich zu erstarren. Diesen Anblick habe ich doch schon irgendwo mal gesehen.

    Ihr dunkelblondes Haar war nun verknotet, wie bei einer Turnerin.

    Aber das Besondere war: Nereidas Kleid war verschwunden.

    Sie trug nun einen Turnanzug!

    Er war schwarz, und mit einem dezenten schönen Tüllmuster.

    Und zwar das Modell Nereida-III.

    Ja, haargenau das von der Internetseite!

    Mir fiel die Kinnlade herunter.


    Nereida sah nun exakt so aus wie das Fotomodell von der Internetseite.

    Nur stand sie jetzt direkt vor mir! Leibhaftig, in 3D!

    Ihr Turnanzug wirkte jetzt noch viel intensiver.

    Edel, schwarz, glänzend. Super Gloss.

    Die Strasssteinchen auf dem Anzug funkelten mit ihren Augen um die Wette.


    Ich wollte was sagen, war dazu aber nicht in der Lage. Was für ein prächtiger Turnanzug an einer immens hübschen Frau. Könnte ich nicht auch so einen haben? Ich war einfach zu gefesselt von diesem schönen Anblick.


    Nereida lächelte wieder und meinte:

    "Ich habe deine Sehnsucht zur Bewegung gespürt.

    Zuerst in deinem Ruf, und seitdem ich hier bin, erneut.

    Und ich habe gespürt, dass du Turnanzüge magst.

    Sie sind hervorragend zum Tanzen und Turnen gemacht.

    Ich weiß, dass du einen willst, und ich werde dir helfen."


    Sie hatte mich durchschaut. Aber sie fand meinen Wunsch nicht seltsam. Dass sie mir helfen wollte, machte mir Mut.


    "Und wie? Hast du noch einen mitgebracht? Oder leihst du mir deinen?"


    Sie schüttelte den Kopf.

    "Weder noch. Bewege dich so wie ich. Es kommt nicht darauf an, meine Bewegungen exakt nachzumachen. Denke daran, Ingo, es geht nur über die Freude an der Bewegung."


    Noch unschlüssig, wie das funktionieren soll geschweige denn, was sie vorhatte, begann ich die Hüften zu bewegen. Nereida machte es mir vor. Und ich drehte mich zu der Musik. Anfangs war ich noch etwas ungelenk, jedoch mit der Zeit ging es immer besser. Mein Gefühl für die Bewegung wuchs und es lief fast wie von selbst. Ich lächelte Nereida an, und sie lächelte zurück. Mein Körper schien einen eigenen Willen zu entwickeln, die Beine, Arme, der Rumpf wanden sich hin und her, ohne mein eigenes Zutun. Ich war wie besessen von der Bewegung. Es war, als könnte ich alles tun, alles machen. Als wenn ich auf einem riesigen Feld tanzte. Als wenn die Sonne nur für mich schien.


    Nereida und die Welt um mich schienen zu verschwinden, das Licht umfing mich, ich fühlte mich auf einmal leicht, beinahe schwerelos! Die Welt war nur noch Tanz und Licht. Kurze Zeit später spürte ich wieder meinen Körper, oder etwas, was meinen Körper umschloss. Ganz sachte, aber dennoch spürbar. Ich tanzte langsamer und das Licht verschwand. Mein Zimmer und Nereida wurden wieder sichtbar.


    Nereida kam zu mir, drückte mich und rief freudig aus: "Du bist großartig! Das hast du wirklich toll gemacht. Siehe, deinen schönen Lohn hast du bereits bekommen. Du kannst ihn behalten."

    Ich wusste zuerst nicht, was sie meinte, denn irgendwie war ich immer noch von meiner Tanzwelt eingenommen.

    Dann schaute ich aber an mir herab.

    Oh! Ich glaubte meinen Augen kaum zu trauen!

    Meine Kleidung war nun auch ein Turnanzug! Der Nereida-III!


    Das Lycra fühlte sich unschlagbar gut an.

    Ich konnte das immer noch nicht fassen. Dann dachte ich an meine kosmische Besucherin. Es war ihr Verdienst!

    Überwältigend sah ich sie an und fiel ihr um den Hals.

    "Vielen, vielen Dank Nereida! Ganz klasse, das Tanzen, und der Turnanzug!"


    Sie strahlte und drückte mich ebenso.

    "Gern geschehen. Das freut mich, dass er dir gefällt.

    Allein deine Freude an der Bewegung hat es möglich gemacht."


    "Aber Du, Du hast mir doch den Turnanzug geschenkt?", entgegnete ich verwirrt.


    "Das stimmt", bestätigte Nereida, "doch dazu brauchte ich deine aufrichtige Begeisterung für die Bewegung und deinen Enthusiasmus."


    Zufrieden begann ich wieder zu tänzeln und herum zu turnen.

    Nereida tat es ebenso. Wir beide jetzt im gleichen Turnanzug!

    Mein Turnanzug passte wie angegossen und machte jede Bewegung fließend mit.

    Der Wandspiegel zeigte sie eindrucksvoll.


    "Ich kann gar nicht mehr aufhören", meinte ich, "und ich spüre ein wohliges Kribbeln, eine Leichtigkeit, gute Laune. Und es ist so, als hätten wir einen gemeinsamen Schwerpunkt beim Tanzen."


    "Ja, die Lust zum Tanzen und Turnen hat dich nun erreicht.

    Und dein neuer Turnanzug verstärkt die Lust noch mehr.

    Das Kribbeln, die Leichtigkeit und die gute Laune treten immer dann auf, wenn zwei oder mehr Leute in R-Wi-Turnanzügen zueinander kommen, und zwar bei allen. Ja, wir wirken dann aufeinander anziehend. Und deine Beweglichkeit verbessert sich dadurch auch noch.

    Ich merke, deine Tanzfreude hat sichtlich zugenommen. Machen wir also weiter", schlug Nereida vor.


    Wir turnten noch eine lange Zeit zusammen.

    Nereida zeigte mir Übungen, wie man sich fit hält und den Körper am besten stärkt und schützt.

    Im Turnanzug liefen die Übungen fast wie von selbst.


    Nach einer Weile brauchte ich dennoch eine Pause.

    Nereida hätte noch stundenlang weitermachen können, ihre Energie schien unerschöpflich zu sein.

    Ich holte uns beiden ein Erfrischungsgetränk und wir gerieten ins Plaudern.


    "Wie lebst du eigentlich, Nereida?", fragte ich neugierig.


    "Wie ich vorhin schon mal sagte, in meiner Welt ist das Turnen und das Tanzen Mittelpunkt des Lebens. Wir erschaffen tanzend und turnend unsere Welt und erhalten sie auch auf diese Weise."


    "Wie soll ich mir das vorstellen?", fragte ich.


    "Denke an ein Ballett in deiner Welt. Die Tänzer errichten nur durch ihre Tänze eine eigene Welt. Gefühle, Räume, Städte, ganze Königreiche entstehen und vergehen allein nur durch den Tanz auf einer sonst leeren Bühne", erklärte Nereida.


    "Du hast dir vorhin beim Tanzen vorgestellt, dass du auf einem riesigen Feld stehst und dass die Sonne nur für dich scheint", ergänzte sie.


    "Das hast du gesehen?"

    Ich war verblüfft.


    "Ja. Deine imaginäre Welt ist für mich real sichtbar.

    Das Ballett bei euch ist etwa ähnlich wie das Tanzen in meiner Welt.

    Nur dass wir bei uns keine Gedankenwelt vor einem Publikum, sondern eine echte Welt erschaffen."


    "Und was ist speziell deine Aufgabe?", fragte ich.


    "Wir Bewohner von R-Wi benötigen die Bewegung so dringend wie du das Essen und Trinken. Dabei hilft uns die Freude am Tanz sehr. Diese Freude möchten wir gerne weitergeben.

    Dieser Aufgabe habe ich mich verschrieben. Ich weiß, dass es auch auf der Erde Lebewesen mit Spaß am Turnen, Gymnastik und Tanzen gibt. Ich helfe euch Erdbewohnern gerne dabei, diese Freude zu vermehren und eigene Welten zu schaffen, wenn auch nur in Gedanken."


    "Und die Turnanzüge?"


    Nereida lächelte. "Ein schöner Turnanzug oder Ballettanzug beflügelt die Tänzer und Turner. Er sieht gut aus, macht alle Bewegungen mit und man fühlt sich darin einfach wohl. Egal ob du Mann oder Frau, Junge oder Mädchen bist, ein schöner Turnanzug ist eine Bereicherung. Das hast du ja auch gemerkt."


    "Und ob! Ich liebe Turnanzüge."


    "Und darum kamen wir von R-Wi auf die Idee, Turnanzüge zu entwerfen und hier auf der Erde anzubieten."


    "Gibt es deswegen die Firma Ervy?"

    Die Ähnlichkeit zwischen dem Namen von Nereidas Heimatwelt und dem deutschen Turnartikelhersteller fiel mir schon länger auf.


    "Genau", erwiderte Nereida, "da R-Wi sich nicht gut als Markenname macht.

    Die Leute nannten ihre Firma 'Ervy' und den Modeschöpfern flüsterten wir unsere Entwürfe ein, und ließen sie in dem Glauben, die Entwürfe kämen von ihnen selbst."


    "Trickreich! Und die Katalogfotos?"


    "Dafür waren ich und weitere Bewohner von R-Wi auf der Erde bei den Fotoaufnahmen, natürlich unerkannt", meinte Nereida.


    "Also warst du das persönlich auf dem Bild von der Internetseite?", fragte ich.


    "Ja", lachte Nereida. "Wenn jemand schon einen Turnanzug mit meinem Namen anbietet, muss ich ihn ja wohl auch persönlich anziehen und vorführen.

    Zwar kann ich auf der Erde jede menschliche Gestalt annehmen, aber die Erdenfrau Nereida der Internetseite oder wie ich jetzt hier kommt meinem tatsächlichen Aussehen sehr nahe."


    "Hey, ich wusste natürlich nicht, wie das alles so zusammenhängt, aber nun ist mir alles klar", meinte ich. Nereida grinste.


    Draußen war es dunkel. Es war bereits 22 Uhr.


    "Ich sehe, du hast einen schönen Tag gehabt. So werde ich langsam aufbrechen."


    "Allerdings Nereida, den hatte ich", bekräftigte ich. "Danke nochmal für den tollen Tag und unsere Gespräche und diesen super schönen Turnanzug."


    "Nichts zu danken", lächelte sie.


    "Eine Bitte noch: Darf ich ein Foto von uns beiden machen, als Erinnerung?"


    "Aber gerne doch."


    Sie wartete geduldig, während ich schnell das Stativ aufbaute.

    Wir stellten uns beim Sofa vor die Kamera. Sie lächelte wieder bezaubernd.

    Ein kurzer 'Klick', und schon war unser Bild im Kasten.


    "Fantastisch", meinte ich. Ihr gefiel das Bild auch.


    "Nun muss ich aber los", sagte Nereida.


    "Ach schade... Kann ich dich denn später irgendwie erreichen?", fragte ich sie.


    "Aber ja. Wenn du meinen Turnanzug an hast, und du darin tanzt oder turnst, bist du gedanklich mit mir verbunden. Wir könnten dann Gedanken austauschen, wenn du magst.

    Oder ruf mich einfach so, wie du es heute getan hast."


    "Abgemacht", rief ich.


    Wir umarmten uns zum Abschied nochmal herzlich. Nereidas Turnanzug fühlte sich echt gut an, als ich mit meinen Händen darüber strich.


    "Lebewohl, Ingo", sagte Nereida, und ich merkte, dass auch sie ein wenig traurig war.

    "Vergiss nicht zu turnen und zu tanzen. Dein neuer Turnanzug hilft dir dabei. Er ist auch mit meiner Energie gefüllt", meinte sie. "Übrigens ist jeder Turnanzug, der Ervy verlässt, mit der Tanz- und Turnenergie aus R-Wi gefüllt. Und deiner ganz besonders, denn er kommt von mir persönlich", schloss sie.


    Ich bedankte mich noch einmal bei ihr.


    Nereida lächelte und rief mir zu: "Tschüss Ingo, bis irgendwann mal wieder. Und nun tanze zum Abschied noch mal mit mir!"


    Wir tanzten auf der Stelle, und unsere Bewegungen wurden schneller und intensiver. Ich nahm wieder die Musik wahr, und das Licht nahm Nereida ein, ließ sie erstrahlen voller Energie. Ein letztes Mal sah ich sie, auf ihrem Gesicht ein bezauberndes Lächeln, dann flossen die Farben aus ihrem Körper, wirbelten um sie und verdeckten Nereida, bis das Licht gleißend hell geworden war, es wirbelte umher, strömte zur Zimmerdecke und verschwand schließlich.


    Ich war wieder allein. Das ganze kam mir fast wie ein Traum vor, wären da nicht der bequeme Turnanzug, den ich immer noch anhatte, und das gemeinsame Foto mit meiner kosmischen Besucherin.


    Gerne denke ich an sie zurück, betrachte das Foto, schaue abends manchmal durchs Zimmerfenster in den Sternenhimmel und stell mir vor, wie sie da oben irgendwo mit voller Lebensfreude weiter turnt und tanzt.


    Dann ziehe ich wieder ihren - pardon - meinen Turnanzug an und tanze und turne ausgelassen.


    (C) Desi (2016)


    Zu Kap. 2


    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Ja danke Martin.

    Ein bisschen komme ich mir vor wie bei Mensch-ärgere-dich-nicht, wo man unweit vom Ziel heraus geschmissen wird und wieder am Anfang beginnen muss.
    Aber ich habe die Zeit genutzt und gehe alle Folgen der Geschichte noch mal durch und verringere dabei Ausdrucks- und Rechtschreibfehler. Ich schrieb "Verringern", denn ganz bekommt man die ja nie weg.
    Inhaltlich werden die "renovierten" Folgen den alten natürlich gleichen.

    Weiterhin viel Spaß beim Lesen.
    Desi

    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Kap. 02: Die Nachwehen

    Etliche Wochen waren nun vergangen, seitdem meine außergewöhnliche Besucherin mir einen Besuch abgestattet hatte.

    Bis dahin war ich eigentlich ein ziemlich nüchterner Mensch gewesen, und jemanden, der mir gesagt hätte, Außerirdische gäbe es wirklich, hätte ich einen Vogel gezeigt oder als Spinner abgetan.

    Nun war es mir selbst passiert.

    An jenem Tage erhielt ich Besuch von Nereida Drei. Eine Außerirdische in Menschengestalt. Die Turnfee aus dem All, so wie sie sich nannte. Einerseits wirkte sie wie eine ganz normale turn- und tanzbegeisterte Frau, andererseits war mir ihr seltsames Erscheinen, ihr Zauber, ihre Fähigkeiten ein komplettes Rätsel.

    Sie kam auf meinen Aufschrei hin, als ich einfach nur den Turnanzug mit dem gleichlautenden Namen haben wollte, den ich auf einer Internetseite sah. Nereida sah genauso aus wie das Modell Nereida-III von der Ervy-Internetseite.

    Und was ich mir bis heute nicht erklären konnte, war, dass ich nach einem ekstatischen Tanz plötzlich auch den gleichen Turnanzug wie sie trug.

    Irgendwann war sie dann auf ähnliche Weise wieder verschwunden, wie sie gekommen war.


    Nereida hatte, seitdem sie weg war, meine Welt auf den Kopf gestellt.

    Mir fiel es schwerer, mich auf etwas zu konzentrieren, sei es bei der Arbeit oder anderswo.

    Sie ging mir schlichtweg nicht aus dem Kopf.


    • Ihre Ausdauer.
    • Ihre Beweglichkeit.
    • Ihr Optimismus.
    • Ihre Ausstrahlung.
    • Ihre Lebenslust.
    • Ihr bezauberndes Lächeln.
    • Ihr Turnanzug.
    • Ihre Umarmung.


    Ich dachte oft an sie.


    Ich hatte keinem von Nereida erzählt. Wer würde mir schon glauben?

    Eher würde man mich für verrückt erklären und mich in die geschlossene Anstalt stecken.

    Ich trug die ganze Geschichte in meinem Kopf herum.

    Es war irgendwie, als hätte ich eine gute Freundin gefunden und gleich wieder verloren.

    Eine echt große Belastung.


    Dass ich nicht durchdrehte, hatte ich zwei Dingen zu verdanken: erstens dem gemeinsamen Foto, dass mich unmissverständlich mit ihr zeigte; und zweitens dem Turnanzug, den sie mir hinterließ.

    Es war also wirklich wahr. Das hatte ich nicht geträumt.


    Andererseits war ich gut drauf, wenn ich den Turnanzug zu Hause trug. Das Turnen und Tanzen darin machte echt Spaß! Ich hatte richtig Lust dazu. Da verflog mein Schwermut dann. Und was Nereida behauptete, der Anzug sei mit ihrer Energie gefüllt, konnte ich bestätigen, zugegebenerweise. Ich geriet erst nach längerer Zeit außer Puste als sonst.

    Das Lycra schmiegte sich so richtig schön an mich, ich mochte diesen Stoff gerne auf der Haut spüren, und die Strasssteine reflektierten das Licht der Deckenlampe und es glitzerte und funkelte, wie mir mein großer Wandspiegel treffend bewies.

    Nereida, danke für dieses tolle Geschenk!

    Manchmal hatte ich tatsächlich den Verdacht, dass sie mich hörte. Weil mir dann so leicht ums Herz wurde und ich das Gefühl hatte, eine Lichtjahre lange Verbindung mit ihr zu haben.


    Im Turnanzug in die Welt hinauszugehen traute ich mich aber noch nicht.

    Das wollte ich für mich behalten. Nur in meinen eigenen vier Wänden.

    Ich wollte mich nicht erklären müssen.

    Bis zu einem gewissen Tag hielt ich daran fest, und dann wurde alles anders...

    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Kap. 03: TuFiTa

    Aus Ingos Sicht.


    Meine Freizeit verbrachte ich unter anderem im lokalen Sportverein TSV Obertupfingen. Ich war da Sportgerätewart und kümmerte mich darum, dass die Turngeräte in einwandfreiem Zustand sind und bleiben.

    Kürzlich haben wir neue Turnmatten bekommen, denn die alten waren schon recht abgenutzt.


    Als ich letzten Mittwoch um 18 Uhr in die Halle kam, hatte die Trainerin Tabea gerade die Übungsstunde mit der Mädchenriege beendet. Sie gab ihren Schützlingen noch letzte Tipps mit. Die Mädchen in ihren glänzenden Turnanzügen verließen dann plaudernd die Halle zu den Umkleideräumen.


    Tabea war 40 Jahre alt, etwa 170 cm groß, schlank, und für ihr Alter noch enorm fit. Sie war ein echtes Energiebündel, durchsetzungsfähig und konnte es durchaus mit der Mädchenriege aufnehmen, die sie trainierte. Tabea war selbst mal aktive Kunstturnerin und zweimal Landesmeisterin. Sie war sogar Mitglied im Nationalkader und für die Turn-Europameisterschaft 1996 in Birmingham nominiert, bis ein schwerer Unfall kurz vor der Turn-EM ihre Karriere jäh beendete. Tabea war zäh und kämpfte, konnte jedoch nicht mehr an ihre Spitzenleistungen anknüpfen. Sie hatte Pädagogik studiert und arbeitete dann als Lehrerin an einer Grundschule in Obertupfingen. Das Turnen aber blieb stets ihr Hobby, was sie weiterhin ununterbrochen ausübte.


    Tabea trainierte mittwochs immer um 17 Uhr die Mädchen-Leistungsriege 15-18 Jahre, die auch an Wettkämpfen teilnahm. An zwei anderen Wochentagen war sie als Trainerin ebenfalls vor Ort.

    Und mittwochs ab 18 Uhr trainierte Tabea eine Damengruppe namens TuFiTa, mit Elementen aus Turnen, Fitness und Tanz, daher der Name. Diese Riege war mehr auf Fitness und Spaß aus, es gab dort keine Wettkämpfe.


    Tabea hatte gerade die Stunde mit ihrer Mädchen-Leistungsriege beendet. Sie trug einen dunkel-violetten Turnanzug aus Lycra mit Strassapplikationen und die Ärmel aus einem schwarz-silbrig schimmernden Material. Stand ihr prächtig! Den hatte sie auch schon öfter an. Durch meine Internetrecherche wusste ich, dass es das Modell Sherata der Firma Ervy war. Er passte auch gut zu ihren schwarzen Haaren, die sie zusammengebunden hatte.


    Tabea erkannte mich schon von weitem, wandte sich von ihrer Mädchenriege ab, kam zu mir und meinte vergnügt: "Hey Ingo, die neuen Matten sind eine gute Investition! Das Turnen darauf bringt viel mehr Spaß!"


    "Ja, das freut mich. So soll es sein. Alles nur für euch!", meinte ich grinsend.


    Ich sah, wie Tabeas Mädchenriege in den Umkleideräumen verschwand.


    "Und wie läuft es denn so bei dir?", fragte Tabea.


    Ich versuchte mein Inneres zu verschleiern.


    "Doch eigentlich ganz gut. Aber ich merke, dass ich mit 45 nicht mehr der jüngste bin."


    "Tja, dann solltest du dich fit halten. Und Sport treiben, so wie ich."


    "Das würde ich ja gerne, bloß wie. Du hast ja leicht reden. Du turnst ja schon beinahe ohne Unterbrechung seit deiner Kindheit", entgegnete ich.


    "Das stimmt, aber zum Anfangen ist es nie zu spät. Schau dir die Mädels hier an. Nur sehr wenige davon turnten ohne Unterbrechung. Die meisten haben erst später nach langer Pause wieder angefangen. Du kannst gerne mal mitmachen", zwinkerte Tabea mir zu. Oh je. Das bedeutete nichts Gutes. Wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hatte, war sie nur schwer zu stoppen. Tabea war dafür bekannt, ihre Ideen konsequent zu verwirklichen.


    Mit den Mädels meinte Tabea die Frauen von TuFiTa, die mittlerweile eintrudelten. Das waren knapp zehn Frauen, die alle um die 35 bis 45 Jahre alt waren und mit denen Tabea dann in der folgenden Stunde trainierte. Es ging "Hallo Tabea!", "Hallo Julia!", "Grüß dich Kerstin!", "Hey Silvia", "Alles klar, Marion?", "Tachchen Femke!", "Hi Christina, Ute, Oksana", aber auch "Hallo Ingo!". Die Frauen kannten mich alle schon, zumindest vom Sehen. Ich grüßte freundlich zurück.


    Was mich jedes Mal erfreute, war, dass die Frauen auch alle Turnanzüge trugen. Da gab es Anzüge in allen Farben und mit verschiedenen Mustern. Es war keine Leistungsriege, und so war die Muster- und Farbenvielfalt kein Hindernis. Ich bekam von früheren Treffen mit, dass Tabea sie ermunterte, auch einen schicken Turnanzug beim Training zu tragen. So kam es, dass nun jede von ihnen einen Turnanzug trug.


    Ich wollte kein weiteres Aufsehen erregen und war gerade im Begriff zu gehen.

    Tabeas herzliche Begrüßungen mit ihrer Riege schienen sie von dem Gespräch mit mir abzubringen.

    Glaubte ich jedenfalls. Ich sollte mich sehr irren.


    Auf einmal rief Tabea: "Mädels, gestern Abend wurden die neuen Matten geliefert, die hier bereits liegen!" Anerkennender Jubel war die Folge.

    "Und wisst ihr, wer dafür gesorgt hat?"

    Tabea zeigte auf mich: "Das war Ingo!"


    Alle Frauen schauten mich an und jubelten mir zu.

    Soviel Aufmerksamkeit war mir beinahe irgendwie peinlich.

    Aber Tabea hatte Recht, ich als Gerätewart hatte die neuen Matten besorgt.


    "Und was meint ihr, Mädels, wollen wir ihn aus diesem Anlass mal bei unserer TuFiTa mitmachen lassen?", fragte Tabea spitzbübisch ihre Riege.


    Innerlich war ich voll schockiert: Tabea! Wie kannst du das machen ohne mich zu fragen?! Ich ahnte Schlimmes.


    "Na logo kann er mitmachen!", rief Julia. "Immer doch!", meinte Kerstin. "Mach mit, Ingo!" forderte Silvia mich auf. Weitere Ermunterungen kamen aus der Menge.


    "Ingo! Ingo! Ingo!" rief Ute lauthals. Die anderen stimmten mit ein.


    Ui, neben den fitten Damen war ich doch untrainiert. Das halte ich doch nicht durch.


    "Neben euch Durchtrainierten kann ich doch kaum bestehen", brachte ich mühsam hervor.

    Meine schwache Ausrede wurde prompt weggefegt.


    "Ach was, wir passen uns dann eben an. Wir nehmen Rücksicht. Keine Panik!", meinte Tabea.


    Ich dachte nach. Das Argument "Keine Zeit" konnte ich nicht bringen, weil ich als Gerätewart bzw. Hallenaufseher sowieso lange in der Halle war und nach dem Ende von Tabeas TuFiTa-Stunde die Halle abschloss. So wie jeden Mittwoch.

    Und "Keine Lust" würden die Frauen niemals akzeptieren.

    Puh, da saß ich nun in der Patsche und kam nicht wieder raus.


    Was tun?


    Zu Kap. 4

    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Kap. 04: Die Überwindung

    Die Frauen der TuFiTa lächelten mich an. "Komm schon", bedeuteten ihre Blicke.

    Ich fühlte mich unbehaglich.

    Ein Argument fiel mir zum Glück noch ein.

    "Aber ich habe doch keine Turnsachen mit."

    Das stimmte zwar, ich war normal gekleidet, aber ich hatte meine Turnschuhe an, da man mit Straßenschuhen den Hallenboden nicht betreten darf.

    Leider ein Problem weniger für die Damen.


    Aber es fehlte noch die Oberbekleidung. Und nur in Unterhemd und Unterhose mitmachen, das lehnte ich ab. Machte mich schon auf die Verteidigung bereit, als Tabea fortfuhr:

    "Also Turnschuhe für die Halle hast du bereits", begann sie.


    Ich wusste genau, dass sie einen Plan hatte. Ihr Gesichtsausdruck verriet es. Aber nicht, welchen.


    "In Unterhemd und Unterhose turne ich nicht", warf ich ein. Mein letztes Argument.


    Wie sie das letzte Problem lösen wollte, darauf war ich mal gespannt.

    Tabea löste dieses Problem wie eine echte Turnerin:


    "Mädels, hat eine von euch einen Ersatz-Turnanzug mit, für Ingo?"


    Das schlug bei mir ein wie eine Granate!

    Es war, als hätte sie mich mit dieser Frage tief in meinem Innersten getroffen!

    Einen Turnanzug für mich? Ich mochte ja Turnanzüge, aber das konnte und wollte ich hier nie zugeben.

    Und dann vor all den Frauen einen Turnanzug tragen? Das geht doch nicht! Ich sträubte mich.

    Während meine Gedanken noch rasten und ich hoffte, dass es keinen Ersatzanzug gäbe, machte Julia meine allerletzte Hoffnung zunichte:


    "Ja, ich habe noch einen. Den kann Ingo haben!"


    "Ich habe auch einen", meinte Kerstin. Nur war sie sehr zierlich und ihr Ersatz-Turnanzug würde mir nicht passen.


    Dasselbe meinte Tabea: "Julia, du bist größer als Kerstin, gib Ingo doch deinen Anzug. Denn Kerstins Anzug wird ihm wie mein eigener Ersatzanzug zu klein sein."


    Julia lächelte: "Aber gern doch. Bin gespannt, wie Ingo darin aussieht."


    "Das bin ich auch", meinte Tabea, und die anderen pflichteten ihr bei.


    Ich war überrumpelt. Angesichts der Übermacht gab ich auf.

    Andererseits sah ich hiermit zum ersten Mal eine Möglichkeit, meine Vorliebe für Turnanzüge offen auszuleben.

    "In Ordnung, ich mache es", brachte ich hervor. Aufmunterndes Hallo und Bravo wurde mir zuteil.


    Julia war so groß wie ich und sowieso auch ähnlich gebaut. Sie hatte einen modischen Kurzhaarschnitt und sprach mit einer tiefen Stimme.

    Ihr Turnanzug war aus Bordeaux-rotem Samt, ein goldener Streifen zog sich von der linken Hand über die Brust zur rechten Hand, und darüber leuchtete er glitzernd rötlich.

    Julia holte aus ihrer Sporttasche eine Tüte und gab sie mir.

    "Hier ist er drin. Und nun rein in die Umkleide mit dir!", rief sie.

    Und "Keine Bange", flüsterte sie mir zu.


    Da ging ich nun, mit einem Beutel mit einem Turnanzug einer fremden Frau drin, wie mechanisch zur Männer-Umkleide. Eigenartiges Gefühl.


    Als ich allein im Umkleideraum stand und den Beutel öffnete, förderte ich einen dunkelrot glänzenden langärmeligen Lycra-Turnanzug mit V-förmigem weißen Halsausschnitt zu Tage. An den Seiten hatte er weiße dicke senkrechte Streifen. Sah aus wie ein Retro-Gymnastikanzug, wie sie die Turnerinnen in den 70er und 80er Jahren trugen. Ich schnupperte daran. Roch frisch.

    Ich zögerte. Konnte ich einen Bordeaux-roten Turnanzug als Mann anziehen?

    Sollte ich nicht doch lieber abhauen? Für einen Sekundenbruchteil dachte ich daran.

    Aber nein, ich hatte ja versprochen mitzumachen.

    Ich zog meine Kleidung bis auf die Unterhose aus.

    Dann stieg ich in den Turnanzug hinein. Schönes Gefühl, wenn das Lycra am Körper entlang streicht.

    Die Arme in die Ärmel hinein und fertig. Und der Turnanzug passte sogar. Weder kniff und zwickte noch schlabberte er. Fast wie für mich gemacht!

    Da stand ich nun, zum Glück allein. Kurz rüber zum Waschraum, in den Spiegel schauen.

    Er zeigte einen 45-Jährigen von 185 cm Körpergröße mit kurzen schwarzen Haaren.

    Alles ganz normal. Nur dass er einen Turnanzug trug!

    Stark, ich in Julias Turnanzug! Was für ein Gefühl!

    Ich schaute nochmal. Oh, der linke Ärmel war verdreht. Nur noch etwas zurecht zupfen.

    Und nun nicht träumen, Ingo! Die Frauen warten schließlich.

    Was werden sie wohl sagen? Ich musste schlucken und betrat schließlich die Halle.


    Tabea hatte inzwischen ihre Riege zum Warmlaufen im großen Kreis um die Matten geschickt.

    Als die Frauen mich sahen, kamen sie auf mich zu.


    "Hey Ingo, mein Anzug sieht ja gut bei dir aus!", meinte Julia, "ich liebe dieses Rot!"


    "Klasse!", rief Kerstin.


    "Super, echt scharf!", bewunderte mich Marion.


    "Und der Anzug steht dir", lobte mich Silvia.


    "Sehr gut", meinte Oksana lächelnd.


    Lob kam auch von den anderen, und von Tabea.

    Ich war erleichtert, dass ich so positiv aufgenommen wurde.

    Unsere Trainerin meinte dann: "Nun aber los, wir laufen uns warm. Ingo, du machst halt so gut mit, wie du kannst. Nicht überanstrengen, sonst merkst du das morgen."


    Ich lief los. Hinter Julia mit dem schönen roten Anzug. Der würde mir auch gefallen. Ich versuchte eine Unterhaltung, aber ich brauchte die Luft fürs Laufen. Der dunkelrote Turnanzug schmiegte sich angenehm an mich.


    "Alle zu den Matten", rief Tabea, "den neuen Matten, jawohl!"


    Wir versammelten uns auf den neuen Turnmatten, liefen auf der Stelle und machten zuerst ein paar Aufwärmübungen synchron im Aerobic-Stil. Zum Glück war ich nicht in erster, sondern zweiter Reihe, und guckte mir von Femke mit dem lila-silberglänzenden Turnanzug die Bewegungen ab. Das war einfacher, als Tabeas Kommandos interpretieren zu müssen. Dennoch hatte ich Mühe, dem zu folgen. Ich geriet paarmal ganz schön aus der Puste.


    Femke war etwa 165 cm groß, 38 Jahre alt, blond und nicht gerade schlank. Sie kam manchmal so wie ich nicht ganz mit, aber machte trotzdem unverdrossen weiter. Sie gab nie auf. Gelegentlich hörte man ihren niederländischen Akzent. Sie kam übrigens aus Eindhoven, das liegt im südlichen Teil der Niederlande, und lebte nun mit ihrem deutschen Ehemann in Obertupfingen.


    Bei den Kräftigungsübungen im Stand danach schafften die Frauen selbstredend mehr Durchgänge als ich. Schließlich machten wir Bodenübungen. Dass ich den neuen Matten mal selber turnend so nahe kommen würde, hätte ich nicht gedacht.


    Ich beobachtete Kerstin links neben mir, die sich in einem blauen Samtanzug mit schwarzen Ärmeln elegant bewegte. Sah super aus! Dabei merkte ich gar nicht, dass ich still verharrte. "Weiter mit dem Arm nach vorne, Ingo!", forderte mich Tabea auf. Sie sah wirklich alles, korrigierte öfter Fehlhaltungen bei mir, aber auch bei den anderen.


    In vergangenen Turnstunden hatte ich sie ja auch gelegentlich beobachtet. Sie machte natürlich auch meist selber mit, das fand ich besser als bloß irgendwo zu stehen und zu kommandieren. Da ich ja diesmal neu mit dabei war, schaute sie vermehrt auf mich.


    Die Zeit schien nur so zu fliegen. Die Übungen nahmen mich voll in Anspruch. Ich schaute gelegentlich zu den anderen Turnerinnen.


    Silvia rechts neben mir, mit ihrem verschmitzten Gesicht und den blonden Haaren meinte: "Das machst du sehr gut für das erste Mal!". Sie sah auch klasse aus in ihrem grünen Samtanzug, auf dem viele Pailletten auf dem schwarzen Streifen über dem Dekolleté verteilt waren.

    "Danke schön, ich versuche mein Bestes zu geben", antwortete ich. Sie lächelte.


    Zum Abschluss machten wir Dehnübungen. Ich staunte, wo man überall Muskeln und Sehnen hatte und dass die Beweglichkeit doch ein kleines bisschen besser geworden ist.

    Wir legten uns auf den Rücken und Tabea machte mit uns eine Abschalt-Meditation, so dass wir alle zur Ruhe kamen und entspannen konnten. Hier spürte ich, wie schön mich der Turnanzug umschloss.

    Als ich beinahe einschlief, war die Stunde auch schon herum.

    Wir räumten die Matten beiseite.


    "Und wie fandest du unsere Turnstunde?", fragte mich Tabea. Die anderen Frauen drängten sich neugierig um uns.


    "Ich fand es sehr schön. Aber anstrengend. Und ich fühle mich, als hätte ich eine Menge getan."


    "Ja, das ist richtig. Tabea hat uns ja alle tüchtig gefordert", meinte Silvia.


    "Ich fand es auch enorm, Tabea, dass du alles siehst, was wir machen", sagte ich.


    "Ja, man bekommt einen Blick dafür. Und das ist auch eine Folge davon, dass wir alle Turnanzüge tragen. Diese Einteiler sehen nicht nur gut aus, ohne Frage. Sie decken auch schonungslos auf, wo wir Defizite in der Bewegung haben", erklärte Tabea.


    "Und dass es für dich anstrengend war, kann ich nur zu gut verstehen", ergänzte sie.


    "Wie hat dir denn mein Turnanzug gefallen?", fragte mich Julia.


    "Er ist sehr bequem und angenehm zu tragen. Er hat mir sehr gefallen. Danke Julia.

    Ich möchte mich bei euch bedanken, dass ihr mich so nett aufgenommen habt."


    "Gern geschehen." Kerstin lächelte. Die anderen stimmten ihr zu.


    Tabea fügte hinzu: "Und wir freuen uns, wenn du nächste Woche wieder dabei bist."


    "Das wäre schön, wenn du am Mittwoch wieder kommst", meinte Ute und zwinkerte mir vergnügt zu.


    Ich stockte für einen Augenblick. Das Ganze war keine einmalige Angelegenheit?

    Tabea hatte halt ein sehr einnehmendes Wesen. Man konnte sich ihr nur schwer entziehen.

    Aber Tabeas Vorschlag war auch eine Möglichkeit, wieder einen Turnanzug zu tragen, was ich ja mochte. Und man kann sich dabei auch noch fit halten. Das überzeugte mich.


    "Ja, komm doch wieder", bat mich Julia, "du hast dich wacker geschlagen."


    "Ja Julia, ich komme wieder, ich muss dir ja auch deinen Anzug gereinigt wiedergeben."


    "Wenn du weiterhin bei uns mitmachst, kannst du meinen Anzug auch behalten", meinte Julia, "ich habe ja noch diesen, den ich jetzt trage, der ist neu, und daheim liegt noch ein anderer."


    Ich war verblüfft, dass Julia mir ihren Anzug schenken wollte, im Tausch gegen mein weiteres Kommen. Das war eine schöne Gelegenheit, meine Vorliebe für Turnanzüge auszuleben.


    "Danke Julia. Danke euch allen. Ich komme wieder."


    Die Frauen jubelten. Tabea und Julia umarmten mich und strebten dann zu den Umkleideräumen.

    Ich ging mich dann ebenfalls umziehen. Raus aus dem schwitzigen Turnanzug, der mir gute Dienste geleistet hat.


    Zuhause dachte ich:

    Hey, nun habe ich einen neuen Turnanzug und eine nette Turnriege gefunden.

    Und es ist gar nicht schlimm, im Turnanzug mit den Frauen zu turnen!

    Man denkt viel im Voraus, was alles passieren könnte, und es kommt dann doch ganz anders.


    Ich fühlte mich richtig gut.


    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Kap. 05: Die Neue

    Donnerstag morgen, der Tag danach. Mein Körper meldete "Autsch!" an mehreren Stellen. Das war eben die Kehrseite. Ordentlicher Muskelkater hatte mich erwischt.

    Aber trotz der Schmerzen dachte ich gern an gestern zurück.

    Das war vielleicht ein Mittwoch!

    Vom Gerätewart zum Mitglied einer Frauen(!)turngruppe aufzusteigen war schon phänomenal.

    Und ich musste noch nicht mal offenbaren, dass ich eine Vorliebe für Turnanzüge habe.

    Nein, das mit dem Turnanzug war die Idee von Trainerin Tabea.

    So konnte ich erstens meiner Neigung unerkannt nachgehen, zweitens was für die Gesundheit tun und drittens ein paar nette Leute kennenlernen.

    Der nächste Mittwoch wird bestimmt auch wieder schön.


    Zuhause probierte ich am nächsten Abend nochmal Julias Turnanzug an.

    Der dunkelrote Lycrastoff fühlte sich wirklich super an.

    Ich betrachtete mich im Wandspiegel.

    Der Retro-Turnanzug saß wie eine zweite Haut und glänzte im Licht.

    Ein Blick auf Ervys Internetseite bestätigte es,

    ja, das war der Super-Gloss-Stoff, ein optischer Genuss.


    Da fiel mein Blick auf den Turnanzug Nereida-III, der an einem Bügel hing.

    Ich nahm ihn in die Hände und fühlte den Stoff.

    Auch der Nereida-III war aus Super-Gloss.


    Ach Nereida.


    Ich musste auf einmal wieder stark an sie denken, und meine Knie wurden weich. Dieses komische Gefühl war wieder da.

    Kann doch nicht sein, dass sie mich so emotional aus der Bahn wirft.

    Was sie wohl macht? Ob sie weiß, wie es mir geht?

    Fragen, Fragen. Das werde ich wohl nie zu wissen kriegen.

    Vielleicht hilft es, Abstand zu gewinnen.

    Ich hängte den Turnanzug meiner kosmischen Besucherin in den hinteren Schrank und verschloss ihn.


    Ich holte mir eine CD aus dem Regal und fütterte damit meinen CD-Player.

    Es erklang ein Album von einer meiner Lieblingsbands.

    Die Musik vertrieb alle negativen Gedanken.

    Ich fühlte mich wieder normal.


    Die kommenden Tage dachte ich gar nicht mehr an Nereida.

    Was ich nicht sehe, kümmert mich nicht. Der Nereida-Turnanzug war ja im Schrank verborgen.


    Freitag war allgemeiner Waschtag, und auch Julias Retro-Turnanzug wurde wieder sauber.

    Es war sonnig, und draußen trocknete er recht flott. Ein großer Vorteil von Lycrabekleidung.

    Samtturnanzüge brauchten hingegen viel länger.


    Am Wochenende war ich mit Gartenarbeit beschäftigt. Schweißtreibend, aber lohnend. Ich hab mich auf den Obstanbau konzentriert, für den Eigenbedarf. Schließlich will ich im Sommer und Herbst ja wieder eine Menge ernten. Ich mag gerne Obst und mache daraus Kompott.


    Früher hatte ich mit meiner Freundin Gunda ihrer Mutter und meiner Mutter oft was davon mitgebracht. Allerdings hatte sich Gunda von mir nach 2 Jahren Partnerschaft getrennt. Sie hatte einiges an mir auszusetzen, zum Beispiel meine Vorliebe für Turnanzüge und Harzer Käse. War keine schöne Geschichte. Sie zog 50 km weg nach Gruntenhausen und wohnte dort in der Nähe ihrer Mutter. Sie arbeitete auch in dem Ort; der räumliche Abstand half mir, drüber weg zu kommen. Das war jetzt 10 Monate her. Eigentlich mochte ich sie. Lange hatte ich sie vermisst. Was blieb, war die Leere in meinem Herzen, wenn die Liebe vergeht.


    Sonntag Nachmittag kamen Torsten und Bernd zum Skat spielen. Wir treffen uns einmal im Monat und kennen uns noch von der Schule. Da wird nicht nur Karten gespielt, sondern auch viel geplaudert über die Gegenwart, vergangene Zeiten, Mitschüler, Klassenfahrten und vieles mehr.


    Montags hatte ich früh Feierabend. Ich schaute wie immer kurz vor 17 Uhr in der Turnhalle vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Ein defekter Basketballkorb war mir heute früh gemeldet worden.


    Wer lief mir über den Weg, als ich in die Halle kam? Tabea!

    Auch trug sie wieder einen Turnanzug, diesmal einen Granatapfel-roten Lackanzug mit weißen Ärmeln und roter Ärmelspitze, abgesetzt mit grau-graphitglänzenden Streifen. Der offizielle Vereins-Turnanzug übrigens.

    Tabea hatte heute die Kindergruppe trainiert und erwartete jetzt ihre Leistungsriege.

    Sie lächelte, als sie mich sah: "Hey Ingo, alles im grünen Bereich?"


    "Hallo Tabea! Du hast mich letzten Mittwoch wirklich nicht geschont. Donnerstag hatte ich ganz schön gelitten."


    "Ja, das kommt vor, wenn man als Untrainierter mit den anderen Trainierten mithalten will."


    "Aber wir haben uns doch aufgewärmt und auch gedehnt?"


    "Das stimmt, aber das macht den Unterschied zwischen nicht Sport treiben und plötzlich viel Sport treiben nicht wett", erklärte Tabea.


    "In Ordnung, ich werde mich daran halten", meinte ich.


    "Dann kann ich am Mittwoch fest mit dir rechnen?"


    "Ja. Nun, da mir Julia ihren Turnanzug geschenkt hat, unter der Bedingung, dass ich wiederkomme."


    "Ich hoffe nicht nur deswegen?!?" Tabea wirkte leicht beleidigt.


    "Nein, nein, es ist lustig mit euch", beschwichtigte ich sie.


    "Dann bin ich ja froh", lachte sie. "Übrigens hat sich eine Neue angekündigt."


    "Weißt du näheres?"


    "Leider nicht viel", meinte Tabea, "Annika aus dem Vorstand hat es mir vorhin mitgeteilt."


    "Und wie geht es dir so, Tabea? Was machst du?" fragte ich sie.


    "Der Sport hält mich voll auf Trab. Muss viel vorbereiten. Ich treffe mich morgen mit Oksana und Christina."


    Oksana und Christina gehören mit zur TuFiTa. Die beiden tanzbegeisterten Frauen unterstützen Tabea bei den Tänzen in unserer Gruppe. Ich dachte mir nichts dabei.

    Die ersten Mädchen von Tabeas Leistungsriege betraten plaudernd und kichernd die Halle.


    "Na, dann viel Spaß. Wir sehen einander am Mittwoch."


    "Ja, bis dann", rief Tabea und wandte sich ihrer Riege zu.


    Ich sah ihr nach. Sie sieht in ihrem Turnanzug einfach hinreißend aus.

    Eigentlich wie jede Frau in einem Turnanzug klasse aussieht.

    Ein Dank an Jules Leotard, der dieses Kleidungsstück im neunzehnten Jahrhundert einst erfand.


    Mit den freudigen Gedanken an Mittwoch schaute ich mir den Basketballkorb an. Er war nur locker. Das konnte ich schnell beheben dank vorhandener Leiter und Werkzeug.

    Der Korb auf der anderen Seite saß übrigens bombenfest.

    Ich nahm mir an den Tagen, wo ich in der Halle war, immer ein anderes Gerät vor, um es genauer zu untersuchen. Tja, da muss ich wohl mittwochs noch früher kommen, wenn ich bei TuFiTa mitmachen und auch noch als Gerätewart fungieren soll.


    Am Dienstag packte ich meine Sporttasche. Natürlich kam Julias Retro-Turnanzug hinein, ein Handtuch und eine Wasserflasche.

    Fühlte mich dort schon fast heimisch. Bei Leuten, die sich über einen freuen, ist man quasi zu Hause.


    Ein richtiges Zuhause hatte ich eigentlich gar nicht.


    Gut, das Haus, in dem ich wohnte, ja. Aber da wohnte ich allein. Meine Mutter wohnte 10 km entfernt in einem Altenheim in Untertupfingen, mein Vater starb vor einem Jahr an einem Infarkt und meine Schwester Celine wohnte weit weg in einem fernen Land und hatte sich dort einen obskuren Typen angelacht, mit dem ich nichts anfangen konnte. Ich hatte sie seit 10 Jahren nicht mehr gesehen.


    So, endlich war der Mittwoch gekommen.

    Die Zeit ging so entsetzlich langsam. Konnte es kaum erwarten.


    Schließlich war es 17 Uhr, ich kam mit meiner Sporttasche in der Turnhalle an.

    Ich stellte sie in den Technikraum, zog die Sportschuhe an und machte mich daran, die Geräte zu inspizieren. War alles soweit in Ordnung, nur war die Kreide für die Turner fast alle. In dem kleinen Hallenbüro füllte ich ein Formular aus und schrieb eine Bestellung.


    Durchs Fenster konnte ich Tabea und ihre Riege beim Turnen sehen.

    Grazil und anmutig bewegten sich die Mädchen über den Schwebebalken.

    Der Schwebebalken heißt wahrscheinlich so, weil die Turnerinnen schier darüber schwebten.

    Wie man auf einem Balken mit bloß 10 cm Breite bei solch gewagten Übungen nicht das Gleichgewicht verlieren kann, gehört für mich immer noch zu den Mysterien der Welt.

    Na gut, auch da heißt das Zauberwort Üben, Üben, Üben.


    Die Zeit schritt voran. Tabeas Mädchen machten sich vom Acker, bzw. vom Schwebebalken.

    Ich schnappte mir meine Sporttasche und ging in den Umkleideraum.

    Das Anziehen von Julias Turnanzug ging jetzt schon viel flotter, beinahe routinierter.

    Wieder das schöne Gefühl auf der Haut.

    Schnell die Schuhe an und rein in die Halle.


    Da traf ich auf Julia, Kerstin, Marion und Silvia von unserer Gruppe TuFiTa.

    Sie hatten die gleichen Turnanzüge an wie vorigen Mittwoch.

    Femke, Tabea, die übrigen und die Neue waren nicht darunter.

    Großes Hallo.

    "Hey super, Ingo, dass du wiedergekommen bist", freute sich Silvia.


    "Schön, dass du da bist, Ingo", meinte Kerstin.


    "Hey Ingo, klasse, finde ich stark", lächelte Marion.


    "Und du hast auch wieder meinen Turnanzug an", strahlte Julia.


    "Ja, ich freue mich auch, wieder mit euch zu turnen", meinte ich lächelnd.

    Ich wollte Julia schon entgegnen, dass ich doch nur ihren Turnanzug habe, keinen anderen, aber das stimmte ja nicht. Ich kann nicht gut flunkern.

    Aber das sollten die Frauen doch nicht wissen.


    "Ja Julia, dein Turnanzug trägt sich wirklich gut. Schönes Gefühl. Nun weiß ich, warum ihr Frauen Turnanzüge mögt."


    "Ja, sie sind sehr bequem", sagte Julia.


    Kerstin ergänzte: "Und sie schlabbern nicht und sehen gut aus."


    Marion und Silvia bestätigten das.


    In der Zwischenzeit kamen Tabea und die restlichen aus der Gruppe, die Neue kam verdeckt hinterher.

    Tabea grüßte uns und sagte:


    "Mädels, wir haben eine Neue. Dies ist Lisa."


    Die anderen gingen auf sie zu und begrüßten sie herzlich.


    "Und das ist der einzige Mann in unserer Gruppe, Ingo", stellte Tabea mich ihr vor.


    Endlich gaben die anderen den Blick auf Lisa frei.


    Lisa sah mich.


    Ich sah Lisa.


    Unsere Blicke trafen einander.


    Die Welt schien auf einmal still zu stehen.



    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Kap. 06: Gefühlswirrwarr

    Mir wurde anders. Meine Sichteindrücke verschwammen.

    Ich konnte mich gerade noch auf den Beinen halten.

    Die Zeit kam mir schleppend langsam vor, als ich versuchte zu verarbeiten, was ich wahrnahm.

    Und zwar etwas langes dunkles nebulöses, worüber etwas helles rundes schwebte.

    Mein Sehvermögen kam langsam zurück.


    Zwei Worte drangen an mein Ohr: "Hallo Ingo."


    Das Nebulöse nahm allmählich Konturen an.


    Hallo Ingo? Was bedeutet das?


    Das schwarze entpuppte sich als Turnanzug, das helle als Kopf von Lisa.

    Meine Beine wurden langsam weich.


    In meinem Gehirn ging es hin und her:


      Ingo, Lisa hat dir was gesagt.


    Aber dieser schwarze Turnanzug...


      Ingo, Lisa hat dich begrüßt.


    Das kann doch nicht sein, das war ...


    "Ingo?" hörte ich wieder, nun etwas lauter. Schritte näherten sich.


      Ingo, du musst mal was sagen wie z.B. Hallo Lisa oder so. Und fall nicht um!


    Häh? Was war los?


    Auf einmal ging die Zeit wieder normal.

    Meine blockierten Nervenbahnen schalteten just wieder frei.

    Schlagartig wurde mir klar: Ich bin kurz vorm Umfallen. Ich muss also mein Gleichgewicht halten. Da vor mir steht Lisa, sie hatte mich begrüßt und sogar nochmal nachgefragt. Ich muss ihr antworten.

    Die Schritte stammten von Tabea und Julia, die zu mir kamen, um mich zu stützen.


    Ich fing mich und sagte "Hallo Lisa", noch etwas benommen.


    "Hallo Ingo, geht es dir nicht gut?", fragte Lisa teilnahmsvoll und hielt meinen Arm.


    Als Tabea und Julia mich erreichten, stand ich schon wieder sicher.


    "Doch, ich habe nur an was denken müssen", sagte ich.


    "Ingo, setz dich für ein paar Minuten auf die Bank und atme tief durch", wies Tabea mich an.


    Sie führte mich zur Turnbank an der Seite der Halle und ich setzte mich hin.

    Tabea gab mir ihre Trinkflasche und sagte: "Trink, vielleicht bist du dehydriert!"

    Ich trank. Einen halben Liter.


    "Und nimm diese Traubenzuckertablette, gegen Unterzuckerung!"


    Ich nahm die Tablette.


    "Bleib noch mal fünf Minuten sitzen und atme gleichmäßig durch!"


    Tabea hatte etwas sehr energisches an sich.

    Na gut, die Trainerin hatte schließlich die Verantwortung für uns.


    "Los Mädels, wir laufen uns im großen Kreis warm. Lasst Ingo erst einmal in Ruhe, er muss wieder zu Kräften kommen", rief sie. Die anderen liefen im großen Kreis Tabea hinterher.


    Ich blieb sitzen und dachte nach.


    Jetzt hat dich schon wieder so ein Anfall ereilt, dachte ich mir.

    Als ich Lisa und ihren Turnanzug sah,

    holte mich eine Erinnerung an die Vergangenheit wieder ein.

    Der schwarze Turnanzug, den Lisa trug, war kein anderer als der Nereida-III von Ervy!

    Und kurzfristig glaubte ich zu sehen, dass Nereida persönlich vor mir stand,

    und die Erinnerung an Nereidas Kopf blockierte meine Wahrnehmung von Lisas Kopf.

    Mein Verstand wollte nicht wahrhaben, was meine Augen angeblich sahen. Das war zuviel für mich.

    Ich war kurzfristig neben der Spur und musste erst mühsam wieder zu mir zurückfinden.


    Oh Mann, durch diese missglückte Aktion hatte ich mich bestimmt zum Gespött der ganzen Turnriege gemacht. Ein Mann, der vor 11 Frauen Schwäche zeigte. Ich seufzte.


    Mittlerweile waren meine Lebensgeister wieder voll da. Ich kam wieder zu Kräften.


    Tabea kam zu mir. "Geht es wieder besser, Ingo?", fragte sie.


    "Ja, ich möchte wieder mitmachen."


    "Na dann los. Aber heute nur halbe Kraft, ja?

    Man muss nicht immer Vollgas geben, ein positiver Trainingseffekt stellt sich auch so ein."


    Ich lächelte Tabea an, erhob mich und folgte ihr. Sie trug wieder denselben Turnanzug vom vergangenen Mittwoch, den dunkel-lila Lycraanzug mit dem Strasshimmel auf dem Dekolleté.


    "Wir laufen heute noch ein paar Extrarunden, damit Ingo sich auch aufwärmen kann", meinte Tabea.


    Ich begann mitzulaufen. Lisa lief neben mir. Sie lächelte mir kurz aufmunternd zu. Ich lächelte zurück und beobachtete sie ein bisschen. Ihre schwarzen Haare hatte sie zu einem Knoten aufgesteckt. Sie hatte eine Stupsnase und ein leicht spitzes Kinn.


    Ich lief etwas langsamer. Ihr Lauf war geschmeidig und sah vollkommen mühelos aus, sie war anscheinend gut trainiert; ihr Körper war gut gebaut und keineswegs schmächtig, sie war mit 180 cm recht groß. Der schwarze Turnanzug stand ihr prächtig und ließ ihre Körperformen gut zur Geltung kommen.


    Während wir liefen, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf:

    Hatte Lisa ihren Turnanzug vielleicht auch von Nereida Drei persönlich bekommen?

    Ein kühner Gedanke, der mich nicht mehr losließ.

    Ach was. Sie wird ihn sich bestimmt im Sporthandel gekauft haben.

    Oder etwa nicht?


    Tabea rief uns alle zu den Matten. Sie stellte sich vor uns, um uns die Schritte vor zu tanzen.

    Nun begann der mir schon bekannte Aerobic-Teil.

    Lisa war in der ersten Reihe, direkt vor Tabea. Neben ihr waren Marion und Silvia.

    Die vorderen drei und Tabea waren von der Kondition die besten Tänzerinnen. Besonders Lisa schien unerschöpflich und unermüdlich Schritt halten zu können.

    Ich war hinter Lisa in der zweiten Reihe und bewunderte ihre Kondition.

    Neben mir tanzten Julia und Kerstin. Die beiden hatten von Tabea den Auftrag bekommen, ab und zu mal nach mir zu gucken. Ich schien den Schwächeanfall gut überstanden zu haben und dachte bei mir, ich könne auch wieder gut auf mich selber aufpassen.


    Es endete damit, dass ich meist nach links zu Julia und rechts zu Kerstin guckte, ob sie denn auch guckten. Sie guckten auch beide öfter zurück und grinsten. Ich achtete dadurch kaum noch auf Tabeas Schritte. Auch Julia wurde abgelenkt und folgte Tabeas Vorgaben nicht mehr. Ich kam aus dem Tritt und kollidierte mit Julia. Wir konnten uns gerade noch vorm Fallen retten, indem wir einander umarmten. Die Folge war, dass Kerstin laut los lachte, Femke ebenso. Julia und ich konnten nicht anders, als mit zu lachen.


    Das war ja mal ein lustiges Missgeschick!

    Tabea blieb stehen und schüttelte nur den Kopf, als wolle sie sagen, nein, diese albernen Kinder!

    Lisa tanzte bis dahin wie in Trance und erwachte als letzte, um zu gucken, was denn los war.

    Ich meinte lachend, immer noch mit Julia umarmt:


    "Julia, wir müssen nun lernen, uns langsam wieder voneinander zu trennen."


    Julia hatte sich gerade wieder beruhigt, als sie erneut loslachte und ich musste sie festhalten. Die anderen lachten auch wieder mit.

    Ich musste mitlachen, hatte es aber nicht sonderlich eilig, mich von Julia zu lösen. Ihr roter Turnanzug fühlte sich nämlich echt gut an. Sie ließ aber auch nicht locker und umschlang mich.


    Silvia meinte unter Tränen: "Guckt mal Mädels, unser neues Paar!"


    Wir nahmen das als Spaß hin und alle lachten bestimmt noch zwei Minuten weiter.

    Ich genoss die Umarmung mit Julia, was ebenso schön war wie das Lachen über unser Missgeschick, und konnte mir vorstellen, dass Julia wohl ähnlich dachte.

    Schließlich schafften wir es, wieder alleine zu stehen.


    Ich meinte lächelnd: "Entschuldigung Tabea, aber Julia hat doch nur auf mich aufgepasst, wie du ihr aufgetragen hast."


    Julia bemühte sich nach allen Kräften, nicht wieder laut los zu lachen.


    Tabea versuchte, ernst zu sein, was ihr nicht recht gelang: "Hm, eigentlich wollte ich doch nur vorbeugen, dass du wieder umfällst. Dass ihr beide gleichzeitig aus dem Tritt kamt, damit hatte ich nicht gerechnet", und sie musste wieder lachen.


    "Ich glaube, wir lassen Aerobic für heute mal gut sein und setzen uns für die Bodenturnübungen jetzt auf die Matten", meinte Tabea, "denn wir können uns heute eh nicht mehr auf den Beinen halten."


    Wir hielten das alle für eine gute Idee.

    So hatte ich, ohne es zu wollen, Tabeas Aerobicstunde gesprengt.


    Die Zeit auf den Matten lief recht ruhig ab.

    Wir haben es tatsächlich geschafft, konzentriert die Übungen durchzuführen.

    Ich fühlte mich trotz der Anstrengungen wohl.


    Immerhin waren um mich herum elf Frauen im Turnanzug. Live, in Farbe und in 3D.

    Sehr schön anzusehen, wenn alle in Bewegung waren. Ihre Turnanzüge machten alle Bewegungen fließend mit.


    Christina, eine Brünette, trug einen Aubergine-farbigen Samtturnanzug, mit Ärmel aus Glitzerstoff mit einem schönen Muster, dazu ein farblich passendes Stirnband. Sie turnte besonders anmutig und ausdrucksvoll. Ich vermutete, dass sie Rhythmische Sportgymnastik oder Ballett macht oder mal gemacht hatte.


    Ute, eine kecke kleine Blondine mit Kurzhaarschnitt, war stets lustig drauf.

    Sie war die Einzige, die über ihrem Turnanzug ein weißes T-Shirt trug, so dass nur ihre königsblau glänzenden Ärmel herauslugten. Lange war mir verborgen, wie denn ihr Turnanzug aussah.

    Bis wir alle die Übung "Kerze" machten. Dies brachte mir zwei Gewissheiten: Ich konnte die Übung noch korrekt ausführen. Und Utes T-Shirt rutschte dabei hoch - ihr Turnanzug war komplett einfarbig Lycra königsblau.


    "Wer von euch kann noch einen Handstand freistehend turnen?", fragte Tabea uns.

    Sie wusste eigentlich die Antwort schon vorher, aber da Lisa und ich neu waren, fragte sie uns.

    Lisa, Silvia und Christina bejahten.


    "Dann macht ihn mir mal vor."


    Alle drei Turnerinnen boten eine gute Leistung, dachte ich.


    Aber dann folgten Tabeas Kommentare, zumindest bei zweien:


    "Lisa, stell die Arme etwa schulterbreit voneinander auf den Boden - ja genauso."


    "Silvia, streck deine Arme durch - ja, so ist es gut."


    "Perfekt, Christina."


    Die drei kamen wieder auf ihre Füße.


    "Ich zeige euch, wie es geht. Christina und Lisa, haltet dann meine Beine fest."


    Tabea stellte sich auf die Matte, 2 Meter vor Christina und Lisa.

    Sie hob ihre Arme nach vorne schräg hoch,

    schwang ihr linkes Bein nach oben, kippte dann nach vorne.

    Ihr linkes Bein winkelte leicht ein und der Fuß erreichte den Boden.

    Sie kippte weiter.

    Tabea drückte ihr linkes Bein schwungvoll wieder gestreckt durch,

    als ihre Hände den Boden erreichten.

    Durch den Schwung ihres linken Beines drehte ihr Becken und die Beine nach oben.

    Bei der ganzen Übung blieb ihr rechtes Bein immer durchgestreckt.

    Lisa und Christina hielten dann Tabeas Unterschenkel fest.

    Obwohl sie es gar nicht hätten brauchen, denn Tabea konnte den Handstand auch freistehend.


    "OK, ihr zwei, lasst meine Beine los."


    Tabea senkte ihr linkes Bein nach hinten, bis es auf dem Boden stand und durch den Schwung rotierte der Körper zurück.


    "So geht es. Da es eventuell etwas schnell ging, mache ich es nochmal vor", meinte Tabea, sie erklärte den Vorgang und führte dann die Übung erneut vor.


    "Nun seid ihr dran.


    Christina und Lisa, ihr gebt jetzt Hilfestellung für die anderen", wies Tabea sie an.


    Ich stand am dichtesten dran, Tabeas Blick fiel auf mich.


    "Ingo, du zuerst! Stell dich auf die Matte."


    O hauerha. Warum nicht eine von den Frauen?


    Tabea schien meine Furcht zu spüren. "Ich helfe dir. Ich sage dir genau, was du machen sollst."


    Die anderen schauten gespannt.


    "Wichtig: Lass dein rechtes Bein während der Übung immer, also immer gestreckt."


    "Hebe die Arme nach oben vorne."


    Ich stellte mich zwei Meter vor Lisa und Christina auf, hob die Arme.


    "Schwing dein linkes Bein nach oben". Ich tat wie geheißen.


    "Lass dich kippen und führe die Hände zum Boden."


    Ich kippte nach vorne und setzte die Hände auf den Boden.


    "Drück dich mit dem linken Bein vom Boden ab. Strecke die Arme."


    Das ging nicht ganz so einfach. Tabea drückte meine Beine nach oben,

    und Christina und Lisa hielten sie fest.


    Ich stand auf meinen Händen. Das Blut schoss mir in den Kopf.


    "Kipp dein rechtes Bein zurück."


    Ich kippte zurück, Tabea half mir und schon stand ich wieder auf den Füßen.


    "War doch schon gut, fürs erste Mal", meinte sie anerkennend.

    "Gleich nochmal.

    Hol dir nächstes Mal mehr Schwung mit dem rechten Bein, wenn deine Hände den Boden erreichen."


    Ich folgte brav Tabeas Anweisungen, holte dann aber reichlich Schwung.

    Tabea, Christina und Lisa hatten Probleme, mich dann festzuhalten.


    "Und wieder zurück."


    Ich stand wieder auf den Füßen.


    "Ja, das war etwas zuviel Schwung. Aber Turnen ist eben Üben, Üben, Üben.

    Versuchs nochmal."


    Ich atmete tief durch, dann tat ich den dritten Versuch, und der klappte am besten.


    "Super gemacht, Ingo!" zollte Tabea mir Respekt.

    Die anderen Frauen klatschten Beifall.


    "Nun Ingo, löse Lisa bei der Hilfestellung ab", rief Tabea.


    Ich stellte mich neben Christina.


    Tabea erklärte nochmal kurz die Übung. "Jede turnt die Übung dreimal."


    Julia war die erste. Problemlos kam sie in den Handstand.

    Christina und ich hielten ihre Beine fest.

    Zurück auch ohne Probleme.

    Auch Durchgang 2 und 3 verliefen problemlos.


    Bei Oksana, Ute, Silvia, Kerstin und Lisa lief es ebenfalls ohne Probleme.


    Marion kam anfangs auch nicht recht hoch, so wie ich. Danach ging es aber besser.


    Femkes erster Versuch ging daneben. Sie vergaß, die Arme zu strecken, wir konnten sie nicht halten und sie machte auf der Matte eine rasante Rolle vorwärts.

    Zum Glück dämpfte die Matte ihren Fall. Sie war sichtlich überrascht.

    Femke machte aber keine Anzeichen von Schmerzen empfinden, Stöhnen oder Leiden, sondern rappelte sich sofort auf, um es gleich nochmal zu probieren. Das imponierte mir.

    Bei den nächsten beiden Versuchen klappte es dann gut.


    Tabea war mit uns zufrieden.

    Wir machten abschließend noch Dehn- und Entspannungsübungen.

    Bei den ganzen Übungen hab ich meinen eigenen Turnanzug kaum noch gespürt, so sehr war ich mit den Übungen beschäftigt gewesen.

    Ich schaute gelegentlich den anderen Frauen zu, welche Anzüge sie trugen.


    Marion trug einen einfarbigen dunkelblauen Turnanzug, dessen Rumpf aus Lycra und Dekolleté und Ärmel aus Samt waren. Ihre langen rötlichen Haare trug sie zu einem Knoten hochgesteckt. Sie war sonst recht blass.


    Auch Oksana hatte lange Haare, allerdings blond, die sie auf dem Kopf kunstvoll verknotet hatte. Sie kam auch immer geschminkt zum Turnen. Ihr Turnanzug war aus lila Samt, mit Glitzermuster und Tülleinsätzen, wie gemacht für Rhythmische Sportgymnastik, nur ohne Röckchen. Die Ärmel hatten am Ende ja eine Fingerschlaufe. Oksana war Balletttänzerin, sie turnte anmutig wie Christina. Oksana war in der Ukraine geboren und kam vor 20 Jahren von dort nach Deutschland.


    "So, Mädels und Ingo, sucht euch für die nächste Übung eine Partnerin."


    Ich schaute in die Runde, wer denn mit mir zusammen turnen könnte.


    Zu Kap. 7

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  • Eine kleine Anmerkung zu Kapitel 6.

    Ich habe da einen Handstand beschrieben, nach einer Animation, die ich im Internet gesehen habe, und nach dem Zeitlupen-Studium diverser Filmchen über den Handstand.
    Ich habe die Übung minutiös beschrieben, und habe sie persönlich nachvollzogen.

    Sollte jemand von euch nun auf die Idee kommen, einen Handstand zu üben, bitte ich darum, gut aufgewärmt zu sein inklusive Hände und Armmuskulatur, denn die sollen euer Körpergewicht ja tragen.
    Liegestütze als Vorbereitung zeigen gut, ob eure Hände und Arme stark genug sind.

    Und räumt alle scharfkantigen oder zerbrechlichen Gegenstände aus dem Weg.
    Für die, die das noch nie gemacht haben und/oder ungeübt sind: Auf einer Matte den Handstand direkt gegen eine Wand turnen.

    Ich übernehme keine Haftung für eventuelle Schäden an Leib und Mobiliar. Viel Spaß und viel Erfolg.

    Und übrigens, schreibt doch mal, wie ihr meine Geschichte findet (oder nutzt die Dank-Funktion, sollte die Geschichte euch gefallen).
    Ich sehe eine Menge Zugriffe auf meine Geschichte, aber kaum Kommentare.

    Gruß
    Desi

    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Kap. 07: Die Dehnübung

    Lisa stand in meiner Nähe und ich sprach sie an.

    "Lisa, möchtest du mit mir üben?"


    Sie lächelte mir zu: "Ja gerne, Ingo."


    Wir setzten uns auf den Boden, spreizten die Beine, so dass unsere Füße einander berührten, reichten die Hände und zogen mit den Händen vor und zurück.

    Ihre Hände verströmten eine angenehme Wärme, die mir gefiel.

    Da wir uns gegenüber saßen, konnte ich sie mir nun genauer ansehen. Ihre Stupsnase und das spitze Kinn hatte ich ja schon beim Laufen bemerkt. Lisa hatte winzige Grübchen auf der Wange und schöne blaue Augen. Wir sahen einander tief an, und so was wie ein elektrischer Schlag fuhr auf einmal durch meinen Körper! Lisa lächelte mich an. Ihr Mund stand leicht offen.


    "So, jetzt kommt die letzte Übung für heute", kündigte Tabea an.


    Für diese Übung stellten wir uns gegenüber auf, mit gut einem Meter Abstand, beugten uns aufeinander zu, so dass unsere Oberkörper waagerecht waren und sich unsere Köpfe berührten, streckten unsere Hände aus, so dass sie auf dem Rücken des Partners Halt fanden. Die Übung diente dazu, den Rücken und die Waden zu dehnen.


    Jedoch hatte Lisas Berührung und Streicheln auf meinem Turnanzug etwas Prickelndes, und ich empfand ein schönes Gefühl, als ich an ihren schwarzen Nereida-Turnanzug entlang strich. Ihr Haar duftete angenehm.


    "Das ist schön", flüsterte ich. Sie seufzte wohlig. "Nicht aufhören", wisperte sie. Ihre Hand lag auf meinem Rücken. Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt. Wir blieben einfach so stehen, während ich sie langsam streichelte.


    Wir waren nur noch wir.


    Wir vergaßen alles um uns herum.



    Irgendwelche Geräusche drangen an mein Ohr. War das Kichern?

    Eine Stimme flüsterte leise zu mir und Lisa:

    "Und jetzt ganz langsam aufrichten."


    Wir gehorchten wie mechanisch der Stimme, richteten uns auf, bis uns dann schlagartig die Situation bewusst wurde.

    Erschreckt blickten wir auf.

    Wir sahen zehn Frauen, Tabea voran, die uns alle lächelnd anschauten.

    Lisa wurde knallrot. Mir war das Ganze auch nicht ganz angenehm.


    Tabea meinte dann verschmitzt zu Lisa und mir: "Ihr beide habt die Übung komplett richtig ausgeführt. Besser hätten wir anderen es nicht tun können."


    Silvia begann zu applaudieren, die anderen setzen mit ein.


    Lisa kam sich vor, als hätte man sie als kleines Mädchen beim Diebstahl einer Bonbondose erwischt. Sie flüsterte ängstlich zu mir: "Ingo, lasst uns schnell hier abhauen! Ich schäme mich so!"


    Ich hielt ihre Hand fest und flüsterte ihr zu: "Lisa, bitte bleib! Die anderen meinen es doch nicht so."


    "Wirklich? Ingo, ich habe mich doch total blamiert! Ich habe Angst!", flüsterte sie.


    "Brauchst du nicht, Lisa. Ich bin bei dir."


    Ich hielt weiterhin ihre Hand. Lisa war die Situation hochgradig peinlich. Immerhin hatte ich es erreicht, dass sie nicht weglief.


    Silvia kam zu Lisa, die verschreckt dastand, und legte ihren Arm um sie:


    "Liebe Lisa, wir wollten dich keineswegs auslachen. Du hast Gefühle gezeigt, das ist vollkommen in Ordnung. Dafür sind wir doch Menschen. Der Zeitpunkt ist richtig. Unser Applaus war eine Anerkennung für eure Hingabe."


    Lisa, die immer noch unschlüssig war, weinte etwas und fragte zitternd: "Bin ich denn jetzt nicht unten durch bei euch? Ich schäme mich so."


    Ich streichelte weiter Lisas Hand.


    Silvia erwiderte sanft: "Du brauchst dich nicht schämen, Lisa. Du bist bei uns immer willkommen."


    Kerstin meinte: "Niemand von uns wird dich von nun an schlechter ansehen oder behandeln."


    Femke kam auf Lisa zu. Lisa wandte sich ihr zu.


    Femke ergänzte: "Ich mag dich auch gern, Lisa, ich finde es schön, dass du zu uns in die Gruppe gekommen bist. Du hast so gut mitgemacht. Und du konntest den Handstand so gut. Denk an mich, wie ich da kläglich gescheitert bin. Ich hatte mich kurzfristig auch geschämt, aber dann gedacht, ach was, ich möchte sofort weitermachen. Und Ingo war vorhin beim Aerobic aus dem Takt gekommen und mit Julia zusammengebotst. Er hatte es mit Humor genommen. Ich möchte dich aus vollem Herzen bitten, dass du nächstes Mal wiederkommst, Lisa."


    Die anderen pflichteten Femke, Kerstin und Silvia bei.


    Lisa dachte nach. "Ja, Femke, das stimmt, da habe ich mich gewundert. Du bist beim Handstand ja ganz schön derbe hingefallen und hast nicht aufgegeben. Ja danke, Femke und Silvia. Ihr seid lieb zu mir.

    Ja, ihr habt recht. Ich glaube, ich komme nächstes Mal wieder."

    Lisa lächelte wieder verhalten. Sie drückte Silvia und Femke.


    Ich wollte Lisa trösten und dachte nach, wie ich es anstellen könnte. Während ich noch überlegte, wie ich Lisa beruhigen könnte, hatten Silvia und Femke das besser hin bekommen. Erst dachte ich, wäre das nicht meine Aufgabe gewesen? Aber dann war ich froh über Silvias und Femkes einfühlsame Worte.


    Ich ging zu Lisa hin und drückte sie sanft. Sie ließ es geschehen.


    "Danke, Ingo", sagte sie leise.


    Zu Kap. 8

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  • Also ehrlich gesagt ist diese Geschichte ein Grund dafür, dass ich nach dem Niedergang des Vorgängerforums ausgiebig recherchiert hatte um ein vergleichbares Forum zu finden. In der Hoffnung dass die Story wiederveröffentlicht wird und ich die Kapitel finde die ich durch dem Wechsel nicht mehr lesen konnte.
    Die Entscheidung die Story nochmal komplett zu veröffentlichen ist goldrichtig.
    Danke dafür.

    Am liebsten glatt und glänzend!

    Einmal editiert, zuletzt von Desi () aus folgendem Grund: Steuerzeichen manuell entfernt

  • Hi Desi,
    schön, Deine Geschichte hier wieder lesen zu können!
    Einfach großartig !

    Allerdings muß ich Dir leider recht geben:
    Es ist schon erstaunlich, wie viele Leute diese Geschichte zwar lesen,
    aber kein Wort des Dankes schreiben.
    Schade!
    Könnte durchaus verstehen, wenn dadurch die Lust auf weitere Veröffentlichungen "auf der Strecke bleibt..."

    Also @ alle:
    schreibt doch auch mal ein paar lobende Zeilen, wenn Euch diese Geschichte gefällt !


    Gruß Martin

    Einmal editiert, zuletzt von Desi () aus folgendem Grund: Steuerzeichen manuell entfernt

  • Zitat von lycwolf post_id=519 time=1488877934 user_id=125


    Also ehrlich gesagt ist diese Geschichte ein Grund dafür, dass ich nach dem Niedergang des Vorgängerforums ausgiebig recherchiert hatte um ein vergleichbares Forum zu finden. In der Hoffnung dass die Story wiederveröffentlicht wird und ich die Kapitel finde die ich durch dem Wechsel nicht mehr lesen konnte.
    Die Entscheidung die Story nochmal komplett zu veröffentlichen ist goldrichtig.<br/>
    Danke dafür.



    hallo lycwolf,
    du hast mir mit deinem Kommentar ein riesengroßes Kompliment gemacht :-) Ich danke dir ebenso vielmals!
    Das bestärkt mich darin, die alten Kapitel mit den Abenteuern von Nereida, Ingo, Lisa und Co weiterhin zu veröffentlichen.
    Ich habe sie leicht überarbeitet in Verbesserung von Ausdruck und Rechtschreibung, aber inhaltlich sind sie gleich.
    Ich freue mich, dass du meine Geschichte magst.
    Viele Grüße
    Desi

    P.S.: Du kannst ja auch deine Geschichte vom Hotel in ein neues Thema hier schreiben.

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