Die galaktische Turnfee Nereida Drei

  • Desi

    Das Kapitel nach dem Satz enden zu lassen wäre für die Dramatik und als Cliffhanger noch besser gewesen. (Natürlich fies gegenüber den Lesern, aber ich glaube ich hätte es so gemein gemacht.)


    Du sagst wahrscheinlich kennen wir Arnold bereits, folglich ist er irgendwann in den vergangenen 80 Kapiteln mal aufgetaucht oder erwähnt worden. Zu meiner Schande gestehe ich, dass ich mich nicht daran erinnern kann. Doch zu meiner Verteidigung bringe ich den schieren Umfang deiner "kleinen" Geschichte vor.

    Vielleicht kennt unser "Fachmann für Kontinuität", ValCurasca, die Lösung. Ansonsten warte ich aber gerne auf das nächste Kapitel.


    P.S. Richtig fies wäre es als folgendes ein Kapitel mit anderen Personen einzuschieben. :)

  • Rim

    Danke, das freut mich. Dies soll nicht das letzte Kapitel der beiden gewesen sein.


    ValCurasca

    Sehr schön herausgefunden, Kapitel 55 stimmt genau.


    lycwolf

    Mir kam ValCurasca mit der Antwort zuvor. In Kap. 55 findest du eine Menge Informationen über Arnold. Es war bislang das einzige Kapitel ohne Zusammenhang, und der ist nun hergestellt.

    Die letzten 14 Zeilen von Kap. 79 gehören eigentlich schon zu Kap. 80. Ich habe sie vorweg genommen, um nicht all zu fies daher zu kommen, und damit keiner verrät, wer denn dieser Nolli ist.


    Ich werde auch kein Kapitel mit ganz anderen Leuten hier einschieben. Soweit ich meine Manuskripte hier überblicke, kommen erst in Kap 86 zwei neue Charaktere, und die sind nicht all zu wichtig und treten auch nur in Verbindung mit bekannten Personen auf.


    Nun sind aber erst mal Xenia, Bernd und Arnold angesagt.

  • Kap. 80: Die Novizen


    Xeni und Nolli standen sich immer noch gegenüber und beäugten sich.

    Nolli trug einen schwarzen Badeanzug, mit dicken farbig ausgefüllten Kreisen.
    Bernd fragte sich, woher die beiden einander kannten.
    "Xeni, ich kann dir das erklären", stammelte der Mann.

    Nolli war bestimmt ein Ex-Freund von Xenia, dachte Bernd.

    "Aber nicht hier, wo jeder vorbeikommt, guckt und zuhört", meinte sie, immer noch geschockt, "lasst uns zur Badegastronomie gehen."
    Sie ging zügig voran, die beiden Männer kamen kaum hinterher.
    Xenia wies ihnen die Plätze an einem Tisch zu, wo sie sich niederließen.

    Bernd meinte irritiert: "Also ich komme da nicht mehr mit, stellt euch doch mal vor."
    Nolli begann: "Ich heiße Arnold, genannt Nolli",
    "und ich heiße Xenia, genannt Xeni, und Nolli und ich sind... ähm...", sie zögerte,

    "...Bruder und Schwester", vollendete er ihren Satz.
    "Ihr seid also Geschwister?" fragte Bernd.

    Arnold und Xenia nickten.

    "Und ich heiße Bernd, genannt Börni."
    Xenia musste grinsen.
    "Und wer ist Bernd, Xeni?" fragte Arnold, der heimlich Bernd zugrinste.

    "Er ist mein ...", begann Xenia, stockte dann, war irritiert, da sie auf einmal nachdenken musste, wie sie denn überhaupt zu Bernd steht. Na gut, das wusste sie ja. Aber die Frage war, was sie davon ihrem Bruder erzählen könnte und wollte.

    Arnold wartete Xenias Antwort nicht ab. "... Schwimmbegleiter?" vervollständigte er ihren Satz grinsend. In Wahrheit hatte er sie längst durchschaut. Er kannte seine Schwester. Er wollte, dass sie Farbe bekennt. In ihren langjährigen Zeiten als Single war sie burschikos, aufdringlich und frech, wusste alles besser. Nur die eigene Verliebtheit zuzugeben, auch noch gegenüber ihrem Bruder, fiel ihr sehr schwer, da konnte sie eins und eins nicht mehr zusammenzählen, stand sich selber im Weg, bröckelte die Fassade ihrer Coolness. Sie blieb stumm.

    "Komm schon Xeni. Du bist verliebt. Bernd ist dein Freund. So wie ihr miteinander umgeht, muss es so sein. Körpersprache lügt nicht, Schwesterchen. Stimmts?"
    Beschämt nickte sie.
    "Das ist doch nicht schlimm, das zuzugeben. Das ist doch toll! Herzlichen Glückwunsch, Xeni!"
    Arnold umarmte seine Schwester. Sie lächelte wieder etwas. Er gratulierte auch Bernd.

    "Seht ihr beiden euch denn sonst nicht so häufig?" fragte Bernd.
    "Selten. Vielleicht alle drei Monate, wenn es hoch kommt. Xenia hängt oft mit ihren Freundinnen herum und ich mit meiner Familie."
    "Ja, stimmt", meinte sie.

    "Und nun sagt mir doch mal, warum ihr euch vorhin so lange regungslos gegenüber standet", fragte Bernd.

    "Ich war verdutzt, als ich meine Schwester sah, mit einem Begleiter, der einen Badeanzug trug. Ich dachte, es gäbe außer mir keine Männer, die Badeanzüge tragen. Und dann trug er auch noch einen von Xenias früheren Badeanzügen!"

    "Und ich war platt, als ich meinen Bruder sah, der ebenfalls einen meiner früheren Badeanzüge trug."

    "Ist ja irre, wir drei hier tragen also allesamt Badeanzüge, die eigentlich Xenia gehören", stellte Bernd erstaunt fest.
    Xenia, genauso verblüfft, strahlte: "Ey Börni, das stimmt! Und alle drei habe ich geschneidert."
    Alle drei mussten darüber lachen.

    "Und was ist mit Arnolds Badeanzug?" fragte Bernd.
    "Der gefiel mir nicht mehr und ich hatte ihn dann entsorgt. Dachte ich zumindest. Und nun sehe ich ihn hier wieder. Und dann noch am Körper meines Bruders! Woher hattest du denn meinen Badeanzug, Nolli?"

    "Xeni, ich sah dich damals zufällig, während du ihn weg warfst. Danach holte ich ihn heimlich aus dem Müll wieder heraus. Davon wusste niemand. Weder du noch Lissi noch unsere Eltern."
    "Und warum?"
    "Hier muss ich euch ein Geständnis machen: Ich mochte und ich mag Badeanzüge tragen. Wie ihr beide ja gerade seht. Sie gefallen mir einfach."
    "Echt? Mensch Nolli, hätte ich das gewusst, hätte ich den Badeanzug nicht weggeworfen, sondern gleich dir geschenkt. Ich wollte ihn ja nicht mehr haben."
    "Das habe ich mich nicht getraut, zu fragen. Ich wusste nicht, wie du oder Lissi, wie ihr reagieren würdet."
    "Ich hatte und habe da nichts gegen. Im Gegenteil! Und Lissi auch nicht. Aber Nolli, hast du das die ganzen Jahre verheimlicht?"
    Arnold schluckte. "Ja. Und heute kam es raus, als ihr mich saht."
    "Puh, die ganze Zeit das geheim zu halten, ist ja echt schwierig."
    "Einfach war es nicht."
    "Und Ulla und Josi, wissen die das?"
    Xenia meinte damit Arnolds Frau und Tochter.
    Arnold schaute seine Schwester an, fast flehentlich: "Nein. Ich traue mich nicht, ihnen das zu erzählen. Ich bitte dich, ihnen das nicht weiter zu sagen."
    "Keine Panik, Nolli. Das bleibt unter uns."

    "Gibst du darauf dein Großes Geschwisterehrenwort?" forderte Arnold, hielt ihr seine rechte Hand entgegen.

    Sie gab ihm ihre rechte Hand, sie fassten sich an den Händen, sie besiegelte es, indem sie ihn anschaute und wiederholte: "Großes Geschwisterehrenwort!"
    Die Augen der Geschwister leuchteten.
    Das große Geschwisterehrenwort war eine Tradition aus Kindertagen, wenn es Arnold, Xenia und Lisa darum ging, Geheimnisse unter sich zu bewahren. Und sie hielten sich auch daran.

    "Übrigens, Nolli, hat dir Lissi von ihrem neuen Freund Ingo erzählt?"
    "Nein, seitdem sie fort zog, habe ich nur noch sporadisch Kontakt mit ihr. Was ist denn mit ihrem Freund?"
    "Der trägt sogar einen langärmeligen Turnanzug!"
    Bernd nickte.
    Arnold machte große Augen: "Echt? Wo denn das?"
    "Ich war mal mit Yvi bei Lissi zu Besuch, da haben wir einen Turnabend veranstaltet. Ingo war auch da, habe ihn da kennen gelernt. Es war sogar seine Idee, einen von Lissis Turnanzügen anzuziehen. Und Lissi hat es befürwortet. Da war ich baff."
    "Ich bin es auch, Xeni."
    "Und Ingo hat auch bei dem Vereinsfest in Obertupfingen bei dem Auftritt von Lisas Turngruppe einen Turnanzug getragen", ergänzte Bernd.
    "Exactement, ich war dabei. Das war echt stark!" bekräftigte Xenia.

    Arnold überlegte, ob er Xenia auch von den alten Turnanzügen erzählen sollte, hielt dann aber still. Das andere große Ereignis wollte er dennoch verraten.
    "Übrigens, eine Sache muss ich euch noch erzählen: Ich bin heute das allererste Mal im Badeanzug in einem Schwimmbad.
    Bevor ich euch traf, hatte ich ein paar Bahnen im großen Becken geschwommen."
    "Hey Arnold, auch ich schwamm heute das allererste Mal im Badeanzug in einem öffentlichen Schwimmbad", bekannte Bernd erstaunt.
    "Du auch?" fragte Arnold überrascht.
    "Ja, wirklich", lachte Bernd. Arnold musste grinsen. Die beiden Männer stießen freundschaftlich ihre Fäuste aneinander.

    Xenia bekam große Augen: "Wahnsinn, was für ein Tag!"
    Sie schaute strahlend an die Decke, sagte zu einem imaginären Zuhörer: "Ey, stell dir vor, Börni und Nolli trauen sich das allererste Mal im Badeanzug, noch dazu in meinen Badeanzügen, ins öffentliche Bad, und ich bin dabei. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Was für ein Tag!"

    Xenia kam wieder eine ihrer unkonventionellen Ideen. Sie guckte die beiden an, lachte und sagte: "Phänomentastisch! Das müssen wir feiern! Mit einer zünftigen Badeanzug-Taufe!"

    Sie sprang auf, ging zur Getränkeausgabe, kaufte zwei Gläser gefüllt mit Zitronenlimonade und kehrte damit zurück.
    "Die hatten hier keinen Sekt, dann muss es auch hiermit gehen. Sprudelt auch", meinte sie lakonisch. Arnold und Bernd guckten ahnungslos.

    Sie wurde pathetisch. "Postulant Börni und Postulant Nolli, ihr zwei sollt heute in den Orden der erlauchten Badeanzugträger als Novizen aufgenommen werden. Die Aufnahmeprüfung, das Baden in der Öffentlichkeit im Badeanzug habt ihr erfolgreich absolviert. Erhebet euch nun vor der Hohepriesterin des Badeanzugträgerkultes, Überschwester Xenia von und zu Ellbrede."
    Xenia mühte sich, ein Grinsen zu verkneifen und ernst zu bleiben. Die beiden standen auf, ein wenig unsicher.
    "Zu Eurer Taufe kniet nun vor mir nieder."
    Sie knieten sich vor ihr auf den Boden.
    "Eure Aufgabe wird es von nun an sein, das Badeanzugtragen gewissenhaft und ausdauernd fortzuführen. Eure Ordenskleidung sei von nun an ein Badeanzug, gewirkt von den begnadeten Händen Eurer Hohepriesterin."

    "Empfanget nun die heilige Taufe!"
    Xenia nahm etwas Zitronenlimo, verspritzte es auf die Köpfe der beiden und goss den Inhalt beider Gläser auf die Badeanzüge der Männer, vorne und hinten. Beide schreckten auf wegen des kalten Getränkes. Dabei sprach sie würdevoll: "Hiermit taufe ich, Überschwester Xenia von und zu Ellbrede, euch auf die Namen Bruder Börni und Bruder Nolli. Ihr seid nun Novizen des Badeanzugträgerkultes. Erhebet euch nun, Bruder Börni und Bruder Nolli und nehmet eine gründliche Duschung vor. Eure Hohepriesterin empfängt euch dann im Foyer zu einer Audienz."
    Xenia kicherte lauthals. Bernd und Arnold schmunzelten ebenfalls.
    Alle drei verschwanden in den Duschen.

    Im Vorraum des Bades trafen sie sich und plauderten noch eine Weile.
    "Das war lustig mit der Taufe, Xeni", meinte Arnold lachend.
    "Fand ich auch", grinste Bernd.
    Xenia strahlte. "Das war einer meiner ungeplanten plötzlichen Einfälle.
    Und übrigens Nolli, du hattest Recht."
    "Womit?"
    "Dass Bernd nicht mein Schwimmbegleiter ist. Jedenfalls nicht nur."
    Xenia schmiegte sich an Bernd.
    "Ich hatte es sehr schnell bemerkt. Du bist dann ganz anders als sonst", bemerkte ihr Bruder.
    "Ja, ich weiß. Ich bin gerne die Coole, aber bei so was bin ich eher unsicher. Ich weiß, ich kann sehr gut austeilen, aber wenn ich verliebt bin, habe ich mein Innerstes geöffnet, fühle mich verletzlich. Nolli, deine Feststellungen trafen ins Schwarze."
    "Unsicher zu sein, das brauchst du doch nicht. Ich habe gesehen, dass ihr zusammen seid, und freue mich für euch beide."
    Xenia lächelte.
    Bernd grinste. "Danke. Wir sind auf einem guten Weg, meine Tanzmaus und ich."
    "Bernd, damit hast du schon mal Xenis Lieblingsbeschäftigung erkannt, das Tanzen."
    "So lernte ich sie kennen. Ich sah sie tanzen, und ihre, deine Schwester auch."
    "Tja, Lissi und Xeni sind eigentlich recht verschieden, aber tanzen, das tun sie beide gerne", lächelte Arnold. "Und ich mag auch gerne tanzen."
    "Oh ja, das taten wir drei schon immer. Unser Vater und seine Schwester tanzten auch leidenschaftlich gern. Und unsere Mutter und ihre Schwester turnten ebenso begeistert. Die Freude an der Bewegung ist uns dreien quasi von der der Geburt an eingepflanzt worden", bekannte Xenia stolz.
    "Stimmt. Ich will nun wieder los. War nett, dich kennen gelernt zu haben, Bruder Bernd. Vielleicht sehen wir uns mal wieder."
    "Ganz meinerseits. Was für ein denkwürdiger Tag für uns beide, Bruder Arnold", grinste Bernd.
    "Und für mich auch. Und bleibt weiterhin beim Schwimmen im Badeanzug", rief Xenia.
    "Jawohl, liebe Überschwester! Macht es gut, ihr zwei."
    Arnold umarmte die beiden und zog los.

    Xenia sah Arnold weggehen, dachte nach. Ihr war, als hätte sie ihn heute erst so richtig kennen gelernt. Beide hatten sonst als Erwachsene eigentlich kaum was miteinander zu tun, obwohl sie bloß drei Kilometer voreinander wohnten. Nun war er für sie wieder richtig interessant geworden, nachdem, was heute passiert war. In gut zwei Wochen, würde sie ihn schon wiedersehen, auf der Fahrt zu ihrer Tante, mit ihm und Lisa. Sie lächelte zufrieden.

    Xenia und Bernd traten dann auch ins Freie. Eine dichte Wolkendecke überspannte die Stadt, vereinzelt fielen ein paar Regentropfen.
    So mussten sie den ursprünglichen Plan vom Sternegucken fallen lassen.

    Sie fuhr mit ihm zu ihrer Wohnung. Beide hängten die nassen Badesachen auf Xenias Wäscheleine auf.
    Es war der letzte Abend, den sie gemeinsam verbrachten. Denn leider war Bernds Dienstreise am nächsten Tag (Donnerstag) zur Mittagszeit nach einem Abschlussgespräch vorbei. Die Vertragsunterlagen musste er am selben Tag in Obertupfingen abliefern, sonst hätte er mit Xenia danach noch etwas unternehmen können.
    Die beiden quatschten locker miteinander, tanzten gut gelaunt zusammen. Natürlich nutzten sie jede Minute, die ihnen noch blieb, befühlten einander ausgiebig und genossen ihre Zeit zu zweit.

    Gegen 23 Uhr fuhr Xenia Bernd etwas wehmütig zum Hotel. Sie brachte ihn noch bis ins Hotelzimmer.
    "Ey Börni, ich möchte dir was schenken, damit du an mich denkst."
    "Das ist ja lieb, eine rote Schachtel mit einem Herz drauf."
    "Mach doch mal auf."
    Bernd öffnete sie. Ein zusammengelegtes Stück Lycra kam zum Vorschein. Er faltete es auseinander und hielt eine neue schwarze Leggings in seinen Händen."
    "Die ist ja nagelneu! Hast du sie gemacht?"
    Xenia strahlte. "Ja! Heute tagsüber, mit der Erlaubnis der anderen. Zieh sie mal an!"
    Er folgte gern ihren Worten. Sanft glitt der Lycrastoff über seine Beine. Passte wie angegossen!
    "Super, meine Tanzmaus!" strahlte er und umarmte sie. Sie freute sich.
    "Mir schwant da etwas. Deswegen hast du mich gestern also vermessen."
    "Genau! Die Leggings für dich zu schneidern hatte ich doch fest geplant!"
    "Ich bedanke mich ganz herzlich, meine Liebste."
    "Gern geschehen! Und lies mal da oben."
    An der Leggings hatte Xenia die Initialen von Bernd und sich mit rotem Garn eingestickt, rechts oben, dicht unter dem Gummizug.
    "BU-XE" las Bernd vor, "Bernd Uhlmann, Xenia Ellbrede."
    "Ist das nicht toll, Börni?"
    "Ja! Außerdem ist BU-XE, Buxe oder Büx ein norddeutsches Wort für Hose!"
    Xenia machte große Augen: "Stimmt! Das ist mir noch gar nicht aufgefallen!"
    Die beiden mussten herzhaft darüber lachen.

    Bernd meinte: "Und ich habe auch noch was für dich."
    Er schob den Vorhang beiseite und holte einen Blumenstrauß in einer Vase hervor.
    "Für dich, meine Tanzmaus. Extra viel rot dabei, vor allem die Rosen!"
    Xenia freute sich so, dass sie erst mal ihren Freund küsste.

    Beide saßen noch länger zusammen und liebkosten einander.
    Schließlich brachte er sie zu ihrem Wagen.
    Das Treffen mit Bernd war nun vorbei.
    Er tröstete sie damit, dass er gewiss mal wieder zu ihr kommt, und nicht nur, wenn eine Dienstreise der Anlass ist.
    Ein wenig traurig startete sie den Motor, und fuhr langsam los.
    Bernd winkte ihr hinterher, schaute genauso traurig.

    Zuhause räumte Xenia gedankenverloren noch etwas auf.
    Sie stellte die Vase mit den Rosen auf ihren Wohnzimmertisch und dachte an den Tag mit Bernd.
    Und draußen auf der Wäscheleine hingen beide Badeanzüge im Wind...




    Zu Kapitel 81

  • Wow !

    In letzter Zeit war ich etwas unaufmerksam und so sind mir gleich ein paar Folgen entgangen, die ich nun genüßlich nachholte.

    Einfach toll die Entwicklung und immer wieder Neues, das sich aber wohltuend und schlüssig in die Grundgeschichte einfügt.


    Desi, Du wirst immer besser und Deine Fantasie scheint grenzenlos!


    Martin

  • Schade, dass Bernd´s Dienstreise schon vorüber ist und die beiden Abschied nehmen mussten.

    Passender Titel übrigens, für die BA-Neulinge.

    Ich kann Nolli schon verstehen, dass er seine Vorliebe noch nicht mit seiner Familie teilen möchte. Jeder steht irgendwann einmal am Punkt der Entscheidung. Nachfolgend stellt es sich zwar immer als unnötig viele Gedanken ums Thema heraus, aber der Berg scheint zunächst unüberwindlich. Mal sehen, vielleicht offenbart er noch sein Geheimnis, angespornt durch Börni.

    Ich hätte mir vorstellen können, dass Bernd etwas säuerlich darüber reagiert, dass Xenia zögerte ihn als ihren freund vorzustellen. Aber es ist schön die schüchtern, scheue Seite der selbstbewussten Tanzmaus kennen zu lernen. Und auch die humorvolle "Überschwester Xenia von und zu Ellbrede"

  • Danke Lycwolf.

    Die Idee zu Xenias Badeanzugtaufe verbunden mit einem Ritual kam mir recht spontan, und ich habe das dann weiter entwickelt. Ich hab echt abgelacht. Xenia hatte ja auch Mühe, ernst zu bleiben.

    Arnold und sein Coming out: Er hat ja erst mal damit zu knabbern, dass seine vorlaute Schwester davon weiß, inkl. neuem Freund. Deshalb nötigte er sie dazu, das große Geschwisterehrenwort (auch ein Spontaleinfall) zu geben.

    Wann er es seiner Frau und Tochter erzählt? Nicht mal ich weiß das konkret...

    Bernd könnte sauer sein, ja, aber er hat ja mitbekommen, wie verblüfft Xenia war und ihr das nicht nachgetragen. Es war ja alles noch frisch. Xenia musste ja in Sekunden entscheiden, was sie ihrem Bruder erzählen durfte. Wie geschrieben, Arnold kannte seine Schwester und weiß, dass sie im "Verliebtheitsmodus" anders reagiert als wenn sie Single ist.

    Xenia und Bernd treten erst mal in den Hintergrund. Erstmal.


    Womit gehts weiter? Wenn ihr die vorangegangenen Folgen lest und meine stillen Andeutungen versteht, könnt ihr ahnen, was kommt.

    Eine schnelle Entwicklung vollzieht sich in Kap. 81. Und das alles ohne Nereida.

  • Kap. 81: Die Untermieterin im Obergeschoss

    Donnerstag.

    Aus Ingos Sicht.

    Ich bekam in der Firma heute den Auftrag, die Rechner für die zwei neuen Softwareentwickler fertig zu konfigurieren.
    Als ich las, dass einer von beiden der Arbeitsplatzrechner für Gunda sein solle, freute ich mich sehr. Sie hatte es also geschafft!
    Ich rief meinen Kollegen Paul, Chef der IT-Abteilung, an, fragte nach Details. Kommenden Montag sollte es bereits losgehen.
    Wir hatten immer ein paar Rechner in Reserve stehen, die mit Betriebssystem und Standardfirmensoftware bereits ausgerüstet waren. Man musste sie nur noch konfigurieren, gegebenenfalls Spezialsoftware dazu installieren. Dies war notwendig, falls mal die Festplatte eines Rechners den Geist aufgab, der Rechner nicht mehr hochfuhr, oder wie in diesem Falle, neue Kollegen eingestellt wurden.
    Gundas PC stand schon vor mir auf dem Tisch, ich hatte ihn bereits hochgefahren und begann gerade mit der Installation der Entwicklersoftware, bevor ich mit Paul sprach.

    Kaum hatte ich das Telefonat mit Paul beendet, klingelte mein Mobiltelefon. Eine überglückliche Gunda war dran. Sie hatte soeben von der Zusage erfahren und dankte mir überschwänglich! Ich beglückwünschte sie dazu und erzählte ihr, dass ich dabei war, die Software an ihrem neuen Rechner zusammenzustellen.

    Gunda brachte ein neues Problem zur Sprache, nämlich dass sie ab nächster Woche pendeln muss. Immer von Gruntenhausen nach Obertupfingen und zurück wären zweimal 50 Kilometer pro Arbeitstag. Auf Dauer recht anstrengend, zeitraubend, kostenintensiv und ihr Auto ist auch nicht mehr im besten Zustand. Ob ich eine einfachere Lösung kenne, z.B. jemanden, der eine Wohnung günstig vermietet.
    Mir fiel auf die Schnelle keine Lösung ein und schlug ihr vor, am Nachmittag mal vorbei zu kommen, da hätten wir mehr Zeit und könnten das besser klären. Und ich würde Lisa dazu mit einladen, die hat vielleicht auch eine Idee. Sie war einverstanden.

    Aus einer Laune heraus sagte ich zu ihr: "Bring doch deinen schwarzen Turnanzug mit."
    "Ja, das mache ich gern. Übrigens, Lisa hatte irgendwann vorgeschlagen, dass wir drei zusammen mal turnen können."
    "Das war doch damals, als wir drei in der Uniklinik Großtupfingen deine Mutter besuchten."
    "Richtig, und das könnten wir heute Abend ja mal bei dir machen."
    "Gut, liebe Schwester, sagen wir 17 Uhr. Ich sage Lisa Bescheid. Ich freue mich auf dich!"
    "Ich auch, Ingo, Tschüssi! Und vielen Dank für deine Hilfe mit meiner Stelle!"
    "Gern geschehen, Gundi, bis dann."

    Ich rief Lisa an und berichtete ihr von dem Treffen mit Gunda. Sie willigte auch ein zu kommen.

    Zuhause räumte ich mein Turnzimmer auf und schwang den Staubsauger.
    Für den Abend stellte ich ein paar Knabbersachen bereit.

    Während ich die Flaschen auf den Tisch stellte, klingelte mein Telefon. Lisa war dran: "Schatz, ich bin schon in deiner Straße."
    "Wie schön, ich komme dir entgegen."
    So ging ich zur Tür, zur Straße und sah sie kommen. Wir umarmten und küssten einander, erzählten vom Tag.
    Sie zeigte mir ihr neues Headset, womit sie telefonieren konnte und gleichzeitig beide Hände für andere Tätigkeiten frei hatte.
    Da ertönte eine Autohupe, wir drehten uns um und sahen Gunda heranfahren! Sie parkte ihren Wagen auf meiner Auffahrt.
    Wir begrüßten einander herzlich, gingen in mein Wohnzimmer.

    "Ich bin so froh, ich kann Montag morgen in Ingos Firma anfangen", strahlte Gunda.
    "Herzlichen Glückwunsch, Gundi!", meinten Lisa und ich synchron. Da mussten wir alle lachen.
    "Und ich bin endlich diese blöden Kollegen der alten Firma los."
    "Das ist ja schon mal viel wert. Und die Leute bei uns sind netter."
    "Ja, das hoffe ich doch. Davon gehe ich aus. Bleibt noch das Problem mit dem Pendeln. Kennt ihr jemanden, der in Obertupfingen eine Wohnung vermietet, die einigermaßen erschwinglich ist und sehr kurzfristig frei wird?"


    Ich dachte nach, schüttelte den Kopf.
    Lisa kannte auch niemanden. "So auf die Schnelle, fürchte ich, wird das nichts."
    "Mir kommt da eine verwegene Idee", meinte Gunda geheimnisvoll lächelnd.
    "Welche?"


    Sie druckste ein bisschen herum, als fiele die Antwort ihr schwer, meinte dann zu mir grinsend:
    "Ingo, solange ich noch keine neue Wohnung habe, könnte ich doch bei dir wohnen."

    O hauerha, Gunda möchte bei mir einziehen?

    Über die nächste Reaktion war ich noch verwirrter.
    Lisa sagte nämlich: "Das ist die beste Lösung, Ingo. Du hast doch ein großes Haus. Da passt deine Schwester noch gut rein."
    Ich musste schlucken. Gunda strahlte.
    Bei dem Gedanken, dass meine Freundin, jawohl, meine Freundin (!) vorschlug, dass meine Ex-Freundin respektive nun Halbschwester bei mir wohnen sollte, wurde mir anders. Ich hätte gedacht, Lisa würde Bedenken äußern, oder Eifersuchtsgefühle, aber keine Spur davon.
    "Schatz, meinst du, das ginge?"
    "Aber ja, Ingo, warum nicht?"

    Gunda wartete meine Antwort nicht ab, sie sagte: "Es gibt übrigens eine weitere Neuigkeit, die weiß ich selber erst seit zwei Stunden."
    "Was denn?"
    "Meine Mutter hatte doch diese OP. Sie liegt noch in der Großtupfingener Klinik. Danach wird sie nach Untertupfingen kommen, zur Reha und Nachbetreuung. Das heißt, sie wird längere Zeit dort verbringen. Eventuell sogar ganz da bleiben. Denn vor der OP war sie auch länger schon gesundheitlich nicht so gut drauf."
    "Gundi, dann ist es für dich ja noch besser, in diesem Haus zu wohnen. Da bist du ja auch noch dichter an ihr dran, als von Gruntenhausen", meinte Lisa.
    "Ja, das habe ich auch gedacht."
    "Du hast ja in diesen Tagen eine Menge zu organisieren. Neue Arbeit, Umzug deiner Mutter, dein eigener Umzug. Damit du etwas entlastet wirst, bleibe doch erst mal hier wohnen", lächelte Lisa.
    "Das ist auch mein Plan."

    Gunda schaute mich bittend aus ihren großen Augen an.

    Diese Augen, die mich einst beinahe um den Verstand brachten.

    "Ingo, darf ich bei dir wohnen?"
    Ich fand Lisas Argumentation schlüssig; und ihre Zustimmung überzeugte mich. Und Gundas großen Augen konnte ich kaum widerstehen.

    Und insgeheim war da immer noch etwas in mir, was Gunda zurück wünschte.
    "Klar, Gundi."
    Sie kam auf mich zu, gab mir ein Küsschen auf die Wange und drückte mich fest an sich.

    Ich gebe ja zu, ich mag sie immer noch gern umarmen. Und sie mich auch.

    Tja, dann wird meine Schwester, meine ehemalige Freundin, wohl irgendwann demnächst bei mir einziehen.

    "Ich gehe denn mal was holen", rief sie und verließ mein Haus.
    Zuerst hörten wir eine Autotür zuschlagen und dann erklang ein Geräusch, was sich wie Rollen auf einem Steinfußboden anhörte.


    Gunda hatte einen großen prall gefüllten Rollkoffer geholt, und eine große Sporttasche!
    Wir staunten nicht schlecht. Eine Frau der Tat! Sie musste bereits fest damit gerechnet haben, bei mir einzuziehen! Sogar schon heute!
    "Hier ist schon mal ein kleiner Teil", bemerkte sie mit einem Zwinkern.


    Ich verbarg vor ihr mein Erstaunen und überlegte.
    "Gut, ich müsste dann eines der Zimmer im Obergeschoss erst einmal für dich freiräumen. Bei einem davon geht es am einfachsten, da ist nicht viel drin. Und da steht sogar auch ein Bett."
    "Ingo, du musst die Arbeit nicht alleine machen. Ich helfe dir", meinte Gunda.
    "Ich natürlich auch", ergänzte Lisa.
    "Na dann, kommt mit, Mädels."

    Wir zogen hinauf ins Obergeschoss. Ein paar Möbel standen noch in dem Zimmer, in dem einst meine Schwester Celine wohnte, ein altes leicht quietschendes Bettgestell mit Matratze, ein Arbeitstisch am Fenster und daneben ein Kleiderschrank. Ferner ein paar Kisten und Kleinteile.
    Die Kisten schleppte ich auf den Dachboden, wo sie sich neben den dort bereits stehenden Kisten nicht schlecht machten.
    Den leeren Kleiderschrank wollte ich schon paar mal entsorgt haben. Nun war ich froh, dass ich das immer wieder vor mir her geschoben hatte. Gunda wischte die Möbel ab, Lisa saugte Staub. Ich brachte die Kleinteile weg, wischte Staub im Badezimmer. Wir kamen flott voran. Ich trug Gundas Koffer, Sporttasche und neue Bettwäsche in ihr Zimmer. Anschließend wurde das Bett bezogen.

    Zufrieden betrachtete sie ihr neues Reich.
    "Super, danke, Ingo und Lisa", strahlte sie.
    "Gern geschehen, Gundi. Kommt ihr beiden doch mal bitte nach nebenan."

    Wir gingen ins Badezimmer. Die beiden Frauen schauten sich um. Waschbecken mit Spiegelschrank, Toilette und eine Dusche waren vorhanden. Sogar eine zweite Waschmaschine stand noch da.
    "Dieses Badezimmer hatten Celine und ich damals benutzt. Gundi, da ich mein Badezimmer unten habe, kannst du dieses Badezimmer erst mal für dich alleine nutzen."
    "Hey toll, da kann ich ja heute gleich hier bleiben. Hätte ich das gewusst, hätte ich noch mehr Sachen mitgebracht."

    Das wird ja immer schöner! Die geht aber ran, dachte ich. Gleich bei mir übernachten!

    "Das kannst du nach und nach machen. Oder wir organisieren einen Transporter oder Möbelwagen. Utes Mann Egon hat einen Transporter."
    "Das ist ja fantastisch!"
    Gunda strahlte.

    Wir gingen zurück in ihr neues Schlafzimmer.
    Mir kam ein Einfall. "Warte mal. Du kannst doch morgen, Freitag, schon in deiner Wohnung Sachen packen. Und am Samstag kommen wir dann zu dir und helfen dir beim Umziehen. So gegen 11 Uhr sind wir bei dir."
    "Super Idee, Ingo! Aber so schnell kriege ich das nicht alles gepackt. Ich muss ja auch nicht bereits übermorgen dort aus der Wohnung heraus sein."
    "Stimmt. Aber du kannst ja schon mal daheim das einpacken, was gut stapelbar ist, und auch das, was du öfter brauchst. Hier im Obergeschoss sind noch zwei weitere Räume ungenutzt. Und ich habe hier noch leere Umzugskartons, die du verwenden kannst."
    "Stark!"
    "Und ich rufe mal Egon an", sagte Lisa und zückte ihr Telefon. Sie sprach zuerst mit Ute, dann mit Egon. Sie hatten tatsächlich Zeit und erklärten sich bereit, mit zu kommen.
    "Dann kommen Lisa und ich, Ute und Egon am Samstag zu dir."

    "Wunderbar, ich danke euch vielmals", strahlte Gunda und drückte uns an sich.

    Sie öffnete ihre Sporttasche, holte den Nereida-III-Turnanzug heraus und zeigte ihn uns.
    "Wollen wir noch zusammen turnen?"
    "Aber gern", meinte ich, "ziehe dich hier oben um und Lisa und ich gehen nach unten ins Turnzimmer. Wir warten da auf dich."
    "In Ordnung."

    Unten im Turnzimmer zogen Lisa und ich uns um. Wir zogen beide unsere schwarzen Turnanzüge von Nereida an.
    Ich sprach zu Lisa:

    "Das ging jetzt ja alles sehr flott. Heute ganz früh am Morgen wusste ich noch nicht mal, dass Gunda die Stelle bekommt, und heute Abend wohnt sie bereits bei mir."
    "Ja, das ging wahrhaftig recht rasant. Ich hoffe, sie hat dich nicht überrumpelt, oder?"
    "Ehrlich gesagt war das ein bisschen schnell. Aber ich bin auch recht froh darüber."
    "Ich habe gesehen, wie glücklich sie ist. Sie hat sich echt verändert, zu ihrem Vorteil."
    "Das meine ich auch."

    Wir hörten Gunda die Treppe herunter kommen. Schick sah sie aus, in dem schwarzen Turnanzug. Sie umarmte uns beide. Mit den Händen über das Lycra der Turnanzüge zu fahren, war etwas Unvergleichliches. Knisternd und elektrisierend.

    Ich war hellwach.

    Gut gelaunt begannen wir ein paar Aufwärmübungen. Lisa hatte sogar eine Moby-CD mitgebracht, die wir als Taktgeber nutzten. Jeder von uns hatte ein paar Übungen von Beata und Christina behalten, so dass wir keinen Mangel an Übungen hatten. Es lief wie von selbst. Nereidas Aussage von einst, dass das Turnen in ihren Turnanzügen eine Leichtigkeit, ein Kribbeln und gute Laune hervorruft, bewahrheitete sich jetzt wieder.
    Wir hatten viel Spaß und klönten danach noch zusammen.

    Lisa fuhr gegen 21 Uhr nach Hause. Gunda duschte oben in ihrem neuen Badezimmer, ich unten. Wir wahrten den geschwisterlichen Abstand.

    Im kurzärmeligen Nachthemd kam sie noch mal herunter, drückte sich an mich und dankte mir:
    "Vor nicht all zu langer Zeit, als du mir per Brief höflich eine Abfuhr erteilt hattest, hatte ich nie mehr damit gerechnet, dass wir noch mal zusammen kommen würden, in irgendeiner Art und Weise."
    "Ja", meinte ich, "und ab heute wohnen wir zusammen."
    Wir mussten beide lachen.
    Sie umarmte mich noch mal, wünschte mir eine gute Nacht und verschwand dann in ihrem neuen Zimmer.




    Zu Kap. 82

  • Oerhauaha!

    Rim hat Recht. Die beiden haben Ingo ganz schön überrumpelt.


    Obwohl ich nicht dachte, dass Lisa derart liberal reagiert, auch wenn es aus rationalen Überlegungen die beste Lösung darstellt.

    Hoffentlich führt die neuerliche Nähe von Gundi und Ingo nicht zu Verwicklungen. Sie war sich ihrer Sache ja sehr sicher.


    "Gunda schaute mich bittend aus ihren großen Augen an. Diese Augen, die mich einst beinahe um den Verstand brachten." - Ein Satz in bester Rim´scher Tradition. Hoffentlich becirct sie Ingo nicht zu sehr mit diesen Augen....

  • Desi :

    Hmm es hätte ja noch eine andere Lösung gegeben: Lisa zieht zu Ingo und Gunda kann Lisas Wohnung übernehmen ;-)

    Aber ich hoffe doch mal, dass Lisa nicht mehr zu lange alleine wohnen möchte und dann können alle drei (ggf. dann vier mit Gundas Mutter) im Haus wohnen. Wo jetzt schon mal Tempo drin ist, wie wäre das?

  • Danke Rim, lycwolf, Martin und toby!


    Ich sagte ja, Kap. 81 enthält eine sehr schnelle Entwicklung. Im nächsten Kap. gehe ich auch darauf nochmal ein.


    toby

    Ein paar nette Lösungen zur Wohnungsproblematik hast du da präsentiert.

    Am meisten musste ich darüber grinsen, dass Lisa, Gunda und Gundas Mutter zu Ingo ziehen sollen.

    Was Ingo da tun könnte? Abhauen und bei Nereida und Oksana Asyl suchen...

    Wohl nicht. Ist ja sein Haus. Und was ist, wenn seine eigene Mutter auch noch zurück kommt?

    Oder wenn seine Schwester Celine wiederkommt, die wieder Anspruch auf ihr Zimmer erhebt, wo nun Gunda wohnt?

    Da kann so viel passieren.

  • Kap. 82: Die Nacht mit Gunda

    Donnerstag spät abends.

    Ingo lag wach auf seinem Bett im Erdgeschoss, seitdem er um 23 Uhr zu Bett ging. Er hatte Probleme mit dem Einschlafen, da er ja nicht mehr alleine wohnte. Die Entwicklung des jüngsten Tages verlief für ihn komplett holterdipolter, das musste er erst mal verarbeiten. Viele Gefühle durchzogen ihn; positiver Art war die Freude über Gunda, seine Schwester und immer noch heimliche Freundin, die nun bei ihm wohnte; die Freude über ihren beruflichen Erfolg. Aber auch weniger gute Gefühle beschäftigten ihn; ob es richtig war, sie überhaupt in sein Haus, in seine Nähe zu lassen? Gundas frühere Dreistigkeit schimmerte in ihrem Verhalten schon wieder durch. Wie weit würde sie noch gehen? Ob sie womöglich zu ihm ins Bett springen würde? Ob er deswegen sogar sein Schlafzimmer abschließen sollte oder müsste?

    Lange starrte er regungslos und untätig zu seiner wie immer stets offenen Schlafzimmertür, hörte leise das Quietschen des Bettes im Obergeschoss. Sie schläft aber unruhig, oder konnte wohl auch nicht einschlafen, vermutete er. Ingo dachte nach, ob und wie es gelingen könnte, dass sie beide als Bruder und Schwester länger unter einem Dach zusammen wohnen und die Privatsphäre des anderen respektieren. Er konnte Gunda noch nicht komplett richtig einschätzen, das machte ihm Sorgen. Schade, dass Lisa nicht da war, diese Nacht... Letztlich übermannte ihn dann doch der Schlaf.

    Gunda lag auf ihrem neuen Bett im Obergeschoss. Die erste Nacht in ihrem neuen Zimmer im Haus ihres Bruders hatte begonnen. Sie war glücklich, dass sie nun bei Ingo wohnte. Was sie sich die letzten zehn Monate immer erträumt hatte, war wahr geworden. Eine von den großen Lasten war von ihr genommen, die Frage nach dem Ort, wo sie in nächster Zeit wohnen würde.
    Genau wie bei ihm kreisten auch bei ihr viele Gedanken durch ihren Kopf, die sie lange hinderten, einzuschlafen. Gunda drehte sich ein paar mal hin und her, ihr Bett quietschte.
    Sie dachte über den positiven Verlauf ihres Lebens der letzten Wochen nach, der eigentlich mit ein paar heftigen Donnerschlägen begann: Ingos SMS der Annäherung und kurz darauf die Ablehnung, die Geständnisse ihrer Mutter, deren Infarkt, die Zuspitzung der Situation bei der alten Arbeitsstelle. Sie fühlte sich wie am Boden liegend.
    Und plötzlich ging es wieder bergauf! Die Leute, denen sie begegnete, allen voran die wundersame Nereida, die nicht über sie oder ihre Figur lästerte, sondern sie einfach so annahm; diese Fee Nereida, die ihre Mutter vor dem sicheren Tod rettete; die netten Frauen von der TuFiTa, wo sie ebenfalls willkommen war; dann Ingo, der sich für sie einsetzte und ihr erfolgreich half, eine neue Arbeitsstelle zu bekommen; ferner Ingos neue Freundin Lisa, und wie liebevoll die mit ihr umging. Kein Zickenkrieg, nein, sie hat sie auch noch auf komplett unerklärliche Weise beim Sport geheilt, und dann hat sie auch noch großzügig zugestimmt, dass sie, Gunda, bei Ingo wohnen durfte.


    Bei Ingo wohnen. Ja!


    Gundas Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück.
    Sie wohnte nun bei Ingo! Jetzt in diesem Augenblick! Bei ihrem Ex-Freund! Wie gerne würde sie dieses Präfix "Ex" entsorgen. Es war nun ein bisschen wie früher.
    Sie dachte einige Male daran, ihr Bett zu verlassen und zu Ingo zu gehen. Was sie da machen wollte? Einfach mit ihm zusammen sein. Plaudern. Einander drücken. Ihn spüren.
    Sie schaltete sogar schon die Nachttischlampe an, drehte sich zur Seite, streckte die Füße aus dem Bett, setzte zum Aufstehen an.

    Gunda hielt inne. Ihr Verstand hielt sie von ihren Plänen ab. Sie wollte es sich nicht mit Ingo und Lisa verscherzen. Zumal sie Lisa nun als ihre beste Freundin betrachtete, und die hintergeht man einfach nicht. Die positive Beziehung zu ihr zu sabotieren, indem man ihr den Freund ausspannte, wäre im höchsten Maße unfair. Sie dachte daran, wie abhängig sie von beiden war. Und dass sie Ingo heute ja regelrecht überrumpelt hatte, was ja eigentlich genau genommen frech und unverschämt war. Nicht auszudenken, wenn er und Lisa sich ablehnend ihren Plänen gegenüber entschieden hätten!
    Sie zog ihre Beine unter die Bettdecke zurück.
    Es war also richtig, in ihrem Bett liegen zu bleiben. Sie hatte hoch gepokert, und ihr Gewinn war immerhin, bei ihrem Bruder wohnen zu dürfen. Damit musste sie zufrieden sein. Gunda sank zurück in ihr Bett.

    Aber ihr Gefühl ließ sie nicht in Ruhe: Man könnte doch ein wenig kuscheln. Nur kuscheln. Nur seine Wärme spüren. Ein bisschen denken, als wären sie zusammen. Nur so tun als ob. Zusammen glücklich sein.

    Unbemerkt schlief sie aber doch ein, träumte wild.

    Sie rief ihn, er kam, sie warf ihre Bettdecke weg, tanzte ausgiebig mit ihm, freute sich, beide trugen den Nereida-III-Turnanzug. Beide befühlten einander, Gunda fühlte sich so wohl. Er kuschelte mit ihr minutenlang, gestand ihr seine immer noch glimmende Liebe, gab ihr einen Kuss auf den Nacken. Sie fühlte sich am Ziel. Sie sprang auf ihr Bett, wartete auf ihn. Irgendwann war Ingo nicht mehr da, sie lag alleine auf dem Bett und ihr wurde kalt. Sie rief ihn mehrmals. Keine Reaktion...

    ---------------------

    Freitag, 2 Uhr nachts.

    Aus Ingos Sicht.

    Ich wachte auf. Normalerweise war ich, da ich ja alleine wohnte, die Totenstille gewohnt, aber mir war, als hätte ich was gehört, als hätte Gunda mich gerufen. Ich war auf alles gefasst, mit dem festen Entschluss, mich nicht von ihr verführen zu lassen;

    ich ging leise die Treppe hoch, sah einen Lichtschein, lugte in Gundas Schlafzimmer. Ihre Nachttischlampe brannte noch.

    Da rief sie mich nochmal, aber undeutlich.

    Ich trat leise in ihr Zimmer, wollte schon antworten, als ich sah, dass sie träumte und sich gelegentlich bewegte; an ihrer Gänsehaut an den Armen sah ich, dass sie fror. Und ihre Bettdecke lag auf dem Boden. Sie musste sie im Schlaf herunter befördert haben. Die Decke war kalt, musste da wohl schon länger liegen. Ich hob sie auf.

    Als ich versuchte, Gunda damit wieder zuzudecken, bewegte sie sich und stöhnte wegen der plötzlichen kalten Bedeckung. Ich zog erschreckt ruckartig die Decke zurück, sie wachte davon auf, war überrascht: "Ingo! Du bist ja doch hier!"
    "Gundi, ich habe dich rufen hören. Als ich herein kam, sah ich deine Decke auf dem Boden liegen."
    "Mir ist kalt!", wimmerte sie.

    Hm, was wollte sie? Dass ich zu ihr ins Bett hüpfe? Das würde mich irgendwann in Schwierigkeiten bringen. Ich sann nach Alternativen.
    "Ich hole was für dich, liebe Schwester, bin gleich wieder da."
    Aus meinem Schlafzimmer holte ich meine eigene noch warme Decke. "Für dich, dies ist meine eigene, warme Decke."
    Ich deckte sie damit zu. Gunda kuschelte sich sofort darin ein. "Oh, angenehm warm! Danke, liebster Ingo, das ist so nett von dir!"
    "Gern geschehen. Versuch zu schlafen, Gundi. Gute Nacht."
    "Gute Nacht, Ingo."
    Ich streichelte ihren Kopf, kurz darauf schlief sie ein.
    Ich schaltete das Licht aus, nahm ihre kalte Decke, ging damit leise zurück in mein Bett. Da nahm meine Nase den Geruch von Gundas Bettdecke wahr. Wie früher...
    Beruhigt schlief ich wieder ein.

    ---------------------

    Freitag, 7 Uhr morgens.

    Ich hatte mich angezogen und ging zum Frühstücken in meine Küche, als Gunda auch schon erschien.
    "Guten Morgen, Ingo", rief sie fröhlich.
    "Hey Gundi, schon wach? Konntest du denn noch schlafen?"
    "Ja! Das war heute Nacht so süß von dir, mir deine warme Decke zu geben. Ich danke dir vielmals!"
    "Bitteschön. Hoffentlich war der Geruch nicht störend."
    "Nein, im Gegenteil. Ein bisschen erinnerte mich das an alte Zeiten. Ich fühlte mich geborgen."
    "Freut mich."


    Eine Zeitlang dachte ich daran, dass auch ich mich mit dem Geruch von Gundas Bettdecke irgendwie geborgen fühlte, wollte das aber nicht zugeben. Nicht zuviel Annäherung auf einmal.
    Ich fragte zur Ablenkung: "Kannst du heute denn nicht ausschlafen?"
    "Eigentlich ja, aber ich habe noch so viel zu tun. Und ich wollte doch zusammen mit meinem Bruder frühstücken."
    "Na dann komm, Gundi."
    Sie drückte sich kurz an mich.


    "Nimm dir aus dem Kühlschrank, was du möchtest."
    Sie folgte meinem Wort, holte Marmelade heraus. Ich legte für sie ein zweites Gedeck auf den Tisch, schnitt ein frisches Brötchen für sie auf, stellte einen Topf Honig neben ihren Teller.
    "Möchtest du auch einen Gute-Laune-Tee, Gundi?"
    "Hört sich toll an. Gerne."

    Ich schenkte uns einen Tee ein, wir nahmen Platz.
    Sie ignorierte den Aufschnitt, griff sich direkt den Honigtopf und ließ die goldgelbe Flüssigkeit auf ihr Brötchen rinnen. Es war ein bisschen wie damals, sie liebte Honig, das war meine Gundi...

    "Gundi, wie hast du denn die erste Nacht in deinem neuen Zimmer geschlafen, abgesehen von der kalten fehlenden Bettdecke?"
    "Sonst gut. Wobei ich mich mit dem Einschlafen allerdings etwas schwer tat. Ich musste so viel nachdenken. Und es quietschte immer, wenn ich mich bewegte. Und die Matratze ist anders, härter als meine."
    "Dann sollten wir am Samstag auf jeden Fall dein Bett hier her mitnehmen."
    Wir besprachen noch ein paar nützliche Dinge rund um Gundas Umzug.

    Ich trug einen Satz zusammengefaltete Umzugskartons in Gundas Auto und fuhr mit meinem Wagen dann zur Arbeit.

    Gunda fuhr nach Gruntenhausen in ihre Wohnung und packte voller Elan schon mal die Umzugskartons voll, besorgte weitere Kartons und packte weiter. Sie besaß nur eine kleine Anderthalb-Zimmer-Wohnung mit nicht so viel Kleinkram drin. Das mochte sie nicht so gern, diese Staubfänger, so wie sie diese Sachen betitelte. Staub wischen war sowieso nicht ihre Lieblingsbeschäftigung.

    Sie stellte auch die Sachen zusammen, die sie nicht mehr haben wollte, unter anderem ein paar Möbelstücke.

    Ich dachte mir, vielleicht würde sie noch Hilfe benötigen.
    So begab ich mich nach dem Dienst mit einem Werkzeugkoffer zu ihr hin.

    Voller Freude öffnete sie mir. Diese steigerte sich noch, als ich meinen Werkzeugkoffer hervorholte, da ihr spärlicher Werkzeugvorrat für die Zerlegungsaktionen nicht ausreichte.
    Gemeinsam demontierten wir ihr Bett und drei Schränke. Zwei weitere ebenso, aber die sollten auf den Sperrmüll.

    Wir beluden unsere Autos randvoll und machten uns auf den Weg zurück nach Obertupfingen.
    Lisa kam und half uns dabei, die Kartons auszuladen.

    Gunda war zufrieden. Ein kleiner Teil war schon geschafft, morgen sollte es mit dem Hauptteil weitergehen.





    Zu Kap. 83

  • Ingo und Gunda haben ja eine weitreichende Vergangenheit. Die Situation nicht nur Ex-Geliebte zu sein, sondern darüber hinaus Geschwister macht den Umgang mit den Gefühlen nicht leichter.


    Übrigens alles sehr nachvollziehbar beschrieben. Wenn ich mir vorstelle bei meiner Ex zu wohnen (die sich von mir nicht im Streit getrennt hat), wüsste ich auch nicht wohin mit den Emotionen die im Kopf Achterbahn fahren.


    Keine einfache Zeit für die Beiden. Hoffentlich wird die Harmonie nicht zu sehr auf die Probe gestellt.

    Sehr guter Stoff.

  • Kap. 83: Gundas Umzug

    Aus Ingos Sicht.

    Samstag.

    Diesmal schlief Gunda durch. Oder ich, jedenfalls hörte ich nichts in der Nacht. Das mit gestern war wohl die Ungewohntheit der ersten Nacht. Sie krabbelte auch nicht nachts in mein Bett. Auch gab es keinen erneuten Bettdeckentausch. Da habe ich sie wohl falsch eingeschätzt, dass sie auf solche Ideen kommen könnte.

    Morgens brachen wir - Gunda, Lisa und ich - nach einem guten Frühstück bei mir erneut nach Gruntenhausen auf, wo wir Gundas Wohnung weiter aufräumten.

    Ute und Egon trafen ebenfalls dort ein, gekommen mit Egons Kastenwagen. Ich machte Egon mit Gunda bekannt, Ute kannte sie ja schon von der TuFiTa.

    Zusammen beluden wir den Transporter zuerst mit den Dingen, die Gunda loswerden wollte, wie ihre altersschwache Waschmaschine, den stromfressenden Kühlschrank und zwei Schränke, die ausgeleiert waren und wo die Farbe schon abplatzte sowie ihr Sofa, bei dem der Bezug schäbig und abgewetzt aussah.

    Ich fuhr mit Egon zum Abfallwirtschaftshof, wo wir die Sachen schnell und unbürokratisch los wurden.
    Lisa, Gunda und Ute hatten unterdessen weiter aufgeräumt und Kartons gepackt.

    Um 13 Uhr begannen wir mit dem Beladen von Egons Wagen.
    Natürlich war er schneller voll als wir die Wohnung entleert hatten. Aber das Wichtigste, Gundas Bett mitsamt Matratze war dabei, ebenso ihr Fahrrad sowie weitere Kartons mit Kleidung und Unterlagen sowie zerlegte Schränke. Und wir standen nicht unter Zeitdruck. Etwas passte ja auch noch in mein und in Gundas Auto.
    Als die Autos beladen waren, versammelten wir uns in Gundas Küche und mampften die lecker belegten Brötchen, die Lisa geschmiert hatte.

    So gestärkt fuhren wir nach Obertupfingen zu meinem Haus.
    Da staunte ich nicht schlecht: Dort standen unerwartet Silvia, Bea, Nereida und Oksana!
    Lisa hatte sie heimlich herbei telefoniert!

    Mit weiteren acht Händen hatten wir die Möbelteile, Kisten und weiteres in nicht mal einer Stunde ins Haus und ins Obergeschoss gebracht.
    Gunda strahlte.
    "Ich möchte euch allen ganz ganz lieb danken für die super Hilfe für mich!"

    "Gern geschehen!"
    "Ist doch Ehrensache!"
    "Für dich gerne!"
    "Das hatte ich dir ja versprochen zu helfen, weißt du noch?" meinte Silvia.
    "Ja, ich erinnere mich daran, Silvia. Dankeschön! Vielen Dank euch allen."

    Einen großen Schrank bauten wir im Nebenzimmer auf, Kisten und zerlegte Möbelteile stellten wir erst mal daneben.

    Egon und ich zerlegten das Behelfsbett und bauten Gundas Bett in ihrem neuen Zimmer wieder auf. Das Bett 140 x 200 cm inklusive Matratze hatte sie sich erst vor einem halben Jahr gekauft.

    "Und jetzt kommt das Schönste."
    Gunda holte aus einer Riesentüte ein großes Kissen, auf dem stand: "Schlaf gut, liebe Gundi."
    Neben dem Text war ein großes Herz gestickt.
    "Das ist ja süß, Gunda, von wem hast du das?" fragte Oksana.
    "Von Ingo."
    "Hast du die Worte eingestickt, Ingo?" fragte Beata neugierig.
    "Nein, die Worte und das Herz hatte meine Mutter gestickt. Das Kissen aber ist von mir, das stimmt."

    Gunda erzählte: "Ich hatte mich ja damals von Ingo getrennt und einige Erinnerungsstücke nach unserer Trennung entsorgt, aber dieses Kissen konnte ich einfach nicht wegwerfen. Ich steckte es in eine Plastiktüte, verbarg es tief in einem der Schränke, wo ich es gestern Abend wieder entdeckte."

    Lisa betrachtete es. "Hey Gundi, das ist ja schön. Ich wünschte, ich hätte auch so ein Kissen. Mit 'liebe Lisa'."

    Nereida stimmte ihr zu. "Oh ja, ein Kissen mit 'Schlaf gut, liebe Nereida' würde mir auch gefallen."
    Oksana, Silvia und Ute bekannten ebenfalls Interesse.

    Beata lachte. "Ingo, da muss deine Mutter ja nun Überstunden schieben."

    Ich musste auch grinsen. "Mal sehen, was ich da machen kann."

    Gunda holte eine Schachtel hervor und förderte daraus ein paar Sektgläser zu Tage.
    "Weil ihr mir so toll geholfen habt, habe ich auch was zum Anstoßen."
    Aus einer weiteren Schachtel holte sie zwei Sektflaschen hervor.
    "Hey tolle Aktion Gunda", meinte Egon.
    Silvia, Ute und Oksana, Lisa, Nereida und ich waren auch begeistert.

    Nur Bea schaute bedrückt. "Keinen Sekt für mich und Nereida bitte."
    "Warum nicht, liebe Schwester?"
    "Wir beide vertragen keinen Sekt.
    Gunda, hast du Orangensaft da?"

    Die Angesprochene schielte zu mir: "Ingo, kannst du mir damit aushelfen?"
    "Klar, Gundi."
    Ich holte eine Flasche Orangensaft, füllte damit Beas und Nereidas Glas.

    Wir stellten uns alle im Kreis.

    Gunda ergriff das Wort:
    "Danke für eure tolle Hilfe. Ich erhebe für euch mein Glas. Auf Euch!"
    Ich fügte hinzu: "Auf gute Nachbarschaft, liebe Schwester!"
    "Auf Gundi" riefen die anderen.
    Nereida wurde von Bea per Gedanken informiert, wie sie sich verhalten sollte.

    Wir stießen mit den Gläsern aneinander und tranken beschwingt den Sekt.

    Da meinte Nereida, ohne Bea vorher zu informieren: "Gundi, du hast ja nun deinen Wohnort gewechselt. Ein neues Haus. Das ist bei uns immer ein großer Anlass zum Feiern. Beata und ich tanzen extra für dich den Flüdetanz."

    Gunda, Oksana, Ute, Egon, Silvia, Lisa und ich sahen Nereida staunend an. Flüdetanz?
    Nur Bea schaute einmal schief zur Decke, seufzte, lächelte wieder und schaute ihre Schwester an. Bevor jemand nach der Bedeutung oder Herkunft von 'Flüdetanz' fragen konnte, rief sie:
    "Klar, liebe Nereida. Dafür brauchen wir allerdings Platz.
    Bringt doch mal den Tisch weg."

    Egon und ich räumten den Wohnzimmertisch beiseite.

    Beata und Nereida stellten sich in die Mitte und begannen mit ihrem Tanz.
    Wie beim Turnfest beeindruckten beide auch heute Abend durch eine bezaubernde Anmut und synchrones Tanzen.
    Sie wirbelten gekonnt umeinander und hakten sich ein, drehten sich, tanzten wieder solo.
    Uns Erdenbewohnern standen die Münder offen.
    Die galaktischen Schwestern verneigten sich schließlich und riefen: "Alles Gute Gunda in deiner neuen Wohnung!"


    Begeisterter Applaus setzte ein.
    "Toll gemacht, ihr zwei. Danke!" jubelte Gunda und umarmte sie.
    Wir anderen lobten Bea und Nereida ebenfalls.
    Ute war von den Socken. "Toll, Nereida und Bea! Wir müssen unbedingt mal wieder zusammen tanzen! Einen ganzen Abend lang! Ich halte mal Ausschau, wenn was im Alten Bahnhof kommt."
    "Klar, Ute. Ich komme gerne mit", meinte Bea.
    "Und ich erst!" freute sich die Turnfee.

    Ute, Silvia und Egon verabschiedeten sich dann von uns. Wir dankten ihnen noch mal recht herzlich. Die drei fuhren los.

    Lisa, Nereida, Bea und Oksana blieben bei mir und Gunda.

    Wir gingen zurück in mein Wohnzimmer, tanzten noch ein wenig.

    Ich meinte: "Hört mal zu. Lisa, Gunda und ich servieren am Montag Abend um 19 Uhr ein leckeres Abendessen anlässlich Gundas ersten Arbeitstages. Nereida, Bea und Oksana, ihr seid dazu herzlich eingeladen!"
    Die drei sagten erfreut zu.

  • Flüdetanz ist eins von den R-Wi-Wörtern und heißt halt Wohnungswechsel-Tanz.


    Das mit dem Flüdetanz war ein Spontaneinfall von mir. Genauso auch das mit dem Sekt.

    Und dann gerade mal noch 2 Std vor Veröffentlichung verfasst...

    Kap. 83 schien mir sonst zu dürftig.


    Ich habe auch wieder Andeutungen auf spätere Kapitel hereingeschmuggelt. Eine kommt von Ute, eine von Ingo.


    Kap. 84 wird drei Charaktere zusammenbringen, die in DER Konstellation in der Ausführlichkeit noch nie aufeinander trafen.

    Es wird ein flammendes Plädoyer Pro Badeanzug sein.

  • Hallo Desi,

    "Daumen hoch!" wie immer.

    Großartig und einfühlsam geschrieben.

    Sei mir - und auch bitte die anderen Autoren in diesem Forum - bitte nicht böse, daß ich mich trotz dieser hervorragenden Geschichte/n nicht so fleißig zu Wort melde, wie es eigentilch aufgrund der hervorragenden Leistungen angebracht wäre.

    Ich habe gerade einfach keine Zeit alles zeitnah zu lesen, zu verfolgen.


    Dennoch: Hut ab!

    und bitte um Fortsetzung.


    Gruß Martin

  • hallo Martin!
    Danke für deinen netten Kommentar, und, ich bin dir nicht böse, keineswegs.

    Ich gebe dein Lob auch gerne an die anderen Autorenkollegen weiter.

    Wenn bei "Novemberrain" Lilli und Martin in Lycra fasziniert dem Meister lauschen, Boris einen deftigen "Karneval mit Folgen" erlebt, Stefan "Bis ans Ende der Welt" getrieben wird, "Die Zugfahrt" dank der mysteriösen Tabritisca ein besonderes Prickeln beschert und auch noch die "Galaktische Turnfee Nereida Drei" sich in unsere Herzen tanzt, kann man schon mal wegen der Fülle den Überblick verlieren.

    Ich werde künftig immer am Wochenende eine neue Folge der "Turnfee" online stellen, parallel auch auf meiner Webseite.
    Beim Thema Gunda hatte ich ausnahmsweise mal eine Folge dazwischen geschoben (Die Nacht mit Gunda, am 11.4.)