Karneval mit Folgen

  • Ja, in dem Restaurant war ich auch schon öfters, und es war tatsächlich der Treffpunkt der Fachschaft bzw. eines Kurses meines Studiengangs ... da ja auch nur einen Steinwurf (vom Hauptgebäude aus) entfernt. Aber jetzt bitte nicht in Bonn mit Steinen um euch werfen ;-)


    Jeder kann gerne seine Vermutungen äußern ... das macht es doch umso interessanter, auf die Auflösung zu warten. Ob Lycwolf sich zurecht Sorgen macht, sehen wir noch heute. Ich muss nur noch das Kapitel kurz überarbeiten und noch mal nach Fehlern durchkämmen, dann lade ich es gleich noch hoch.

  • Kapitel 37:

    „Ich würde die ganze Welt abschlachten, wenn Du mich nur lieben würdest!“ Commodus, Gladiator (2000)


    Nun stehst du starr,

    Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!

    Was bist du Narr

    Vor Winters in die Welt entflohn?

    Die Welt - ein Tor

    Zu tausend Wüsten stumm und kalt!

    Wer das verlor,

    Was du verlorst, macht nirgends Halt. [Friedrich Nietsche, Vereinsamt, V2&3]



    Boris beugte sich vor und gab ihr einen Kuss. „Habe ich dir eigentlich schon mal gesagt, dass ich dich liebe und dass du einsame Spitze bist?“


    „Hm, vielleicht. Aber ich höre das auch gerne immer wieder“, grinste sie. „Was mir übrigens grade einfällt“, fuhr sie ernsthafter fort, „ich habe morgen Vormittag einen Arzttermin. Nichts wichtiges, nur eine routinemäßige Kontrolle beim Hautarzt. Ich habe ja relativ viele Muttermale, da soll ich einmal im Jahr vorbei schauen, und mich auf mögliche Veränderungen hin untersuchen lassen. Ich habe ein fünfmal höheres Hautkrebsrisiko als die meisten Menschen, sagt der Arzt. Ich weiß nicht, wie lange ich warten muss. Um auf der sicheren Seite zu stehen, kommst du besser erst nachmittags. Ich habe meinen Zweitschlüssel für die Wohnung bei meinen Eltern – für Notfälle. Den kann ich auch schlecht einfordern, immerhin zahlt mein Vater ja die Wohnung, und er würde sicher nachfragen, wozu ich den Schlüssel bräuchte. In den nächsten Tagen lasse ich aber einen weiteren Schlüssel nachmachen, von dem meine Eltern nichts zu wissen brauchen.“


    Boris wurde ein klein bisschen schwindelig. Diese Ankündigung schien ihm erst die Bedeutung des Ganzen bewusst zu machen, dass er zukünftig mit Silvia zusammen leben würde. Aberwitzige Gedanken schossen ihm durch den Kopf: Wie lange war es angemessen, zu warten, bis er ihr einen Antrag machen konnte. Ein Bild, wo er ihr einen Ring über ihren Finger schob, erschien. Er musste sich unwillkürlich schütteln, da ihm diese Vorstellung zu überwältigen drohte.


    „Ist alles ok bei dir?“, fragte Silvia irritiert.


    „Mehr als das. Es ist nur so … unglaublich. Weißt du, was ich meine. Wir sind zusammen, und … und es scheint einfach alles möglich zu sein. Ich bin so unglaublich glücklich.“


    „Das bin ich auch“, sagte sie und schmiegte sich an ihn. „Und morgen machen wir da weiter, wo wir gestern Abend aufgehört haben.“ Dabei drängte sie mit ihrem Po kurz gegen seinen Schritt, entzog sich ihm aber sogleich wieder. „Damit du etwas hast, worauf du dich freuen kannst.“


    Sie turtelten noch eine Weile miteinander, dann raffte sich Boris auf und fuhr nach Tannenbusch, in sein sehr überschaubares Einzimmer-Appartement, welches er hoffentlich nicht mehr allzu oft von innen sehen würde. Ana hatte ihm im Laufe des Tages auch geschrieben, dass sie gut in Brasilien angekommen sei. Er schrieb ihr zurück und wünschte ihr Glück beim Start in ihrem neuen Job. Er warf einen Blick auf die Müslipackung im Regal und fragte sich, wann denn der Zeitpunkt kommen würde, da er dieses Abschiedsgeschenk öffnen würde. Dieser Tag, so schien es, lag noch in sehr, sehr weiter Ferne.


    Am nächsten Vormittag ließ Boris sich Zeit, da Silvia ihn ohnehin erst später erwartete. Er packte einen Koffer mit Kleidung - natürlich all seinen Lycrasachen – sowie Unterwäsche, Jeans, einem weiteren Paar Schuhen, Socken, T-Shirts und Pullovern, die für mehrere Wochen reichten. Man konnte ja nie wissen, dachte er mit einem Lächeln auf den Lippen. In seinen Rucksack packte er neben seinem Kulturbeutel mit Wasch- und Körperpflegeartikeln noch ein Jumbopack Kondome. Ja, er hatte gut vorgesorgt. Außerdem räumte er seinen Kühlschrank leer. Mit den sprichwörtlichen Schmetterlingen im Bauch machte er sich gegen 14 Uhr auf den Weg.


    Er kam sich vor wie ein Tourist, als er mit seinem ganzen Gepäck schlussendlich den Weg vom Busbahnhof in Richtung Südstadt ging. Seine Gedanken schweiften hierhin und dorthin. Was würde Silvia wohl gleich mit ihm „anstellen“? Wo in ihrem Bad konnte er seine kosmetischen Artikel deponieren? Ein Schwarm Krähen flog laut krächzend über ihn hinweg, hinein in die Stadt. Was für eine surreale Szenerie, dachte sich Boris, als er den Vögeln nachschaute.


    Kurz darauf bog er um eine Ecke und war nun in Silvias Straße. Da hinten standen mehrere Fahrzeuge mit Blaulicht, ungefähr auf Höhe von ihrer Wohnung. Hoffentlich ist kein Feuer ausgebrochen, schoss es ihm durch den Kopf. Oder ein schwerer Wasserschaden, der Silvias Wohnung verwüsten könnte. Aber nein, er sah keine großen Feuerwehrfahrzeuge, die in einen solchen Fall sicher vor Ort gewesen wären. Stattdessen machte er einen Rettungswagen, einen Notarzt und mehrere Polizeiwagen aus. Warum so viel Polizei? Er hatte mal gehört, wenn jemand starb, dass dann auch die Polizei mit zum Einsatz hinzugezogen wurde, um ein eventuelles Fremdverschulden zu untersuchen. Aber hier standen gleich drei Polizeiautos. War das normal? Er beschleunigte seine Schritte, ein ungutes Gefühl keimte in ihm auf. Alle möglichen Szenarien huschten ihm durch den Kopf: ein Einbruch, ein Raubüberfall, eine defekte Gasleitung …


    Der RTW und der Notarzt fuhren los. Ohne Sirene und Blaulicht. Also waren sie wohl nur vorsorglich hinzugezogen worden. Oder, es gab keinen Grund mehr, mit Eile in ein Krankenhaus zu fahren, weil dem Patienten nicht mehr zu helfen war. In dieser Gegend hier lebten schließlich viele Alte, die jederzeit einen Schlag oder Infarkt erleiden konnten. Boris hatte das Grundstück fast erreicht, sah, dass noch einige Polizisten auf dem Plattenweg standen, der den Bordstein mit der Haustür verband. Er verlangsamte seinen Schritt wieder, bleib fast stehen und bog dann auf den Weg ein. Eine Polizistin trat auf ihn zu und fragte, ob er ein Bewohner dieses Hauses sei. Boris verneinte das, sagte aber, dass er jemanden besuchen wolle und bereits erwartet werde.


    „Gut, folgen Sie mir bitte und verlassen nicht den Weg, den ich voran gehe, dies hier ist ein Tatort und die Spurensicherung ist noch nicht abgeschlossen.“ Die Ordnungshüterin begleitete Boris zum Tableau mit den Klingelknöpfen.


    Boris drückte den entsprechenden Knopf. Während er auf das Summen des Türöffners wartete, fragte er: „Was ist den hier passiert?“


    „Ein Übergriff“, sagte die Polizistin knapp. „Sind Sie sicher, dass Sie erwartet werden?“


    „Naja, kann sein, dass sie noch bei Arzt ist“, gab Boris zurück. Er klingelte noch einmal, und wieder tat sich nichts.


    „Ich muss Sie bitten, mich zu begleiten. Meine Kollegen möchten Ihnen einige Fragen stellen.“


    „Wie?“, fragte Boris überrascht.


    „Sie haben sich ohne plausiblen Grund einem Tatort genähert. Manche Täter kehren zwanghaft zum Ort des Verbrechens zurück. Meine Kollegen werden Sie zu einer Überprüfung mit auf die Wache nehmen. Können Sie sich ausweisen?“


    Boris verstand mit einem Mal die Welt nicht mehr. Er war plötzlich ein Verdächtiger in einer Ermittlung. Aus dem Augenwinkel sah er einen Polizisten aus dem Seitengang kommen, von dort, wo es zu den Mülltonnen ging, wo Silvia neulich beinahe den Teddy platt gemacht hätte.


    „Die Beweisstücke können jetzt ins Labor gebracht werden“, sagte er und übergab eine Reihe von transparenten Kunstoffbeuteln einem anderen Polizisten. Boris versuchte zu erkennen, was der Inhalt der Beutel sein konnte. Irgendetwas Violettes konnte er im vordersten Beutel sehen. Leuchtend violett … regelrecht glänzend violett. Dann passierte mehreres gleichzeitig: Dem Polizisten rutschte ein Beutel aus der Hand und fiel zu Boden. Während Boris die Erkenntnis kam, dass es sich bei dem violetten Objekt in dem vorderen Beutel, den er bisher sehen konnte, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nur um eine Lycraleggings handeln konnte, platzte der heruntergefallene Beutel auf und spie einen Turnschuh aus. Silvias Turnschuh.


    Fortsetzung folgt ...

  • irgendwie bestätigt mich das Kapitel in meinem Bauchgefühl weiter. Sehr anschaulich beschrieben.


    Der Graf : Warum ? Steine kann man doch schmeißen in Bonn....vielleicht kommt genug zusammen für en neues Stadthaus ...oder die Beethovenhalle ....oder ein neues Schwimmbad .... Aber faule Tomaten wären angebrachter für die "LärmMotzkis" und Rebellen ....

  • .... jetzt auch noch Nietzsche. Kann es sein, dass dein Studiengang Philosophie lautete? Oder etwas Artverwandtes?


    Wie dem auch sei, die Einleitung ist ziemlich passend. Erst die liebevollen Neckereien, so wie wir alle sie leiben. Der Anfang eines gemeinsamen Alltags.

    Und dann holt einen die grausame Wirklichkeit ein. Ich werde keine weiteren Mutmaßungen anstellen, hoffe aber, dass das alles irgendwie gut ausgeht (obwohl die Realität manchmal in ihrer Grausamkeit nicht zu überbieten ist und die Weichen für´s Leben neu stellt).

    Übrigens: Dein dramaturgischer Aufbau ist ebenfalls beneidenswert.

  • @ Lycwolf : Philosophie wars nicht, auch wenn mich das Thema durchaus interessiert. Bei mir war es so eine literaturwissenschaftlich-archäologische Kombination mit Skandinavistik, Germanistik und Vor- und Frühgeschichte. Ich hätte also mit Boris durchaus einige Kurse und Vorlesungen gemeinsam besucht, wenn es ihn zu meiner Zeit dort in "Echt" gegeben hätte.


    Das mit den Zitaten zum Beginn eines Kapitels habe ich mir zum Ende hin angewöhnt, weil ich es auch schon bei anderen Autoren interessant gefunden habe, wie manchmal ein Gefühl oder ein komplexer Zusammenhang von wenigen Zeilen treffend genau umrissen wird.

  • Epilog


    „Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ - Friedrich Nietsche, Jenseits von Gut und Böse, Aph. 146


    Die Wellen rollen mit monotoner Gleichförmigkeit an den Strand, irgendwo schreien ein paar Möwen, die das Rauschen des Meeres kurzzeitig übertönen. Der Wind weht kräftig, zerrt an meiner Kleidung, lässt sie flattern – zumindest mein Hemd, das ich trage. Die Radlerhose, die ich darunter trage lässt sich vom Wind nicht beeindrucken. Ich bin froh, dass es so windig ist, denn so fühlt sich die tropische Hitze nicht ganz so heftig an. Mit meinen nackten Füßen spiele ich im Sand, während meine Gedanken in die Ferne schweifen, über den Sinn oder Unsinn des Lebens nachgrübeln.


    „Silvia, pass auf!“, reißt mich ein Ruf zurück in die Wirklichkeit. Ich blicke mich um. Ein Mädchen von 5 Jahren läuft entlang der Wasserkante, springt jedes Mal mit einem kleinen Aufschrei zurück, wenn eine der Wellen bricht und einen Teppich aus Schaum über den Strand gießt. Sie blickt sich um und kommt dann genau auf mich zugelaufen.


    „Hier Papa, das habe ich gefunden“, sagt sie und reicht mir eine Muschelschale.


    „Die ist aber schön“, antworte ich und nehme das Stück entgegen, lege sie zu den rund zwei Dutzend weiteren Muscheln, die mir meine Tochter schon gebracht hat.


    „Silvia, wann hast du zuletzt etwas getrunken?“, fragt die Frau, die neben mir auf einem Handtuch sitzt.


    „Weiß nicht“, antwortet das Mädchen.


    „Komm, dann trink etwas. Wenn es so warm ist, müssen wir viel trinken.“ Sie reicht meiner Tochter eine Flasche. Dann befördert sie eine weitere Flasche aus ihrem Beutel und hält sie mir hin: „Hier, Boris, auch für dich.“


    „Danke, Schatz“, sage ich und nehme einige große Schlucke Wasser. Silvia ist derweil schon wieder los, auf der Suche nach ihrem nächsten großen Fund. Ich nehme meine Frau in den Arm und küsse ihr Haar, das so unwiderstehlich nach Kokos duftet. Meine Hand gleitet an ihrem Rücken hinab und streichelt ihren Badeanzug. Nicht den schwarzen, alten, den sie einst getragen hat, als wir uns noch nicht lange kannten und frisch verliebt waren, sondern einen ganz modernen, bunt gemusterten, mit Beinen, der mir in höchstem Maße gefällt. Besagter schwarzer Badeanzug hat seinen festen Platz übrigens in einem Müslikarton, wo wir beide ihn in Ehren aufbewahren und nur gelegentlich einmal hervorholen, wenn wir – naja, sagen wir mal, eine bestimmte Szene nachspielen, bei der dieser Anzug eine Rolle gespielt hat. Dieser Anzug, dieses Geschenk meiner Frau, war es auch, der mich vor vielen Jahren am Leben erhalten hat. Er war mein Rettungsanker, das Einzige, was mich davor bewahrt hat, verrückt zu werden, nachdem sich diese Tragödie abgespielt hatte.


    Die Frau, die ich mehr als alles andere auf der Welt geliebt hatte, mit der ich so viel gemeinsam gehabt hatte, die gleichen Vorlieben, die gleichen Gedanken, die eine Seelenverwandte war – sie ist vor acht Jahren am helllichten Tage vor ihrer Haustüre vergewaltigt und ermordet worden. Die Gerichtsmedizin hatte festgestellt, dass sie, als sie von einem starken Mann hinter die Mülltonnen gezerrt wurde, so unglücklich mit dem Kopf auf eine der Treppenstufen geschlagen ist, an dieser Verletzung im Laufe der nächsten Stunde gestorben ist. Während der Täter ihr die Kleidung, darunter ein Paar Turnschuhe und eine violette Leggings vom Leib gerissen hatte, wobei Letztere dabei zerfetzt worden war, wie ich später bei der Sichtung der Beweisstücke mit eigenen Augen sehen konnte, während er auf brutalste Weise in sie eindrang, sie würgte, schlug und trat, war sie nach Meinung der Ärzte bei Bewusstsein.


    Zunächst galt ich sogar als einer der Tatverdächtigen, doch schon bald konnte ich entlastet werden, da sich meine DNA nicht mit der Fremd-DNA deckte, die in meiner Freundin gefunden wurde. Ich gab der Polizei den Hinweis, dass sich eine bestimmte Person in der jüngeren Vergangenheit sehr progressiv um Silvias Gunst bemüht hatte. Tatsächlich konnte zwei Tage später der mutmaßliche Täter festgenommen und anschließend anhand der Spuren am Tatort überführt werden. Die Zeit bis zum Prozessbeginn durchlebe ich wie im Nebel, vegetierte vor mich hin, trank und wartete nur darauf, endlich miterleben zu dürfen, wie dieses Schwein seine gerechte Strafe erhielt. Ich wohnte teilweise den Verhandlungen vor Gericht bei und musste zu meiner großen Qual mit ansehen, wie der Anwalt des Beschuldigten geschickt verhandelte. Pierre, so hieß diese … Kreatur … die in meinen Augen nichts Menschliches an sich hatte, bekannte sich schuldig. Als wäre dies ein Deal, der bereits im Vorfeld mit der Staatsanwaltschaft abgesprochen war, wurde er jedoch nur der Vergewaltigung für schuldig befunden. Kein Mord, kein Totschlag. Ein bedauernswerter Unfall, so hieß es im Gutachten. Das Strafmaß wurde auf 7 Jahre und 11 Monate festgelegt, die bereits verbüßte Untersuchungshaft würde mit eingerechnet.


    Seit dem habe ich oft und lange darüber nachgedacht, ob diese Zeit eine angemessene Strafe dafür ist, einen Menschen auf die widerlichste Weise zu schänden und dessen Tod – ob nun gewollt oder nicht – herbeizuführen. Ein junges Leben zu beenden, Träume zu zerstören und andere Leben, so wie das meine, zur Hölle zu machen. Heute ist der Tag der Haftentlassung. Heute wird Pierre wieder in die Gesellschaft entlassen.


    Ich reiße mich aus meinen Gedanken hoch. Es ist Zeit zu gehen, morgen wird wieder ein anstrengender Arbeitstag. Ana, meine Frau, arbeitet zur Zeit an einem Projekt zur Erweiterung der Grünflächen im Stadtzentrum. Sie hat schon viel erreicht, eine ganze Reihe sozialer Projekte geht auf ihre Ideen zurück. Ich selbst bin als Deutschlehrer an einer Privatschule in hier in Fortaleza tätig. Mein Studium in Bonn hatte ich damals aus nachvollziehbaren Gründen abgebrochen, kam in psychologische Betreuung, um mit meinem Verlust fertig zu werden. Geholfen hat das nicht wirklich. Es waren ein paar Worte aus meiner Erinnerung, die mir wieder Kraft gaben: Du musst mir nur versprechen, es nicht gleich aufzumachen und nachzusehen. Du musst es aufmachen, wenn du mal alleine bist. Wenn du mal traurig bist und an mich denkst. Versprichst du mir das? Bitte?


    Ja, ich war traurig. Und ich war so alleine auf der Welt, wie man es nur sein konnte. Ich öffnete den Karton, fand darin den Badeanzug. Ich meldete mich bei Ana, weil ich mich einfach bei ihr bedanken musste und weil ich jemanden brauchte, mit dem ich reden konnte. Keinen von den Therapeuten, die nur ihren Job machten, sondern einen Freund. Jemand, der mich kannte und dem ich mich öffnen konnte, ohne mich dafür zu schämen. Zwei Tage später stand Ana vor meiner Tür. Sie war einfach gekommen, obwohl sie erst wenige Wochen im Unternehmen tätig war und sicher noch keinen Urlaubsanspruch hatte. Sie hatte später auch heftigen Ärger deswegen bekommen. Mich hat diese Geste jedoch sehr beeindruckt, dass sie, die kaum finanzielle Mittel besaß, sich ohne zu zögern in einen Flieger setzte und zu mir kam – zu dem Typ, der sie wegen einer anderen abserviert hatte. Rückblickend war das vielleicht der Grund, weswegen ich bereits damals schon am liebsten mit ihr zurückgeflogen wäre. Weg von diesem Ort, der von nun an mit den schlimmsten Erinnerungen für mich verknüpft sein würde.


    Ich wartete das halbe Jahr bis zu Ende des Prozesses, bis ich Deutschland den Rücken kehrte. Ich sehe heute noch Pierres hämisches Grinsen vor mir, als er nach der Urteilsverkündung aus dem Saal geführt wurde und mich direkt anblickte. Es war, als wolle er auch jetzt noch sagen, dass er zwar für eine Weile hinter Gitter ging, aber insgeheim doch über mich gesiegt hatte. Er hatte mir das genommen, was mir am liebsten war. Vor den Offiziellen gab er sich reumütig, bedauerte seine Tat und gelobte Besserung. Sein Blick jedoch verriet mir, dass all das nur gespielt war, dass er es genoss, mich leiden zu sehen. Weil er Silvia nicht haben konnte, hatte er sie mir weggenommen. Jede Nacht wache ich seit dem auf und sehe sein süffisantes Grinsen.


    Noch während der Verhandlung hatte ich beschlossen, mein Studium wieder aufzunehmen, diesmal allerdings nicht an der Uni Bonn, sondern über die Fernuni. Es war bereits geplant, dass ich, um den Kopf frei zu kriegen, eine Weile bei Ana leben durfte. Weit, weit weg von all dem, was mich an Silvia erinnerte. Ich flog am Tag darauf nach Brasilien und habe seit dem nie mehr einen Fuß auf deutschen Boden gesetzt. Meine Eltern haben mich hier besucht, eine Versicherung hatte die Flüge bezahlt, da ich offiziell als traumatisiert galt und daher finanzielle Unterstützung erhielt.


    Mein Studium habe ich vor drei Jahren mit sehr guten Noten abgeschlossen. Zudem spreche ich mittlerweile fließend Portugiesisch, was mich zu einer gefragten Person macht. Nebenher unterrichte ich auch ein paar Kinder privat, in deren elterlichen Anwesen. Die Familie ist reich, sehr reich. Man möchte dort nicht, dass die Kinder auf eine Schule gehen, weder auf eine öffentliche, noch auf eine private. Das bedeute ein zu hohes Risiko. Entführungen sind hierzulande an der Tagesordnung, besonders dann, wenn es sich um die Kinder bedeutender Leute handelt. Die Leute, deren Kinder ich unterrichte und in deren Haus ich ein- und ausgehe, sind auf ihre Weise ziemlich bedeutend. Sie gehören – ich denke, ich kann das an dieser Stelle erwähnen, da es ohnehin in der Stadt ein offenes Geheimnis ist – zur südamerikanischen Mafia. Sie verfügen über ungeahnte finanzielle Mittel, kontrollieren Politiker, die Polizei und wer weiß wen noch alles. Ich versuche, mich aus allem herauszuhalten, tue nur meinen Job, der mir viel Geld einbringt. Klar unterhalte ich mich gelegentlich mit ihnen. Besonders am Anfang haben sie viele Fragen gestellt, haben mich überwachen lassen – natürlich aus Vorsicht. Sie kennen meine Vergangenheit, wissen, was vor acht Jahren passiert ist. Ich habe nie von mir aus um etwas gebeten, nie eine Frage gestellt. Der Don hat nur von sich aus eine Geschichte erzählt, so ein Was-wäre-wenn-Szenario. Dann hat er mich fragend angesehen. Es war, als juckte mich plötzlich etwas am Kopf, eine Fliege vielleicht. Mag sein, dass er meine Kopfbewegung als Nicken gedeutet hat.


    Wir erreichen unser Haus, ein schönes Haus, nahe am Strand, umgeben von einer Mauer, die es vor unliebsamen Besuchern schützt. Ein großer Garten, wo Silvia spielen kann, ohne von jemanden belästigt zu werden. Ana geht mit ihr vor, während ich mich etwas zurückfallen lasse. Ich weiß, wenn ich später ins Haus komme, wird sie geduscht haben und ihren Badeanzug gegen ein Top und eine Leggings getauscht haben. Es hat eine Weile gedauert, doch – und das ganz, ohne dass ich sie dazu überredet hätte, hat sie die Bequemlichkeit dieser Hosen schätzen gelernt. Sie wird zwar niemals diese Freude dabei verspüren, Lycra zu tragen, so wie es bei mir oder meiner verstorbenen Ex-Freundin der Fall ist bzw. war, aber sie hat ihre Abscheu gegen diese Kleidungsstücke überwunden und nennt nun eine beachtliche Anzahl von Leggings, Radlern, Badeanzügen in verschiedensten Formen und sogar ein paar Ganzanzüge ihr Eigen. Ich denke, heute kann mich als glücklichen Menschen bezeichnen.


    Kaum sind Silvia und Ana im Haus verschwunden, tritt der Mann, der bis dahin in einem Fahrzeug auf der Straße gewartet hat, auf den Bordstein. Er gibt mir die Hand, legt mir einen Arm um die Schulter und bittet mich, ein paar Meter mit ihm zu gehen. Ich tue ihm den Gefallen. Er erzählt mir eine Geschichte. Sie handelt von einem Mann in Deutschland, der heute einen bedauerlichen Unfall hatte. Jetzt, so denke ich, kann ich dieses Kapitel endlich abhaken.

  • Vielen Dank. Es freut mich sehr, zu lesen, dass euch die Geschichte gefallen hat. Ich hatte auf jeden Fall Freude daran, sie zu schreiben, auch wenn es manchmal etwas schleppender voranging und mal ein paar Wochen Pause dazwischen waren. Ich musste mich manchmal aufraffen, weiter zu machen, und an anderen Tagen musste ich nach Stunden mich zum Aufhören zwingen, weil ich grade einen Lauf hatte, und ich sonst bis spät in die Nacht weitergeschrieben hätte. Ich schätze mal, mit allem drum und dran, von der Rohfassung bis zur letzen Korrektur habe ich im Schnitt 2-3 Stunden pro Kapitel benötigt. Für die ganze Geschichte habe ich sicher knapp 100 Stunden gebraucht, was aber eine sinnvolle Beschäftigung war, denn so habe ich ein Ergebnis vorzuweisen, was nicht der Fall wäre, wenn ich die gleiche Zeit ferngesehen oder am PC gespielt hätte. Vor etwas mehr als einem halben Jahr, eben inspiriert durch die da kurz bevor stehenden Karnevalstage, fing ich an zu schreiben. Ich hatte da noch nicht absehen können, wie lang die Story einmal werden würde. Ja, ursprünglich hatte ich gedacht, vieleicht nur ein paar Kapitel zu schreiben. Zum Beispiel wollte ich schon bald zum Ende kommen, als Boris sich mit Silvia in der Cafeteria der Mensa getroffen hat, und sich herausstellte, dass sie durchaus Interesse an ihm hatte. Ein Happy End ... aber zum Glück, wie ich jetzt behaupten möchte, habe ich mich dann doch mit immer mehr Details beschäftigt und die Dreiecksgeschichte immer komplizierter gestaltet.


    Vor etwa einem Monat, wo ich dann tatsächlich nach Ideen suchte, wie ich die Geschichte einmal enden lassen könnte (Pierre war da schon als "Störfaktor" eingeführt), hatte ich zunächst vorgehabt, zwei verschiedene Enden zu schreiben, und euch die Wahl zu lassen, welches ihr lesen wollt, ein Happy End, wo Pierre zwar handgreiflich wird, aber dann durch die Behörden aus dem Verkehr gezogen wird und Boris mit Silvia glücklich zusammen lebt. Und eben diese Fassung, wo es nicht so glimpflich ausgeht. Diese hatte ich dann zuerst geschrieben. Noch während ich das tat, wuchs in mir die Überzeugung, es dabei zu belassen. Wie Rim schon so treffend sagt, die Story soll nah am Leben, also nicht übertrieben oder unrealistisch sein. Und wenn es real wäre, dann hat leider niemand die Chance, die Zeit zurückzudrehen und einen anderen Ausgang einer Situation zu erleben. So war dieser Vorfall einmal passiert - und ich habe es dabei belassen.

  • Danke lieber Graf für deine wirklich klasse Geschichte vom Karneval mit Folgen. Aufregende letzte Kapitel. Daumen hoch!


    Man konnte gelegentlich eine vage Ahnung vom Fortgang der Geschichte haben, aber du hast ein geniales Katz-und-Maus-Spiel mit deinen Charakteren und auch mit uns Lesern getrieben. Soll heißen, deine Geschichte war in keiner Weise vorhersehbar. Und das ist gut so,

    Es war gut zu erkennen, dass ein Bösewicht die Dynamik einer Geschichte doch stark beflügelt und die Spannung erhöht.

    Und was ich auch in diesem Zusammenhang bemerkenswert finde, ist, dass ein Kratzen am Kopf dazu führt, dass in den letzten zwei Sätzen ein tragischer Unfall passiert und Gerechtigkeit wieder hergestellt wurde.

    Die Erinnerung an die "große" Silvia lebt in der "kleinen" weiter. Wie es wohl gedreht wurde, dass Ana mit der Namensgebung einverstanden war?


  • Furchtbar, ganz furchtbar!

    Die Ereignisse - nicht die Geschichte. Für dieses Ende wird man dir, wenn auch nur im Geiste, ein Denkmal errichten.

    Nein, direkt vorhersagbar war es nicht, wenngleich ein latenter Twist stets präsent war.

    Hammer! Danke.


    P.S. Falls ich irgendwann eine Geschichte veröffentlichen sollte, in der von einem "Rettungsanker-Kleidungsstück" die Rede ist - nicht sauer sein. Die entstand bereits letztes Jahr und wie ich schon sagte: Ähnliche Problemstellungen erfordern ähnliche Lösungen.

  • Danke nochmal. Keine Sorge Lycwolf, ich bin schon gespannt, welches Drama sich bei dir um ein Kleidungsstück abspielen wird.


    Ana ist ja ein herzenguter Mensch, der niemandem lange böse sein kann. Sie hatte nicht nur Mitleid mit Boris sondern war selbst erschüttert. Bei der Geburt des Mädchens war die "echte" Silvia bereits drei Jahre tot und Boris war mitlerweile fest mit Ana zusammen. Ich kann mir denken, dass sie ohne zu zögern der Namenswahl zugestimmt hat.


    Ich habe im Hinterkopf auch schon eine Idee, die ich vielleicht in eine Geschichte umsetzen werde. Aber wie schon gesagt, werde ich erst mal eine Auszeit nehmen und mehr die Geschichten der anderen lesen, das habe ich bisher ziemlich vernachlässigt.

  • Nu, sag doch nicht so was. Novemberrain hatte ich vor einiger Zeit schon mal angefangen, bin aber nicht bis zum Ende gekommen. Ich glaube ungefähr bis zu einer Szene in der Mitte, wo sie an ein Flussufer fahren und Steine springen lassen. Bis dahin hat mir die Geschichte gut gefallen, sie war halt auch ziemlich realistisch. Da werde ich auch als als erstes weiterlesen. Die neueren Storys von Lycwolf, Spuren im Schnee und Bis ans Ende der Welt habe ich als einzige direkt nach ihrem Erscheinen gelesen, die älteren kenne ich auch noch nicht. Damit werde ich dann nach Novemberrain fortfahren.


    Nereida III habe ich erst mal ans Ende meiner to-do-Liste gesetzt - ich hoffe, du bist nicht enttäuscht, Desi, aber das ist so ein Mammutprojekt, das auch noch ständig weiter wächst, und ich bin nun mal ein fauler Hund, der Herausforderungen gerne auf die lange Bank schiebt.

  • Der Graf

    Danke zuerst für deine Hintergrundinformationen zum Karneval mit Folgen. Sehr informativ.


    Die Auswahl an Geschichten ist hier ja groß genug. Lies das, was dir gefällt.

    Wenn du den "Hahn im Korb" lesen willst, lies vorher den "Voyeur in Erklärungsnot", das ist die Vorgeschichte.


    Wenn du dich vor den nunmehr 107 Kapiteln der Turnfee Nereida scheust, langt es auch, nur Kapitel 1 zu lesen, die Begegnung Ingo - Nereida. Es kann für sich stehen. So war es ursprünglich geplant. Möchtest du mehr über Ingo, die örtliche Turngruppe und den Einfluss von Nereida auf die anderen wissen, kannst du gerne weiterlesen.


    Danke für deine Geschichte mit Boris, Silvia und Ana :-)



  • Hallo Graf, danke für die tolle Geschichte. Auch wenn ich die beiden hier zum Schluss vorkommenden Formen von Gewalt verabscheue (deswegen gibts beim ersten Schlussteil auch kein "Gefällt mir", beim zweiten nur eingeschränkt). Ein heftiges Feuerwerk, das du hier abbrennst. Mir gefällt der "Perspektivwechsel" zum Schluss - Boris als "Ich". Und zum Glück war Anas Badeanzug noch zu was gut... Auf dieses Ende wäre ich bis zum Turnschuh nicht gekommen. Hätte immer noch sein können, dass die Leggings die Tatwaffe waren und ein P..... damit gefesselt und erwürgt wurde... Die Hoffnung stirbt zuletzt.


    Ich hoffe, der Anteil der autobiografischen Züge ist nicht allzu groß!

  • Hallo Toby, schön dass dir die Geschichte im Großen und Ganzen gefallen hat. Zu dem gewaltsamen Ende, das dir offensichtlich nicht so zugesagt hat, möchte ich an dieser Stelle noch gerne ein paar Worte sagen.

    Ich selbst bin ein zutiefst friedliebender Mensch, der Gewalttaten jedweder Art ablehnt. Auch wenn tatsächlich ein bisschen Autobiographisches mit in die Geschichte eingeflossen ist - ich habe in Bonn studiert, kannte eine kleine Brasilanerin (die aber charakterlich ganz anders war als Ana) - ist doch das allermeiste, die Namen, die Handlung als solche, komplett frei erfunden. In meinem Leben gab es zum Glück weder Übergriffe auf Freundinnen, noch Racheakte als Reaktion darauf.

    Nun ist es meiner Meinung nach so, das Literatur nicht bloßes Aneinanderreihen von Wörtern ist, die dann halbwegs einen Zusammenhang bilden, sondern unter anderem die Aufgabe besitzt, den Leser zu bewegen. Das kann auf verschiedene Weise geschehen, die sicherlich effektivste ist, die Emotionen anzusprechen. Ein Text, dem das nicht gelingt, ist schlichtweg langweilig, monoton wie ein Telefonbuch. Eine Geschichte ohne Höhen und Tiefen, oder eine, die nur in einer heilen Welt spielt, zählt ganz schnell zu dieser Gruppe. Daher war und ist es mein Anliegen, (eure) Emotionen zu wecken, seien es Freude, Angst, Zorn oder Abscheu.

    Ein weiterer Punkt, um eine Story interessant zu halten, ist der Aufbau von Spannung. Das gelingt oftmals auch dadurch, dass mit den Erwartungshaltungen (der Leser) gespielt wird. Mitunter ist auch ein Bruch mit der Erwartung genau das Mittel, welches der Geschichte neuen Schwung gibt.


    Mit dem gewaltreichen Ende habe ich insofern ein Ziel erreicht, dass nämlich darüber gesprochen wird. Es bleibt eher in Erinnerung, als ein seichtes und glückseeliges "... und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende". Die geschilderten Taten sind also keine Verherrlichung von Gewalt oder ein Ausdruck geheimer Fantasien, sondern ein schriftstellerisches Mittel, die Handlung zu prägen. Ich muss ehrlich gestehen, dass es mir alles andere als leicht gefallen ist, eine so faszinierende Person wie Silvia sterben zu lassen, und ich habe es versucht, so taktvoll wie möglich zu gestalten, ohne übertriebene bildreiche Schilderung der konkreten Handlung (á la: Die Kugel trat auf der Rückseite des Schädels wieder aus und das Gehirn des Opfers wurde an der Wand dahinter verspritzt ...).


    Jetzt mag sich der eine oder andere fragen, warum es denn solch eines dramatischen Aktes bedurfte, hätte nicht schon allein der Versuch eines Übergriffes gereicht, den Silvia überlebt hätte. Eine berechtigte Frage. Vielleicht ist es unsere Gesellschaft, die uns so weit abgestumpft hat, dass nur noch das Extremste grade gut genug ist, einen nennenswerten Eindruck zu hinterlassen. Wann immer ich den Fernseher einschalte, ob dann ein deutscher Krimi oder eine prämierte US-Serie wie Breaking bad, Game of thrones oder die Sopranos läuft - Gewalt in Form von Mord und Totschlag ist an der Tagesordnung. Im Grunde scheint es genau das, was die große Mehrheit sehen möchte.


    Wenn man den Blick auf die Literatur früherer Generationen wirft, fällt auf, dass es auch damals schon das vielleicht beliebteste Motiv war, über Gewalt, insbesondere über Rache zu schreiben. In den isländischen Sagas des Mittelalters war es üblich, eine Spirale der Gewalt zu beschreiben, die beispielsweise mit der Tötung eines Stallburschen begann und mit einer Fehde zweier lokaler Häuptlinge mit dutzenden von Toten endete. Was wären Werke des 19. Jahrhunderts wie Moby Dick oder der Graf von Monte Christo ohne die passionierte Rache?


    Ich habe jetzt mit Absicht sehr weit ausgeholt, weil ich hoffe, damit nachvollziebar zu machen, warum ich so geschrieben habe, wie ich geschrieben habe. Ich verwende Gewalt oder Kriminalität als Stilmittel, als Element einer fiktiven Handlung - nicht, weil sie mich per se begeistert und ich um ihrer selbst willen darüber schreibe. Es ist mir wichtig, das an dieser Stelle klarzustellen.