Karneval mit Folgen

  • Die beiden haben ja ziemlich viel vor.

    Eine Folge fast ohne Lycra (nur die Erwähnung der pinken Leggings)... Haben die beiden eigentlich noch ihre Sportsachen an?
    Danke übrigens, eine lustige DVD statt Horrorfilm - vielleicht steckt in "Ice Age" noch eine Anspielung/ein wesentlicher Knackpunkt, die/der sich jetzt noch nicht erschließt?


    PS: "Lass uns DVD gucken." "Gerne, bringst du K......e mit?"

    Ich bin gespannt, wie es weitergeht ;-)

  • Silvia entpuppt sich immer mehr als der aktive Part, nicht nur was das Sportpensum angeht.

    Außerdem kann sie (und damit wohl auch der Autor) sehr schmackhaft kochen. Der kulinarische Beitrag zu Beginn hat richtig Hunger gemacht. Da würde ich mich gerne mal einladen.

    Und der Rest des Kapitels macht natürlich "Hunger" auf mehr. Bestimmt gibt´s dann noch einige dieser schönen regionalen / lokalen Ortsbeschreibungen, die das Ganze so plausibel machen.

  • Ja Lycwolf, ich koche wirklich einigermaßen gerne, und das Gericht hier ist wirklich ziemlich schnell gemacht und schmeckt mir persönlich gut. Aber Toby, Ice Age werden die beiden nicht gucken - dafür aber etwas "Besseres", und das bringt dann endlich den Stein ins Rollen. So langsam muss sich das hier mal zum Finale steigern. Und es kommt mehr Lycra vor, in diesem kürzeren Kapitel. Ach ja, sie tragen noch die Leggings von vorhin.


    Kapitel 22:


    [Sie überlegte kurz, dann zog sie drei DVDs hervor. Einer davon war „Ice Age“. Boris zögerte nicht lange ...] und schob genau diesen sofort wieder zurück.


    „Der ist aber echt lustig“, wandte Silvia ein.

    „Ja, ich kenne ihn schon … und ich habe vor kurzem erst eine Fortsetzung davon gesehen“, gab er entschuldigend zurück. Er konnte ihr ja schlecht sagen, dass er diese animierten Tiere mit ihren prominenten Stimmen auf ewig mit dem Hochgefühl verbinden würde, dass er damals im Kino verspürt hatte, als er mit Ana dort war, und sie ihre Fingerfertigkeit unter Beweis gestellt hatte. Das war etwas, das er so in Erinnerung behalten wollte, ohne es mit jemandem zu teilen.


    Er betrachtete die beiden übrigen Kandidaten. Zum einen war es ein Film ein einem weiß-rosa-farbigen Cover mit Jennifer Aniston in der Hauptrolle. Der Titel sagte ihm nichts, aber es war vermutlich eine dieser seichten romantischen Komödien, die in letzter Zeit so populär waren. An sich bestimmt nicht Boris´erste Wahl … aber wenn er ihn mit Silvia zusammen schaute …

    Sein Blick wanderte zum zweiten verbliebenen Film. Der hieß schon True Romance – das konnte ja heiter werden. Er wollte in Gedanken schon Ene, mene, miste … spielen, um einen der beiden Filme zufällig auszuwählen, als er auf die Namen, die auf dem letztgenannten Cover standen, aufmerksam wurde. Drehbuch: Quentin Tarantino, Regie: Toni Scott, Darsteller: u. a. Brad Pitt, Samuel L. Jackson, Gary Oldman … Das genügte ihm. Boris mochte Tarantino, besonders Pulp Fiction und Kill Bill. Seltsam, dass er von diesem Film noch nie zuvor gehört hatte. Schnell schob er den Jennifer-Aniston-Film zurück in die Reihe und zog den anderen ganz hervor.

    „Die kenne ich beide noch nicht, aber der hier scheint mir persönlich interessanter zu sein. Was für ein Staraufgebot!"


    „Gute Wahl“, sagte Silvia und nahm ihm die DVD aus der Hand.


    Boris setzte sich aufs Sofa. Silvia legte die Disk ein und kam dann ebenfalls zum Sofa. Sie nahm eines der Kissen und klemmte es sich erst in den Nacken, war aber nicht ganz mit dem Resultat zufrieden und drückte es dann gegen Boris´ Schulter, bevor sie ihren Kopf darauf legte.

    „Ich darf mich doch ein bisschen anlehnen?“, fragte sie, ohne eine Antwort von ihm zu erwarten. Sie war ihm ziemlich nah in dieser Position, aber immerhin noch so wenig intim, dass es auch unter guten Freunden vertretbar war. Daher wandte Boris nichts dagegen ein. Wenn er ehrlich sein wollte, musste er zugeben, dass er diese Nähe jetzt genoss und sich sogleich auch wieder etwas bei ihm im Unterleib regte.


    „Ist ok“, murmelte er.


    Silvia beachtete dies scheinbar gar nicht sondern griff sich die Fernbedienung vom Tisch, wobei sie sich wie selbstverständlich mit einer Hand auf Boris´ Bein abstützte.


    Jetzt begann der der Film. Ein junger Mann saß spätabends in einem Kino. Offensichtlich hatte er dort eine ebenfalls junge Blondine kennengelernt. Während ihrer Unterhaltung stellten die beiden fest, dass sie eine Reihe gemeinsamer Interessen besaßen. Nach der Vorstellung gingen sie zusammen zum Appartement des jungen Manns. Im ersten Moment glaubte Boris, seine aktuellen Gedanken hätten ihm einen Streich gespielt, denn verrückterweise meinte er, gesehen zu haben, dass diese Blondine eine pinkfarbene Leggings trug. Das konnte doch nicht sein … Aber da, in dieser Einstellung war es eindeutig zu sehen. Boris rieb sich die Augen, um ganz sicher zu sein, aber je länger die Szene dauerte, desto häufiger und deutlicher war das Beinkleid der Frau zu sehen. Es war eine glänzende Leggings, pink mit schwarzem Leopardenfellmuster. Jetzt begannen die beiden Darsteller wieder miteinander rumzumachen, und Boris wünschte sich, er könne an die Stelle von Christian Slater treten, diese Frau berühren, sanft über ihre in Lycra gehüllten Beine fühlen …


    „Ha, wieso wundert mich das überhaupt nicht?“, sagte Silvia von der Seite.


    „Äh – wie?“, gab Boris dümmlich zurück.


    „Du bist scharf auf Patricia Arquette. Oder vermutlich eher auf ihre Leggings. Stimmt´s oder hab ich recht?“


    Leugnen war wohl zwecklos, Silvia hatte ihn durchschaut.


    „Erwischt“, gab er zu. „Die Hose ist aber auch … toll. Natürlich nicht so schön wie deine …“ Bei diesem holprigen Versuch, sich zu rechtfertigen, tätschelte er Silvias Oberschenkel in der pinkfarbenen Leggings. Oh mein Gott, dachte er noch im gleichen Augenblick. Jetzt war er zu weit gegangen, jetzt würde Silvia in ihm nur noch einen notge***n Idioten sehen, der alles, was weiblich und halbwegs in Lycra gekleidet, als Lustobjekt betrachtete. Sie konnte ja nicht wissen, dass Ana beispielsweise nahezu Lycra-abstinent lebte.


    Statt der befürchteten Reaktion, ein Abrücken, ein Wegschlagen seiner Hand, ein Aufschrei oder etwas anderem dieser Art, fühlte er jedoch nur, wie Silvia sofort ihre Hand auf seine legte, und diese somit auf ihrem Bein festhielt. „Ich würde ihre Leggings mindestens als genauso sexy bezeichnen“, sagte sie so beiläufig, als unterhielten sie sich über das Wetter. „ich bin schon seit Jahren auf der Suche nach genau so einer. Es gibt Leoleggings in schwarz-braun, in schwarz-silber und in schwarz-weiß – aber in schwarz-pink habe ich noch keine.“


    Weil er nicht wusste, was er sonst antworten sollte, lachte Boris gekünstelt und sagte: „Das klang jetzt fast so, als hättest du Leoleggins in all den anderen genannten Farben.“


    „Hab ich ja auch.“


    Nun war er sprachlos. Boris war sich sicher, in dem Stapel Lycra aus Silvias Schrank kein einziges Teil in Leofell-Optik gesehen zu haben. Gut, ein einzelnes Stück hätte er womöglich übersehen können, wenn es unglücklich unter einem anderen gelegen hatte, aber gleich drei?


    Silvia, die mittlerweile den Film gestoppt hatte, sagte, als hätte sie seine Gedanken erraten: „Du fragst dich sicher, warum du so ein Teil dieser Tage nicht gesehen hast, als ich meine Lycrasachen durchgegangen bin? Ich habe nur einen kleinen Teil meiner Sachen hier, das meiste ist noch im Haus meiner Eltern gebunkert.“


    Boris starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an. Er wollte etwas sagen, sein Mund ging auf und zu, wie bei einem Fisch, doch kam ihm kein Ton über die Lippen.


    „Ungefähr 200“, sagte Silvia.


    „Wie? Was?“, brachte Boris schließlich hervor.


    „So viele Teile aus Lycra besitze ich. Ich vermute mal, so etwas in der Richtung wolltest du mich doch sicher früher oder später fragen.“


    „Äh – ja, genau, ich meine, warum …?“


    „Warum was? Warum ich so viele Lycrakleidungsstücke besitzte oder warum die meisten davon nicht in meiner Wohnung sind? Oder noch was anderes?“


    „Ich verstehe das jetzt nicht so ganz …“, stammelte Boris, dem das Ganze zusehends unheimlich wurde.


    „Was verstehst du daran nicht? Ich dachte, wenn es jemand versteht, dann du. Also, ganz langsam, zum mitdenken. Sag mir, wenn ich falsch liege. Ich habe diese große Sammlung an Lycra, weil ich einfach darauf stehe, genau so wie du. Boris, ich merke doch, wie du dich veränderst, sobald dieser Stoff in dein Blickfeld gerät. Und ich habe nur einen kleinen Teil davon hier, weil mein Ex-Freund anders war. Er stand mehr auf andere Dinge und hatte für Lycra nichts übrig. Ja, er hatte auch positive Seiten, sonst hätte ich seinerzeit nie etwas mit ihm angefangen … frag aber lieber nicht, denn heute sehe ich das auch nur noch als großen Fehler. Als ich anfangs noch viel mehr Lycra trug, hatte er sich darüber beschwert, und einmal, als es zu einem Streit darüber kam, hat er mehrere meiner Anzüge und Leggings aus Wut zerrissen. Im ganzen letzten Jahr habe ich Lycra dann nur noch heimlich getragen, immer nur dann, wenn er nicht in der Nähe war. Da habe ich nur einen kleinen Teil mit in diese Wohnung genommen, denn ich hatte unterbewusst noch immer die Befürchtung, er könne einen weiteren Ausraster bekommen und sich wieder an meinen Klamotten vergreifen. Auf der Karnevalsparty habe ich, abgesehen vom Sport, zum ersten Mal seit langem wieder Lycra in der Öffentlichkeit getragen.“


    „Damit hast du mein Leben ziemlich verändert“, sagte Boris.


    „Dann lag ich also richtig?“


    „Aber so was von richtig“, grinste er. „Seit du an jenem Tag mit dieser Leggings hier in dieses Wohnzimmer kamst, und ich zum ersten Mal in meinem Leben ganz bewusst diesen glänzenden Stoff warnahm, bin ich dem Zeug hoffnungslos verfallen.“

    Dabei streichelte er leicht über ihr Bein, da seine Hand immer noch darauf ruhte.


    „Jetzt, da du weißt, was dir noch so alles entgeht, bleibst du bei deinem Entschluss?“


    „Du weißt doch noch, dass ich bereits in dich verliebt war, bevor wir zu dieser Party gingen?“, stellte Boris eine Gegenfrage. „Bevor ich von der Existenz von Lycra im Allgemeinen und von deiner wundervollen Leggings im Speziellen überhaupt nur den Hauch einer Ahnung hatte?“


    „Ja“, sagte Silvia, „genau das würde die Sache – eine mögliche Beziehung – ja so anders machen, so viel besser. Ich kann mir sicher sein, dass du mich auch als Mensch unter dem Lycra magst und begehrst … und gleichzeitig hättest du die selbe Leidenschaft. Es wäre einfach Perfekt.“


    „Ich weiß“, sagte Boris resigniert. „Ich weiß.“ Dann schwieg er eine Weile und dachte über diese komplizierte Situation, diese sich ständig wieder bietende Wahlmöglichkeit nach. Und er wurde sich klar, dass er seine Entscheidung längst getroffen hatte, ohne es sich selbst einzugestehen.


    Fortsetzung folgt ...

  • Klasse, über Patricia Arquette den Bogen zu den Leggings zu schließen. Hoffentlich die ungeschnittene Fassung von True Romance (obwohl, so weit werden die beiden nicht kommen)

    Da outet sie sich tatsächlich als Leggings-Fan mit umfassender Garderobe - und hat dann aber nur wenig davon parat.

    Ich denke da wird sie nachbessern.

    Und überhaupt, wie kann ihr Ex nur behaupten, dass sie "zu viel" Lycra trug. Unverständlich :)

  • Hier noch eine kurze Fortsetzung. Augenblicklich komme ich wieder mal eher selten dazu, was zu schreiben, aber früher oder später gehts auf jeden Fall weiter.


    Kapitel 23


    „Gib mir bitte etwas Zeit“, sagte er schließlich. „Ich kann Ana nicht so einfach hintergehen, verstehst du?“


    „Wer könnte das besser verstehen als ich?“, seufzte sie.


    „Vielleicht“, fuhr Boris fort, „geht es sogar schneller als du denkst. Wir hatten neulich einen Streit. Ganz unabhängig von unserer Situation hier, wüsste ich nicht, ob oder wie lange das noch zwischen Ana und mir so harmonisch funktioniert.“


    „Ich müsste lügen, wenn ich jetzt sagte: Das mit eurem Streit tut mir leid.“


    Aus dem Augenwinkel sah Boris, dass sich ihr Mund zu einem leichten Grinsen verzog. Wer konnte es ihr verdenken? Und ja, auch er wünschte sich, die Beziehung zu Ana möglichst bald, aber dennoch im Guten zu beenden.


    Nachdem sie sich nun gewissermaßen das Ja-Wort für eine gemeinsame Beziehung gegeben hatten – nur mit dem Manko, dass diese zeitlich noch ein bisschen aufgeschoben werden musste – überwog bei Boris die Neugier, wie es denn bei Silvia zu ihrer Leidenschaft für Lycra gekommen war.


    Sie erzählte, was sie bereits an anderer Stelle gesagt hatte, dass sie seit ihrer Kindheit viel Sport gemacht hatte, darunter auch Ballett und Gymnastik. Schon als Mädchen mit ungefähr zehn Jahren – daran konnte sie sich noch erinnern – fühlte sie sich in Lycrakleidung sehr wohl. Sie mochte das seidig weiche Gefühl, wie der Stoff eng auf ihrer Haut anlag, und sie liebte den Glanz, den dieses Material besaß. Silvia erzählte, dass ihre Mutter sie mehrmals dazu überreden musste, ihre Turnkleidung nicht auch nachts im Bett zu tragen.


    „Als ich dann älter wurde und – naja, du weißt schon – meinen Körper entdeckte, kam noch dieses prickelnde Gefühl hinzu, zu wissen, dass dieser enge Stoff jede Kurve meines Körpers hervorhebt. Nicht, dass ich sonderlich üppige Kurven hätte …“ Dabei hob sie mit ihrer freien Hand ihre tatsächlich nicht allzu großen Brüste an.


    „Ich finde dich perfekt, so wie du bist. Ist doch eher ekelhaft, wenn man so Euter hat wie Bolly Duster, oder wie diese Milchfabrik auf zwei Beinen heißt.“


    „Danke. Aber mit ein wenig mehr Oberweite würde ich mich einfach wohler fühlen. Es muss ja nicht gleich so ein Extrem sein.“


    „Und deine anderen Rundungen“, sagte Boris, wobei sein Blick an ihr hinab glitt, „sind nun wirklich nicht von schlechten Eltern. Verdammt, beim Laufen vorhin im Treppenhaus hast du mir echt ganz schön den Kopf verdreht.“


    „Nichts anderes hatte ich auch beabsichtigt“, grinste sie ihn an, und ihre Hand, die sie immer noch auf seiner lag, führte diese über den Stoff ihrer pinkfarbenen Leggings.


    Boris musste ein wohliges Stöhnen unterdrücken, so gut fühlte sich das an. Jetzt entsann er sich wieder seiner Frage, für die er nun den richtigen Zeitpunkt gekommen sah: „Du sagtest, das hier wäre eine deiner Lieblingsleggings. Seit wann hast du die eigentlich schon?“ Er versuchte, dabei so beiläufig wie möglich zu klingen.


    „Stimmt“, sagte Silvia, die jetzt ebenfalls auf ihre Beine hinabschaute, „diese Hose habe ich nämlich von einem guten Freund bekommen.“


    Das war jetzt gänzlich unerwartet. Boris glotzte sie irritiert an. Sie hatte diese Leggings - oder besser gesagt die ursprüngliche, die er nun bei sich zuhause aufbewahrte, von einem Mann geschenkt bekommen? Gab es da etwa noch einen Konkurrenten, der Silvia gerne in Lycra sah? Herrje, ihre Beziehung hatte nicht einmal richtig begonnen, da gab es schon Störfeuer ... etwas, das seine Eifersucht weckte ...


    „Und auf die Frage, wie lange ich diese Leggings schon habe“, fuhr Silvia unbeeindruckt fort, „lass mich mal überlegen … ich würde sagen … so ungefähr eine halbe Woche.“ Sie grinste jetzt von einem Ohr zum anderen. „Och Boris, jetzt guck doch nicht so wie ein geprügelter Hund. Dachtest du, ich merke es nicht, wenn meine Leggings, die übrigens etwa fünf Jahre alt sein dürfte – ich war nämlich vierzehn, als ich sie bekam – mit ihren ganzen Gebrauchsspuren, dem Pilling, den teils geflickten Nähten und einem kaum noch lesbaren Waschzettel über Nacht wie neu geworden ist?“


    „Ich dachte, es wäre dir nicht aufgefallen“, brachte Boris leise hervor. „Warum hast du die denn jetzt an und warum hast du nichts gesagt, wenn du es doch bemerkt hast?“ Die Erleichterung, es doch nicht mit einem Lycra-liebenden Fremden, der Silvia Leggings zukommen ließ, zu tun zu haben, überwog bei weitem die Scham, bei seiner Aktion mit dem Austausch der beiden Hosen erwicht worden zu sein.


    „Vielleicht, weil ich auch einen gewissen Kitzel bei diesem Spiel verspüre“, gab Silvia zu. „Außerdem passt mir diese hier ja genauso gut und glänzt nicht weniger stark – was soll ich mich also darüber beschweren, dass die Mängel plötzlich weg sind und die Hose wieder wie neu?“


    „Naja, vielleicht hängst du ja an einer deiner Lieblingsleggings und möchtest lieber das Original als ein Fake von mir?“


    „Sicher, ich mochte diese Leggings wirklich, aber ich denke, sie ist bei dir in guten Händen.“

    Silvia zwinkerte ihm verschwörerisch zu.


    „Auf jeden Fall“, beeilte sich Boris zu erklären. „Ich habe sie nie angezogen, sondern vorsichtig in einem Beutel verstaut. Weil … du weißt schon …“


    „Du bist süß.“


    „Hältst du mich jetzt nicht für einen Perversen?“


    „Ach was, es ist doch ganz natürlich, dass man gerne etwas von der Person haben möchte, die man begehrt, um ihren Geruch ganz nah bei sich zu haben.“


    „Du bist einfach unglaublich, weißt du das?“


    „Hm, ich denke schon!“ Darauf mussten sie beide laut lachen.


    „Jetzt musst du mir aber doch mal erzählen, wie du an diese Leggings hier gekommen bist?“, wollte Silvia wissen.


    „Du weißt ja, dass ich an diesem Tag damals, wo ich dich zum ersten mal in dieser – also der anderen Leggings gesehen habe, ziemlich geflasht war. Ich habe danach einige Zeit darauf verwendet, im Internet zu recherchieren und so viel wie möglich über dieses Material und seiner Verwendung in Erfahrung zu bringen. Und natürlich brannte ich darauf, selbst so etwas zu besitzen, es anzuziehen, den Stoff zu berühren. An dem Abend, als du … als ich dich nach Hause gebracht hatte und wir hier auf dem Sofa saßen und ich dein Beine berührte“, er bewegte dabei seine Hand sacht über Silvias Oberschenkel, „das war wohl die phantastischste Erfahrung, die ich jemals gemacht hatte. Auch wenn es in den kommenden Wochen mehr als unwahrscheinlich war, dich jemals wieder so berühren zu können, so wollte ich doch wenigstens selber diese Art von Kleidung für mich haben. Schnell kam ich auf den Trichter, das bei der elektronischen Buch sowohl Händler ihre Neuware verkaufen, als auch Privatpersonen ihre Second-hand Kleidung. Ich habe mir gleich drei Teile bestellt, darunter auch diese pinkfarbene Leggings. Und keine Angst, das waren alles fabrikneue Teile“, fügte er rasch hinzu.


    „Das nenne ich mal motiviert! Aber mach dir keine Sorgen, ich habe selbst das eine oder andere Teil gebraucht gekauft.“


    „Falls – oder besser gesagt, wenn du mich demnächst mal besuchst, kann ich dir gerne zeigen, was ich bereits alles habe. Und wenn du willst, kannst du natürlich auch wieder deine eigene pinkfarbene Leggings zurückhaben“, fügte er noch rasch hinzu.


    „Du kannst sie gerne als Andenken behalten. Vielleicht schlüpfe ich noch das eine oder andere Mal hinein, wenn ich bei dir bin und wir … wenn du die andere Sache geklärt hast.“


    „Klingt verlockend. Aber jetzt sollten wir doch vielleicht mit dem Film weitermachen.“


    „Stimmt, das was ja der ursprüngliche Plan. Ich kann dir aber gleich sagen, dass außer dieser Leggings am Anfang kein Lycra darin vorkommt. Aber ein verdammt guter Film ist es trotzdem.“


    Silvia startete die Wiedergabe und sie schauten sich den Film ohne weitere Unterbrechungen bis zum Ende an. Boris konnte ihr nur zustimmen, der Streifen war tatsächlich beeindruckend.

    Erst als der Abspann einsetzte, erhob sich Silvia, die sich während der ganzen Zeit wieder an ihn angelehnt hatte, und verkündete, dass sie nun den Kaffee machen würde, deswegen er ursprünglich überhaupt nur herkommen wollte.


    Boris bot seine Hilfe an, aber Silvia versicherte ihm, dass sie das alleine hinbekäme. Auf dem Sofa sitzend zurückgelassen, spürte er die Kälte an der Seite, an die sich bis vor Kurzem noch ihr warmer Körper geschmiegt hatte. Er konnte die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge in den letzten Stunden entwickelt hatten, immer noch nicht fassen. Es war wie ein kleiner Stein, der zufällig ins Rollen kam, und bevor man sich versah, eine ganze Lawine in Bewegung gebracht hatte. Der Boden war schon vorbereitet, die Zweifel, ob oder wie es zwischen ihm und Ana weitergehen sollte, nagten bereits seit dem vorigen Tag an ihm. Besonders vor dem Hintergrund, dass Ana nur noch begrenzte Zeit in Deutschland, in Bonn, bleiben würde, bis sie dann ihrem Traum folgend zurück nach Brasilien ging. Selbst wenn er Silvia heute nicht getroffen und die Offenbarungen, die sie sich gegenseitig gemacht hatten, nicht gewesen wären, hätte er ernsthaft in Erwägung gezogen, seine Beziehung zu Ana zu beenden, sofern diese ihm keine Erklärung für ihr Verhalten bezüglich der Leggings geben würde. Das war, wie er sich durchaus bewusst war, eine zutiefst egoistische Einstellung. Dennoch sagte er sich, dass er eine dauerhafte Beziehung, die seinen Fetisch komplett außen vor ließ, nicht unbedingt das war, was er sich im Augenblick wünschte.


    Fortsetzung folgt ...