BIS ANS ENDE DER WELT

  • Als Einstieg ins Wochenende, noch ein weiteres Lebenszeichen auf dem Weg zum Ende der Welt.

    Wer unter den Lesern glaubt noch an ein Wiedersehen?




    Es war später Vormittag als er am Tag darauf endlich die Playa Amela erreichte. Das heißt, er befand sich oberhalb der Bucht auf den malerischen, nichtsdestotrotz schroffen und abweisenden Felsen.


    Den Frust des gestrigen Tages hatte eine hervorragende Tapas-Platte im Verbund mit einigen Cervezas in einem Lokal in der Nähe seines Motels gedämpft. Sogar an seine Reinigungskraft hatte er gedacht, indem er Joanies bunt gemusterten Lycrabody und seine goldgelben Wetlook-Hotpants ausgewaschen und demonstrativ im Bad zum trocknen aufgehängt hatte. Mal sehen, ob sie das erneut aufheitern würde.


    Zu seiner Überraschung fand er tatsächlich heute Morgen ein Ersatzfahrzeug auf dem Parkplatz vor, dessen Schlüssel und Papiere ihm von der Rezeptionistin ausgehändigt wurden.

    Der Internet-Blog des Forschungsinstituts wusste immer noch nichts Neues zu berichten, was zugleich gut wie auch schlecht sein konnte.

    Für seinen Ausflug wählte er die "neuseeländische Strandkleidung", die sich jetzt im gesäuberten Zustand wieder herrlich einengend, zugleich aber auch befreiend anfühlte. Bei den vorherrschenden, kühleren Temperaturen erwies sich Lycra einmal mehr als perfekte Unterkleidung. Gerade jetzt, da eine steife Brise von der See herauf wehte, spielte seine unkonventionelle Thermowäsche ihre Trümpfe aus.


    Er ließ sein Auge schweifen und eine gewisse Resignation machte sich breit.

    Was wollte er hier? Was hatte er erwartet vorzufinden? Ein Boot in der Bucht mit einer großen Flagge auf der unter einer Strichzeichnung stand "Riccarda an Bord"?

    Stefans Zuneigung gegenüber seiner verlorenen Seelenverwandten machte ihn immer wieder Blind gegenüber rationalen Gedanken. Sie hatte ihn streckenmäßig einmal um den kompletten Erdball geführt, seine Urlaubskasse für die nächsten Jahre geplündert und ihm außer fortwährenden Niederlagen und Frustrationen keine Resultate beschert. Zumindest keine, die ihn seiner Angebeteten näher gebracht hätten.


    Er setzte seine Fahrt fort. Die schmale Straße wand sich in Serpentinen hinab auf Küstenniveau. Dort musste er auf den im Blog erwähnten Ort Castrominan stoßen. Dieser entpuppte sich lediglich ein kleines Dorf, das sich links und rechts der Landstraße entlang zog. Mit etwas Gewerbeansiedlung am Ortsausgang, aber keinen Hinweisen auf Meeresforschung oder entsprechenden Hochschuleinrichtungen.


    Stefan hatte die Ortschaft bereits hinter sich gelassen, als die Bremsen seines, nach einer Baleareninsel benannten Kleinwagens ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen mussten. Erschrocken über sein waghalsiges Manöver sah er sich um. Glücklicherweise war niemand hinter ihm. Das hätte einen lebensgefährlichen Auffahrunfall provozieren können.

    Aufgeregt und voller Adrenalin setzte er zurück, bis er wieder an der soeben passierten der Einmündung vorbei war und den improvisierten Wegweiser deutlicher lesen konnte.


    "Campo Oceanografico"


    Die beste Spur seit langem. Wenn es das nicht war, wusste er auch nicht weiter.

    Nach etwa einem Kilometer über die staubige Schotterpiste, stieß er auf eine Art Gehöft. Ein landwirtschaftliches Anwesen.

    In dessen ausladenden Innenhof parkten einige PKW mit lokalen oder sonstigen spanischen Kennzeichen. Vor einem renoviert wirkenden Flachbau stand ein Kleintransporter und Personen gingen ein und aus um diesen zu beladen.

    Stefan stellte sein Fahrzeug ab und ging auf die Menschen zu, die große Aluminiumkisten auf Rollen aus dem Gebäude schoben um sie in den Transporter zu verfrachten.


    "Por favor...", begann er ungelenk "Hablas Inglese?"


    Ein älterer Herr, würdevoll, das Abbild eines Universitätsprofessors trat ihn entgegen.


    "Ja, ich verstehe Englisch. Womit kann ich Ihnen helfen?"


    "Nun", suchte Stefan nach der richtigen Formulierung. "Ich suche nach einem Team von Meeresforschern, speziell nach Mitgliedern aus Deutschland. Vom Institut für Marine-Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven."


    Keine Ahnung ob sein Gegenüber etwas mit der Stadt Wilhelmshaven anfangen konnte, aber schließlich war das ja alles was er selbst wusste.

    Der Professor oder Leiter unterhielt sich kurz mit einem der Kistenträger auf spanisch.


    "Die meisten dieses Teams sind heute in aller Frühe aufgebrochen. Sie waren fertig vor Ort. Die Führungskräfte sind bereits gestern abgereist."


    Nicht schon wieder so kurz vor dem Ziel, dachte er.

    "Gracias", bedankte er sich niedergeschlagen und trottete mit gesenktem Blick davon.

    Wieder vor der Nase weg gefahren.

  • Rim

    Sind meine Absichten wieder so einfach nachzuvollziehen?

    Respekt, denn wenn du richtig liegst, bist du einer von wenigen die es ahnen.


    toby

    Natürlich muss es ein Wiedersehen geben. Mal sehen wann und wo.


    (Alle die die Spannung schier umbringt, können ja mal Rim über seine Vermutungen ausfragen. Aber an seiner Stelle würde ich eher Andere zum Nachforschen ermutigen)

  • lycwolf du enttäuscht mich (jedenfalls) nicht. Deine Geschichten zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie anders weitergehen, als die Leser glauben.


    So kurz vor dem Ziel, und dann das.

    Armer Stefan.

    Irgendwie ist er sehr auf Riccardo fixiert, sieht seine anderen Erfolge nur verschwommen.

    Zu seinen Erfolgen gehören zweifelsohne das Fischerehepaar Sela und Joanie, denen er sein Leben und Joanies Anzug verdankt.

    Gordon, mit dem er einen feuchtfröhlichen Abend verlebt.

    Der Spandex-Club New Zealand, die gastfreundlichen jungen Leute, die ihn willkommen heißen und ungefragt in ihrer Mitte aufnehmen.

    Mal sehen, was in Spanien noch passiert.


    ValCurasca

    Richtig, Der Wissenschaftler erzählte Stefan, dass die meisten Forscher abgereist sind. Riccardo muss ja nicht darunter sein...

    Vielleicht hat Stefan einfach nicht mehr den Mut gehabt zu fragen.

  • Hallo Gleichgesinnte,

    Ich habe ein paar Tage Urlaub und bin deshalb nicht so regelmäßig hier.

    Trotzdem möchte ich euch das abschließende Kapitel nicht vorenthalten.

    Mal sehen, wer mit seinen Vermutungen Recht hatte.

    Viel Vergnügen.






    Stefan lenkte seinen Mietwagen mehr mechanisch als sich dessen direkt bewusst zu sein zurück über die Landstraße, bis er wieder auf dem Oberland angekommen war. Auf dem Parkplatz eines der vielen Aussichtspunkte hielt er an und blickte über sein Lenkrad hinweg aufs Meer hinaus.

    Der Zeitpunkt war gekommen an dem er sich letztendlich eingestehen musste, dass seine gesamte Unternehmung gescheitert war.
    Zum ersten Mal seit Beginn seiner Reise arbeitete sein Verstand wieder klar und rational.
    Er lachte. Er musste so heftig lachen, dass es ihm sogar Tränen in die Augen trieb.
    Wie kindisch von ihm, wie ein verliebter Teenager seine Angebetete in der Fremde überraschen zu wollen. Übermorgen war die Acht Wochen Frist vorüber und er hätte nichts anderes tun müssen als einfach nur abzuwarten.
    Sein ganzes bisheriges Leben hatte er sich stets vernünftig verhalten, nur um sich jetzt derart lächerlich zu machen.

    Die beiden Touristen die vorbei kamen wunderten sich bestimmt über den Typen der in seinem Auto saß und lachte, als wäre er aus einem Gebäude mit weich gepolsterter Zimmereinrichtung geflohen.


    Was nun?, dachte er sobald die Krise überwunden war.
    Wenn die Teamleiter bereits gestern abgereist sind, war Riccarda mittlerweile zurück in Deutschland. Sein Zimmer dagegen war bis morgen bezahlt und warum sollte er nicht das Beste aus der verfahrenen Situation machen und sich wie ein Tourist verhalten. Sightseeing, lokale touristische Attraktionen. Irgendwas musste er dem unrühmlichen Ende seiner Reise ja noch abgewinnen.

    Jedem, der in seiner Freizeit dem Wandern frönte, war die Gegend hier zumindest vom Namen her nicht ganz unbekannt. Auch völlig unreligiöse Menschen wie er, kannten die Bedeutung von Santiago de Compostela und den Weg der Jakobspilger.
    Also lenkte er sein Gefährt nach Süden.

    Je näher er der Pilgerstadt kam, desto häufiger traf er auf Wandersleute entlang des Wegs. Selbst in den Wintermonaten schien eine magische Anziehungskraft von diesem Ort auszugehen.
    Natürlich besuchte er die Wallfahrtskirche, die trotz ihrer Opulenz auf ihn wirkte, als wäre sie aus einer eher ärmlichen Mexikanischen Kapelle entstanden und immer wieder erweitert worden.
    Was ihn jedoch zunehmend störte, sogar abschreckte, war die schamlose Kommerzialisierung. Das schonungslose Ausbeuten historischer Stätten.

    Nichts wie weg, dachte er sich.
    Beim Verlassen der Stadt erinnerte er sich an einen Artikel den er vor langer Zeit einmal gelesen hatte. Auch wenn Santiago der Wallfahrtsort war, endete der Jakobsweg keineswegs dort, sondern etwa 100 km westlich davon. Genau genommen am westlichsten Ort in dieser Gegend.

    Anderthalb Stunden später rollte er auf einen Parkplatz, der noch einige Minuten Fußweg von seinem Ziel entfernt lag. Es waren lediglich drei weitere Autos zu sehen, aber die schiere Größe des Areals deutete auf eine starke Frequentierung in den Sommermonaten hin.
    Seine Windjacke schützte ihn auf dem leicht ansteigenden Weg über magere Salzwiesen vor dem heftiger wehenden Böen. Wieder einmal wurde er sich der schützenden Wirkung seiner Lycra-Unterwäsche bewusst.
    Entlang des Pfades lieferten Infotafeln wissenswertes über den Ort.

    Cabo Finisterre - Das Kap am Ende der Welt.

    Hier endet nicht nur der der Pilgerweg, dessen Muschelsymbol sich durch halb Europa zieht. Vielmehr war dieser Ort im vierzehnten Jahrhundert der westlichste Punkt der damals bekannten Welt.
    Zumindest so lange bis ein Seefahrer aus Genua, gesponsert von der spanischen Krone, in diese Richtung schipperte weil er einen kürzeren Seeweg nach Indien zu finden hoffte.

    Auf einem mit Gras bewachsenen Plateau erinnerte ein steinernes christliches Kreuz, welches seit Jahrhunderten den Elementen trotzt, an die Bedeutung dieses Ortes.
    Hier war also buchstäblich das Ende der Welt.

    Der auf einem Steinhügel zu findende, in Bronze gegossene zerschlissene Wanderschuh der auf das Ende des Jakobswegs hinwies, war freilich neueren Datums.

    Es war schon spät am Nachmittag und die zu den anderen Fahrzeugen gehörenden Besucher kamen ihm bereits auf ihrem Rückweg entgegen. Der Wind frischte auf und wegen der tief hängenden Wolken war wohl kaum mit einen schönen Sonnenuntergang zu rechnen. Dennoch tauchte die Streuung der Wintersonne in der dunstigen Luft die Szenerie in ein weiches, angenehm diffuses Licht.

    Von diesem Plateau aus neigte sich die Grasfläche noch einige Meter bis zu einem Geländer hin, das Besucher davon abhielt den steil abfallenden Klippen zu nahe zu kommen.

    Ganz dort vorn stand eine Gestalt, deren Silhouette sich deutlich vom Hintergrund der endlosen Weite abhob. Ihre Konturen entlarvten sie unverkennbar als dem weiblichen Geschlecht zugehörig. Nicht übertrieben, aber dennoch ausgeprägt kurvige Attribute.
    Sie blickte offenbar tief in Gedanken aufs Meer hinaus. Ein rot gemustertes Tuch um ihren Hals flatterte im Wind. Und auf ihren Rücken hing ein, von einer Lederschnur am herunterfallen gehinderter grobschlächtiger Hut.

    Die ganze Szenerie kam ihm merkwürdig bekannt vor. Der Kniff in den Arm überzeugte Stefan umgehend schmerzhaft davon, dass es sich nicht wieder um einen seiner kruden Träume handelte.

    Er trat an sie heran und stellte sich still daneben. Näher als es die Etikette normalerweise zuließ, doch sie war so sehr in Gedanken, dass sie ihn gar nicht wahrnahm.

    "Ganz schön steife Briese, was?", fragte er deshalb nach einigen Minuten, den Blick selbst in die Ferne gerichtet. Er setzte alles daran standhaft zu bleiben, denn die Wiedersehensfreude drohte seine aufgesetzte Coolness vorzeitig aufzulösen.

    Die Frau neben ihm erschrak und sah ihn völlig entgeistert an.

    "Stefan?", fragte sie ungläubig. "Was ... wie....?"

    "Ich hatte Sehnsucht nach dir, da dachte ich mir...."

    Zu mehr kam er nicht, denn sie hielt ihn bereits umklammert und küsste ihn so heftig, dass er sich Sorgen um seine Schneidezähne machen musste. Ihr leidenschaftlicher Griff begann schon zu schmerzen.
    Mit lüsternem Blick glitt eine Hand unter dem Bund seines Windbreakers hindurch. Diese fand nervös ihren Weg unter Pullover und T-Shirt hindurch und kam erst auf seiner straff gespannten Lycrahülle zur Ruhe.
    Noch immer die unabhängige und selbständige, die ohne Rücksicht auf Konventionen immer das macht was sie will, dachte er sich während sie mit einem zufriedenen Seufzer ihren Kopf an seine Brust schmiegte.
    Als Riccarda schließlich wieder von ihm abließ, wollte sie etwas sagen, doch die Worte fanden einfach nicht ihren Weg vom Gehirn bis zum Sprechapparat.

    Statt dessen meldete Stefan sich wieder zu Wort, während er tief in ihre von Lachfältchen umsäumten Augen blickte. "Ich suche dich schon eine Weile hier in der Gegend und hatte mir für den Fall dich zu treffen sogar ein Wort auf Galicisch angelesen. Es heißt amote."

    Hierfür brauchte es keine Übersetzung. Erneut umklammerten sich die wieder vereinten liebenden und der kalte Seewind ließ die Feuchte in beider Augen unangenehm frieren.

    "Wie ... wie kommt´s ..., Stefan mit "f"?", stammelte seine lang verloren geglaubte.

    "Ich habe es ohne dich einfach nicht mehr ausgehalten", erklärte Stefan. "Dann bin ich dir nachgereist."

    Dabei zogen die Eindrücke seiner "Weltreise" in schneller Folge an seinem inneren Auge vorbei. Riccarda sah ihn mit tausend Fragen auf ihrem hübschen Gesicht an. Fragen darüber, wie er sie wohl gefunden hatte.

    Dann beugte er sich vor, legte seine Stirn zärtlich an die ihre und flüsterte: "Eine lange Geschichte. Ich werde dir ausführlich von meiner Odyssee berichten. Für den Moment nur soviel: Ich musste dir einfach folgen. Überall hin, bis hierher. Bis ans Ende der Welt."



    E N D E

  • lycwolf : ein schönes Ende (der Welt ;-) ). Ab dem "nichts wie weg hier" und dem Weg zum Parkplatz hatte ich dann schon irgendwie die Vorahnung, dass sie sich noch dort treffen würden...

    Schade, dass die Geschichte hier zu Ende ist - hätte gern noch länger gehen dürfen. Aber ich fürchte, dass der Spannungsbogen leider keine Fortsetzung hergibt... (ok, da wären noch Rückflug und wie es in der Heimat weitergeht... Könnten nicht die Meeresforscher etwas finden, um den Plastikmüll im Meer zu sammeln und daraus neue Lycra-Kleidung herzustellen?)

  • Vielen Dank, dass du uns auf diese Weltreise mitgenommen hast. Es war jederzeit ein Vergnügen, die Leiden des jungen Stefans zu lesen und mitzurätseln, wann oder ob er seine Angebetete Riccarda überhaupt trifft. Schönes und romantisches Ende, und, wie Desi schon sagte, gab es ja auch auf dem langen Weg viele schöne Erlebnisse, für die wir Stefan sogar ein wenig beneiden.


    Jetzt bin aber doch noch neugierig, welchen Ausgang Rim sich vorgestellt hat.

  • Für mich kam das Ende überraschend schnell - ich war eher der Meinung/Hoffnung, es gäbe noch weitere Schauplätze. Der Gipfel der Tragödie, den ich mir auch schon ausgemalt habe, wäre gewesen, dass Riccarda erst als Ablösung für die von hier abgezogene Leitung nach Galizien gereist wäre, während Stefan schon wieder auf dem Heimweg ist und keine Ferien mehr hat. Aber man muss eine Geschichte, auch eine noch so gute wie diese, ja nicht unendlich ausdehnen.

  • lycwolf  
    Meinen Respekt!
    Schöner Schluss, doch wie von ValCurasca bemerkt, schneller zu Ende als erwartet.


    Ich habe mich keinen Augenblick gelangweilt, du hast Stefans Geschichte sehr lebendig geschildert, und wir waren alle, wie der Graf schrieb, mit dabei auf dieser fabelhaften Reise bis ans Ende der Welt.
    Danke!

  • Zunächst mal ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen "Road Movie" über die letzten 8 Wochen mit Interesse verfolgt haben.
    Danke auch für die vielen wohlwollenden Kommentare.

    Generell muss man sagen, dass die Fortsetzung von "Spuren im Schnee" genau so, also in gänzlich anderer Art als der erste Teil geplant war. Wer will schon das Selbe zweimal lesen? Deswegen auch keine Beschreibung der Verlustierungen auf der Matratze. Dies war ja bereits in aller Ausführlichkeit Thema bei "Spuren im Schnee". Mit Absicht lässt "Bis ans Ende der Welt" viel Freiräume für die Phantasie des Lesers.

    Was das für den einen oder anderen "abrupte" Ende angeht:

    Ich selbst hatte das Gefühl, dass die Anreihung andauernder Misserfolge so langsam in die Richtung einfacher (um nicht zu sagen billigster) amerikanischer Serien abdriften könnte. Ich bin wirklich erstaunt darüber, dass ihr es noch länger ausgehalten hättet.
    Eine ganze Weile existierte für die Geschichte zumindest ein Epilog. Dieser sagte jedoch nichts anderes aus, als dass Riccarda und Stefan zusammen zu seiner Unterkunft fahren, sich in der Tapas-Bar stärken und im Motelzimmer verschwinden. Dort frischen sie ihre körperlichen Gelüste in Verbindung mit Lycrakleidung wieder auf. Wie gesagt, Thema mit Variation.

    Schon früh stand das Wiedersehen am Cabo Finisterre, dem Kap am Ende der Welt fest (schließlich kam daher der Titel). Ein wie ich finde, guter Zeitpunkt die Geschichte zu beenden. Eines jeden Phantasie kann von hier aus eigenständig weiter schweifen. Alles was ich danach noch schreiben könnte, würde zusätzliche "Enden" bedeuten, die den Schluss verwässern.

    Allerdings hätte ich euch vorher mal fragen sollen, denn Rim´s Ende wäre eine echte Option gewesen. Und dann noch Toby´s Idee mit dem Recycling des Plastikmülls der Weltmeere zu Kunstfasern wie Lycra. Das wäre echt super gewesen. Den Kreis zwischen aktueller Umweltproblematik, dem Beruf einer der Hauptpersonen und unser aller Lieblingsstoff zu schließen - Hammeridee! Hut ab, Toby!

    Doch so wie sie ist, bin ich mit der Story und ihrem Ende völlig zufrieden. (Das kann im Dezember bei der Überarbeitung für´s Buch schon wieder anders aussehen).
    Außerden habe ich schon wieder so viele Ideen für Neues, dass den limitierenden Faktor eher die Zeit und Lust zum Niederschreiben darstellen.



    Hier noch der Schluss des Epilog-Entwurfs, der gleich zwei zusätzliche Enden geliefert hätte:


    [... "Was ist denn das für ein Badeanzug?", fragte Riccarda neugierig als sie Joanies vielfarbiges Geschenk durch ihre Finger gleiten ließ.

    "Ein Geschenk von einer guten Freundin", antwortete Stefan im Bewusstsein, dass dies weitere Fragen aufwerfen würde.

    Doch seine endlich wiedergefundene blickte nachdenklich drein, als wolle sie fragen was das zu bedeuten hat. Ob er "eine Andere habe".

    "Nicht was du denkst, mein Lycra-Schatz. Sie ist glücklich verheiratet und lebt auf der anderen Seite des Globus."

    Noch nicht ganz zufrieden, aber beruhigt, schmiegte sie sich mit dem zirpen ihres Ganzanzugs an ihren Lycramann. "Wie kommt eine fremde Frau dazu dir einen Badeanzug zu schenken? Drüber hinaus in einem derart scharfen Design?"

    "Sie hat ihn ... nicht nur mir geschenkt. Aber das ist eine ... sehr lange Geschichte".

    "Unser Flug geht erst morgen Nachmittag. Wir haben also jede Menge Zeit", flüsterte sie Leise.


    Der "Do not Disturb"-Anhänger außen am Türknauf flatterte und von jenseits der Wand erklangen Laute, die nur auf gemeinsamen Spaß deuten konnten.
    Und ein enttäuschtes Zimmermädchen schob niedergeschlagen ihren ratternden Karren weiter den Gang hinunter. ]