Lycrastoff der sich auflöst

  • Hattet ihr auch schon mal das Problem, dass sich ein Lycra Kleidungsstück von selbst aufgelöst hat? Bei mir war es meine erste Glanz-Radlerhose (heul), die ich Anfang der 90er von Ervy gekauft hatte.


    Bei dem Material handelte es sich um Dorlastan von Bayer. Ich hatte die Radlerhose zuletzt lange Zeit im Schrank liegen. Die Fasern sind mit den Jahren immer länger und dünner geworden, so dass die Radlerhose doppelt so lang wurde und an Form verloren hat. Ich hatte darauf bei Ebay mal eine ähnliche Radlerhose, auch von Ervy (und mit Dorlastan von Bayer) ersteigert, genau das selbe Problem. Irgendwie seltsam, ich habe andere Lycra Sachen mit Dorlastan, die das Problem nicht haben (aber nicht von Ervy sind).


    Die Radlerhose habe ich öfter mal gewaschen, an Schweiss sollte es nicht liegen, vielleicht an UV-Licht? Ich habe viele Lycra Sachen aus den 90ern, die noch genauso elastisch und stramm sitzen wie damals. Darum frage ich, ob es ähnliche Erfahrungen von euch gibt.

  • Da ich eine recht große Sammlung von Lycra habe, sind bei mir auch schon viele Stücke auf die oben beschriebenen Weisen im Laufe der Zeit kaputt gegangen, ohne dass es eigentlicher Verschleiß im Sinne von häufigem Gebrauch wäre. Irgendwann einmal etwas in einwandfreiem Zustand in den Schrank gelegt, ein Jahr später wieder mal hervorgeholt, angezogen und nach wenigen Minuten gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Die Fasern gingen nicht in ihre Form zurück, kleine Krümmel kamen aus dem Stoff, er wurde dünner, fast durchscheinend, sah ausgebeult aus - kurzum, das Teil war faktisch nicht mehr zu gebrauchen. Ich glaube, umgangssprachlich, zumindest hier im Forum, heißt das "Lycratod".

    Ich weiß jetzt leider nicht, von welchem Hersteller die Fasern stammten, was mir aber aufgefallen ist, dass besonders häufig Kleidungsstücke der Marke "Rodeo" von C&A aus den frühen 90ern darunter zu leiden hatten. Aber darüber hinaus passierte es auch bei Teilen von diversen anderen Marken und No-Name Herstellern, nur eben nicht so auffällig häufig.

    Ich versuche auch, die Kleidung bestmöglich zu pflegen, aber leider hat man zu einem gewissen Grad keinen Einfluss darauf, dass sich das Material irgendwann zersetzt. Das ist in der Tat sehr ärgerlich, denn auf diese Weise habe ich schon so manches schöne Teil verloren. Darunter einige Leggings in sehr auffälligem Design, zwar keine Unikate, aber doch so selten, dass ich außer dem einen Exemplar, das ich einst hatte, nirgends ein zweites gesehen habe.

  • Den "Lycratod" musste ich auch bereits bei etlichen Teilen betrauern. Ich kann mich an eine Glanzradler erinnern, die sich dann problemlos als Rock tragen ließ, in einem einzigen Bein 😉


    Problematisch waren bei einigen Leggings aber auch die eingenähten Gummis im Bund oder den Beinenden, die sich dann in etliche Knubbel zersetzt haben.


    Ein Rezept dagegen habe nicht wirklich gefunden, ausser dass ich viele Teile, die mich nicht zu 100% überzeugen Zeitnah wieder verkaufe. Ausserdem nutze ich ein spezielles Waschmittel für Sportkleidung und wasche eher selten. Wichtig gegen das Ausleiern ist zudem, dass die Lycra Kleidung liegend, fernab von Sonnenlicht und Heizquellen getrocknet und auch gelagert wird, da sonst die Fasern offenbar stark leiden. Dies alles ist sicherlich eine Möglichkeit um die Lebenszeit der Kleidung zu verlängern. Endlich ist sie dennoch.


    Doch es hat auch sein Gutes, schliesslich muss der Platz im Schrank auch irgendwie gefüllt werden 😉

  • Was mich daran am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass aufgrund dieser "Halbwertszeit" irgendwann einmal alle ausgefallenen Teile aus den 80er und 90er Jahren zerbröselt sein werden, und genau diese schrillen Muster gibt es seit dem leider nicht mehr, eben nur second hand, und da lässt das Angebot von Jahr zu Jahr nach. Und dann natürlich auch das Geld, das man investiert ... ähnlich wie bei einem guten Wein, den man sich auf Vorat zulegt, um dann nach ein paar Jahren mit Schrecken feststellen muss, dass viele der Flaschen schon sauer geworden sind.

  • Das dürfte an unserer Körperwärme liegen ....

    Die Wärme spielt sicherlich eine Rolle.


    In einem Urlaub habe ich da mal eine ganz extreme Erfahrung mit einer Adidas Badehose gemacht. Für den ersten Urlaubstag habe ich am Strand meist eine Badehose an ,bevor ich auf Badestrings umsteige - einfach um auszuloten, wo sich die Familien und Jugendcliquen ausloten, denen ich gerne aus dem Weg gehe. Bei besagter Badehose war es so, dass sie am Morgen noch ordentlich saß und mir nach dem 1. Gang aus dem Wasser regelrecht in den Kniekehlen hing...


    Mit Müh und Not habe ich noch den Platz erreicht und bin direkt auf den String umgestiegen 😉


    Im Nachhinein wundert das mich nicht, da sie in der Tat schon älter war. Auch wenn sie nie lange im Einsatz war lag, sie doch mal länger nass in der Tasche oder würde gar im Freien auf der Leine hängend in der Sonne getrocknet. Alles Dinge, die ich heute vermeide...

  • tja, den Lycra-Tod hatte ich auch schon mal - bei mir war es eine schwarze Radlerhose (von Lidl aus den späten 1990ern) die nach ein paar Jahren erst an einzelnen Stellen durchsichtig bzw. sehr dehnbar wurde und dann Faserbröckchen verlor... Interessanterweise hält die blaue (zeitgleich gekauft) noch immer...

    Aber viel häufiger lösen sich Nähte schon kurz nach dem Kauf auf - das ärgert mich mehr als dass ein Stück nach ein paar Jahren aufgibt....

    Ansonsten bin ich dazu übergegangen, keine Kleidung mehr mit diesen flächigen Aufbügelelementen (z.B. Reflexstreifen, Gummi-Großkatzen) oder Gummi-Prints zu kaufen, da sich das Zeug meist nach ein paar Wäschen oder Einsätzen ablöst oder brüchig wird. Zudem enthalten die Gummi-Prints teilweise Schadstoffe.

  • Da bleibt nur, der Kleidung die bestmögliche Pflege (also keine unnötige Aussetzung von Salzwaser, Clorwasser, Schweiß, Sonnenlicht, Heizkörpern, etc.) zukommen zu lassen und darauf zu hoffen, dass in naher Zukunft eine Lycraverbindung entwickelt wird, die dieses Manko des Auflösens nicht mehr hat. So wie sich die Leute vor 100 Jahren wohl kaum Lycrakleidung vorstellen konnten (die ersten Nylonstrumpfhosen in der ersten Hälfte des 20. Jahunderts haben ja einen regelrechten Skandal ausgelöst ...) können wir zum Glück nicht ahnen, was künftig noch alles strechbekleidungstechnisch erfunden werden wird.