Schreib doch mal wieder was

  • Hallo Freunde körpergenauer Kleidungsstücke.

    Eigentlich wollte ich ein bisschen pausieren und die Kurzgeschichte an der ich derzeit arbeite braucht auch noch eine ganze Weile.

    Die Vorliegenden Zeilen entstammen einer Idee die ich dazwischen geschoben habe, weil sich mir die Handlung geradezu aufgedrängt hat. Ist mal was anderes und vor allem nicht ganz ernst gemeint. Die Kurzgeschichte ist der Übersichtlichkeit halber zweigeteilt.


    Gute Unterhaltung.







    "Schreib´ doch mal wieder was", lautete die Aufforderung im Forum.

    "ja, genau. Du könntest mal wieder ´ne Geschichte posten."

    Als ob das so einfach wäre und einem immer so leicht von der Hand ginge.


    Gut ich gebe zu, durch meine Aktivitäten in letzter Zeit habe ich mir eine gewisse Reputation diesbezüglich erworben. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ich unablässig neue Phantasien in Schriftform bringen kann. Sowohl Inspiration als auch Zeit sind dafür notwendig. Manchmal will einem einfach nichts einfallen.

    Da beneide ich andere, die ganz locker und flockig an einer oder gar zwei großangelegten Fortsetzungsgeschichten gleichzeitig arbeiten. (Sogar, wie ich kürzlich erfahren durfte, an dreien - mit dem unausgesprochenen Subtext "lass dich davon nicht unter Zugzwang setzen")

    OK, ihr habt ja Recht. Schließlich lese ich auch immer gerne Stories die unsere unkonventionelle Vorliebe betreffen.


    Also sitze ich gerade vor meinem Rechner und warte auf die Initialzündung. Die alles startende Eingebung.

    Doch irgendwie kommt sie nicht. Oder wie Rötger Feldmann sein Alter-Ego Brösel in der Einleitung zu einem der "Werner"-Comics mal sagen ließ: "Mein Kopf ist leer wie vor mir hier, dieses Stück Papier".

    Gut, in meinem Fall der Bildschirm mit der Textverarbeitung.

    Was haben wir denn bis jetzt?


    "Schreib´ doch mal wieder was ...."


    Nicht gerade erschöpfend viel.


    Der Cursor blinkt herausfordernd. Als wolle er mich ansticheln. "... kannst es nicht, kannst es nicht, äätschibäätsch..."

    Wenigstens zieht dieser Gedanke meine Mundwinkel etwas nach oben. So schwer kann das ja auch nicht sein, ermahne ich mich. Du machst das doch nicht zum ersten Mal.

    Klar habe ich bereits einige vage Ideen für weitere Stories, aber die sind kaum detailliert.

    Zudem fehlt mir so ein typischer Einstiegssatz. Einer der entweder den Leser direkt ins Geschehen zieht, oder gegenteilig komplett von der Handlung ablenkt.

    Die Formulierungen in meinem Geist sind einfach zu profan. Als hätte ich zu viel anderes im Kopf. Dass mich meine Freundin verlassen hat trägt auch nicht gerade zu kreativen Höchstleistungen bei.

    Mann Kerl, reiß dich mal zusammen! Lamentiere nicht und bring´ endlich was zu Papier.

    Also wo waren wir stehen geblieben? Ah ja. "Schreib´ doch mal wieder was ...."


    Nicht meine beste Einleitung.


    Ich frage mich. ob professionelle Autoren ebenfalls so sehr mit den ersten Worten hadern. Oder ob deren einprägsame Anfangssätze zufällig "passieren"?

    So etwas wie: "Im Matsch begann es, wie so vieles...", an den Tad Williams einst ein Mammutwerk von über1700 Seiten angehängt hatte.

    Die Grübelei bringt mich nicht weiter.


    Mal überlegen was ich letztens so in der S-Bahn gesehen habe. War ja schon oft Inspiration für mich. Was meine Vorlieben betrifft, brachten die kühleren Temperaturen vor allem morgens wieder mehr Lycra an die unteren Extremitäten meiner Mitfahrerinnen. Klassische schwarze Leggings, gelegentlich mit seidig darunter hervorspitzenden Strumpfhosen waren ein nicht zu verachtender Anblick. Noch dazu wenn das alles in flachen Ballerinas endete. Jedoch trifft man sowas eher bei der jüngeren Generation an. Frauen in meinem Alter zeigen nur selten Enthusiasmus für derartige Kleidung.

    Eine Ausnahme stellte der Blickfang von letzter Woche dar. Etwa Mitte Vierzig, nicht aufgebrezelt, sondern sehr natürlich und ohne zugekleisterte Fältchen. Ein sehr sympathisches Gesicht und eine perfekt passende Frisur zogen damals meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie stand einige Schritte entfernt von meinem Platz, aber die Blickrichtung war frei.

    Unter ihrem sommerlichen Kleid in einem Stil zwischen Leger und Business lugten herrlich proportionierte Waden hervor. Verhüllt in grau-silbern schimmernde Leggings die trotz ihres hohen Glanzgrads unwahrscheinlich elegant wirkten. Ihre Füße steckten in relativ schlichten schwarzen Pumps. Normalerweise mag ich Absätze nicht, aber zu ihrem Outfit passte das besser als flache Schuhe wie beispielsweise Ballerinas. Ihre Fußrücken glänzten verführerisch unter hauchfeinem Nylongespinst.


    Leider stieg sie nach wenigen Stationen schon wieder aus.

    Gut, jetzt habe ich zumindest mal einen Einstieg. Aber wie jetzt weiter? Ich überlege einige Minuten wie ich aus der Beschreibung heraus Material für eine Geschichte gewinnen kann. Blöderweise fällt mir rein gar nichts dazu ein, so sehr ich mich auch anstrenge.

    Das bringt mich auch nicht weiter, also weg damit.


    Natürlich nicht ganz weg. Vielleicht kann man diese Dame im Zug ja noch mal anderweitig benutzen. (Die Beschreibung - nicht was in euren Köpfen schon wieder vorgeht). Deshalb kopiere ich die paar Zeilen in die "Ideen & Entwürfe"-Datei bevor ich sie aus dem Text lösche.

    Mal sehen. Was haben wir denn bisher?

    Leider noch immer nicht mehr als der eine Satz vom Anfang - ernüchternd.

    Vielleicht fehlen mir optische Reize. Eine Lycra-Muse womöglich?


    Keine Ahnung wie viel Gigabyte an Fetischfotos sich mittlerweile auf meiner Festplatte angesammelt haben. Viele davon habe ich seit Jahren nicht betrachtet. Manchmal sind solche Bilder aus dem Netz ganz hilfreich zur Inspiration. Nicht nur für den "Partnerunabhängigen" Sex, nein, ganz allgemein um die Phantasie anzuregen. Oder auch mal für eine Personenbeschreibung.

    So gut die Fotos von professionellen Lycramodels auch aussehen, so steckt in Amateurbildern doch ungleich mehr Authentizität. Die Mädels wirken einfach natürlicher, realer. Die tragen die Kunstfasersachen nämlich nicht weil sie ihren Lebensunterhalt damit verdienen, sondern weil es ihnen selbst gefällt. Oder zumindest weil sie jemandem nahestehenden gefallen wollen. Bei manchen Aufnahmen erzählt alleine der Gesichtsausdruck der abgebildeten Person schon einen kompletten Lebenslauf.


    Bei perfekt ausgeleuchteten Bildern von Models an denen selbst nicht mehr alles echt ist und jede noch verbliebene Unebenheit durch die Bildbearbeitung egalisiert wird, findet man so etwas nicht.

    Die in dem schwarz-gelben Voltigieranzug vielleicht? Sie strahlt voller Stolz neben ihrem Pferd. Womöglich hat sie gerade eine perfekte Kür hingelegt. Schöne gerade Haltung (Die Gymnastin, nicht das Pferd). In der Reithalle lässt es sich natürlich nicht vermeiden, dass die Enden der Beine und die Schläppchen staubig oder voller Sägemehl sind.

    Ich klicke weiter.


    Aah, die Semiprofis von der kostenpflichtigen asiatischen Seite. Von denen habe ich nur wenige Bilder, hauptsächlich aus der Vorschau. Nicht im Traum würde mir einfallen für sowas Geld zu bezahlen. Keine Ahnung ob es diese Seite noch gibt. Es war irgendwas mit "glänzend" und "Asiatinnen" im Titel und dieser Name war Programm. Die Models räkelten sich in allen möglichen, aber vor allem glänzenden Lycrasachen meist zu mehreren auf Sofas, Betten oder ähnlichem herum. Nichts unbekleidetes. Eine reine Fetischseite. Die Paarungen waren immer unterschiedlich. Meist gewann man den Eindruck, dass immer zumindest eine der Akteurinnen zum ersten Mal in den Lycrasachen posiert, welche mehr enthüllen als verdecken. So ein bisschen zwischen "bin zu schüchtern" und "heute trau´ ich mich mal was". Dieser Eindruck zusammen mit bunten und hochglänzenden Gymnastikanzügen, Leggings und ähnlichem hatte schon seinen Reiz.

    Eine andere war fast auf jeder Aufnahme präsent. Wahrscheinlich war sie das Hauptmodel, wenn nicht sogar selbst an der Unternehmung beteiligt. Trotz ihrer Professionalität hatte aber auch sie genügend Ecken und Kanten um noch interessant zu wirken. Ihr Gesicht war eher breit, was durch eine viel zu groß scheinende Rechteckbrille noch unterstützt wurde.


    Das Foto welches ich mir gerade betrachte zeigt eben dieses Model zusammen mit einer anderen auf einer Ledercouch. Für Europäer ist es fast unmöglich die unterschiedlichen asiatischen Gruppen auseinander zu halten. Man sieht zwar, dass verschiedene Personen nicht der gleichen ethnischen Gruppe angehören, aber eine Aussage darüber ob jemand Thai, indonesisch, chinesisch, japanisch oder was auch immer ist, ist fast unmöglich. Jedenfalls gehören diese beiden unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen an. Das erfahrenere, entfernt an die junge Yoko Ono erinnernde Model trägt einen silbernen, fast lackartig glänzenden Ganzanzug mit Fußstegen. Die andere sieht fast nach Indien oder zumindest Bangladesh aus. Ihr mädchenhafter Körper ist umhüllt von einem langärmeligen Gymnastikanzug mit Stehkragen. Die zum Pferdeschweif zusammen gebundenen Haare unterstützen ihre jugendliche Erscheinung.


    Bei Asiatinnen muss man generell sehr aufmerksam hinsehen. Es gibt einen hohen Anteil an äußerst jung, ja sogar kindlich wirkenden Frauen und man erkennt oft nur am Gesicht und an den Händen, dass es sich wirklich um Erwachsene handelt. (Ich möchte damit klarstellen, dass ich keinerlei, noch nicht mal ansatzweise pädophilen Absichten verfolge. Ausrufezeichen, unterstrichen).

    Zurück zum Bild. Die Beine der eben beschriebenen stecken in weißen, hochglänzenden Strumpfhosen. Eigentlich sind es zwei Bilder, bestimmt aus einer Serie, die die beiden bei ihrer Präsentation der glänzenden Lycrakleidung zeigen. Was mich an ihnen noch mehr anspricht, sind die wirklich hübschen Füßchen. Selbst ein "nicht Fetischist" muss das zugeben. Beide tragen so genannte RSG-Kappen. Halbschläppchen, welche lediglich den Vorfuß umschließen, den Rest jedoch frei lassen und mit elastischen Bändern um die Ferse gehalten werden. Bei der einen in weiß, bei der anderen in untypisch roten Leder.

    Doch ich vermute meine Vorlieben sind zu speziell für eine ganze Geschichte im Lycra-Forum. Ich möchte die Leser ja nicht zu sehr mit Fuß- und Schläppchenbeschreibungen langweilen und mich mehr aufs Kerngeschäft, nämlich Lycrakleidung konzentrieren.

    Also weiter klicken.


    Beim durchforsten dieses Bildarchivs fallen mir mehrere Bilder auf. Nicht wegen der Darstellungen, sondern wegen der jeweils eingeblendeten Webadresse als Wasserzeichen. Sie stammten von einer Seite namens "Lycraworld" und ich schwöre, als ich die gleichnamige Story verfasste war mir das nicht bewusst. Hoffentlich bekomme ich keine Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht.


    Da ist doch schon so ein typisches Bild wie vorhin angesprochen. Eine Amateuraufnahme die eine komplette Story erzählt. Sie zeigt ein Mädel Mitte bis Ende Zwanzig. Ich muss vorausschicken, dass sie ideal in mein Beuteschema passen würde. Die typische, alltägliche Frau aus der Nachbarschaft. Dunkle, schulterlange Haare rahmen ein total süßes Gesicht mit Brille ein. Sie trägt einen weißen Ganzanzug, Hoch geschlossen und mit langen Armen. Das Bild wurde im Freien aufgenommen, auf einer kleinen Rasenlichtung zwischen Bäumen und Bahngleisen. Sie steht auf einem befahrbaren Weg aus Schotter und Splitt. Deshalb auch reguläre Turnschuhe und nicht Barfuß oder Schläppchen.

    Ihre Körpersprache, Haltung und Mimik sprechen Bände. Bestimmt trägt sie zum ersten Mal einen Lycra-Suit oder zumindest zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Sie wirkt schüchtern, auf jeden Fall aber etwas unsicher ob der latenten Möglichkeit so gesehen zu werden. Als mache sie es in erster Linie für ihren Partner, welcher sie fotografiert. Sie sieht einfach perfekt aus. Sehr feminin, fraulich kurvig. Und doch merkt man ihr ein gewisses Unbehagen an sich derart zur Schau zu stellen. Bestimmt geprägt durch die völlig verzerrte Wahrnehmung durch das Modediktat und den Abbildungen in "Frauenzeitschriften", welche auf nichts anderes abzielen als dass sich perfekt proportionierte Mädels nach der Lektüre schlecht fühlen.


    Oder habt ihr schon mal eine Frau getroffen, die von sich behauptet "Ich bin zu schlank"? Das wäre gleichbedeutend wenn ich auf einem Weinfest stünde und behauptete "Ich habe keinen Durst".

    Dieses Bild jedenfalls regt die Phantasie schon mehr an. Da lässt sich draus machen, aber nicht Heute. Die mögliche Richtung in die es gehen könnte ist nicht das wozu ich momentan Lust habe zu schreiben. Doch das Bild und die bisherigen Notizen wandern in den "Ideen"-Ordner.

    Hätte ich es lieber dabei belassen sollen und aus den Stichpunkten was konstruieren?. Dieser Gedanke drängt sich auf als mir gerade wieder bewusst wird wie wenig ich bis jetzt vorweisen kann.


    Egal, ich klicke erst mal weiter.


    Interessant in wie vielen Varianten das Thema "Catsuit" wörtlich in Lycrakleidung umgesetzt wird. Nacheinander stoße ich in direkter Folge auf unterschiedliche Interpretationen. Das erste Bild zeigt eine Dame mit einem Zentai dessen Kopfhaube an das Makeup-Design der Musicaltruppe von "Cats" angelehnt scheint. Der Anzug ist Grau getigert, an der Bauchpartie Glattlycra, im Fellmuster Samt und weist am verlängerten Rücken tatsächlich einen buschigen Katzenschwanz auf. Dazu liegt die schlanke Person auch noch entsprechend eingeringelt in einem weich gepolsterten grauen Körbchen, nebst dem obligatorischen Kratzbaum. Lustig, aber nicht das wonach ich suche.

    Die folgende Zentaiträgerin ist auf allen vieren im Gras unterwegs und präsentiert ein gut gemachtes Leopardenfell-Muster. Dieser Anzug hat den üblichen Glanz und das feine Ringelmuster setzt vorteilhaft ihre anatomischen Reize in Szene. Ebenfalls nett anzuschauen, aber auch nichts woraus ich eine Gesichte machen möchte.

    Das letzte Kätzchen ist ein tiefschwarzer Panther, der elegant auf den Zuschauer zukommt. Das äußerst kräftige Lederhalsband und die gleichartigen Handgelenks-Manschetten markieren in der Fotosammlung den Beginn des Kapitels "Lycrabondage".


    Ein Thema dem ich sehr zugewandt bin, das aber nur äußerst schwierig so unanstößig gehalten werden kann, dass es den rechtlichen Bestimmungen im Forum nicht zuwider läuft. Trotzdem schaue ich mir die ersten paar Bilder an und stoße auch sofort auf eine lange nicht gesehene Favoritin.

    Ebenfalls eine der sehr natürlichen, realen Frauen. Sie trägt einen Ganzanzug in seidigem Blau als Grundfarbe. Ja, ich finde es auch bemerkenswert, dass mir momentan meist Ganzanzüge oder Zentais ins Auge fallen. Allerdings hat dieser eine interessante Nahtführung, nämlich als ob es ein Zweiteiler aus Body und Leggings wäre. Er stammt von einem der Sportkleidungs-Brüder aber die übliche Anzahl der Streifen ist durch geschickte Variation in Breite und Verlauf nicht auf Anhieb erkennbar. Die breiten neongrünen Linien verlaufen vom Stehkragen über die Schulter und den Oberarm bis etwa zum Ellbogen. Dabei schlängelt sich eine davon mehr über die Vorderseite, der andere mehr hinten herum. An den Beinen wiederholt sich der Stil. Hier beginnen die Muster in den Kniekehlen und gehen bis zum Hosenende an den Knöcheln.


    Das Foto wurde ebenfalls Outdoor aufgenommen und passend zur Wegbeschaffenheit trägt auch sie normale Sneakers. Ihr natürliches, hübsches Gesicht wir durch nichts verdeckt, denn die mittelblonden, etwa rückenlangen Haare sind zu einem Pferdeschweif zusammengenommen und die Sonnenbrille mit den runden Gläsern hat sie bis über den Haaransatz hoch geschoben. Ihre Arme kann man zwar nur teilweise erkennen, aber sie sind wohl hinter ihrem Lycra-Rücken mit dem selben Fingerdicken weißen Seil gefesselt, welches man auch an den Fußgelenken sieht. Das vermeintliche "Opfer" steht mit dem Rücken an einem Baum. Zumindest so weit es die gebundenen Hände zulassen. Einige weitere Windungen des weißen Stricks sind sowohl um ihre Taille, als auch um den Baum geschlungen. Ihr Oberkörper wird dadurch eng an den Stamm gezogen, während durch die Hände unter ihrem Hinterteil ihr Unterleib provokant nach vorn gereckt wird. Diese Bondage unterstreicht ihre körperlichen Attribute aufs Vorteilhafteste und sie hat sicher keinen Grund solch ein verkniffenes Gesicht zu machen.


    Doch auch diese Inspiration muss ich fallen lassen. Die Schilderung selbst von "Kuschelbondage" wie hier gezeigt könnte bereits anstößig aufgefasst werden. Schon alleine die unausweichliche Beschreibung der Verlaufslage des Seiles, das sich an der Vorderseite von ihrer Taille aus abwärts und zwischen den Beinen hindurch Rückseitig wieder nach oben zieht, würde die Haarpracht der Moderatoren und des Admins auf einen Schlag ergrauen lassen. Also weg damit.


    Was haben wir denn bis jetzt zu "Papier" gebracht?


    "Schreib´ doch mal wieder was" ....

    Der Cursor blinkt noch genauso höhnisch wie vor fast zwei Stunden und er scheint recht zu behalten. Heute kriege ich nichts gebacken.


    Ich reibe mir die Augen und muss gähnen. Das recht frühe Aufstehen fordert jetzt anscheinend seinen Tribut. Ich fühle mich Hundemüde.

    Ein Blick aus dem Fenster. Es ist trocken und verspricht angenehm warm zu werden. Nicht so brütend heiß wie letztens und auch nicht monsunartig wie davor.

    Vielleicht könnte ein Besuch des Baggersees meine Gedanken neu ordnen. Etwas ausspannen und nach Inspiration Ausschau halten.

  • Super geschrieben Lycwolf. Auch ich kann ein Meister der Abschweifung sein, wenn es darum geht, eine Geschichte zu schreiben.

    Es beginnt in etwa damit, dass ich gegen 20 Uhr ein lycraffines Suchwort in eine Internetsuchmaschine eingebe und schaue, was mir das ausgeworfene Netz an Fang bietet. Zu 99 Prozent ist es Beifang, da ich die Bilder schon hundertmal gesehen habe. Man wartet aber immer noch auf das ultimative Lycrateil, das muss doch einfach mal kommen. Jedem kleinen neuen Turnanzug wird nachgegangen. Und dann ist es ungefähr 22 Uhr und mir gelangt ins Bewusstsein: Du wolltest doch an der Geschichte weiterschreiben. Ich rufe also meine Textdatei auf, blicke an das Ende der letzten geschriebenen Zeile. Der blinkende Cursor nervt. Mir fällt nichts ein. Also scrolle ich 10 Kapitel zurück und lese die einfach nochmal. Etwa jeder 20. Satz bekommt eine kleine Korrektur. Schließlich gelange ich wieder ans Ende. Beim Blick auf die Uhr stöhne ich. Halb zwölf. Falls der nächste Tag ein Werktag ist, wird es Zeit zu Bett zu gehen. Ausbeute des Abends: Ca. 20 Wörter geändert/hinzugefügt. Wenn kein Werktag kommt, beginnt alles wieder von vorn. Und auf einmal (ca. 0.30 Uhr) kommt mir in den Sinn, dass Ingo seine Liebes-SMS nicht an seine neue Freundin, sondern versehentlich an seine Exfreundin schickt. Ich beginne wie rasend meine Gedanken in die Tastatur einzuhacken.

    Das ist denn mal ein Tag mit guter Ausbeute (zwei DIN-A4-Seiten). Der kommt aber bloß nur alle 20 Tage mal vor...

  • Danke, dass es wenigstens ein bisschen Resonanz gab.

    Mir war ja klar, dass ich gegen Desi´s "Finale Furioso" damit nicht anstinken konnte.

    Und Rim, du weißt nicht was da noch auf dich zukommt.


    Hier nun die zweite Hälfte, die man aber unbedingt im Zusammenhang mit der ersten sehen muss. (Im Zweifel noch mal den letzten Absatz rekapitulieren). Die auftauchenden Charaktere sind frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen wäre zufällig. Sollte dennoch jemand sich selbst erkennen und unrichtig dargestellt fühlen, entschuldige ich mich bereits im Voraus.


    Dieser Text hat mit beim Schreiben einfach Spaß gemacht und ich hoffe ihr könnt beim Lesen ebenso darüber schmunzeln.







    Wieder so ein Moment in dem mir bewusst wird welche latente Verkehrsgefährdung von einem ausgeht, wenn man unausgeschlafen und dazu noch in Gedanken ist. Dieser Vorsatz etwas neues fürs Forum zu schreiben beschäftigt mein Bewusstsein derart, dass ich keinerlei Erinnerung an die eben absolvierte Fahrt habe. Anscheinend kennt mein Fahrzeug den Weg alleine. Etwa eine "Autopilot"-Funktion auf die ich jetzt nach fünfzehn Jahren und 280.000km gestoßen bin? Sei´s drum.

    Erst jetzt, da ich die spitzen Schottersteine durch die dünnen Gummisohlen meiner Gymnastikschuhe spüre, wird mir die Umgebung wieder bewusst. Habe ich das Auto überhaupt abgeschlossen? Egal. Dass jemand das alte Ding klaut wäre nicht das schlechteste was mir passieren könnte.

    Ich trage lediglich meine schwarzen Radlertights, ein weißes T-Shirt und die bereits erwähnten Stoffschläppchen. Barfuß kann man diese Abkürzung nämlich nicht nehmen. Für Strände und unbekannte Wege im Sommer habe ich stets derartige "Strandschuhe" im Gepäck.


    Das erinnert mich an den furchtbar heißen Sommer vor etlichen Jahren. Mit einer ganzen Clique aus Freunden und Bekannten waren wir hier am Baggersee. Die Jungs in unserer Gruppe ließen sich zwar nicht ernsthaft, eher gespielt negativ über meine ungemein praktische Fußbekleidung aus und selbst den Mädels war der Anblick leicht suspekt. Der Tag wurde so gnadenlos heiß dass man es nur im Wasser oder im Schatten der Bäume aushalten konnte. Um jedoch wieder nach Hause zu kommen, musste man den schneeweißen Sandstrand durchqueren. Meine Freunde merkten zu spät auf welch unangenehme Temperaturen sich der Sand den Tag über aufgeheizt hatte. Dies führte zu Sprints die bei den Bundesjugendspielen zu einer Ehrenurkunde gereicht hätten. Ein Mädel holte sich sogar eine Brandblase und selbst von den Sohlen meiner verpönten Schläppchen kam ein Geruch nach warmem Gummi. Ums kurz zu machen, am folgenden Tag trugen alle Mädels Schläppchen, da Flip-Flops in dem tiefen Sand keinen ausreichenden Schutz boten. Die Jungs waren natürlich zu cool um in "Mädchenschuhen" rumzulaufen und zogen ihre Sneakers vor. Trotzdem erfuhr ich seitdem keine abwertenden Meinungsbekundungen mehr.


    Ich suche mir einen Platz am Rande des Sandstrands. Dort wo bereits die Grasflächen beginnen und Hecken und Bäume den Abschnitt begrenzen. Für späten Vormittag ist erstaunlich wenig los. Obwohl, die Wetterprognose war ja auch nicht allzu gut. Zumindest nicht der eitle Sonnenschein der viele Badegäste anlockt. Momentan kann man die Besucher des großen Areals an einer Hand abzählen. Ich ziehe also mein Shirt aus, lege mich auf mein Strandtuch und döse so vor mich hin.


    "Entschuldigung", höre ich es weit entfernt wie durch Watte. Verschlafen versuche ich die Quelle der Ansprache auszumachen.


    "Entschuldigung", erklingt es nochmals. "Nicht erschrecken, aber ich wollte dich nur vorwarnen, dass hier gleich einige "nicht alltäglich" gekleidete Leute auftauchen werden, also wie gesagt, nicht erschrecken."


    Die Stimme färbt ein wenig ins Badische, wenn auch nicht ausgeprägt. In dieser Gegend nichts ungewöhnliches. Es ist ein Mann etwa in meinem Alter, auch wenn er vielleicht bei flüchtigem Blick ein wenig älter wirkt. Das schüttere Haar und der in Ehren ergraute Bart lassen ihn wie der jüngere Bruder von Harald Lesch aussehen.


    "Wieso, habe ich zu viel an?", frage ich eingedenk der Tatsache dass ich schon öfter mal in aller Frühe an einen leeren Strand kam, der sich später als FKK-Gelände entpuppte. Gut möglich, dass hier was ähnliches eingerichtet wurde, schließlich war ich länger nicht mehr da.


    "Nein, keine Sorge", entgegnet er. "Nicht zu viel, sondern eher zu wenig."


    Was sollte das jetzt bitteschön heißen? Meinen fragenden Blick bemerkend, deutet er auf ein Hinweisschild das mir vorhin gar nicht aufgefallen war.


    "Keine Angst, wir wollen dich nicht vertreiben. Wollte nur dafür sorgen, dass dein Weltbild nicht zu sehr ins Wanken gerät", erklärt er und ist auch schon wieder auf dem Weg zu seinem Platz einige Meter entfernt.


    Erst jetzt nehme ich wahr, dass er eine Badeanzug trägt. Nein, stimmt gar nicht. Es ist vielmehr ein Gymnastikanzug und noch nicht mal von der schlichten Sorte. Stark glänzend, mehrfarbig mit halblangen Ärmeln und sogar glitzernden Strassverzierungen. Nicht gerade konservative Bademode für Herren. So ungewöhnlich es ist, aber das Ding steht ihm richtig gut. OK, er ist auch entsprechend schlank und trainiert. Jedenfalls wirkt es nicht tuntig oder so, eher im Gegenteil.


    Ich überfliege die Hinweistafel, doch irgendwie kann ich die Worte nicht so richtig in Einklang bringen. Da steht etwas von "Volltextil-Zone" und zuerst denke ich an Muslime im Burkini oder so. Dann ist da aber auch noch die Rede von Genderneutralität und Unisex-Anzügen. Und das alles anscheinend auch nur zu bestimmten Terminen während der Sommersaison. Das kommt mir alles etwas seltsam vor.

    In Großstädten vielleicht, aber doch nicht im provinziellen Teil der Rheinebene.


    Zu mehr komme ich nicht, weil sich bereits eine weitere Gruppe fröhlich albernder Männer nähert. Diesmal aber in regulären Damen-Badeanzügen. Nur einer ist unter ihnen der einen Sportanzug trägt der als "Gender neutral" durchgehen könnte. Das Ganze hat etwas Surreales. Wieso weiß ich nichts davon, wo ich doch besonders sensibel gegenüber allem bin was auch nur entfernt mit Lycra zu tun hat.


    Von der anderen Strandseite kommt ein weiterer vollbekleideter Mensch zu Fuß. Er winkt den andern von Weitem zu. Einer aus der Gruppe ruft: "Ich hab´ dir doch gesagt, dass dieser Weg eine Abkürzung ist" und deutet in eine andere Richtung.

    Je näher er kommt, desto deutlicher ist sein Ganzanzug zu erkennen. Genauer gesagt, handelt es sich um einen Voltigieranzug. Eher mattes Lycra in schwarz, aber mit blauen, glänzenden Inserts. Gut dass die Sonne heute nicht ganz so sehr knallt. Derart verhüllt schwitzt man bestimmt leicht. Stilecht trägt er an den Füßen weiße Gymnastikschläppchen, zu denen ich ihn nur beglückwünschen kann.


    Nach und nach werden es mehr dieser illustren Gesellschaft. Eine Gruppe Jogger, ebenfalls in Bade-, bzw. Gymnastikbodies kommt schnellen Schrittes heran und bleibt etwas weiter entfernt stehen. Es handelt sich um Männer und Frauen, die eher den Eindruck machen auf einem dieser neumodischen Managerseminare zu sein, wo man sich ungewöhnlichen Herausforderungen stellen muss um sich weiter zu entwickeln. Angeleitet von einer Trainerin führen sie einige gymnastische Übungen auf.


    An dem kurzen Steg der unweit von mir ins Wasser führt blubbert es. Gleich darauf erscheint eine runde, schwarze Kugel die sich als Kopfmaske mit Taucherbrille entpuppt. Schritt für Schritt tappt ein groß gewachsener Taucher auf seinen Flossen aus dem Wasser. Komplett in Neopren, mit Lungenautomat, Pressluftflasche und einem Plastiksack in der Hand.


    Bei den Badeanzugträgern gibt es ein kräftiges Hallo zur Begrüßung ihres Unterwasserkumpels. Die scheinen sich alle gut zu kennen. Allerdings verhindert ein Ohrenbetäubendes Prasseln, knattern und Blubbern dass ich etwas von ihren Gesprächen mitbekomme.

    Der Lärm erinnert an einen historischen Flugzeugmotor. Wie der Sternkolbenantrieb der restaurierten Spitfire die mir vor einiger Zeit bei einer Flugschau fast einen Hörschaden eintrug. Je näher das Geräusch kommt, desto mehr gesellt sich ein tiefes, fundamentales Brummen dazu. Man spürt es im Bauch und im Solarplexus. Hätte ich weite Hosen an, würden die Beine bestimmt flattern.


    Dann klärt sich die Situation auf. An der Stelle wo neben der Feuerwehrzufahrt noch ein Stück asphaltiert ist, fährt unter lautem geknatter ein mördermäßiges Trike an den Strand. Die Harley meines hundert Meter entfernt von mir wohnenden Nachbarn ist dagegen ein laues Lüftchen. An den relativ knapp sitzenden Ledermonturen kann man eine Frau und einen Mann erkennen. Letztere schwingt sich vom erhöhten Sozius herunter und entledigt sich erst mal ihres Helms, während ihr Partner noch sitzen bleibt und etwas herumhantiert.


    Immer weitere Leute in mehr oder weniger kompletter Lycramontur erscheinen auf dem Strandabschnitt. Dass mir so etwas entgehen konnte? Ein wahres Eldorado für Fetischisten. Ich beschließe am Uferrand entlang ein wenig den Strandabschnitt abzugehen, um auch auf die weiter entfernten einen genaueren Blick zu werfen.


    Wann freut sich eine übergewichtige Person? Immer dann, wenn sie jemanden noch dickeres erblickt. So geht es jedenfalls mir gerade als ich den stattlichen Typen mit dem voll beladenen Bollerwagen im Handgepäck sehe. Neben mir scheint er bislang der einzige zu sein, der nicht zu den Lycra-Trägern zählt. Mit seinen halblangen Cargo-Hosen und dem schwarzen T-Shirt einer Heavy-Metal Band welches sehr knapp sitzt, verbreitet er das Image des Hard-Rock-Fans. Mit dieser Rock´n´Roll Attitüde würde er ganz gut zu dem Pärchen mit dem Trike passen. Seine Begleiterin jedoch, In blauen Leggings und Badeanzug mit Schachbrettmuster ordnet sich dagegen schon eher der allgemeinen Kleidungsordnung unter. Bemerkenswert an ihr sind eine Schwarz-Rot gefärbte Punk-Frisur und einige Piercings.


    Ihnen nach, folgt eine größere Gesellschaft, hauptsächlich weiblicher Natur. Zum Teil gekleidet in unter der Sonne schillernden, dunkelblauen Ganzanzügen mit orangen Applikationen. Die andere Hälfte trägt individuellere Gymnastiksachen. Es scheint ein Turnverein oder ähnliches zu sein, denn die in der Einheitskleidung beginnen sofort mit Gymnastikübungen, als studierten sie eine Choreografie ein.


    Auch der Bollerwagen offenbart jetzt seinen Inhalt. Neben Holzkohle, Grillgut und jeder Menge Getränken erblicke ich mehrere Autobatterien. Erst als der Metal-Fan zwei große Kisten auspackt und schon kurz darauf druckvoll Musik in ungewöhnlich angenehmem Sound ertönt, wird ihre Notwendigkeit zur Stromversorgung klar.


    Genauso klar erkenne ich mittlerweile auch den Grund warum der Fahrer des Trikes etwas länger zum Absteigen braucht. Er scheint etwas gehandicapt zu sein, denn er ist offensichtlich auf einen Rollstuhl angewiesen in welchen er sich geschickt hineinschwingt. Sein halbschaliger Helm und die mit vielen Accessoires versehene Lederkutte hängen bereits am Lenker des Gefährts. An seinem Oberkörper sehe ich jetzt eine Art Trägershirt welches dem Blick auch auf einige Tattoos frei gibt. Auch sonst erfüllt er zumindest optisch jedes Rockerklischee. Lange Haare zu einem Zopf gebunden, Nickelbrille mit getönten Gläsern und ein üppiger Bart mit teilweise geflochtenen Strähnen. Nur die gemusterten und sehr stark glänzenden Leggings passen nicht gänzlich zu dem Klischee.

    Irgendwie cool diese Selbstverständlichkeit anders zu sein. Das schwarze Trägershirt hält meine Aufmerksamkeit hoch. Ist es nur Lycra, oder Lederimitat? Womöglich sogar Latex, so wie es schimmert?


    Seine Partnerin kommt ebenfalls wieder in mein Blickfeld. Die Lederkombi hat sie zwischenzeitlich gegen einen Mattschwarzen Zentai eingetauscht, jedoch ohne die Kopfhaube aufzusetzen. Als Blickfang trägt sie darüber einen silbergrauen Badeanzug, dessen Lycraglanz einen schönen Akzent setzt. Sie scheint zwar etwas jünger als er zu sein, aber dennoch kein Frischling mehr. Im Gegensatz zu ihm wirkt sie sehr natürlich und schnörkellos. Einfach richtig gut.


    Unterdessen widmen sich die Mädels der Gymnastiktruppe, ich glaube zwei Kerle sind auch dabei, den typischen Strandbeschäftigungen. Zwei spielen Federball und vier weitere bilden ein Doppel im Beachvolleyball. Die mit den Federballschlägern könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine eher klein, südländischer Typ mit sehr kurvigem Körperbau, die andere hochbeinig, schlank und ständig am quasseln. Von der Größe her könnte sie gut zu dem Froschmann passen.


    Mittlerweile ist es wolkiger und entsprechend kühler. Also lenke ich meine Schritte langsam zurück in Richtung meines Liegeplatzes. Von allen Seiten her bevölkern immer mehr Lycrawesen den Badestrand. So viel, dass ich gar nicht alle in Detail betrachten kann.


    Auf dem zweiten Steg posiert ein weiterer Anhänger der Badeanzug-Fraktion. Allerdings macht dieser einen deutlich unterschiedlichen Eindruck zu den anderen. Sein Gesicht und seine Hände verraten ihn zwar als Mann, doch dieser extrovertierte Selbstdarsteller geht mehr in die "Transgender"-Richtung. Nicht negativ verstehen. Als Frau wäre er ein extrem scharfes Schwert. Nicht nur wegen des pinkfarbenen japanischen Badeanzugs, der wie flüssiges Latex seine Traumfigur umspült. Ein durchschnittlicher Westeuropäer käme in diese Miniatur für zierliche Japanerinnen gar nicht erst hinein. Ob man es noch String nennt oder bereits Zahnseide, jedenfalls ist an der Rückseite viel Frei und das leichte glitzern auf seinen Hinterbacken zeugt von einer hauchfeinen Strumpfhose.

    Der Anblick stößt vor allem bei den weiblichen Anwesenden auf Missgunst, teilweise sogar auf regelrechte Ablehnung. Wobei diese Negativgefühle rein aus Neid erwachsen. Neid auf eine Wespentaille, die selbst eine Frau kaum auf natürlichem Wege zustande bringt.


    Eine weitere, überwiegend weiblich besetzte Gruppe nimmt einen der noch wenigen freien Plätze auf dem Strand ein. Sie könnten einem Katalog für Turnanzüge entsprungen sein. Ihre Lycrakleidung ist in Modell- und Farbvarianten am vielfältigsten. Alles waschechte Wettkampfanzüge und RSG-Kleidung. Gelegentlich mit nicht minder aufregenden Leggings kombiniert. In ihren Reihen fällt besonders ein Mädel auf, das irgendwie von innen heraus zu strahlen scheint. Die ihr am nächsten stehende kann beileibe nicht als "farblos" beschrieben werden, aber gegen diese überirdische Grazie sehen die anderen fast alt aus. Ein ungewöhnlich eleganter, dunkler Gymnastikanzug mit diversen Schmuckelementen unterstreicht nochmals ihre Sonderstellung. Doch eines der Zierelemente ist kein Bestandteil des Anzugs, sondern eine Art Anhänger den sie um den Hals trägt. Wie ein Amulett.


    Ich bin fast wieder an meinem Platz und will gerade mein Shirt überziehen, da es doch um einiges Kühler geworden ist, als einer der Badeanzug-Jungs nebenan mich auffordert: "Komm ´rüber. Gesell´ dich ein bisschen zu uns".


    "Gerne", antworte ich. "Aber bin ich nicht ein bisschen underdressed?"


    "Dagegen kann man ja was unternehmen", meint der mit dem grauen Bart und klappt einen Weidenkorb auf. Darin wimmelt es nur so von bunten Lycrasachen. Er kramt etwas herum, legt sorgsam Turnanzug um Gymnastikbody heraus bis er endlich mit seiner Wahl zufrieden ist.


    "Hier, der ist etwas größer und dürfte dir passen."


    Ein eher neutraler Gymnastikanzug, hochgeschlossen mit kleinem Stehkragen und Ärmeln bis zu den Handgelenken. Ich streife ihn über meinen Prachtkörper und spüre sofort diese geliebte Gefühlsexplosion wenn die feine Kunstfaser den Körper umspannt wie zärtliche Berührungen. Das kräftige Orangerot passt besser zu meinen Radlern als vermutet.


    Die Männer stammen wohl aus unterschiedlichen Ecken Deutschlands. Ihre verschiedenen Dialekte verraten es. Einer der Badeanzugträger ist offenbar von ganz weit droben, bestimmt Niedersachsen, wenn nicht sogar Schleswig-Holstein. Den Graumelierten hatte ich ja schon ins Badische eingeordnet, wenngleich seine Sprachfärbung eher gering und zudem nicht eindeutig ist. Überhaupt kann man sich bei der Räumlichen Zuordnung auch täuschen, umso sauberer das gesprochene Hochdeutsch ist. Der Taucher jedenfalls, zwischenzeitlich anstatt Gummi in einem Lycra-Zentai, ist trotz sauberer Artikulation als rheinische Frohnatur erkennbar.

    Ihren Gesprächen entnehme ich, dass sie und auch alle anderen am Strand irgendwo nicht allzu weit weg in einem Urlaubspark speziell für Anhänger von Lycrakleidung einquartiert sind. Wieder etwas das mich stutzig macht. So eine Anlage, noch dazu in meiner Nähe? Das müsste ich doch kennen.


    Meine Grübeleien werden unterbrochen von dem Froschmann, der großzügig eine Runde Scotch austeilt, den er seinem wasserdichten Beutel entnommen hat Anscheinend ist er diesbezüglich Fachmann, denn er erklärt bereitwillig was man alles da raus schmecken könne. Ich selbst stelle lediglich fest, dass die bernsteinfarbene Flüssigkeit die er "Kaltnackich" oder so ähnlich nennt alle anderen Whiskysorten die ich bisher kostete zu unausgewogenen Chemiecocktails deklassiert. Genauer bewerten kann ich den Geschmack jedoch nicht. So ähnlich muss es einem eingefleischten Biertrinker ergehen, wenn er zum ersten Mal einen guten Wein kredenzt bekommt.


    Ein leichter Schlag in den Rücken lässt mich hochschrecken. Kurz darauf höre ich die auffallend zu späte Warnung: "Vorsicht!"


    Eine Frisbeescheibe hat mich getroffen und aus der Flugrichtung kommen fünf Gestalten angerannt. Ich denke sie gehören zu der Turngruppe, die sich weiter unten mit Grillstation und Musik eingerichtet hat.


    "Sorry", ruft mir nochmals eine zu, während ich die Scheibe zurückwerfe. Die in dem Grün-Roten Ringeranzug hat keine Probleme damit das Spielgerät zu fangen. Nachdem das Quintett ein Plätzchen in der Nähe gefunden hat, ruft sie mir zu "Mach doch mit, dann spielen wir drei gegen drei."


    Oder Männer gegen Frauen, denn zwei von ihnen gehören meinem Geschlecht an. Der eine trägt eine glänzend Rote Kombination aus Radler und Body, der kleinere dunkelhaarige, eher südländische Typ ist mit einem Turnanzug klassischen Zuschnitts in den italienischen Nationalfarben bekleidet. Die beiden anderen Mädels sind unverkennbar Zwillingsschwestern, aber durch unterschiedlich gefärbte Leggings und Badeanzüge gut zu unterscheiden.


    Der Frisbee wechselt flink die Hände und ich merke gerade, dass der "Kaltnackich" in Verbindung mit körperlicher Ertüchtigung meine Reflexe merklich beeinträchtigt. Den eben geworfenen Pass der kräftigeren der Mädels kann ich gerade noch so fangen, aber den übernächsten Wurf verfehle ich obwohl ich ihm entgegen hechte. Die Kunststoffscheibe trifft mich hart zwischen Nasenwurzel und Stirn in dem Moment da mein Gesicht in den Sand eintaucht.


    Das hat weh getan, denke ich und spucke einige Sandkörner aus. Nur, dass es kein Sand ist. Es handelt sich vielmehr um Kekskrümel. Dieselbe Sorte die ich zu meinem Leidwesen öfter vor dem Bildschirm nasche. Ich reibe meine Stirn. Der Strand des Baggersees, die Lycra-Leute, alles ist verschwunden. Es war gar kein Frisbee der mich traf, vielmehr muss ich eingenickt und mit dem Kopf auf die Tastatur geknallt sein.


    Eine seltsame Phantasie. Jedenfalls bin ich nun wieder zurück im Hier und Jetzt.


    Eigentlich wollte ich doch eine Geschichte schreiben.


    Mal sehen was ich bisher habe:


    "Schreib´ doch mal wieder was", lautete die Aufforderung im Forum.

    "ja, genau. Du könntest mal wieder ´ne Geschichte posten."


    Immer noch nicht mehr geworden. Zumindest verspottet mich der blinkende Cursor nicht mehr, denn während ich auf der Leertaste gelegen habe ist er mehrere Seiten weiter gewandert.


    Wie kommt es eigentlich, dass ich auf einmal meinen Orangeroten Gymnastikanzug anhabe?

  • Sehr schöner Traum, erinnert ein wenig an lycraworld, der kleine nette Querverweise zu den Rivalen ist auch gut platziert.


    lycwolf : brauch ich Popcorn dafür?

  • Hallo lycwolf,

    Super Phantasie!

    Ja, an diesem Strand wäre ich auch gerne gewesen.

    Ganz toll beschrieben und ich muß es mir gleich nochmal in Ruhe durchlesen.

    Ebenso, wie Deine "Denkblokade" etwas zuvor und die daraus sich ergebenden Spots.


    Einfach klasse!

    Mach einfach weiter so und ich freue mich schon auf Deine nächste Geschichte.


    Dein bewundernder Fan

    Martin

  • Hallo Martin,

    danke.

    Du solltest dir den zweiten Teil wirklich in Ruhe durchlesen. Gleich im ersten Viertel wird dir jemand bekannt vorkommen (obwohl die Ähnlichkeit wie einleitend erwähnt, rein zufällig ist) Fast jeder hier wird auf bekanntes stoßen. Zudem sind Charaktere aus allen aktuellen Stories verarbeitet.

  • Ja, so kann man eine Denkblockade noch wunderbar ummünzen in eine schöne Geschichte, ein echt guter Einfall!


    Ich habe so einiges wiedererkannt, unter anderem auch mich mit dem Forum für M.i.B., die TuFiTa mit Nereida, Wolpi den Trikefahrer, der Taucher, Manu und ein paar Turnmädels aus dem Hahn im Korb. Schön gemacht.

    Bestimmt habe ich einiges übersehen.