Die Zugfahrt

  • Die Idee der folgenden Geschichte "Die Zugfahrt" geisterte die letzten Wochen durch meinen Kopf. Letzten Sonntag (24.9.17) schrieb ich sie dann in einem Rutsch auf. Da sie nicht zur Galaktischen Turnfee Nereida Drei passt, habe ich daraus eine eigenständige Kurzgeschichte gemacht Sie hat nur ein Kapitel, und es gibt keine Fortsetzung. Ihr werdet wissen, warum.

    Viel Spaß.

  • Die Zugfahrt


    Geschichte von Desi

    (24.9.2017)



    Drei Freunde trafen sich am Donnerstag Abend am Bahnhof. Sie hatten sich den Freitag frei genommen, um schon einen Tag eher an ihrem Ziel anzukommen, wo sie ihr Wochenende verbringen wollten.

    Die drei lernten sich im Internet kennen, waren alle drei eingefleischte Lycra-Fans. Sie besuchten sich öfter gegenseitig bei einem von sich zuhause, wo sie ihre Leggings und Badeanzüge vorführten und sich bewunderten. Gemeinsam stöberten sie im Internet nach immer ausgefalleneren Stücken. So gerieten sie auch auf eine Seite von diesem einem Hotel, dass extra für Lycrafans eingerichtet worden war. Sie kamen überein, da mal hinzufahren.

    Was sie ein bisschen stutzig machte, was die Tatsache, dass man den Aufenthalt dort nur in Kombination mit einer Zugfahrt dorthin buchen konnte. Dies sahen die drei nach einigem Nachdenken dann doch als Vorteil an, denn mit dem Zug kommt man da ausgeruht und voller Tatendrang an. Nur mussten sie das Hotel mit Vollpension buchen und im Voraus bezahlen. Schweren Herzens taten sie das.

    So standen die drei nun am Bahnhof. Langsam rollte der Zug rückwärts, bestehend aus einer Lokomotive und sechs Waggons zum Bahnsteig und hielt an.

    Es waren nicht viele Reisende, die mit wollten. Da es ein Sackbahnhof war, stiegen die meisten in die hintersten Waggons ein. Die drei gingen ganz nach vorne, waren ungestört von anderen Reisenden.

    Ein Pfiff ertönte, ein Ruck ging durch den Zug und die Fahrt begann.

    Die drei sprachen begeistert über ihr Fahrtziel. Dass das Hotel jedem die Lycrakleidung stellte. Dass Konfektionsgrößen und Farbwünsche kein Problem darstellte, wegen der hoteleigenen Schneiderei. Dass sie sich dort frei bewegen konnten ohne durch Verbotstafeln gehindert zu werden. Ob es nun Leggings, Zentai, Badeanzug, Gymnastikanzug, Ballettanzug, Tutu, Strumpfhose, Schuhe aller Art wie z.B. Schläppchen waren, was sie tragen wollten, war erlaubt, egal welches Geschlecht der Träger hatte.

    Einzig und allein sexuelle Handlungen untereinander sollten nur nach voriger dem Personal vorgelegter gegenseitiger schriftlicher Einverständniserklärung erlaubt werden.

    Einer hatte einen Tablet-Rechner mit. Dort konnten sie schon eine Vorauswahl treffen, dass die Kleiderkammer für den Ankunftstag schon mal die gewünschte Kleidung bereitstellen und falls nötig, schneidern konnte. Änderungswünsche waren aber vor Ort immer noch möglich. Die drei malten sich in aller Arten aus, was sie denn da tragen könnten.

    Der Zug rumpelte über die Gleise, während die drei in Hochstimmung waren.

    Plötzlich fiel das Licht im Zug aus, komplette Dunkelheit herrschte, sie spürten so etwas wie einen Schlag.

    Zwei Sekunden später ging das Licht wieder an, und der Zug setzte rumpelnd seine Fahrt fort. Die drei wunderten sich über dieses Ereignis, stellten aber keine Veränderungen oder Verletzungen fest. Kurze Zeit später plauderten sie begeistert weiter. Bis einem von ihnen auffiel, dass die Internetverbindung gestört war. Es konnte nur noch die Internetseite des Hotels aufgerufen werden.

    Durchs Fenster sahen sie nur vorbeizischende Bäume. Der Zug drosselte das Tempo. Mehr und mehr Lücken zwischen den Bäumen waren zu sehen, und kurze Zeit später ein paar beleuchtete Gebäude in der Ferne.

    Schließlich hielt der Zug an einem kleinen Bahnhof an. Über Lautsprecher wurde verkündet, dass die Zugfahrt hier endete.

    Das Ortsschild auf dem Bahnsteig trug denselben Namen wie ihr Zielort auf der Fahrkarte. Sie waren also da! Die drei stiegen aus, schauten sich um. Der Zug besaß nur noch einen Waggon!

    Eine weitere Person stand auf dem Bahnsteig, es war der Lokführer. Auch er wunderte sich über seinen verkürzten Zug.

    Eine Gestalt kam auf sie zu, sie trug einen Ganzanzug mit unverdecktem Gesicht. Sie begrüßte die vier an ihrem Bestimmungsort. Auf die Frage nach den fehlenden Waggons kam die überraschende Antwort, dass der Zug einen schweren Zusammenstoß hatte. Lok und erster Waggon wurden vollständig zerstört, alle, die drin saßen, waren sofort tot. Diese vier mitsamt Lok und Waggon 1 wurden aber durch Raum-/Zeitverwerfungen unversehrt in ein Paralleluniversum geschleudert, das nur vom Unglücksort bis zum Zielort existiert. Daher auch der auf das Hotel begrenzte Internetzugang. Dieses Lycrahotel war nun ihre Enddestination. Sie fanden es zu ihrer Freude so umfassend gut ausgestattet vor, wie auf der Webseite beschrieben. Ihr Geld war dort eingegangen, sie hatten alles frei. Sie waren im Paradies angekommen.

  • Hey Desi


    Die Idee ist gut und prima das du sie zu Papier gebracht hast, aber ich muss dir wirklich widersprechen .

    Es gibt natürlich ein Kapitel 2 .....Nur nicht aus deiner Feder ....und auch recht spontan aus der Hüfte

    geschossen innerhalb einer Stunde :D ...Ich hör Lycwolf jetzt schon verzweifeln :D




    Also hier gehts zu die Zugfahrt - Kapitel 2 by Rim



    Die Zugfahrt Kapitel 2


    Das Hotel lag malerisch gelegen an einem kleinen See , eingebetet in bergischer Umgebung direkt am Talhang gelegt . Der gepflasterte Weg verlief über eine kleine Brücke des Baches, der vom See gespeißt wurde.

    Von dort aus konnte man einen Blick erhaschen hinüber in den Seitenflügel des Gebäudes worin die Schneiderrei beheimatet war.


    Ebenso auf die teils Glas überdachte Terasse, die an das Restaurant anschloss. Jens, Dennis und Damian schlug das Herz bereits jetzt höher,als sie die anderen Gäste in ihren Lycraoutfits sitzen sahen und ihren Kaffee

    tranken.


    Die Hauptpforte öffnete sich elektromechanisch über den Bewegungsmelder, bevor sie jedoch eintreten konnten, mussten die sie Gruppe Jogger in ihren Radlertights und Lycrashirts passieren lassen.

    Danach mussten sie sich halb rechts halten um zur Rezeption zu kommen.


    Begrüßt wurden sie vom Chefrezeptionisten höchst persönlich. Sein Dienst hatte gerade begonnen. Stilistisch trug er Hemd , Jacket und Krawatte wie es für seinen Berufsstand Vorschrift war. Nur die schwarze Leggings und die Schläppchen verriet, das unsere drei Freunde hier in ihrem Paradieshotel gerade eincheckten.


    Die Vorrausbuchung und Zahlung machte das Einchecken zur Minutensache,

    Nur das sie nun angekommen waren und den Pin für ihre Zimmertüre sowie

    die Zimmernummer gingen über die Marmortheke.


    Vorbei am hauseigenen Fitnessstudio führte ihr Gang zum Fahrstuhl.Der Schacht war zur Gebäudeaussenseite verglast , das sie den Blick nach draussen schweifen lassen konnten.


    Hier im Hotel schien viel Wert gelegt zu werden, sich nicht verstecken zu müssen, sehen und gesehen zu werden.

    Ihren ersten Gang heraus dem aus heimatlichen Versteckspiel hatte das Trio bereits mit ihrer Anreise im Patchwork Ganzanzug mit Händen und Füßen bereits genossen.Hier waren sie genau richtig. Auch wenns teils Überwindung zu erst kostete , war diese erst erfolgt, fühlte es sich gut an.


    Bislang taten sie vieles versteckt, verheimlichten ihre Lycraleidenschaft. Mit Teils akribischer penibler Vorsichtigkeit warteten sie bis sie alleine waren und sie gewiss nicht unangenehm überrascht oder gestört werden konnten. Teils gelang ihnen dies mit gespenstischer Präzision , manchmal verließ sie aber auch ihr Glück und das für sie unangenehme peinliche Aufeinandertreffen mit dem Briefboten ergab sich.


    All das wollten sie endlich hinter sich lassen. Lernen zur ihrer Leidenschaft zu stehen, verstehen das es auch noch andere gab, die ihr Gefühl kannten umhüllt zu sein von dem glänzenden so angenehmen Stoff


    Sie betraten das Zimmer durch einen kurzen Flur, auf dessen Linker Seite sie das Bad vorfanden, an der Rechten Wand war die Garderobe. Der Raum öffnete sich dann zur Linken hin , die Rechte Wand vom Flur endete am

    am Fenster. Ein großes Doppelbett bezogen mit einer Hoteluntypischen

    tief blauen Bettwäsche aus Lycra und Lycraspannbettlaken.


    Dies war also der Auftakt , was würde sie noch erwarten in den kommenden Wochen.Klar war, sie würden jedes Angebot nutzen und ausprobieren.

    Jetzt konnten sie endlich das tun und so angezogen sein wie sie es sich schon immer erträumt haben. Im Voltigieranzug frühstücken, Im Zentai im Restaurant zu Abend essen. Auf dem Trimdich Pfad im Ballett Outfit.

    In der Radlerkombi im Kino ihren Lieblingsfilm schauen. All das wurde nun Realität.

    In der Biblothek Lycraromane lesen und das in der vertrauten Leggings. Und niemand würde mit ihnen Diskussionen beginnen ob sie noch alle Tassen im Schrank haben.

  • Oh, du bist klasse, Rim. Toll umgesetzt. Dankeschön.


    Ich hatte gedacht, dass meine kleine Geschichte für sich allein steht, und hatte mir keine weiteren Gedanken über eine mögliche Fortsetzung gemacht.


    Da ich der Anfangs-Autor von "Die Zugfahrt" bin, gebe ich (nachträglich) die Geschichte frei. Jeder darf sie weiterführen.

    :)

    Desi


    P.S.: Hier muss keiner verzweifeln (auch Lycwolf nicht). Einfach weiterspinnen...

  • Hogwarts-Express meets Lycraworld, meets Rivalen und etliches mehr und ist dennoch völlig eigenständig. Dazu noch das mysteriöse und erlösende Ende des (ungeplant) Ersten Teils.


    Nein Rim, der lycwolf verzweifelt ganz und gar nicht. Eher das Gegenteil.

    Gut, ein bisschen schon, weil ich ja auch gerne meinen Senf dazu geben möchte, derzeit aber mit meiner neuen Story in einer intensiven Phase bin. Mal sehen ob ich was adäquates beisteuern kann.


    Die Grundstory ist konzentrierte Qualität. Was da alles in einem eher kurzen Abschnitt zusammenkommt - Desi, für so viele Daumen bräuchten wir die gesamte Community.

    Trotz des eigentlichen Endes nimmt Rim den Faden auf und lässt uns weiter und tiefer in die jenseítige Welt eintauchen - große Klasse.

  • Es scheint als bekäme Rim nun doch endlich die von ihm gewünschte Gemeinschaftsproduktion. Von seiner Seite aus

    war es eiskalte Berechnung. Er wusste, wenn er einfach die Initiative ergriff und Desi zustimmt, würde auch ich

    die Füße nicht still halten können.


    Also hier ist mein Senf. Schnell getippt und orthographisch bestimmt nicht ganz Fehlerfrei.







    Die Zugfahrt - Kapitel 3 by lycwolf




    Jens war der erste der drei der sich nach der ungewöhnlichen Ankunft in diesem ebenso ungewöhnlichen Ort am

    kommenden Morgen im Frühstücksraum einfand. Saal wäre wohl die bessere Beschreibung. Groß wie eine Bahnhofshalle

    mit Raumgreifenden Fenstertflächen und Stuckverzierungen hatte er etwas altmodisches aber auch anheimelndes.

    Bereits so früh war schon ziemlich viel los. Auf den ersten Blick wie in jedem anderen großen Hotel, nur mit dem

    Unterschied, dass sämtliche Gäste in Lycrasachen gehüllt waren.


    Er selbst hatte sich für mehrteilig entschieden. Gemusterte, matte Leggings in grauer "Gewitter"-Optik, darüber

    sein Standard-Gymnastikanzug in seidig glänzendem schwarz. Hier traute er sich auch zum ersten Mal in seinen

    neuesten Ballettschläppchen rumzulaufen. Das glänzende Satin zwischen Pink und Gold hätte überall sonst

    lächerlich gewirkt. Nicht so hier, wo alle in den Augen der "Normalbürger" mehr oder weniger lächerlich wirken

    mussten.

    Nach dem Frühstück wollte er auf jeden Fall den der Schneiderei angegliederten Shop aufsuchen um zu sehen, was es

    hier alles so gab aus seiner Lieblings-Kunstfaser.


    Am Tisch nebenan befand sich der unvermeidliche Kegelclub auf Ausflugsfahrt. Das üblicherweise zu erwartende,

    prollige Lärmen fiel unerwartet zahm aus. Interessanter war ihre "Vereinskleidung" aus Einteiligen Turn- bzw.

    Ringeranzügen aus Wetlook-Lycra mit passenden Bildmotiven aus dem Kegelsport. Lediglich drei der Truppe waren

    komplett von Zentais verhüllt, die mannshohe, weiße Bowlingpins darstellten.


    Jens nahm erst mal einen Schluck Tee, wie er ihn in seiner norddeutschen Heimat gewohnt war. Die überall

    herumliegenden Zeitungen hatten nur eine Schlagzeile:


    "Schweres Zugunglück auf der Strecke Sowieso"


    Er überflog den zugehörigen Artikel und was er las ließ ich erst erschauern, danach aber nachdenklich grübeln.


    "Bist du heute Nacht auch ständig aus dem Bett gerutscht?", klagte Damian gewohn unausgeschlafen als er sich zu

    ihm an den Tisch setzte. "Wer immer es erfand Lycralaken mit Lycrakleidung zu kombinieren, hat die Sache nicht

    ganz zuende gedacht."


    Damians Lamento ging noch eine ganze Weile so weiter, selbst als er in seinem knallgelben Ganzanzug das halbe

    Büffet auf seinen Teller packte. Man muss dazu sagen, dass so ein helles Gelb nicht gerade blickdicht ist und er

    bei einigen Gästen damit für erregte Blicke und ebensolche Diskussionen sorgte.


    Jens unterbrach ihn schließlich indem er ihm die Zeitung unter die Nase hielt.


    "Sieht so aus als wären wir tot!"


    "Genauso fühle ich mich auch", entgegnete Damian immer noch mürrisch als er einen kräftigen Schluck seines

    Kaffee´s hinunterstürzte.


    "Nein, im Ernst. Die schreiben dass gestern Nachmittag ein Zug verunglückt wäre. Zahlreiche Schwerverletzte, aber

    keine Toten."


    "Ist doch gut, wenn keiner über den Jordan musste", sagte der gelb gekleidete zwischen zwei Bissen seines

    Brötchens.


    "Das mysteriöse ist nur, dass es deshalb keine Toten gibt, weil der vorderste Waggon mitsamt Lokomotive

    unauffindbar ist."


    "Was meinen die mit unauffindbar? Komplett zerbröselt, oder in seine Enzelteile zerlegt?"


    Jens schüttelte den Kopf. Zum einen um die Frage seines Freundes zu verneinen, zum anderen wegen seines

    Unverständnisses über dessen Teilnahmslosigkeit.


    "Nein", stellte er klar. "Mehrere Tonnen Eisenbahn sind einfach von der Bildfläche verschwunden"


    "Und?", kaute Damian immer noch unbeeindruckt weiter.


    "Und?", äffte Jens ihn nach. "Wir waren im ersten Waggon!"


    Einen kurzen Moment schien sein Kollege nachzudenken, dann war er aber wieder ganz locker und fragte: "Fühlst du

    dich lebendig? Ich schon und zwar mehr denn je. Anstatt zu grübeln sollten wir lieber unseren Aufenthalt hier

    genießen. Wenn das hier der Tod ist, dann hätte ich mich schon vor Jahren aus dem Fenster stürzen sollen."


    Er kaute genüsslich weiter und womöglich lag er sogar richtig.


    "Wo bleibt eigentlich Dennis?", wollte Damian nach einer Weile wissen.


    "Der alte Schwerenöter? Dem sind doch gestern Abend schon die Pupillen aus den Augen getreten, als er die vielen

    tollen Lycramädels gesehen hatte. Der hat sich bestimmt die halbe Nacht mit partnerunabhängigem Sex beschäftigt

    und muss noch etwas Schlaf nachholen."

  • Ähm nein Lycwolf das war keineswegs kalkuliert aber als Desi gestern Abend das Kapitel online stellte, kam die

    Spontane Eingebung das noch etwas zu verlängern. Nicht das ich die letzten Woche ein paar Hotels gesehen hätte und ein Liedchen vom Check in singen könnte ...Und da du mir auch noch ne Steilvorlage liefert , gibts

    eh voila noch ein paar Zeilen heute . Mal wieder aus der Hüfte geschossen. Okay etwas gecheatet, hatte den Tag

    über Zeit Ideen zu sammeln.




    Kapitel 4 Das Rauhbein



    "Sie sind da drin und der dritte schläft wahrscheinlich noch sagen sie?"


    "Ja Herr Kommissar!"


    "nun denn vielleicht können die beiden zur Aufklärung des Falles beitragen, immerhin sind sie am Leben."



    Kommissar Kell Ryan betrat den Frühstücksraum und bog direkt ab zur Kaffeebar. Einen heißen frischen Kaffee den konnte er gut gebrauchen.


    Die ganze Nacht war er bereits auf den Beinen um Klarheit in das Geschehen zu bringen. Das er nach vielen Jahren einen Fall in die Hände bekam, der so korios und seltsam war hatte er nicht mehr für möglich gehalten. Schließlich war er schon fünfzehn Jahre bei der Polizei.


    Und das verdankte er dem Zufall. Eigentlich war er Amerikaner, ein Navy Seal mit zahlreichen Einsätzen hinter feindlichen Linien. Seine letzte Basis war in Rammstein in Deutschland gewesen.


    Doch der Zufall wollte es, das er sich bei einer Golfrunde mit Cousin und Präsident Jack Ryan a.D ,

    Captain Burt Mancuso und Seeman Jones stürzte und sich das Knie irreparabel zerstörte. Seit dem

    ersetzte seinen Knorpel eine Proteste. Eigendlich fluchte er gerade über sich, abgelenkt durch einer

    der Anekdoten des Seemans über den Captain schlug er den Ball an den Rand eines kleinen Wäldchen. Dort knickte er um und sein Knie war für ewig dahin.


    Für die Agency als Schreibtischtäter wollte er nicht arbeiten, Jack Ryan wusste Rat und er nahm

    die deutsche Staatsbürgerschaft an und bestand die Aufnahmebedingungen für den höheren Dienst beim Bundeskriminalamt.

    Spezialisiert hatte sich Kell Ryan auf ungewöhnliche Fälle wie diesen bei dem die Lokomotive

    und der erste Waggon verschwand.Sein Verstand sagte ihm, das alles logisch erklärbar war. Und

    seine Nase hatte ihn hier her gebracht. Auf seine Nase war stets Verlass. In seiner alten Einheit bei

    den Seals war er bekannt dafür das ihn seine Nase ans Ziel brachte. Bei einer Übungseinheit in den Wäldern von Kentucky wurde der Fallschirm mit den Versorgungsmitteln weit abgetrieben und die Einheit war auf sich gestellt und musste für ihr Abendessen auf den Pfaden des Urmenschen wandeln um nicht zu verhungen.


    Sgt, Ryan bewies erneut sein Geschick und die Einheit rieb sich nach einem Schmaus von Wildhühner zufrieden und satt die Bäuche am Lagerfeuer.Nun Stand er vor Jens mit seiner Kaffeetasse und beäugte beide. Ob sie zur Aufklärung beitragen konnten ?


    Das hier alle Lycra trugen schockte er nicht. Er kannte viele Hotels wie dieses , Ob für Latex ,


    Schuhe oder das Hotel für Star Wars Fans. Nix schockte ihn. Nur die gespenstige Stille auf dem

    Konkress für Schachfreunde fand er heute noch komisch, Wozu ein Konkress wenn absolute Stille

    herschen sollte.


    Er zog einen großen Schluck aus seiner Kaffeetasse ehe die beiden ansprach und schliesslich selbst am Tisch platz nahm. Warum nicht mal mit Zeugen des Unglückes sprechen bei einem guten Frühstück.War mal etwas anderes als die von seinen Vorgesetzen geforderten Zeugenvernahme im

    heimischen Büro. Aber Ryan hasste das Büro. In ihm kam immer noch der Seal durch, mit Aktenschuppsen alleine war er nicht ausgelastet. Er brauchte die Ausritte raus an die Orte und die frische Luft .Der Kommissar hatte sich gerade gesetzt als Dennis um die Ecke gestapft kam.


    Die Nacht hatte er alleine verbracht. So schnell war er bei den Frauen nicht, das er alle die nicht bei drei auf den Bäumen war, ins Bett schleifte. Die Anreise und der ganze Trubel um den Zug hatte den Tag lang werden werden lassen und er zog ein langes Schläfchen im Badeanzug unter

    der Lycrabettwäsche vor. Sein Oberschenkel schmerzte immer noch ein wenig. Er hatte von

    der Türe des Bades Anlauf genommen um mit einem großen Satz auf dem Bett zu landen.

    Dabei unterschätzte er die Rutschfähigkeit beider Lycrastoffe miteinander und segelte über das

    Bett hinaus und rumste auf der anderen seite mit dem Oberschenkel gegen die Minibar.


    Ihn jetzt anzusprechen kam einem Selbstmordkommando gleich. Dennis war

    ein übelgelaunter kurzsilbiger Vollblut Morgenmuffel. Ohne zwei Tassen Kaffee , zwei Stunden nicht ansprechen bei lauter DeathMetalmusik ging gar nix. Seine Zimmernachbarn sollten jetzt ahnen wer neben ihnen eingecheckt hatte. Ob sie wollten oder nicht, sie würden gute Musik hören.

  • Eine Untersuchung der Vorfälle frei nach Tom Clancy (Einer von RIM´s Lieblingsautoren, gerade wurde "Roter Oktober" wiederholt), dazu Dennis als Death-Metal-Fan.

    Das gibt eine ganz schöne Bandbreite.

    Verspricht sehr interessant zu werden.

    Dass dein Text "aus der Hüfte" kam merkt man zumindest daran, dass dein Deutschlehrer beim Druck auf "Absenden" einen leichten Stich verspürte.

  • Die Zugfahrt - Kapitel 5 by lycwolf






    Jens und Damian unterhielten sich mit dem Ermittler Ryan. Er fragte sie Löcher in den Bauch, weigerte sich jedoch beharrlich ihnen auch nur die geringste Information im Austausch zu geben. Er wollte nur wissen was ihnen ungewöhnliches bei ihrer Anreise aufgefallen sei und ob sie etwas seltsames gefühlt hätten in der Nacht ihrer Ankunft.


    "Sagen sie uns doch wenigstens nach welchen Hinweisen sie suchen", sagte Damian dem das alles ziemlich lästig wurde. Nicht nur, dass hier trotz der paradiesischen Aussichten auf eine schöne Lycrazeit nicht alles mir Rechten Dingen zu zu gehen schien, sondern auch weil dieser Kommissar die beiden nicht gerade freundlich behandelte indem er ihne Informationen vorenthielt.


    "Morgen", brummte Dennis miesepeterig als er in einem durchgehend schwarzen Zentai mit heruntergerollter Kopfhaube dem Tisch beitrat. Seine Kaffeetasse war riesig und ihr Inhalt schwarz wie sein Anzug. Den Fremden in regulärer Straßenkleidung nahm er gar nicht wahr.


    "Hat es was mir den Zeitungsberichten zu tun?", wollte Jens eindringlich von Ryan wissen, doch dieser gab darauf keine Antwort und verabschiedete sich fürs Erste, nicht ohne weitere Befragungen anzukündigen.


    "BKA-Schnösel", grummelte Jens ihm abfällig nach.


    "Ach was", entgegnete Damian, "Das ist doch ´n Ami, hört man doch. Vielleicht benimmt man sich so in Amiland."


    "Mich würde schon interessieren, was es mit dem ganzen Kram auf sich hat", gab Jens zurück.


    Von Dennis kam immer noch kein wirkliches Lebenszeichen, außer der Frage: "Wie lange gibt´s hier eigentlich Kaffee?"




    Es half nichts sich den Kopf zu zerbrechen, schließlich wollten sie hier einen Lycraurlaub verbringen. Jens war als erster mit dem Frühstück fertig und während die anderen beiden noch am Tisch saßen, steuerte er bereits das Outlet der angegliederten Schneiderei an. Von Unterwegs aus hatte er ja bereits eine Auswahl an Lycrasuits getroffen, die ihm und natürlich auch seinen Freunden kostenlos für die Zeit ihres Aufenthalts zur Verfügung stünden.


    Als er den Raum betrat, gingen ihm sofort die unsterblichen Worte von Kaiser Franz durch den Kopf "Jo is denn heut´ scho Weihnachten?"

    Verschiedene Hotelgäste stöberten durch die Auslagen, probierten, verwarfen und waren ebenso überwältigt wie er.

    Eine regelrechte farb- und Glanzexplosion brach über seine Sinne herein. Um nicht vollends den Überblick zu verlieren, wandte er sich zu einer der automatisierten Ausgabestellen, wie sie auch im Informationsmaterial im Netz erklärt wurden und holte sein vorbestelltes Wunschpaket mit seiner Buchungsnummer ab.


    Auf seinem Zimmer sichtete er zunächst die Sachen, die ihm in seiner Größe eingepackt wurden. Es waren diverse Leggings, Steghosen, Turnanzüge und Zentais. Von letzteren griff er sich den in hellem Metallicblau. Hier interessierte ihn vor allem die Gestaltung der Kopfhaube, denn eigentlich war er kein Freund des geschlossenen Gesichts. Für die Anonymisierung war es ja unverzichtbar und es sah auch immer super aus, aber auf Dauer war es tierisch unpraktisch. Trinken und Küssen wurde binnen kürzester Zeit zu unappetitlichem sabbern und selbst ohne das, bewirkte alleine das Atmen ein mehr und mehr feuchtes Gesicht. Auch die Sicht war natürlich durch das dünne Gewebe gestört. Je nach Webdichte und Beleuchtung hatte man Schwierigkeiten andere zu erkennen.


    Dieses Modell sollte jedenfalls anders sein. Er untersuchte das glänzende Kopfteil intensiv, konnte aber keinen Unterschied in Gewebestruktur und Glanzgrad zum Rest entdecken. Erst beim Überziehen offenbarte sich in den Bereichen von Augen, Nase und Mund eine etwas andere Beschaffenheit des Glanzlycras. Es ließ an jenen Stellen mehr Luft und Licht durch. Das bemerkte er erst, als er das Kopfteil noch nicht korrekt in Position hatte.


    Nachdem er nun schon entsprechend eingepackt war, dachte er, könnte er auch mal eine der Kuschelinseln besuchen.

    Von seine Freunden keine Spur. Sie wollten sich hier treffen und eigentlich sollte er warten, doch das Gewimmel an kuschlenden Lycrakörpern zog ihn magisch an. Zunächst hielt er sich am Rand der gepolsterten Spielwiese auf um einen Überblick zu bekommen. Jedoch dauerte es nicht lange und zwei ganz klar als weiblich zu identifizierende Glanzwesen krochen auf ihn zu und zogen ihn zu sich.

  • Die Zugfahrt - Kapitel 6 by lycwolf





    Noch während er über die stürmischen ersten Umarmungen der beiden wohlproportionierten Mädels staunte, sah er

    seine Kumpels ankommen.


    "Ah, ich sehe du hast schon ohne uns angefangen", rief Dennis, der noch immer den rabenschwarzen Ganzanzug von

    heute Morgen anhatte.


    Gleichzeitig sprintete Damian an der Kuschelinsel vorbei und konnte gerade noch "Bis später" rufen.


    "Wo will der denn so schnell hin?", fragte Jens und bedeutete seinen verhüllten Spielgefährtinnen doch noch einen

    Augenblick zu warten.


    "Er rennt der weiblichen Füllung eines Aerobic-Dresses nach. Nach dem Frühstück sind wir auf eine ganze Gruppe

    80er Jahre Lycrafans gestoßen und unsere Sportskanone hat sich denen sofort für ein Training in der großen

    Turnhalle angeschlossen."


    "Dann zieh´deine Kopfhaube über und komm", forderte er ihn auf, doch Dennis schien ebenfalls andere Pläne zu

    haben.


    "Mir geht das alles ein bisschen schnell. Ich glaube ich werde erst mal das Schwimmbad aufsuchen. So zum richtig

    wach werden."


    Damit trottete er davon und die beiden, nach Zärtlichkeit lechzenden Lycragestalten zogen ihn umgehend wieder zu

    sich.

    Sofort fühlte er die Geborgenheit, die nur die Berührung unter dem seidig glatten Kunstgewebe vermitteln konnte.

    nur um einiges intensiver. Als hätten sie vereinbart ihn zu vernaschen, konnte er sich bald gar nicht mehr aus

    ihren um ihn herumschlängelnden Armen und Beinen befreien. Das machte ihm fast Angst. Doch dann beruhigten sich

    die beiden und er bekam auch einmal die Gelegenheit zu fühlen und zu knuddeln. Selbst wenn er dabei mal in

    intimere Regionen vordrang, machte es denen nichts aus. Auch sein Murmelbeutel bekam den einen oder anderen

    Streichler ab.


    Das Zeitgefühl hatte er bereits verloren und so konnte er nicht genau sagen wie lange das so weiter ging.

    Irgendwann jedoch tauchte ein neuer Gast auf. Sein Zentai war aus mattem Lycra. Das besondere daran war das

    Design. Komplett bedeckt mit Schachbrettmuster in der regulären Spielbrettgröße, konnte man seine Körperkonturen

    nur noch im direkten Gegenlicht ausmachen.

    Kaum war der Neue angekommen, war er für die beiden uninteressant.


    So glitt er weiter "über" andere mit sich beschäftigten Pärchen zu dem Knäuel, um das sich die meisten scharten.

    Die Attraktion war nicht etwa die eher zierliche Frau mit dem metallisch schimmernden Schlangenhaut-Zentai,

    sondern ihr kugelrunder Babybauch. Bestimmt war das freudige Ereignis kaum mehr als 14 Tage entfernt. Alle um sie

    herum waren extrem vorsichtig, denn sie wollten unbedingt den Bauch streicheln, fühlen wie sich das neue Leben

    darin bewegt und auch mal nachhorchen wie es da drin so zugeht. Neben ihr kniete offenbar der Vater des

    Ungeborenen, denn er wachte genauestens darüber, dass alles gesittet zuging. Was eigentlich überflüssig war, denn

    trotz des Ansturms verhielten sich alle sehr zurückhaltend.


    Gerne hätte er ebenfalls mitgemacht, aber es waren einfach schon zu viele und die junge Mutter wurde ja

    regelrecht überfordert. Dann aber besann er sich worüber Schwangere am häufigsten jammern. Schmerzender Rücken

    und schmerzende Füße. Nun gut, an den Rücken kam er gerade nicht ran, aber seine geschickten Hände hatten schon

    viele süchtig nach Fußmassage gemacht.


    So zierlich wie sie selbst waren natürlich auch ihre Füßchen. Als wäre das nicht schon genug gewesen, verlieh

    ihnen der Glanz in den Fußteilen des Zentais etwas überirdisches. Vorsichtig begann er mit sanftem streicheln

    über die Fußrücken. Dass sie ihm diese daraufhin entgegenstreckte fasste er als Aufforderung zum weitermachen

    auf. Während alle anderen weitgehend auf ihren Oberkörper konzentriert waren, nahm er sich einen Fuß nach dem

    anderen vor und massierte kreisend die Ansätze der Zehen an den Ballen, drückte und bog jeden Fuß sanft aber

    bestimmt hin und her und fuhr dabei mit dem Daumen unter dem Fußgewölbe entlang.


    Diese Wohltat entlockte ihr schnurrende Laute und nur Augenblicke später war sie tiefenentspannt wie noch nie.

    Auch er hatte seinen Spaß daran, doch nach einiger Zeit sehnte auch er sich wieder nach Berührung anderer und

    ließ von ihr ab. Sie konnte nur einen wehmütigen Seufzer abgeben. Gerne hätte sie mehr davon gehabt.


    Eine nicht mehr ganz jugendlich Schlanke Dame in Flammenanzug aus unzähligen Rot- und Orangetönen fasste ihn an

    der Schulter und drückte ihn sanft auf das Poster der anderen Ecke. Ihr Tasten zeugte von viel Erfahrung und es

    fühlte sich einfach umwerfend an. Er beeilte sich ihr das zurückzugeben was sie ihm angedeihen ließ. Sehen konnte

    er nicht viel, das Gesicht logischerweise gar nicht, doch er schätzte sie auf mindestens Ende vierzig. Er war

    ganz von den Socken, dass eine bereits ältere Frau ihm derart gut tun konnte.


    "Mit allem, komplett?", raunte ihre sonore Stimme in sein Ohr als er ihre nicht mehr ganz so jugendliche

    Dekolteefüllung umspielte. Er hatte keine Ahnung was sie damit meinte, doch sie wartete auch nicht lange auf eine

    Antwort. Ihre geschickten Finger befassten sich plötzlich mit seinen tieferen Regionen. Und das nicht etwa

    zufällig. Weit im Keller begann sich etwas prächtig zu entwickeln. Umso mehr nachdem auch ihr Lycraverhüllter

    Kopf dort einen Besuch abstattete. Gerne hätte er es noch länger ausgekostet, aber der Moment in dem Frauen gerne

    mal bestätigen, dass das doch jedem mal passieren könne, kam sehr rasch.


    Nach einer Verschaufpause in der sie ihn an anderer Stelle noch zärtlich weiterstreichelte wurde ihm klar, dass

    er wohl einen frische Anzug brauchte. Und es war gerade mal Mittag.


    Leise verabschiedete er sich von ihr, seine prekäre Lage erklärend, worüber sie nur sanft kicherte. Als er mit

    wackligen Beinen von der Kuschelinsel aufstand rief sie ihm noch nach: "Wenn du mal wieder alles komplett

    brauchst, wende dich vertrauensvoll an mich. Frag einfach nach Schorsch!"

  • Sehr schön sehr schön. Aber ich muss auch gestehen, dass ich kurz Bauchschmerzen bekomme habe wegen der Schwangeren. Ein nicht ganz einfaches Thema.


    Aber ich denke du hast die Kurve gut bekommen.


  • Die Zugfahrt - Kapitel 7 by lycwolf





    Zurück in seinem Hotelzimmer wechselte Jens seine nicht mehr ganz "Verkehrsfähige" Lycrakleidung. Nach einer Dusche entschied er sich für dunkelgraue Lauftights und einen Gymnastikbody in Wetlook-Silber, bei dem der Schrittbereich aus schwarzem Samt bestand. Dieser setzte sich in mehreren, flammengleichen Spitzen bis etwa zur Höhe des Bauchnabels fort. Das sonstige Design war klassisch. Rundhalsausschnitt und kurze Ärmel.


    Er musste nochmal an sein unkonventionelles Erlebnis von vorhin denken.

    Schorsch.

    Da wäre er nie drauf gekommen. Er fühlte sich ein wenig unausgeglichen, denn mit Männern hatte er normalerweise, was kuscheln und auch sonstiges betraf keinerlei Ambitionen. Andererseits, hätte dieser sich nicht zu erkennen gegeben, wäre er immer noch im Glauben er hätte es mit einer älteren Dame zu tun gehabt. Kein Grund also für Grübeleien.


    Infernalischer Lärm aus dem Nachbarzimmer kündigte an, dass auch Dennis zugegen war. Jens mochte zwar die meisten Spielarten des Heavy-Metal, doch mit diesem melodiearmen geschrubbe und gegrunze konnte er nichts anfangen. Erstaunlich wie laut ein Smartphone mit Zusatzlautsprecher sein konnte.


    Er war entschlossen die Außenbereiche des Hotels zu erkunden und wählte deshalb einfache Gymnastikschläppchen als Fußbekleidung. Einerseits bot die Gummisohle einigen Schutz auf naturbelassenen Wegen, andererseits waren sie noch weich genug um dieses herrliche Barfußgefühl zu vermitteln. Zuvor wollte er jedoch kurz mit seinem Kollegen sprechen und klopfte an seine Zimmertür.


    "Dennis, bist du angezogen?"


    "So in etwa, aber komm ruhig rein", klang es gedämpft durch die Tür.


    Sein Freund regelte sein Death-Metal auf ein erträglicheres Maß zurück.

    Auf dem Bett lag ebenfalls ein Karton mit Auswahlkleidung in verschiedenster Ausführung. Dennis selbst trug lediglich einen hautfarbenen Unteranzug aus recht dünnem Glanzlycra. Gerade betrachtete er einen Voltigieranzug den er wohl als seine nächste Kleidung auserkoren hatte. Arme und Beine waren aus ganz profanem Standard-Lycra in Schwarz. Der komplette Torso jedoch war aus Samt in einem dunklen Violett-Ton und wirkte wie ein aufgesetzter Body.


    "Na wie war deine Kuschelstunde?", fragte er neugierig.


    "Och, ganz erfreulich", antwortete Jens und war sich sicher auf keinen Fall den Namen "Schorsch" zu erwähnen. "Und dein Schwimmbadbesuch?"


    "Klasse. Das Richtige zum wach werden. Ich glaube das mache ich jetzt jeden Morgen. Ein Becken voller Leute in Bade- oder Gymnastikanzügen. Mehr als die Hälfte Männer, aber auch echt hübsche Singlefrauen."


    "Hast wohl deine Fühler schon ausgestreckt, was?"


    "Noch nicht so ganz. Bin ja nicht so ein Schwerenöter wie Damian."


    "Apropos", fragte Jens, "Hast du was von ihn gehört? Ist er immer noch beim Aerobic?"


    "Oder wo immer sich sonst noch Mädels nach seinem Beuteschema aufhalten."


    Damian war bekannt als Schürzenjäger.


    "Mal was ganz anderes", wechselte Dennis das Thema. "Was ist das eigentlich für ein Typ, der heute morgen überall rumgefragt hat? Ich war noch nicht so richtig wach."


    "Ich weiß auch nicht. In der Zeitung stand was von einem mysteriösen Verschwinden unseres Zugs, beziehungsweise der Lok und dem vorderen Waggon. Die schreiben was von einem Unfall, aber keiner von uns hat was davon mitbekommen und augenscheinlich sind wir ja putzmunter. Nur blöd, dass das Internet nur eingeschränkt funktioniert. Als wäre es auf den Hotelkomplex beschränkt. Man bekommt einfach keine Infos von Außen. Fast als wären wir in einer anderen Zeit oder Dimension"


    "Tja, Mr. Science-Fiction", titulierte ihn Dennis spöttisch. "Da hast du ja mal was geheimnisvolles womit du dich beschäftigen kannst."


    "Wieso ich?"


    "Na wer von uns hat denn mehrere laufende Meter an Sci-Fi-Literatur im Schrank stehen?"


    "Das ist doch nicht dasselbe", entgegnete er. "Ob in Stories oder Filmen, sobald es um Zeitverschiebung und andere Dimensionen geht, wird der Stoff unglaubwürdeig und widersprüchlich. Wenn es tatsächlich so etwas gibt, fehlt uns die Vorstellungskraft es in seiner Gesamtheit zu begreifen."


    "Schön doziert, Herr Professor. Vielleicht müssen wir diesem Ami, wie hieß er doch gleich?"


    "Ryan", antwortete Jens.


    "Genau, Ryan mal auf den Zahl fühlen. Der kann ja schließlich hier nicht rumlaufen und Fragen stellen ohne gleichzeitig ein paar Antworten zu liefern."


    "Sehe ich ähnlich. Vielleicht sollten wir uns das mal für morgen vornehmen. Was hast du heute noch vor?"


    "Ich weiß noch nicht genau. Eigentlich wollte ich sehen wo Damian abgeblieben ist."


    "Ich mach dir ´nen Vorschlag", meinte Jens. "Ich sehe mir den Außenbereich an und falls du ihn findest, treffen wir uns gegen Vier bei der Freiluftbühne. Da sollen diverse Gäste eigene Darbietungen vorstellen. Wird bestimmt Lustig."


    Damit verließ er ihn und suchte seinen Weg durch die langen Gänge des Hotels. Was aber nicht besonders kompliziert war, denn überall hingen Lagepläne des gesamten Areals mitsamt des jeweiligen eigenen Standorts. Auf dem Weg nach draußen passierte er eine der Turnhallen. Sie war in den Boden eingelassen, wodurch man auf dem Weg die obersten Tribünenplätze durchquerte und in die Halle hinunter blickte. Hier jedenfalls war keine Aerobic-Truppe. Vielmehr probte eine stattliche Menge Personen in diversen Lycraoutfits eine Menschenpyramide. Das heißt, nicht nur eine sondern gleich mehrere nebeneinander, was dann mehr zu einer Menschenmauer wurde. Ganz schön ambitioniert wenn man bedenkt dass sie nicht nur drei, sondern teilweise sogar vier Menschen hoch war. Das waren ja größtenteils keine geübten Turner und schon gar keine Akrobaten. Natürlich fiel diese "Mauer" andauernd an unterschiedlichen Stellen wieder zusammen, was aber durch die dicken Turnmatten drumherum kein Verletzungsrisiko darstellte. Bestimmt eindrucksvoll, wenn die Übung mal steht.


    Er zog weiter und erreichte einen der Ausgänge. Zwei Frauen kamen ihm entgegen und eine davon fluchte lautstark.


    "Mann, das muss jetzt auch noch passieren. So ein Mist. Der Anzug war brandneu und das bekommt man nie mehr ordentlich repariert."


    Sie zeigte ihrer Begleiterin den Fußteil ihres Metallic-Zentais. Die Sohle wies mehrere kleine und ein großes Loch, direkt unter dem vorderen Ballen auf. Zudem zogen sich Laufmaschen bis zur Wade hinauf.


    "Selbst dran Schuld", meinte die Andere lakonisch. "Ich hab´ dir gleich gesagt, renn´ nicht ohne Schläppchen ´raus."


    "Ja", lamentierte die geschädigte weiter, "aber dann hätte ich diesen scharfen Typen doch verloren."


    "Hast du jetzt ja wohl auch, oder etwa nicht?"


    "Ja, aber nach der Aerobic-Stunde hatte ich schon versäumt ihn zu fragen und im Gewimmel ist er mir entwischt."


    "Trotzdem hättest du so schlau sein können und ihm nicht einfach nachrennen, wo er doch offensichtlich joggen wollte. Hättest du wenigstens ein Paar der Hotelschläppchen übergezogen."


    Jens war schon aufgefallen, dass an jedem Ausgang Regale mit Gymnastikschuhen in allen Größen standen, falls jemand kurzentschlossen barfuß oder strümpfig hinaus wollte und der Weg ins Zimmer zu weit war. Die Dinger waren zwar schlicht und hatten einen Hotelaufdruck, aber sie schützten das empfindliche Lycragewebe vor den groben Wegen draußen.


    Die beiden zogen zeternd weiter als er durch die Tür ins Freie trat. Die eine sprach von einem Typ der ihr beim Aerobic aufgefallen war. Womöglich Damian?

    Er würde es irgendwann erfahren. Jetzt genoss er erst mal einen kleinen Spaziergang im Freien, in einer Kleidung mit der er sich sonst nicht raus traute.

  • hallo Lycwolf,

    großes Lob für deine bisherigen Folgen!

    Deine wirklichkeitsgetreu detailreich genaue Schilderung der hautengen Kleidung und wie sie die Drei mit den anderen Gästen erleben, macht einem so Appetit, dass man selber sofort in dem Hotel einchecken möchte.


    Ich bin sehr überrascht, was aus meiner kleinen Geschichte geworden ist. :)