Beiträge von Desi

    An euch treue Leser der Turnfee Nereida und ihren Freunden:


    Ich danke euch für eure netten Zusprüche und Kommentare.

    Natürlich habe auch ich meine Charaktere lieb gewonnen, mag sie ungern gehen lassen.


    Allerdings bin ich ausgebrannt, möchte mich ungern wiederholen und nicht ins Seichte abdriften.

    Irgendwie wird es schon weitergehen.


    Zu Kap. 110 und 111:

    Zuerst schrieb ich sie so, dass die Erde durch die R-Wi-i in einen Harmonieplaneten transferiert werden sollte.

    Dann dachte ich, dass das Unsinn ist, und ich erfand Ingos und Nereidas Denk-Gespräch,

    wo er den Lauf der Geschehnisse entscheidend beeinflusste.

    Auch trug dazu bei, dass alle drei - Sweliana, Beata und Nereida - Ingo mögen.


    Ein weiteres Gedankenspiel war, dass ich die ganze TuFiTa zum Schluss im Verschiebetanz verschwinden lassen wollte.

    Wohin, blieb ungeklärt. Nach Obertupfingen? Oder gar nach R-Wi, wo die letzten Ungläubigen (Ute, Silvia, Marion, Christina) vor vollendete Tatsachen gestellt worden wären.

    Es schien mir aber nicht angebracht. Sie sollten bodenständig sein.


    Zentraler Punkt in Kap. 111 ist der Appell an die Menschheit, sich zu bessern.

    Ist ein frommer Wunsch und undurchführbar, ich weiß, aber dafür ist es ja auch ein Märchen...


    Den Epilog hatte ich gleich mit in Kapitel 111 eingebaut. Wie es weitergeht oder weitergehen könnte.

    Vieles weiß ich selber nicht.

    Und so habe ich Swelianas Appell als einen würdigen Schluss aufgefasst.


    Ich habe übrigens keinen einzigen weiteren Satz verfasst.

    Nun ist erst, mal Pause.

    111

    Einhundertelf.

    Honderdelf.

    One hundred eleven.

    Satayksitoista.

    111 ist die er-iilu-ku, die Höchstbesondere Zahl auf R-Wi.

    111 R-Wi-Jahre. Solange lebt ein R-Wi-o, eine R-Wi-a höchstens.

    111 Folgen Die Galaktische Turnfee Nereida Drei.

    111 mal hat es mir Spaß gemacht zu schreiben.

    Nach 111 Folgen hört "Nereida" auf zu existieren.

    Diese Geschichte wird nach 111 Folgen zu einem Leuchtpunkt am Himmel...

    Etwas von mir folgt leise Nereida auf den Weg in die Ewigkeit.

    Freude als auch Traurigkeit bestimmen meine augenblicklichen Gefühle.


    Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht, meine kleine Geschichte zu lesen.

    Euer Desi


    :)  ;(

    Kap. 111: Die Antworten der R-Wi-a

    Nereida schwieg nun schon volle fünf Minuten.
    Immer noch tanzten wir voll beschwingt weiter. Niemand von der TuFiTa oder den Zuschauern bemerkte mein Unbehagen. Ich konnte keinen mehr gedanklich erreichen, auch nicht Nereida oder Beata.

    Da, unerwartet meldete sich Nereida auf einmal per Gedankenkommunikation wieder bei mir!

    Lieber Ingo, ich habe an Altidantsa Sweliana und Beata deine Einwände weiter gegeben. Wir haben darüber und über unseren Plan gesprochen.
    Beata hat deine Anmerkungen verstanden und sie hat Altidantsa und mir deine Befürchtungen erklärt. Denn sie hat die längste Erd-Erfahrung und weiß und versteht am besten, wie ihr Menschen "tickt". Das hat uns nachdenklich gemacht. So wollten wir nicht herüberkommen. Altidantsa und auch ich verstehen nun deine Sorgen und Ängste erst richtig. Entschuldige bitte vielmals!

    Hier nun unsere Antwort an dich: Wir R-Wi-i wollen euch Menschen nicht unterdrücken oder versklaven. Das können wir auch gar nicht, denn wir sind der Harmonie verpflichtet, auch anderen Zivilisationen gegenüber.

    Wir haben unseren Plan geändert, wollen der Menschheit nur ein Geschenk machen. Wir möchten hier in euch den Samen der Harmonie pflanzen. Was die Menschheit daraus macht, sei ihr überlassen. Euer freie Wille bleibt euch erhalten. Wenn der Samen der Harmonie aufgeht, wächst und leuchtet wie eine Sonnenblume, würden wir uns sehr freuen!
    Unsere Herkunft als R-Wi-i werden wir den Menschen im Stadion und an den Bildschirmen verschweigen, anders als ursprünglich geplant. Sie würden es sowieso nicht verstehen. Und wir ändern dir zuliebe den Namen des Tanzes in 'Ultimative Versöhnung'.


    Tonnenschwere Steine fielen von mir herab! Ich war erleichtert.
    Hunderttausend Dank liebe Nereida, liebe Beata und liebe Altidantsa Sweliana!

    Nereida drehte sich, strahlte in meine Richtung, und nickte.

    Altidantsa dachte an mich:
    Lieber Ingo, hier Altidantsa Sweliana, wir R-Wi-i haben gelernt, dass der freie Wille hier auf der Erde höher geachtet wird als wir glaubten. Es tut mir sehr leid, wenn du so großes Entsetzen durchleben musstest. So haben wir, die eigentlich für Harmonie sorgen wollten, bei dir eine große Unharmonie erzeugt. Kannst du mir verzeihen, Ingo?

    Es fällt mir nicht einfach, aber ich denke schon, liebe Altidantsa. Ich bin aber sehr erschrocken über eure Radikalität.

    Wie gesagt, es tut mir wirklich leid. Gut, dass du mit Scherata Nereida gesprochen hast. Du hast uns damit sehr geholfen, auf den für die Menschheit richtigen Weg zurück zu kommen.

    Altidantsa-ke-re-ama, ich erkenne, dass du nach den besten Absichten deiner Meinung nach handeln wolltest. Scherata Nereida hatte es mir bereits erklärt.


    Sie dachte: Oh wie süß, du nennst mich Ama, danke sehr! Ja, manchmal ist das, was man glaubt, was für den anderen gut ist, in Wahrheit das Gegenteil. Ich werde dich und alle anderen in ein paar Minuten wissen lassen, was ich sagen möchte. Bis gleich!

    Und Beata dachte an mich:
    Gern geschehen, dass wir dir helfen konnten. Und danke Ingo, dass du uns die Augen geöffnet hast. Nun lebe ich doch schon 24 Jahre auf der Erde und hätte das eigentlich wissen müssen. Ich war so Feuer und Flamme von Altidantsas Idee, dass ich mich dazu habe überreden lassen. Entschuldige bitte.

    Geht in Ordnung, Bea, ich danke dir, besonders für deinen Einfluss auf Altidantsa! Seit wann weißt du davon?

    Eigentlich schon sehr lange. Leo hatte von Altidantsa vor längerer Zeit den Auftrag bekommen, den UV-Tanz zu planen und durchzuführen. Er weihte mich und Nereida in das Vorhaben ein. Das war erst mal lose angedacht.

    Und ab wann ging es richtig los, Bea?

    Konkret wurde es an dem Tag, als du in Femkes heißem Turnanzug in die TuFiTa kamst. Leo hatte gute Kontakte zur Leitung der Gymnaestrada. Er hatte die Teilnahme ermöglicht. Und er war der Sportfunktionär, der Annika Bescheid gab. Später, als wir uns alle in Lisas Wohnzimmer trafen, hatten Nereida und ich per Gedanken von Sweliana Näheres zum Fest und zur Vorbereitung erfahren. Sie gebot uns, euch den UV-Tanz beizubringen, und euch gegenüber ihren Plan zu verschweigen.

    Nun verstehe ich das alles! Auch deine Euphorie, als du das von Annika erfuhrst.


    Ja, Ingo, ich war so Feuer und Flamme aus zwei Gründen. Einerseits, weil die Gymnaestrada ein ganz tolles Turnfest ist, wie du ja selber mitbekommen hast, und andererseits, weil Nereida, Leo und ich, weil wir endlich der Menschheit unsere Harmonie schenken würden.

    Du hattest ja alles probiert, uns von der TuFiTa die Gymnaestrada schmackhaft zu machen.

    Ja, das war mein Auftrag. Damit der Tanz der Ultimativen Vereinnahmung seine Wirkung entfaltet, müssen ihn mindestens zehn Leute tanzen, und sie müssen alle einen R-Wi-Turnanzug tragen. Nur Nereida, Leo, Altidantsa, Julia, meine Ama Dorisanda, Tallenna und ich wären zu wenige gewesen, wir wären nur sieben. Altidantsa und Leo sowie meine Ama und Tallenna tanzten ja nicht aktiv bei uns mit, also nur drei. Ich musste noch mehr von euch motivieren, damit es mindestens zehn werden.

    Bea, es haben ja alle mitgemacht, also Oksana, Femke, Silvia, Kerstin, Marion, Christina, Ute, Gunda, Lisa, Xenia, Arnold und ich. Das sind zwölf dazu!

    Oh ja, wir sind fünfzehn! Jeder weitere Teilnehmer jenseits der Zehn sorgt für eine weitere Verstärkung der Wirkung des UV-Tanzes.

    Die Energie habe ich gemerkt! Aber ich konnte nicht mehr die Gedankenkommunikation zu Lisa und den anderen Erdenbewohnern anwenden.


    Die haben wir für den UV-Tanz in der Tat eingeschränkt, damit der Tanz aufrecht erhalten blieb. Aber wenn es dich beruhigt, wir haben die Einschränkung wieder aufgehoben.
    Ich bekomme übrigens gerade von Nereida die Nachricht, dass sie euch über den weiteren Ablauf informieren wird. Viel Spaß!

    Beata grinste mir kurz zu und wandte sich weiter zum Tanz. Auch wir waren genau wie Bea die ganze Zeit am Tanzen.

    Nereida dachte daraufhin an uns:
    Wir schicken nun unsere Botschaft an euch alle. Altidantsa wird gleich vom Regieraum zu uns herunter kommen und sie verlesen. Und ich werde die Botschaft über diese Welt denken, als zweiten Kanal sozusagen. Es gibt übrigens viele telepathisch begabte Menschen auf der Erde! Sie wie auch ihr könnt meine Botschaft empfangen, ihr könnt sie mithören.

    Ich war sehr froh. Hatte ich doch mit meinem Einfluss auf Nereida die Welt gerettet!

    Lisa! dachte ich.

    Unverzüglich kam die Antwort: Ja, Ingo?

    Ich bin so froh, dich zu hören, Lisa. Ich liebe dich.

    Die Gedankenkommunikation funktionierte also wieder, dem Himmel bzw. Beata und den R-Wi-i sei Dank, dachte ich.
    Lisa grinste mir zu.

    Oh du bist süß, Schatz. Ich liebe dich auch!
    Ingo, das war eben so klasse, dieser UV-Tanz, ich habe ihn richtig genossen. Du auch? Denn er war jetzt viel intensiver als bei den Proben.


    Sie hatte ja von meinem Disput mit Nereida, ja von der ganzen gefährlichen Situation überhaupt nichts mitbekommen. Ich hatte aber auch keine Lust, mein Unbehagen jetzt erklären zu müssen, also dachte ich:
    Ich fand ihn auch schön, Lisa. Wir waren alle eifrig bei der Sache.

    Ich bin ja ganz vorne im V gewesen, konnte euch immer nur kurz bei der Drehung sehen. Da wart ihr alle im Gleichklang. Nur einmal meinte ich, dass Nereida aus dem Takt geriet. Was war ich erstaunt, dass es Nereida passierte! Ausgerechnet ihr! Ich dachte eher, mir würde so was geschehen.

    Dass ich es war, der die Turnfee kurzfristig verstört hatte, ahnte Lisa nicht. Brauchte sie auch nicht wissen.
    Ja, ich habe es auch gesehen. Sie war wohl aufgeregt.

    Das war es wohl. Und nun spricht Tante Svea zu uns, habe ich gehört?

    Ja, sie wird vor allen eine Rede halten.


    Mittlerweile hatten mehr Leute ihren Fernseher eingeschaltet als zu den besten 'Wetten, dass..?'-Zeiten. Alle freuten sich an der schönen, geheimnisvollen, mysteriösen Aufführung der TuFiTa, waren voll davon vereinnahmt. Auch guckten eine große Anzahl Leute sich den Stream in Internet an. Viele begannen vor den Fernsehgeräten, Monitoren und Mobil-Geräten zu tanzen.

    Ich sah, wie Helfer flugs das Podium von der Eröffnungsrede neben unserem Tanzbereich aufstellten. Kameraleute nahmen dort in der Nähe Position ein. Ein Ständer mit Mikrofon wurde auf dem Podium aufgestellt.

    Nereida und Bea gingen ein paar Meter vor, drehten sich um. Wir schauten gespannt auf die zwei, weiterhin tänzelnd.
    Bea lobte uns alle ganz herzlich in Kurzform für unseren Einsatz, und gab eine Anweisung, nur für uns zu hören.
    Sie rief laut: "Alles klar?!?"

    Wir streckten die Arme nach oben, schrien so laut wir konnten: "TuFiTa!"

    "Vielen Dank an die TuFiTa vom TSV Obertupfingen!" war Swelianas Stimme über Lautsprecher zu hören.

    Alles applaudierte kräftig. Wir verneigten uns zu beiden Seiten.

    Nereida sprach darauf zu uns: "Bildet alle einen großen Halbkreis um das Podium und tänzelt dort munter weiter. Schaut zum Podium, von dort wird Sweliana gleich zu uns allen sprechen."

    Altidantsa Sweliana verließ entspannt den Regieraum, stieg herunter zum Rasen und schritt würdevoll wie eine etwas angejahrte Königin auf den Platz, wo wir den Halbkreis bildeten und tänzelten.

    Was sie von einer irdischen Monarchin unterschied: Sie war so wie wir von der TuFiTa gekleidet. Die Pailletten an ihrem schwarzen Turnanzug Nereida-III funkelten, ihre rote Leggings glitzerte im Sonnenlicht. Ihre langen roten Haare hatte sie mit einer goldenen Haarspange so fixiert, dass sie nach hinten fielen. Auch trug sie ihr Amulett an ihrer Halskette.
    Applaus setzte ein.

    Als sie das Stadionrund erreichte, gesellten sich Dorisanda und Tallenna zu ihr, gingen einen halben Meter seitlich von ihr mit.

    Sie betrat langsam das Podium, grüßte erhaben, aber freundlich das Publikum und uns, und begann leicht zu tänzeln. Dorisanda und Tallenna blieben links und rechts vom Podium stehen, tänzelten ebenfalls.

    Auf der Leinwand sah man die drei R-Wi-a und ihr fröhliches Tänzeln, in voller Körpergröße.
    Ihre Turnanzüge und Leggings anzusehen war eine Freude, was für ein Glanz!

    Nun zeigten die beiden großen Leinwände Sweliana in Nahaufnahme.
    Altidantsa lächelte in die Kameras, ihr bezaubernder Charme betörte alle, die sie sahen.

    Die Zuschauer applaudierten weiterhin.

    Sie hob für ein paar Sekunden grazil einen ihrer Arme; wie eine Turnerin, die bereit zu ihrer Übung ist. Der Applaus ebbte ab.

    Altidantsa bereitete sich leicht tänzelnd auf ihre Ansprache für das Stadionpublikum sowie für die Fernseh- und Internetzuschauer vor, während wir locker auf der Stelle tänzelten.

    Die Oberste Bewahrerin der Harmonie strahlte, hub an zu sprechen. Friedvoll, sanft und klar klang ihre Stimme. Die Menge verstummte.

    Altidantsa ließ immer eine kleine Pause nach jedem Satz, in der Nereida ihre Botschaft an alle telepathisch begabten Menschen dachte, die bereit waren, ihre Botschaft zu empfangen und umzusetzen.



    Und dies waren Altidantsas und Nereidas Worte und Gedanken, gerichtet an die Erdenbewohner:

    "Erneut spricht zu euch Sweliana Ellbrede.

    Mein herzlicher Dank geht an alle Gruppen, die heute hier auftraten. Ihr wart einsame Spitze!

    Ich hoffe, dass es Ihnen und euch Zuschauern hier wie an den Bildschirmen ebenso gefallen hat!"

    Großer Jubel war die Folge.
    Nachdem er abgeklungen war, fuhr Altidantsa fort:

    "Verzeiht mir, wenn ich euch jetzt duze, aber es ist mir ein wichtiges Anliegen, nun zu euch persönlich zu kommen und zu euch als gute Freundin oder Tante Svea zu sprechen. Das, was eine distanziert stehende Frau Sweliana Ellbrede leider nicht kann.

    Lasst mich nun zu euch als eure Turn- oder Tanzschwester Svea sprechen."

    Wir applaudierten, Xenia rief vorlaut: "Ja, ja, ke-re-ama Svea!"

    Xenias Zwischenruf wurde nicht von den Mikrofonen aufgefangen, nur wir TuFiTas hörten es. Und Altidantsa.
    Svea lächelte ihre Nichte an, wandte sich dann wieder uns zu.

    "Ich komme zu euch mit einer Mut machenden Botschaft für euch alle.

    Heute ist der Tag, wo wir hier die Tanzfreude von Dornbirn aus zu euch bringen.

    Lasst uns hier die Quelle, der Impuls, der Anstoß für eure Lust am Tanzen und Turnen sein.

    Tanzt, turnt zuhause oder unterwegs, egal wo ihr seid.

    Ladet Freunde, Familienmitglieder, Bekannte, Kollegen ein, mitzumachen. Hier. Jetzt. Sofort.

    Alle Gruppen hier in Dornbirn haben es euch vorgemacht, vorgelebt, vorgeturnt, vorgetanzt.

    Tanzen und turnen befreit.

    Tanzen und turnen macht euch froh.

    Tanzen und turnen fördert eure Gesundheit.

    Tanzt mit uns zusammen diesen Tanz.

    Kommt in die Harmonie.

    Vergesst euren Streit untereinander, tanzt ihn weg.

    Vergesst euren Egoismus, eure Lieblosigkeit, tanzt sie weg.

    Vergesst die Eile, die Ungeduld, das Durchs-Leben-Hetzen. Ersetzt sie durch gesunde Anstrengung, den Tanz.

    Vergesst Ideologien, Dogmen. Die lähmen euch bloß und machen euch unfrei, tanzt sie weg.

    Vergesst die falschen Götter, sie sind nur Papiermonster und können nichts bewirken. Tanzt sie weg.

    Vergesst die Gier nach Macht und Geld. Sie schafft insgesamt nur unermessliches Leid. Tanzt sie weg. Investiert besser in Freundschaften, sie sind dutzendmal mehr wert.

    Vergesst die Unterdrückung und Verfolgung anderer, nehmt die Unterdrückten und Verfolgten als eure Freunde an und tanzt mit ihnen.

    Vergesst den Hass. Nehmt eure Mitmenschen in Liebe an. Tanzt mit ihnen.

    Bringt die Liebe in eure Herzen. Tanzt sie dahin.

    Seid zuvorkommend, hilfsbereit.

    Und tanzt und turnt.

    Euer Streben sei von nun an das Streben nach Harmonie. Seid nicht mutlos, wenn es nicht sofort klappt.

    Der Tanz hilft euch dabei.

    Tanzt. Turnt. Ihr seid nicht allein. Alle machen mit.

    Wollt ihr mit anderen turnen und tanzen, wendet euch vertrauensvoll an den Turnverein oder die Tanzschule in eurer Nähe. Gibt es keine, dann gründet selber eine Tanzgruppe.

    Tanzen heißt Leben. Tanzen ist Leben. Wer tanzt, lebt.

    Zieht euch schöne und bequeme Turnkleidung an, zum Beispiel Leggings und Turnanzüge so wie wir. Und tanzt, turnt, befreit von Ballast, beschwingt, locker und voller Lebensfreude.

    So wie wir hier auf dem Rasen von Dornbirn tanzen, so sollt ihr das auch hier, daheim oder unterwegs tun, allein oder in Gemeinschaft.

    So wie die Elektronen stetig um die Atomkerne tanzen, so wie die Luftmoleküle ständig um uns herum tanzen, so wie die Planeten beharrlich um die Sonne tanzen, so wie die ganze Milchstraße in Bewegung ist, so sollt ihr das auch machen. Das ganze Weltall tanzt mit uns, mit euch. Freut euch, wir sind alle in Bewegung. Alle. Und sollte es Außerirdische geben, können sie nur tanzende Wesen sein. Sie tanzen mit euch. Und wir hier tanzen für euch, mit euch! Bleibt in der Bewegung, turnt und tanzt.

    Und auch wenn auf diesem Rasen einmal wieder Ruhe eingekehrt sein wird, soll euch der Geist der Gymnaestrada weiterhin aktiv begleiten, zur Bewegung ermuntern und das Tanzen und das Turnen euch froh machen.

    Alles Gute für euch. Wir sehen uns wieder bei der nächsten Gymnaestrada! Bis dahin bleibt beim Turnen und im Tanz!
    Eure Schwester Svea im Tanz und im Turnen verabschiedet sich von euch mit einem herzlichen Servus, Tschüss, Ciao, Goodbye, Hauduh und auf Wiedersehen."

    Ein donnernder Applaus setzte ein.

    Wir positionierten uns neu und begannen voller Energie den Tanz der Ultimativen Vereinnahmung, pardon, Ultimativen Versöhnung.

    Tallenna wiederholte nochmal Sveas komplette Rede in Gedanken an die Erdenbewohner. Sie hatte eine ausgezeichnete Fähigkeit, lange Texte zu behalten, sich zu merken, zu speichern und bei Bedarf wiederzugeben. Und gleichzeitig auch noch zu tanzen.

    Altidantsa holte Dorisanda und Tallenna nun mit auf das breite Podium. Alle drei tanzten so begeistert wie wir von der TuFiTa.

    Die Kameras zeigten die TuFiTa aus verschiedenen Blickwinkeln, in unterschiedlichen Einstellungsgrößen. Immer wieder jedoch wurden die beiden galaktischen Schwestern gezeigt, oft in Nahaufnahme. Ihr mitreißender Tanz und ihr einnehmender Blick ging um die Welt. Auch der Tanz der Obersten Bewahrerin der Harmonie und ihrer beiden Mittänzerinnen war oft zu sehen.

    Die Menschen vor den Bildschirmen hielten inne mit ihrem täglichen negativen Aktivitäten und begannen zu tanzen.
    Und dadurch, dass Sweliana, siebzigjährig, und die annähernd gleichaltrigen beiden R-Wi-a beim Tanzen zu sehen war, hatte es auch Auswirkungen auf die älteren Mitbürger. Mit Sweliana als Vorbild begannen die nun auch zu tänzeln.
    So wie zum Beispiel Beatas und Nereidas irdische Eltern Brigitta und Hans. Die waren unheimlich stolz auf ihre Töchter. Sie ahnten allerdings nicht, dass Nereidas und Beas echte Mutter neben Sweliana tanzte.

    Lisas Mutter, Tante und Kusine - Regina, Dagmar und Yvonne - tänzelten ebenso mit. Regina war voll begeistert von ihren Kindern Lisa, Xenia und Arnold auf dem Platz.
    Als sie jedoch den Vater ihrer Kinder, Leo, erspähte, welcher im Hintergrund begeistert mittanzte, wurde ihr traurig zumute und sie dachte an die einst von ihr geforderte Freiheit und Ungebundenheit in Form der Trennung, die ihr nun auf einmal nichts mehr wert erschien. Sie sehnte sich zurück nach Leo...

    Gundas Mutter Hedwig und Ingos Mutter Vera tänzelten gemeinsam auch mit und freuten sich an ihren Kindern.

    Gisela, Sigrid und Gaby tänzelten ebenfalls gut gelaunt. Sie waren alle in Ornellas Restaurant, wo die Wirtin ein paar Bildschirme aufgestellt hatte. Ornella hatte eine Tanzfläche freigeräumt, auf der einige Gäste am Tanzen waren. Sie selbst machte gelegentlich auch mit.

    Xenia hatte ihrem Bernd frühzeitig Bescheid gegeben, er feuerte von zuhause am Fernseher seine kleine Tanzmaus Xenia sowie Ingo und die anderen TuFiTas an. Nach getaner Anstreicharbeit tanzten mit ihm Sandra und Fiona; und sogar Torsten riss es vom Hocker.

    Julias Eltern und ihr älterer Bruder tanzten voll angetan mit. Es gab keine Misstöne mehr.

    Sergej, Natascha, Irina und ein paar weitere Tänzerinnen des Großtupfingener Balletts, die gemeinsam in Sergejs großem Wohnzimmer den Auftritt der TuFiTa im Fernsehen verfolgten, sahen ihre Kolleginnen Oksana und Nereida tanzen, sprangen auf und leichtfüßig tanzten sie mit.

    Ein paar Straßen weiter verfolgte Laura die Ladenbesitzerin mit großem Interesse den Tanz der TuFiTa, machte gut gelaunt mit.

    Nereida hatte sie eine Woche vorher auf die Live-Übertragung hingewiesen und sie in ihrer unnachahmlich bezaubernden Überredungskunst gebeten, ein paar mehr Nereida-III-Turnanzüge zu ordern.

    Gesche, Elke und Katrina verfolgten den Tanz ihrer Kollegin Xenia mit großer Begeisterung.

    Egon sah seine Ute tanzen und tanzte leidenschaftlich vor dem Fernseher mit. Auch die anderen Angehörigen der TuFiTa erhoben sich von ihren Sofas, um zu tanzen.

    Annika und andere Mitglieder im Vereinsheim vom TSV Obertupfingen waren ebenfalls total angetan. Darunter die Mädchen von Beas Leistungsturnriege, die über die Leistung ihrer Trainerin verblüfft waren und begeistert mittanzten.

    Die kleine Ballettschülerin Nina und ihre Tanzfreundin Jasmin waren auch hellauf begeistert vom Tanz ihrer Turnfee Nereida. Sie waren kaum zu bremsen. Auch ihre Eltern hielt es nicht auf den Sitzen.

    Gundas frühere Freundinnen Vanessa, Wilma und Zilli waren total baff, als sie ihre einst träge, launische und faule Freundin Gunda so leichtfüßig und frohgemut tanzen sahen, und machten mit.

    Viele weitere Menschen, unter anderem sogar Oksanas Vermieter Herr Krause taten es ihnen nach.

    Leo und Dorisanda übertrugen Altidantsas Rede und das Geschehen auf dem Sportplatz von Dornbirn laufend per Gedanken nach R-Wi.

    Dort freute sich Moritselekto über seine Töchter, wie auch Perenda, Kollato, Ursibo, Lorinda, Rosalanja und Daliana über Beata, Nereida und ihre irdischen Freunde.

    Der UV-Tanz war auf R-Wi in aller Munde, ein Großteil der R-Wi-i wurden somit Gedankenzeuge der Geschehnisse von Dornbirn!

    Auf der Erde begann allmählich ein Umdenken im Umgang mit den Mitmenschen. Swelianas und Nereidas Worte hallten in der Gesellschaft nach, in den sozialen Medien und per Mundpropaganda, die Ultimative Vereinnahmung begann zu wirken.

    Jedesmal, wenn sich jemand ein Video davon auf den gängigen Internetplattformen ansah, begann der Tanz von neuem, die eindrückliche Botschaft, die Tanzfreude der R-Wi-i verbreitete sich weiter.

    Auch wunderten sich etliche Leute darüber, dass dort in Dornbirn zwei Männer in langärmeligen Turnanzügen und Leggings zusammen mit den gleich gekleideten Frauen tanzten. Zumindest die, die aus ihrer Schulzeit noch Turnanzüge gekannt haben. Beatas und Nereidas Impulse führten jedoch dazu, dass auch die Zweifler sich dem öffneten.

    Tanzschulen erfuhren einen neuen Schub, viele wollten den Tanz der galaktischen Schwestern lernen, Sport- und Turnvereine bekamen ebenfalls regen Zulauf.
    Eine nie vorher dagewesene Nachfrage nach Leggings und Turnanzügen überschwemmte die Anbieter und Hersteller von Turn-, Tanz- und Sportmode, wie auch Laura, die auf Nereida gehört und genügend Turnanzüge vorab bestellt und geliefert bekommen hatte. Xenia musste ebenso Extraschichten einlegen.

    Denn viele wollten natürlich eine rote Leggings und den Turnanzug haben, den Nereida auf die Erde brachte.

    Mit dem vor einigen Monaten alles begann: Der Nereida-III.


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    Die galaktische Turnfee Nereida Drei und ihre Schwester Tinaxana Beata strahlten. Sie stellten sich auf das Podest zu Altidantsa, Tallenna und Dorisanda; alle winkten.

    Nereida trat einen Schritt vor, die Strasssteinchen ihres Turnanzuges funkelten im Sonnenlicht.

    Ihr Bild mit ihrem bezaubernden Lächeln ging um die Welt und erwärmte jeden.

    Ihre Mission, die Ultimative Vereinnahmung auf der Erde durchzuführen, nahm zwar einen anderen Ausgang wegen Ingos Intervention,

    war aber zur Zufriedenheit aller erfolgreich abgeschlossen.

    Fröhlich rief die galaktische Turnfee uns allen zu:
    "Bleibt beim Turnen und Tanzen!
    Eure Nereida Drei."

    Vielen Dank an euch alle!

    Zuerst ein paar Infos über diesen Abschnitt meiner Turnfeegeschichte.
    Die Dornbirn-Kapitel spukten schon sehr lange in meinem Kopf herum.
    Dass es ein überregionales Fest geben wird, wo die TuFiTa auftreten soll, stand schon im Januar 17 fest. Das war, kurz nachdem die Lycra Fan Community verschwand und kurz bevor unser jetziges Forum eröffnete.
    Zu der Zeit war ich mit dem Schreiben der Kapitel beim Turnfest in Obertupfingen fast fertig.

    Im Juli 17 entschied ich mich für die Gymnaestrada. Den Plan, die TuFiTa zur Abschlussfeier bei Olympia auftreten zu lassen, verwarf ich.
    Mitte November 17 begann ich mit dem Schreiben an den Dornbirn-Kapiteln. Da hatte ich gerade im Forum das Turnfest Obertupfingen Kap 51-54 veröffentlicht.

    In Dornbirn geht es jetzt zur Sache. Der Plan von den R-Wi-i wird offenbar. Und es ist mir ja sehr lange gelungen, ihren wahren Plan vor euch zu verbergen bis auf ein paar klitzekleine Andeutungen.

    Ingo denkt, nun sei alles vorbei.
    Oder etwa nicht?

    Die Antwort kommt im nächsten Kapitel, voraussichtlich am 9.9. abends.

    Kap. 110: Der UV-Tanz (2)


    Nereida fing sich aber wieder, blickte mich bei der nächsten Drehung verstört an und dachte:
    Ingo, ich bin sehr erschreckt von deiner Aussage! Wie kannst du so etwas vermuten? Du hast mich echt aus dem Rhythmus gebracht! Nie und nimmer beabsichtigen wir eine Unterdrückung oder gar Versklavung der Menschen.
    Im Gegenteil.
    Wir R-Wi-i haben großen Unfrieden, Hass, Lieblosigkeit, Machtmissbrauch und Gier auf der Erde festgestellt. Und wir wollen das alles nun hier mit unserer Harmonie ersetzen. Zu eurem Wohl.


    Ich entgegnete ihr:
    Eure Pläne der Ultimativen Vereinnahmung werden aber zu einer Diktatur eurer Harmonie über den Willen der Menschen führen. Ihr wollt den irdischen Machtmissbrauch beseitigen, und installiert gleichzeitig ein neues Machtsystem über die Menschheit. Ihr werdet uns Menschen damit unterwerfen.

    Sie blickte mich kurz an und antwortete:
    Wir unterwerfen euch nicht! Vereinnahmung heißt: Wir nehmen euch euren Unfrieden, Hass, Machtmissbrauch, eure Lieblosigkeit und Gier. Wir geben euch dafür unsere Harmonie. Das ist unser Plan.

    Davon war ich nicht überzeugt. Ich dachte an sie:
    Ich befürchte bloß, eure anscheinend gut gemeinte Ultimative Vereinnahmung wird sich letztendlich gegen die Menschheit richten. Denn der Weg zur Hölle ist sehr oft mit guten Vorsätzen gepflastert. Ich möchte keineswegs von euch ferngesteuert, vereinnahmt oder drastisch ausgedrückt, gleichgeschaltet werden. Ihr macht uns damit willenlos, unfrei. Ich bekomme Angst vor euch. Ich bitte euch inständig, lasst davon ab!

    Ich schaute Nereida flehentlich an. Sie bemerkte es, drehte sich aber kommentarlos von mir weg.

    Sie wusste auf meinen jüngsten Einwand nichts mehr zu sagen.

    Die Gedankenkommunikation war beendet, Nereida blieb still.

    Nereidas Schweigen ließ mich zutiefst an ihren Harmoniegerede zweifeln. Ihr Schweigen jetzt war noch schlimmer als das von Femke und der TuFiTa vor zweieinhalb Wochen. Das war also jetzt die wahre Nereida...
    Sie blieb weiterhin still, gedanklich.

    Äußerlich änderte sich nichts. Nereida und ihre Schwester tanzten genauso weiter. Wir tanzten wie gehabt und drehten uns gelegentlich um 60 Grad weiter. Die Energiestöße der R-Wi-i gingen auf die Menschheit nieder. Wir tanzten wie automatisch, fast wie Zombies, unfähig aufzuhören. Ich bekam eine Gänsehaut. War nun alles vorbei? Werden wir nun alle von den R-Wi-i zu zwangsharmonisierten willenlosen Robotern gemacht?
    Die anderen von der TuFiTa waren ebenso vereinnahmt wie die Zuschauer. Sie guckten entrückt, abgehoben, tanzten wie besessen. Ich muss sie warnen! Wir müssen das hier stoppen!

    Lisa! dachte ich mehrmals. Lisa! Oksana! Gunda! Julia! Xenia! ...

    Lisa hörte mich nicht. Oksana, Gunda, Julia, Xenia und die anderen hörten mich ebenfalls nicht. Die TuFiTa tanzte völlig losgelöst weiter, so wie ich selber auch. Haben die R-Wi-i uns die Fähigkeit zur Gedankenkommunikation wieder entzogen?

    Nereida hatte vorhin mir zu verstehen gegeben: 'Bea und ich werden tanzen, aber hallo, das verspreche ich dir, und wir werden euch alle mitreißen. Die Zuschauer UND euch.'
    Sie hatte ja sooo Recht.
    Was mich nur wunderte, dass ich noch vernünftig denken konnte und die anderen TuFiTas nicht...

    Nereidas und Beatas Kräfte waren nun komplett entfesselt. Es war niemand mehr hier, der sie aufhalten konnte.
    Nicht wir tanzten, nein, wir wurden von den R-Wi-i getanzt. Ich konnte nicht mehr aufhören zu tanzen.

    Bin ich der Letzte hier mit klarem Verstand?
    Hört mir niemand zu?!?
    Ich wollte die anderen rufen, aber meine Stimme versagte.
    Ich probierte, den anderen zuzuwinken.
    Ich suchte den Blickkontakt mit den anderen.
    Nichts klappte.

    Ich resignierte.
    Nun ist alles vorbei...

    Kap. 110: Der UV-Tanz (1)


    Aus Ingos Sicht.


    Der Vorhang öffnete sich, das Tageslicht drang hinein.

    Leonie in ihrem hochglänzenden Ganzanzug ging vorweg mit ihrer großen Tafel, wir hinterher. Eine La-Ola-Welle lief gerade rundherum im Stadion.

    Ein erhebender Anblick. Viele Leute applaudierten kräftig.
    Beata sprach einst von fünftausend Zuschauern. Sie muss stark untertrieben haben, mir kam es viel mehr vor.

    Beim Einmarsch vorhin waren wir ja nur eine von vielen Gruppen. Nun waren wir als Gruppe allein, sämtliche Augen waren auf uns 15 Akteure gerichtet!
    Einigen von uns war dementsprechend etwas mulmig zumute, da wir ja noch nie vor so großem Publikum aufgetreten sind.
    Für Arnold war es sein erster Auftritt im Turnanzug vor Publikum, man sah ihm die Aufregung an.

    Und es war das erste Mal überhaupt, dass wir alle gleichzeitig den gleichen Turnanzug und die gleiche Leggings trugen. Wir, die bunte TuFiTa, zum ersten Mal uniform schwarz-rot gekleidet.

    Die vier Schwestern Nereida, Beata, Oksana und Julia gingen gleich hinter Leonie, strahlten eine große Selbstsicherheit aus. Obwohl Oksana und Julia nur die Patenkinder von Nereidas und Beatas Eltern waren, hatten Nereida und Beata sie doch als Schwestern anerkannt.

    Alle vier winkten beschwingt den Massen zu, wir anderen machten ihre Bewegungen nach. Zum Glück begannen sie keine Sondertänze, das wäre für uns Nachfolgende ein Reinfall geworden.

    Ich erinnerte mich kurz an das, was ich von den Vorgängergruppen alles gesehen hatte. Die hatten teilweise Sachen auf dem Rasen zustande gebracht, da fiel mir nur die Kinnlade herunter. Wenn man einen Vergleich von denen zu uns im Fußball bemühte, sähe der etwas so aus: Die da würden in der Champions League spielen und wir von der TuFiTa müssten froh sein, dass wir nicht absteigen. Wir, die niemals vor mehr als 500 Leuten aufgetreten waren.

    Ich seufzte und dachte: Unsere Vorgänger können wir nie toppen, so herausragend, wie die waren. Das, was wir an Choreographie zu bieten haben, ist eher simpel. Unsere Devise muss also sein: Wir machen es so gut es geht, vielleicht gefällt es den Zuschauern ja.

    Plötzlich hörte ich jemanden in Gedanken reden, beinahe trotzig:
    Und ob es ihnen gefallen wird!

    Ich war verwirrt. Dann dachte ich daran, dass ich ja von ein paar R-Wi-i umgeben war.
    Nereida, warst du das?

    Die Turnfee drehte sich um, schaute mich verschmitzt an, und ein wenig tadelnd. Aber nur ein ganz kleines bisschen. Für den Fall, dass eine Kamera auf sie gerichtet würde. Sie dachte:
    Ja klar, Ingo! Sei nicht so pessimistisch. Unsere Choreographie ist nicht simpel. Es wird ihnen gefallen.

    Aber unsere Vorgänger waren so gut.

    Ohne Zweifel waren sie das, da gebe ich dir Recht.

    Aber wir fünfzehn, die TuFiTa, werden es sein, von denen die Zuschauer später sprechen werden.

    Bea und ich werden tanzen, aber hallo, das verspreche ich dir, und wir werden euch alle mitreißen. Die Zuschauer UND euch.

    Ich war geplättet, dachte mir: OK, gehen wir die Sache an.

    Nereida nickte mir wohlwollend zu und drehte sich wieder um.
    So ist sie, unsere Nereida. Die Optimistin in Person.

    Unsere Gruppe nahm die Ausgangsposition für den Begrüßungstanz in der Mitte des Rasenplatzes ein, wartete ab. Leonie stand gut sichtbar zehn Meter neben uns, drehte sich mit ihrer großen Tafel langsam um sich selbst.

    Wie bei jeder Turngruppe vorher wurde die Ankündigung und eventuelle Kommentare von dem Sprecher der jeweiligen Gruppe übernommen. Die Sprecherin der TuFiTa am Mikrofon war Svea Ellbrede. Mit ihrer warmherzigen, sanften Stimme gab sie ein paar Informationen über unsere Gruppe und über unsere Tänze.
    Dabei sollte ursprünglich Annika vom Vereinsvorstand unsere Sprecherin sein. Sie war aber in Obertupfingen im Vereinsheim, hatte dort im großen Saal die Fernseh-Übertragung des Auftrittes organisiert. Viele Vereinsmitglieder erlebten von dort aus die Geschehnisse von Dornbirn.

    Sveas letzte Worte verhallten, Leonie marschierte zur Rasenkante, überließ uns das Feld. Dort blieben auch Leo, Dorisanda und Tallenna auf der 'Ersatzbank'.

    Der 'Ernstfall' war da! OK, gehen wir die Sache an, dachte ich ein zweites Mal.

    Die Musik setzte ein, wir begannen zu tanzen.

    Es ging hin und her, wir tanzten vor und zurück. Wir drehten uns, begegneten einander.

    Und, was in der Generalprobe noch schief ging, war nun anders:

    Gunda kollidierte nicht mit Xenia. Die beiden grinsten, als sie kontrolliert und sicher aneinander vorbeitanzten.
    Alle waren hundertprozentig bei der Sache, wie von Svea vorausgesagt. Es lief wie geschmiert, wir von der TuFiTa hielten uns recht wacker. Nereidas Turnanzug sorgte für zusätzliche Wohlgefühle, wie auch Xenias rote Leggings.

    Unser Begrüßungstanz lief ohne Pannen ab. Es schien, dass wir die Massen im Griff hatten.
    Nicht zuletzt dank Beata und Nereida! Die beiden R-Wi-Schwestern sorgten mit ihrem Paartanz für Euphorie unter den Zuschauern!
    Bea und Nereida hatten die Mengen sichtlich in ihren Bann gezogen. Und das färbte auch auf uns ab!
    Ich bekam mit, dass die großen Leinwände öfter die beiden und ihr bezauberndes Lächeln in Nahaufnahme zeigten.

    Schließlich tänzelten wir in zwei parallelen Reihen, die galaktischen Schwestern dazwischen. Sie gaben alles! Nereida hatte Wort gehalten.

    Mit dem Schlussakkord blieben wir alle stehen und reckten die Hände in die Höhe.

    Wir strahlten, zwar außer Atem, aber glücklich, und verbeugten uns.

    Die Zuschauer jubelten.

    Svea alias Altidantsa Sweliana lächelte. Sie wusste, das war nur der Vorspann. Nun würde es richtig losgehen. Sie konzentrierte sich auf die beiden R-Wi-a und dachte:
    Ke-re Scherata Nereida oh ke-re Tinaxana Beata hob me l tu fi ta en oh mo te en wer her oh ie he le io den! R-Wi-alo!

    Nereida und Beata verstanden Altidantsa Swelianas Anweisung.

    Der große Plan der Obersten Bewahrerin der Harmonie, ab nun würde er umgesetzt werden. Endlich war es soweit.

    Die R-Wi-Schwestern dachten an uns: Ihr wart toll! Große Klasse! Wir tanzen nun den UV-Tanz. Geht zu euren Plätzen. Unser zweiter Tanz wird das Beste von heute!

    Svea kündigte über Lautsprecher unseren zweiten und letzten Tanz an, den UV-Tanz,

    "Hier kommt unser letzter Tanz, der UV-Tanz, unsere Verabschiedung."

    Währenddessen nahmen wir Aufstellung.
    Wir bildeten alle die beiden Buchstaben U und V; positionierten uns so, dass die Zuschauer der oberen Ränge es gut lesen konnten. Zum Glück hatte irgendwer ein paar kleine Markierungen gesetzt, nur für uns Akteure sichtbar.
    Eine halbe Minute verging, unser Puls war wieder normal.

    Lisas Tante gab der Tonregie ein Signal.

    Ruhige Musik setzte ein, wir tänzelten locker auf der Stelle. Nereida und Beata vollführten einen zweiminütigen Tanz, dann liefen sie durch das U hindurch, zum V hin. Das U löste sich auf, der Rest vom U verstärkte die Flanken des V.
    Alle fanden auf Anhieb den richtigen Platz im V. Das hatte ja sehr gut geklappt, ich war erleichtert.

    Wir hatten den UV-Tanz ja ausgiebig geübt, und nun ging er leicht von sich. Die Begleitmusik wurde nun aber sehr rhythmisch, stakkatoartig, impulsiv, wuchtig.

    Etwas Merkwürdiges fiel mir auf: Mir war, als ginge von unserem V mit jedem Ausbreiten der Arme sowas wie ein Impuls in die Menge aus. Das kam mir komisch vor. Bei den Proben hatte ich nie so ein Gefühl.
    Die Schwestern riefen "Hey!", breiteten ihre Arme weit aus und umarmten sich dann selber, jede für sich, stampften abwechselnd mit dem linken und dem rechten Fuß auf den Boden, drehten sich einmal um sich selbst und begannen von vorn mit "Hey!"

    Beata und Nereida strahlten wie zwei durchgedrehte, beinahe wahnsinnig gewordene Tänzerinnen, drehten sich, breiteten ihre Arme aus, eine gewaltige Energie entlud sich in die Zuschauermenge und alles begann von vorn. Und das immer wieder.

    Wir von der TuFiTa folgten dem Beispiel der beiden. Je mehr von uns genauso energisch mitmachten, umso intensiver war unsere emittierte Energie!

    Ich hatte das Gefühl, eine riesengroße Maschinerie war angelaufen, etwas, was zu stoppen unmöglich war. Es gab kein Zurück!

    Einerseits gigantisch, andererseits aber auch irgendwie beängstigend.

    Für einen kurzen Moment trafen sich Nereidas und mein Blick. Ich dachte an sie:
    Nereida, das kommt mir alles seltsam vor. Was passiert hier eigentlich?

    Sie dachte an mich:
    Ingo, wir waren doch mal im Freibad in Obertupfingen. Wo ich schwimmen gelernt hatte. Als wir abends das Bad verließen, erzähltest du mir doch deinen Tagtraum, den du nachmittags im Freibad nach dem Essen hattest. Den mit dem großen Tanz, wo immer mehr Leute mitmachten.

    Ja Nereida, was ist damit?

    Bei der nächsten Drehung hatten wir wieder Augenkontakt. Ihr besessener Blick durchdrang mich wie ein Speer, es war mir fast unheimlich!
    Sie dachte:
    Ingo, dein Tagtraum vom Freibad wird in diesen Minuten Wirklichkeit. Genauso tanzen wir jetzt. Ich musste damals grinsen und fragte mich, kann Ingo etwa in die Zukunft sehen? Und woher kennt er unsere verborgenen Tänze? Ich fand darauf keine Antwort. Aber schaue dir doch mal die TuFiTa und die Zuschauer an.

    Jetzt erst fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ich erinnerte mich wieder an Details meines Tagtraumes:

    Nereida, Beata, die TuFiTa, ich - wir bewegten uns jetzt alle genauso, wie ich Nereida einst in meinem Tagtraum vom Freibad hatte tanzen sehen.
    Wir brachten damit die Menge zum Tanzen, zum Toben! Dass wir solch einen Einfluss hatten, unglaublich!

    Aber was wollten Nereida und Bea damit bezwecken? Warum taten sie das? Und noch etwas anderes bohrte in mir, eine Frage, die ich den Schwestern schon länger mal stellen wollte. Ich tat es nun:
    Sag mal, Nereida, der UV-Tanz, der hat doch nichts mit Ultraviolett zu tun?

    Das ist richtig, Ingo. Beata und ich haben das Wort nur zur Verschleierung benutzt.

    Und wofür steht UV denn nun, Nereida? Für 'Unsere Verabschiedung', wie Svea es sagte?
    Ich sah kurz ihr Gesicht und tanzte unaufhörlich weiter.

    Sie lächelte geheimnisvoll und dachte: Nein, auch nicht dafür. Obwohl auch diese Erklärung durchaus passt. 'Unsere Verabschiedung', das ist unauffällig. Wir sind die letzte Gruppe, die hier heute auftritt.

    Was bedeutet UV dann?

    Sie wartete mit einer Antwort ab, bis sie sich wieder in meine Richtung drehte. Da blickte sie mir fest in die Augen, lächelte keck und dachte:

    Ich verrate es dir. Nun darf ich es. UV steht für:


    Ultimative Vereinnahmung.


    Ich musste schlucken, sah ihr in ihre schwarzen Augen. Sie wirkten nun so bestimmend, so klar, so durchdringend. Meine Augen wurden groß vor Schreck.
    Ultimative Vereinnahmung? Ist das dein Ernst, Nereida?

    Sie drehte sich, 360 Grad später verkündete sie strahlend:
    Ja! Die Mission von uns R-Wi-i ist es, die Tanzfreude und die Harmonie zu verbreiten, auch hier auf der Erde. Das habe ich ja schon einige Male so verkündet. Anscheinend hat keiner von euch uns, Beata und mich, ernst genommen. Nun denn.

    Während Nereida mit mir per Gedanken kommunizierte, drehte sie sich ein paarmal, fuhr unbeirrbar und absolut souverän mit ihrem Tanz fort, perfekt synchron zu Beata. Die beiden begannen, ein paar wilde Zusatzfiguren in ihren Tanz einzubauen, was sie noch Derwisch-ähnlicher, abgedrehter erscheinen ließ.

    Sie dachte weiter an mich:
    Beata hatte es einmal an einem Mittwoch in der TuFiTa so ausgedrückt: '

    Wir sind gekommen, um euch tanzend und turnend zu erobern. Ohne Laserwaffen und so. Wir gehen subtiler vor.'

    So hatte sie das in etwa gesagt. Beatas Worte waren keine Floskeln. Das war ernst gemeint. Das genau geschieht nun und jetzt.

    Sieh dir die Menschen an, dann verstehst du, was ich meine.

    Ich sah die Zuschauer, da war keiner, der auf seinem Platz sitzen blieb. Alle tanzten sie mit. Ekstatisch. Wie in meinem Traum. So wie es aussah, ohne Kontrolle. Sie gerieten alle unwiderruflich in den Bann von Beata und Nereida!
    Alle tanzen sie hier, Nereida.

    Die Turnfee strahlte.
    Genau. Und weil die Fernsehkameras uns aufnehmen und unser Auftritt live übertragen wird, sehen es nicht nur die 20.000 Menschen hier.

    Sondern erheblich mehr! Und es wird auch ins Internet gestreamt. Wir bekommen somit eine sehr große Zahl Zuschauer, und somit Mittänzer.

    Zwanzigtausend! Hatte ich doch richtig vermutet, dass fünftausend Leute zu wenig sind. Und dann noch viel mehr an den Bildschirmen!
    Wieviele wollt ihr denn erreichen?

    Soviele wie möglich. Ein paar dutzend Millionen oder so werden es wohl sein. Klar werden es nicht alle mitbekommen. Das wissen wir auch. Diejenigen, die ein Fahrzeug oder eine Maschine steuern und große Verantwortung dafür tragen, sind von der UV ausgenommen. Es soll niemand zu Schaden kommen.
    Wir haben allen Leuten hier im Stadion und an den Bildschirmen unterschwellig während unseres vorigen Tanzes eingeflüstert, all ihren Bekannten, Freunden, Kollegen Bescheid zu geben. Sie schalten ihren Fernseher ein oder starten den Internetbrowser mit unserem Stream.
    Bei jedem Ausbreiten und Schließen unserer Arme geht ein neuer Impuls ins Publikum und in die Welt.

    Unsere Signale sind für jeden Erdenbewohner verständlich, egal welche Sprache er oder sie versteht.
    Altidantsa Swelianas Plan wird nun umgesetzt. Die Ultimative Vereinnahmung.


    Obwohl ich die fast ganze Zeit zu den Zuschauern lächelte, war mir sehr unbehaglich zumute. Nereida, Bea und Svea kamen mir auf einmal gar nicht mehr lieb und nett vor. War das nun ihr wahres Gesicht? Horrorbilder der dunkelsten Vergangenheit unseres Landes erschienen vor meinem geistigen Auge. Alle werden wir auf ewig vereinnahmt. Oh nein! Das ist das Ende!

    Was tun?
    Vielleicht lässt sie ja mit sich reden. Ich muss Zeit gewinnen.

    Nereida, sei bitte mal ganz ehrlich zu mir, wollt ihr R-Wi-i uns Menschen wirklich unterwerfen, unterdrücken?

    Die äußerste Gängelung? Gar Versklavung? Das verstehe ich nämlich unter den Worten Ultimative Vereinnahmung.

    Etwas Sonderbares passierte. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als hätte meine Aussage ihr Innerstes getroffen, die sonst so tanzsichere galaktische Turnfee Nereida Drei geriet aus dem Takt! Sie stolperte unbeholfen herum, für zwei, drei Sekunden.
    Das war ihr bis eben noch nie passiert!

    Die Bildredaktion hatte währenddessen Beata in Großaufnahme gezeigt, so dass niemand außer mir in der Außenwelt Nereidas Fehltritte mitbekam.

    Hatte ich den Nagel auf den Kopf getroffen? War das alles jetzt der Kern ihrer wahren Absichten? Ich hatte ihren Plan der Invasion a la R-Wi aufgedeckt, naja, eigentlich hatte sie es mir ja sogar freiwillig erzählt.

    Aber was wird sie jetzt tun?

    hallo lycwolf  
    ich glaube, du hast die Widmung von Kapitel 109 erkannt. Es sorgte für einen Aha-Effekt. Dafür musste ich aber ein paar Seiten des 'Hahns im Korb' nochmal lesen...
    Und Oksana und Nereida waren ja mal heimlich Zaungäste in derselben Geschichte, eingepackt in einer Mini-Erweiterung von mir als Kommentar. Siehe
    Nereida und Oksana im 'Hahn im Korb'
    Pardon, dass ich den kleinen Italiener unterschlagen habe. Aber ich sehe, du hast dich auch ohne ihn gefreut.

    Leonie stammt glasklar aus 'Lycraworld'. Ursprünglich als sprachlose und namenlose Fahnen- bzw. Tafelträgerin für den Einzug ins Stadion konzipiert, hat auch sie einen Namen, eine Geschichte und Hintergrundinformation bekommen. Den Ursprung von Leonie siehe Lycwolfs Geschichte
    Lycraworld (Re-Up Überarbeitet)

    Kapitel 110. Nun wird es Ernst für die TuFiTa.
    Auch hier habe ich beim Schreiben vermehrt die 'Fuck Buttons' gehört. Die Instrumental-Stücke 'Stalker' und 'Hidden xs' geben ein wenig von der Wucht her, die in diesem Stadion zur Wirkung kommt, besonders zum zweiten Tanz, dem UV-Tanz .

    Links enthalten nur Audio.

    Code
    1. https://www.youtube.com/watch?v=pT6f8gVS5jw
    Code
    1. https://www.youtube.com/watch?v=47C9K9IEjMg

    Ich habe den Namen von Tallenna auch aus einer finnischen Version einer Software entdeckt, dem Bildbearbeitungsprogramm GIMP.


    Tallenna spielt in der 'Turnfee' aber nur eine Nebenrolle.

    In Kap. 109 habe ich diverse Querverweise auf andere Geschichten eingebaut. Yoshiro du scheinst schon was gefunden zu haben.

    ValCurasca  

    Hey, hast du dir die Mühe gemacht, nach dem Namen zu googeln?


    Ich musste erst mal lachen, als ich deinen Kommentar las.

    Und ich wollte noch in Kap. 109 ergänzen, dass sie eine aussergewöhnliche Gabe hat, sich sehr vieles zu merken.


    Tallenna Nimella.


    Ihr Name taucht in Kap. 93 schon mal auf. Dort hast du ihn gelesen.

    Und ja, schön gesehen, bis auf den letzten Buchstaben stimmt es überein mit dem finnischen Ausdruck 'tallenna nimellä'.

    Die eigentliche, wörtliche Übersetzung lautet: 'Speichere mit Namen'


    Somit muss eine finnische Übersetzung meiner Geschichte, wie du richtig erkannt hast,. für Tallenna einen anderen Namen benutzen.


    Würde ich die Geschichte ins Finnische übersetzen wollen, lautete der Titel übrigens:

    Voimistelun haltijatar avaruudelta Nereida Kolme

    übersetzt: Die Fee des Turnens aus dem Weltraum Nereida Drei.


    Wenn es dir Spaß macht, kannst du ja weitersuchen nach finnischstämmigen Wörtern. Kannst mir ja Bescheid geben, wenn du eines gefunden hast und wie es heißt.

    Kap. 109: Die Gymnaestrada im Stadion

    Samstag Nachmittag.

    Aus Ingos Sicht.

    Auch der Nachmittag war durchweg sonnig. Ein paar wenige kleine Wölkchen verloren sich am stahlblauen Himmel.

    Bei der Birkenwiese unweit der Dornbirner Ache nahe am Stadion Birkenwiese trafen wir uns alle wieder. Dort kamen auch Leo, Svea, Dorisanda und Tallenna zu uns.
    Oksana und Julia waren hocherfreut, ihre Patentante Dorisanda wiederzusehen.
    Hier stellten Nereida und Beata den anderen ihre Mutter Dorisanda und Tante Tallenna vor.

    Tallenna Nimella war eigentlich die Arbeitskollegin ihrer Mutter, wurde aber von Nereida und Bea auch 'Ama' genannt, in der Bedeutung 'Tante' oder 'Patin'. So wie alle mit den Eltern gut befreundeten Frauen von den Kindern 'Tante' genannt werden.

    Etwas heikel wurde es, als Marion bemerkte, dass die Mutter von Beata und Nereida doch eigentlich Brigitta hieß, ganz anders aussah und dass sie sie bei Nereidas und Oksanas Ballett-Abend gesehen hatte.
    Darauf antwortete Dorisanda, dass sie die leibliche Mutter war, und Brigitta die Pflegemutter.
    Somit war Marion zufrieden und dachte nicht weiter darüber nach.

    Wir probten nochmal unsere Tänze. Die Generalprobe.
    An einer Stelle mussten wir alle lachen, als Gunda versehentlich mit Xenia kollidierte und die beiden sich umarmten mussten, um nicht zu fallen.
    Bea wertete das als gutes Omen, dass denn wohl die Hauptaufführung klappen würde und war mit uns zufrieden. Auch den anderen R-Wi-i gefiel unsere Darbietung. Svea und die beiden R-Wi-a machten sich dann zu den Verantwortlichen auf. Leo kam mit uns mit.

    Wir zogen alle zum Stadion, gingen zur Anmeldung, waren unheimlich gespannt.
    Eine junge Frau empfing uns, leger gekleidet mit einer schwarzen Leggings und einem T-Shirt mit den Farben der Gymnaestrada, nämlich Gelb und Blau.
    "Grüß Gott, ihr seid bestimmt die TuFiTas aus Obertupfingen, oder?"
    "Ja", antworteten wir gut gelaunt.
    "Ich bin die Resi und vom Organisationsteam. Herzlich willkommen in Dornbirn bei der Gymnaestrada!"

    Sie wies uns einen der Räume am Stadion zu, dort ließen wir unsere Sporttaschen mit den Nereida-III-Turnanzügen stehen. Jeder von uns trug ja die rote Glanzleggings und ein weißes T-Shirt mit den roten Aufschriften "TuFiTa" vorne und "TSV Obertupfingen" hinten sowie Sportschuhe.

    Dann hieß es: Sammeln am Eingang! Resi brachte uns dorthin.
    Wir schauten erstaunt: Etwa 20 andere Turngruppen befanden sich ebenfalls dort, jede Gruppe bestand aus ca. 15 bis 30 gleich gekleideten Akteuren. Wir erkannten auch die Gruppe in den violetten Leggings wieder, die mit uns im Zug getanzt hatten. Ebenso die Schwedinnen.
    Vier Gruppen bestanden aus mindestens 100 Sportlern! Meine Güte, wie viele Aktive das waren!
    Daneben würde unser kleiner Haufen von gerade mal 15 Teilnehmern kaum auffallen...

    Resi ging mit uns auf eine weitere allein stehende junge Frau zu, die an einer Wand stand.
    Das Besondere an ihr: Sie hatte einen langärmeligen Ganzanzug mit einem blau-gelben Muster an, die Farben der Gymnaestrada!
    Sie trug schwarze Ghillies, irische Tanzschuhe mit langen Schnürbändern, die ihre kleinen Füße gut verpackt hielten.

    "Grüß Gott, schön, dass ihr da seid. Ich bin die Leonie, eure Anführerin", begrüßte uns das Mädel in Lycra, verneigte sich einmal höflich.

    Die Frauen unserer Gruppe freuten sich über die nette Begrüßung.

    Arnold und ich waren ganz von Leonie eingenommen. Oh hauerha, was für ein glänzendes Teil sie da trug!
    Als sie sich verneigte, schien der Glanz durch die Reflektion der Sonnenstrahlen einmal an ihrem Körper und ihren Kurven entlang zu laufen. Wir waren wie hypnotisiert...

    Zum Glück standen wir nicht direkt vor ihr, unsere Mädels standen mehr oder weniger dazwischen, sonst wäre unser erstauntes Verharren garantiert den anderen aufgefallen...

    Resi begann zu sprechen, weckte Arnold und mich dadurch aus unserer Starre. Sie erklärte uns den weiteren Ablauf des Einzugs im Stadion.

    Ich wurde aber dennoch von Leonie abgelenkt, konnte Resis Worten kaum folgen.
    Neben ihr lehnte eine weiße Fahnenstange, an der oben ein großes weißes Pappschild angebracht war, auf dem in großen Lettern "TSV Obertupfingen" und darunter "Germany" geschrieben stand.

    "Angeführt werdet ihr im Stadion von der Leonie, wie sie schon sagte. Geht immer hinter ihr her."

    "Oder tanzt hinter ihr", rief Nereida fröhlich.

    Resi lächelte. "Solange ihr hinter Leonie bleibt, kein Problem."

    Ich würde mit Freuden immer hinter ihr her gehen wollen. Bis mir dann einfiel, dass ich ja unter Beobachtung stand, durch Lisa, Xenia, Gunda und durch die ganze TuFiTa. So beschränkte ich mich auf meine Gedanken.
    Doch halt! Selbst davon hielt ich Abstand, als mir einfiel, dass ja Bea, Nereida, Leo und auch Julia meine Gedanken lesen können. Nichts wird einem gegönnt..

    Beata unterhielt sich gut gelaunt mit Resi, Leonie, Julia und Nereida.
    Keine der R-Wi-a dachte in diesen Augenblicken ans Gedankenlesen.

    Die Gruppen formierten sich. Resi wünschte uns viel Spaß und entschwand dann.

    Wir waren aufgeregt, was nun wohl kommt. Beata gab uns letzte Anweisungen zum Einzug.

    Unter Trommelwirbel marschierten die ersten Gruppen ins Stadion ein. Eine nach der anderen Gruppe wurde über Lautsprecher angekündigt und begrüßt.

    Schließlich war es soweit. Leonie bekam ein Zeichen. Sie nahm die weiße Fahnenstange mit dem Pappschild und ging damit los, gefolgt von der TuFiTa.

    Wir zogen ins Stadion ein! Nun werden wir im Rampenlicht stehen...

    Vor uns Leonie, natürlich in dem hautengen Glitzeranzug, falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte, Mann oh Mann...

    Nereida, Oksana, Beata und Leo gingen vor mir. Sie tänzelten eher dass sie gingen.

    Aus den Lautsprechern ertönte nun: "Aus Deutschland zu uns gereist - die TuFiTa vom TSV Obertupfingen!"
    Der Sprecher begrüßte uns noch ein zweites Mal, dann auf Englisch.
    Wir drehten uns zweimal um den Uhrzeigersinn und winkten den Zuschauern zu.

    Beata war selig. Ihr Traum, hier auftreten zu können, ging in Erfüllung! Sie musste sich arg zusammen nehmen, nicht vor Rührung loszuheulen.
    Sie unterdrückte die Tränen, begann zu tanzen, ein für R-Wi-i typisches Verhalten in solchen Situationen. Ihre Schwester tat es ihr nach, immer hinter Leonie her.

    Aber nicht nur für Beata war es aufregend. Für mich allemal. Was für ein Gefühl! Du gehst im Turnanzug und Leggings gekleidet mit deiner Geliebten, deiner Schwester und deinen Turnfreundinnen durch ein Stadion und die Leute jubeln dir zu! Nun wusste ich, wie sich die Athleten beim Einmarsch während der Eröffnungszeremonie der olympischen Spiele fühlen müssen.
    Total erhebend, unbeschreiblich. Mir fiel das olympische Motto ein: Dabeisein ist alles...

    Die Menge winkte uns zu, auch Dorisanda und Tallenna waren darunter. Hätten Nereida und Bea uns nicht darauf aufmerksam gemacht, ich hätte die zwei nicht gesehen.

    Lisa und Gunda neben mir waren genauso begeistert. Alle waren wir irgendwie berauscht von diesem schönen Gefühl.
    "Phänomentastisch!" entfuhr es Xenia öfter mal.

    So merkte ich gar nicht, dass wir das Stadionrund schon einmal durchschritten hatten, oder, im Falle von Nereida, Oksana, Beata und Leo, durchtanzt hatten.

    Wir passierten noch die Gruppen, die beim Einmarsch vor uns gingen. Die hatten am Rand bereits Platz genommen. Leonie ging an ihnen vorbei, dann an die Seite und wies uns unsere Plätze zu.
    Als Akteure hatten wir Sonderplätze, mit guter Sicht auf das Geschehen auf dem Rasen.

    Ein Mann und eine Frau schritten würdevoll, flankiert von Bänder schwingenden Rhythmischen Sportgymnastinnen, über die große Rasenfläche, akustisch hymnisch untermalt, betraten ein Podium.

    Die zwei begrüßten uns alle zu dieser Abschiedsgala der Gymnaestrada und wünschten uns viel Spaß.
    Beata und Nereida jubelten, wir fielen mit ein.

    Was für schöne Darbietungen folgten, originell, mitreißend und farbenfroh! Beata hatte uns nicht zuviel versprochen, jetzt wussten wir, warum sie unbedingt hier hin wollte!

    Ich hatte Beata noch nie vorher so strahlen gesehen wie bei dieser Vorführung. Das musste auf eine R-Wi-a wie sie extrem euphorisch wirken. Ich spürte, dies war der Ort, wo sie hingehörte.
    Auch Nereida war sehr angetan. Sie umarmte ihre Schwester, die beiden freuten sich riesig.

    Es war aber auch mitreißend! Wir bekamen viele packende Arten des Turnens zu sehen: Gymnastik, Akrobatik, Sport-Aerobic, synchrones Geräteturnen, Rhönradturnen, Showtanz, eine Einradgruppe, Jongleure, Cheerleader.

    Zwei sehr große Videoleinwände waren an beiden Seiten des Stadions angebracht, die das Geschehen auf dem Rasen eindrucksvoll wiedergaben, mal als Totale, öfter aber als Nahaufnahme, so dass Einzelheiten auch für die Zuschauer gut erkennbar waren. Klar, dass ich auch die Kleidung begutachtete. Viele Frauen der Gymnastikgruppen trugen auch Turnanzüge, die meisten Anzüge waren aber kurzärmelig oder ärmellos. Aber beinahe alle trugen lange Leggings, oder wenigstens halblang, wie Radlerhosen.

    Gerade verließ eine große Gymnastikgruppe den Rasen unter viel Applaus. Die blau-gelb gekleideten Schwedinnen mit einer fabelhaft synchronen Vorführung mit ihren Gymnastikbällen. Die zwanzig Frauen, die wir vorhin in der Innenstadt sahen, waren nur ein Teil der Gruppe. Nun waren es dreimal so viel!

    Gelegentlich wurden flugs Sportgeräte aufgebaut. Wie auch für die nächste Gruppe. Da Gunda sich sehr laut mit Xenia unterhielt, bekam ich nichts von der Ankündigung mit.

    Die Turngruppe ließ uns den Atem anhalten. Ihre Vorführung passte sehr gut als Showeinlage.

    Mehrere junge Frauen in langärmeligen dunkelroten Turnanzügen und Gymnastikschläppchen mit Gummisohlen machten auf zwei sich kreuzenden langen Mattenbahn hintereinander Flick-Flacks, Sprünge und schlugen Rad. Sie schafften es, an der Schnittstelle der beiden Mattenbahnen so entlang zu turnen, dass sie nicht miteinander kollidierten!
    Das Ganze war musikalisch recht effektvoll untermalt.

    Da die Videoleinwände die Akteure gelegentlich in Großaufnahme zeigten, schaute ich genauer hin.
    Zwei Mädels glichen einander bis aufs Haar, es waren wohl Zwillinge. Bei einer anderen fielen mir ihre kupferroten Haare auf. Dunkler als die von Xenia.
    Und eine kam wohl aus dem Orient. Was aber untypisch war, war ihre Punk-Frisur. Hochkonzentriert führte sie ihre Übungen durch.

    Dann machten sie auf den Mattenbahnen synchron gymnastische Übungen, während auf der Kreuzung der Mattenbahnen ein Trampolin aufgebaut wurde, und auf einer der Mattenbahnen noch eins.

    Ein Mann im langärmeligen Turnanzug (!) hüpfte dann auf dem Trampolin auf und ab.
    Wenn er oben war, machte er einen Spagat, eins der Mädchen sprang unter ihm hindurch, rollte auf der gegenüber liegenden Matte ab.
    Während er unten auf dem Trampolin war, hüpfte eine von der anderen Mattenbahn kommende Turnerin via zweites Trampolin mit Salto über ihn hinweg und landete hinter ihm auf einer dicken Matte.!

    Meine Güte, wie exakt synchron der Absprung der Turnerinnen und des hüpfenden Trampolinspringers war! Hut ab!

    Weitere Elemente rundeten die gekonnte Darbietung ab.
    Zum Schluss reihten sie sich alle nebeneinander auf.
    Eine der Turnerinnen, eine kräftige Brünette mit Pferdeschwanz, wohl die Vorturnerin oder Trainerin, trat hervor, gab ihrer Truppe ein Zeichen, und sie verbeugten sich nacheinander zu beiden Seiten vor den Zuschauern.

    "Meine Damen und Herren, die Showtanzgruppe vom Sportverein..."

    "Jaaa!" schrie Gunda neben mir lauthals begeistert. Ich verstand den Stadionsprecher nicht mehr. Vielen Dank Gunda.

    "... mit ihrer Trainerin ..."

    Gunda jubelte immer noch.

    "... aus ..."

    So bekam ich nicht mit, woher die Gruppe kam und wie sie hieß. So ist sie, meine Schwester. Es war wie vor ein paar Wochen, als ich Femke wegen Gunda nicht verstand und später dafür büßen musste. Oh Gunda...

    Trotzdem - wir waren alle restlos begeistert.
    Die Brünette verneigte sich noch mal.

    Oksana und Nereida applaudierten ebenfalls. "Toll, wie einst", meinte Oksana.

    Nereida: "Du hast Recht."

    Anscheinend kannten sie das schon, woher bloß...

    "Hey Nereida, wie heißt die Trainerin?" fragte ich.

    Die Turnfee lächelte. "Ihr Name ist Susannah."

    Die Showtanzgruppe zog ab, die nächste Gruppe wurde angekündigt.

    Tante Svea kam zu uns. Was für eine Überraschung, denn sie trug eine von Xenias roten Leggings und darüber den schwarzen Turnanzug Nereida-III! Eine goldene Haarspange führte ihre langen roten Haare nach hinten.
    Sie wurde von Dorisanda und Tallenna begleitet. Auch diese beiden waren wie Svea gekleidet.

    Und wieder wurde mir klar, dass nicht nur die jüngere Generation in Leggings und Turnanzügen eine gute Figur machte, sondern auch die ältere Generation darin gut angezogen war.

    Svea erinnerte uns: "Bald ist euer Auftritt. Leider könnt ihr nicht weiter zuschauen. Kommt mit und zieht euch in unserem Raum um."

    Wir bedauerten das ein wenig, fügten uns aber und gingen zu unserem Umkleideraum. Zuerst waren die Frauen dran. Als sie fertig waren, durften Arnold, Leo und ich uns umziehen. Hinein in den Nereida-III-Turnanzug! Immer wieder schön anzufühlen. Gegenseitig richteten wir unsere Anzüge, damit sie gut saßen. Ich lächelte Arnold zu. Er genoss es auch.

    Svea brachte uns zum Stadioneingang hinter den großen Vorhang.
    Als wir dort ankamen, lächelte sie: "Ich werde euch dann aufrufen, in etwa zehn Minuten. Ihr kriegt das hin, hundertprozentig! Tinaxana Beata und Scherata Nereida haben euch gut trainiert und vorbereitet, sie turnen mit euch."
    Sie verließ uns strahlend.

    In dem abgeschirmten Bereich warteten wir nun gespannt. Ein bisschen Lampenfieber machte sich bei einigen breit. Beata und Nereida versuchten die Aufgeregten mit Atemübungen zu beruhigen.

    Ich unterhielt mich mit Leonie. Sie kam eigentlich aus Bregenz, hatte für die Gymnaestrada jetzt ein paar Tage Sonderurlaub bekommen.
    "Leonie, du hast ja einen tollen Ganzanzug an. Woher hast du den?"

    "Den habe ich von meinem Arbeitgeber. Er hat mich und alle anderen Fahnenträgerinnen beliefert."

    "Du arbeitest für eine Firma, die Lycra-Ganzanzüge herstellt?"

    Sie grinste. "So ist es. Wir sind aber nicht nur Hersteller, wir haben sogar noch einen Hotelkomplex in Deutschland errichtet, wo man unsere Kleidung während eines Urlaubes zwanglos tragen kann. Kennst du unser Logo?"

    Oksana hatte uns zugehört, studierte Leonies Ganzanzug. Sie warf ein: "Ich kenne es, Leonie! Du arbeitest bei Lycraworld!"

    Leonie nickte. "Genau, Oksana! Ihr findet mich dort übrigens an der Rezeption. Meine Kolleginnen und ich führen die Gäste bei ihrer Ankunft auf einem Kennenlernrundgang durch die Hotelanlage."

    "Ich finde, da müssen wir auch mal hin", meinte Oksana begeistert. Wir pflichteten ihr bei.
    "Darüber würde ich mich auch freuen", lächelte Leonie.

    Leo empfing von seiner Schwester Svea eine Nachricht, rief uns zusammen. "Zeit, Aufstellung zu nehmen."
    Wir stellten uns hinter Leonie auf, die ihre große Tafel wieder in die Hände nahm.

    Ich hörte Sveas Stimme über Lautsprecher, die uns ankündigte.

    "Los geht's! Es wird großartig werden!", machte Beata uns Mut und gab Leonie ein Zeichen.

    In Kap. 109 kommen schon wieder zwei Damen... Und Beata kommt ihrem Traumziel Gymnaestrada näher. Es gibt mehr Lycra als in 108.
    Kap. 109 widme ich einem Mitglied unseres Forums.
    Wer mich kennt, weiß, dass ich von Zeit zu Zeit ein paar unscheinbare Verweise in meine einstreue.
    Ihr werdet die Widmung erkennen.

    Übrigens: Beim Schreiben der Dornbirn-Kapitel ab 109 habe ich vermehrt die 'Bumsknöpfe' gehört. Dahinter steht das britische Elektronik-Duo 'Fuck Buttons'. Für den Marsch der TuFiTa in Kap. 109 fand ich das Instrumental-Stück 'Olympians' vom Album 'Tarot Sport' passend.
    Das könnt ihr übrigens auf der You-Tube hören.

    Code
    1. https://www.youtube.com/watch?v=N9UWkPtUxUk

    Nachtrag:

    Ebenfalls passend ist das Instrumentalstück 'The Lisbon Maru' vom selben Album:

    Code
    1. https://www.youtube.com/watch?v=cdmB-CUg6ps

    Für Kap. 108 war es mir wichtig, ein wenig von der Atmosphäre in Dornbirn einzufangen.
    Die "Stockholmer Mädchen" habe ich übrigens mal in echt gesehen, bei einer Gymnastikvorführung in Schleswig-Holstein vorletzes Jahr. Auch da turnten sie mit Gymnastikbällen.
    In Kap. 93 hat Dorisanda bereits erwähnt, dass jemand Tabea observierte. Irgendwo wollte ich das auflösen und darum haben Leo und Dorisanda das in Kap. 108 auch gemacht.
    Klar ist eine ein-, zweiwöchige Überwachung heftig. Allerdings ist in unserer Zeit ja eine erheblich engere Erfassung möglich. Auf R-Wi geschieht es ja unter dem Deckmantel der Harmonie.
    Das Harmonieverständnis und Moralverständnis von R-Wi ist schon manchmal recht derbe. Es ist nicht das letzte Mal Thema in der "Turnfee".
    Siehe auch die Zurechtweisung der Lästerschwestern.

    Kap. 108: Geheimnisse und Lästerschwestern

    Aus Ingos Sicht

    Nein, wir verfuhren uns nicht. Um halb eins kamen wir am richtigen Ziel an: Dornbirn! Und auch das Licht brannte wieder. Warum es ausgefallen war, hat man uns nicht mitgeteilt.
    Egal. Wir waren jedenfalls da!

    Voller Unternehmungslust verließen wir den Bahnhof. Beata ging voran, sie kannte den Weg.

    Dornbirn, was für eine quicklebendige Stadt! Auch wenn sonst nur 50.000 Einwohner dort leben, hatte ich den Eindruck, in der Gymnastikhauptstadt Europas zu sein. Viele Menschen tänzelten herum, an verschiedenen Stellen gab es Gelegenheit, mitzuturnen oder zu tanzen. Nereida und Beata fühlten sich sofort wie zuhause. Die beiden R-Wi-a kamen voll auf ihre Kosten.


    Auch wir Erdenbewohner fanden schnell Gefallen an der Stadt, an den fröhlichen Menschen, bei den vielen Gelegenheiten sich zu bewegen.
    Hier wurde man nicht kritisch beäugt, wenn man auf der Straße tanzte und Turnsachen trug. Auch Turnanzüge bei Männern waren keine Besonderheit, wie ich dort beobachten konnte. Denn man hatte schon nach kurzer Zeit ein Publikum, was einen anfeuerte oder sogar mitmachte. Die Stimmung war grandios.
    Wir ließen uns gerne zum Mitmachen animieren, es brachte viel Spaß.

    In unserer rot-weißen Kleidung passten wir gut zu Vorarlbergs Landesfarben, die ebenfalls rot-weiß waren.

    Obwohl wir im Zug schon gespeist hatten, probierten wir begeistert von den Köstlichkeiten der Vorarlberger Küche. Es war ja wieder etwas Zeit vergangen seit unserer Zugmahlzeit kurz nach der Abfahrt in Ulm, und die Kalorien fest weggetanzt.
    An der Flädlesuppe, den Käsefladen bzw. Käsdönnala und Käsespätzle konnten wir nicht vorbeigehen, so verführerisch rochen sie. Und schmeckten hervorragend.

    Hier in der Innenstadt bei der Kirche St. Martin trafen wir auf Leo. Er sagte, er wäre seit dem frühen Morgen in Dornbirn, und hatte sich das bunte Treiben begeistert angesehen.

    ----

    Eine andere Frauenturngruppe zeigte nämlich spontan eine Vorführung neben uns.
    Gekleidet in dunkelblauen Leggings und gelben kurzärmeligen Turnanzügen mit blauer Aufschrift fingen die blonden jungen Frauen an, ein paar Übungen mit blauen Gymnastikbällen vorzuführen.
    Wir klatschten begeistert mit.
    Schließlich gelang es mir, die Aufschrift auf ihren Turnanzügen zu entziffern: S-t-o-c-k-h-o-l-m-s und darunter flickorna.

    Übersetzt: 'Die Mädchen Stockholms'. Blonde Schwedinnen. Na klar, blau-gelb sind ja die Nationalfarben Schwedens.
    Sie animierten uns zum Mitklatschen, wir ließen uns von ihrer Fröhlichkeit anstecken.

    Beata und Nereida wollten auch mitmachen, da wurden sie von Leo gerufen.
    "Nereida, Beata, kommt doch mal."
    Die beiden kamen zu ihm, er winkte sie weiter weg von den anderen zu einem ungestörten Ort.

    "Ich möchte euch etwas mitteilen. Allerdings nicht nur ich allein."

    Die Schwestern wirkten erstaunt. "Was denn, Leo? Und wen meinst du?"
    Zwei etwas ältere Frauen waren unbemerkt von den beiden herangekommen.

    "Dreht euch mal um", grinste er.
    Nereida und Bea blickten komplett überrascht in die Augen ihrer Mutter Dorisanda und in die von Tallenna.


    Große Wiedersehensfreude erfasste alle!
    Tallenna und Dorisanda waren auf Geheiß von Altidantsa auf die Erde gekommen, um sich das Turnfest anzusehen.
    Sie waren gekleidet in hellen Sommerkleidern mit Strumpfhosen und an den Füßen Ballerinas, stellten sich neben Leo.

    Er schaute Beata an und hub an zu sprechen.
    "Beata, die Zeit ist gekommen, dir und Nereida was mitzuteilen. Du hast doch als Tabea jahrzehntelang auf der Erde gelebt."

    "Ja."

    "Und du Nereida, wusstest nichts davon."

    "Stimmt."

    "Aber eure Ama Dorisanda war darin eingeweiht."

    Dorisanda nickte.

    "Ja, sie hatte es uns kürzlich gestanden. Aber wieso weißt du das denn? Hat sie es dir erzählt?" Nereida war hellwach.

    Dorisanda übernahm: "Die Sache ist etwas anders, aber später mehr. Tinaxana-Beata-ke-re-da-da, es gab einen Informanten, der dich als Tabea beschattete."

    "Ja Ama, das hattest du erzählt. Du hast aber verschwiegen, wer es war. Weißt du näheres über den Informanten?", fragte Beata hoch interessiert.
    "In der Tat, das weiß ich."

    Beide Schwestern waren zum Äußersten gespannt, als Dorisanda fortfuhr:
    "Die Überwachung wurde von höchster Stelle angeordnet. Denn niemand wollte dich, Tinaxana, unbehütet auf einem fremden Planeten alleine lassen. Und ich als deine Mutter schon gar nicht. Wir fühlten uns berufen, weiterhin zu deinem Schutz da zu sein. Fragt Leo, er weiß mehr."

    "Leo, wer hat mich denn beobachtet?"

    "Du kennst sie gut, sehr gut sogar. Wer dich, Beata, beobachtet hat, war ein Mitglied vom Vereinsvorstand des TSV Obertupfingen. Annika."

    "Annika?" Die Schwestern, besonders Beata, waren baff.

    "Ja. Sie hatte ja oft Kontakt zu dir, du hast ihr viel erzählt, auch von deinem Privatleben. Sie hat dir eine Menge Fragen gestellt und du hast sie bereitwillig beantwortet."

    Beata fiel die Kinnlade runter. "Das trifft mich jetzt aber richtig! Sie hat mich die ganze Zeit bespitzelt? Ja, stimmt, wenn wir miteinander sprachen, hatten wir auch schon über tiefer gehende Sachen gesprochen, aber ich dachte mir nie was dabei. Annika ist ja schon sehr lange im Verein. Man gut, dass ihr von R-Wi das beauftragt habt und nicht irgendwelche Gauner, da wird mir ja ganz anders! Ist sie etwa eine R-Wi-a?"

    "Nein. Sie ist zwar eine Menschenfrau, aber telepathisch begabt. Sie hat ihre Erkenntnisse einem Mittelsmann mitgeteilt."

    "Und wieso hat sie das gemacht?"

    "Wir haben sie, gelinde gesagt, genügend bearbeitet, damit sie es tut. Dafür hat sie materielle Vergütungen bekommen. Und so wussten einige wenige von uns inklusive eurer Ama immer über dich, Beata, Bescheid. So alle ein, zwei Wochen gab es Neuigkeiten von dir."

    Dorisanda nickte.

    "Also habt ihr mich als Tabea weiterhin kontrolliert?" fragte Beata.

    Leo antwortete: "Eher überwacht als kontrolliert. Wir haben nicht eingegriffen. Es war zu deinem Guten. Wenn es drauf hingedeutet hätte, dass mit dir etwas schlimmes passieren würde, hätten wir gehandelt. Beata, deine Ama war über diese Notfallpläne informiert, mehr sogar, sie war involviert, sie hätte darin eine tragende Rolle gespielt. Sie hätte dich nämlich zusammen mit Tallenna Nimella zurückgeholt."
    Dorisanda und Tallenna bestätigten das.

    "Tallenna, wusstest du auch davon? Und hast du Perenda nichts erzählt?" fragte Nereida.

    "Ja, ich war darin eingeweiht. Perenda, meiner Tochter, durfte ich nichts erzählen. Niemanden außer deiner Ama. Es war eine Spezialmission. Wir von R-Wi hatten das vorher noch nie gemacht. Darum sollte es geheim bleiben."

    Beata begriff langsam. "Also das Ganze war eine Überwachungsaktion zu meinem Schutz. Und mit wem hatte Annika denn Kontakt?"

    "Mit einem R-Wi-o, den sie bewusst nie gesehen oder kennengelernt hatte. Die Kontakte liefen rein gedanklich", antwortete ihre Mutter.

    "Und weißt du, wer das war", fragte Nereida gespannt.

    "Ja."

    "Und kennen wir den R-Wi-o denn?"

    "Ja."

    "Oh spann uns nicht auf die Folter, Ama, sag uns bitte, wer es war", drängelte Beata.

    "Das wird euch Leo mitteilen."

    Beatas und Nereidas Augen waren auf den hageren Mann gerichtet. "Wer war es?"
    Leo lächelte die beiden an, sagte nur ein einziges Wort:
    "Ich."

    Die Schwestern schauten verblüfft.
    "Du?"

    "Ja. Ich lebte ja sowieso auf der Erde als Vater von Lisa, Xenia und Arnold, hatte Gedankenkontakt mit Annika. Das mit dem Gedankenkontakt war insofern wichtig, da ich ja in Kassel und später in Hamburg lebte, und Annika in Obertupfingen. Ich hatte sie sogar paarmal persönlich gesehen, mich aber nie zu erkennen gegeben. Bei allen Turnfesten des Vereins war ich dabei. Dort habe ich dich, Beata, auch persönlich gesehen, habe sogar mal mit dir gesprochen, unverfängliche Sachen. Bei dem letzten Turnfest vor einigen Wochen musste ich mich aber sehr vorsehen, dass Lisa, Xenia, Yvonne, Dagmar und Regina mich nicht sahen. Aber da warst du ja nicht mehr Tabea, sondern wieder Beata."

    "Hey, ich wusste gar nicht, wie das alles miteinander zusammenhängt, aber nun wird mir das klar, Leo. Gab es denn mal eine Situation, wo ihr fast eingegriffen hättet?" fragte Beata neugierig.

    "Ja, es gab eine. Du warst 1996 für die Turn-Europameisterschaft in Birmingham nominiert, hattest aber davor diesen schweren Unfall. Das hatte dich in eine schwere Krise gestürzt."

    "Stimmt, ich hatte mich so sehr darauf gefreut, daran teilzunehmen, und dieser Unfall kurz zuvor hatte meine Karriere zerstört. Ich wollte nicht mehr, alles war zerstört, ich fiel in ein Tief."

    "Und da habe ich dir per Gedankenkommunikation immer wieder Mut machende Gedanken zugeschickt. Du warst anfangs so frustriert, dass du aufgeben wolltest, sogar dein Leben wolltest du mal beenden! Alles, nur das nicht, dachte ich. Annika war da keine große Hilfe. Ich war kurz davor, persönlich zu dir zu kommen und dich mit meinen heilenden Fähigkeiten wieder gesund zu machen. Fernheilung fiel aus, da du dafür hättest zustimmen müssen, und das wäre dir garantiert komisch vorgekommen."

    "Ja, Tabea hätte das alles abgelehnt. Allem Esoterischen war sie extrem misstrauisch gegenüber gesinnt. Das hatte Nereida auch gemerkt, als sie mich traf und auf ein Bollwerk des Misstrauens stieß."

    "Stimmt, ke-re-ses."

    "Und so beschränkte ich mich darauf, dir aufbauende Gedanken zuzuschicken."

    "Das war auch sehr nett. Das hat mich auch wieder optimistisch gemacht. Im Nachhinein finde ich es gut, dass du und Annika auf mich aufgepasst habt."

    "Aber schade, dass ihr mir nichts gesagt habt", meinte Nereida bekümmert.

    Dorisanda nahm ihre Tochter liebevoll in den Arm.
    "Das durften wir drei nicht. Aber du, Nereida-ke-re-da-da, hast ja den Lauf des Schicksals entscheidend beeinflusst."

    Leo fuhr fort: "Nereida, du warst bei meiner eigenen Tochter Lisa, und später bei Ingo. Auch Kollato hat dir geholfen, indem er Tinaxanas Amulett aufspürte und dich auf die richtige Fährte setzte. Das alles ging so schnell, dass wir von der raschen Entwicklung überrannt wurden. Wir haben es diskutiert und beschlossen, dich machen zu lassen. Es waren ja schon 24 von den 30 Jahren um."

    "Wolltet ihr mich denn aufhalten?" fragte Nereida erstaunt.

    "Wir haben drüber nachgedacht. Deine Geschwisterliebe und dein Enthusiasmus bei deiner Suche haben uns aber gebremst. Spätestens als meine Tochter Lisa dir Tinaxanas Amulett gab, haben wir uns auf deine Seite gestellt. Insgeheim waren wir so stolz auf dich, Nereida. Und auch auf Oksana und Ingo."

    Nereidas Augen leuchteten.
    "Das freut mich zu hören. Werden Beata oder ich denn immer noch überwacht?"

    Tallenna antwortete:
    "Nein Nereida-ke-re-da-da. Das ist Geschichte. Sonst hätten wir euch das alles nicht erzählen dürfen. Und auch Annika haben wir seitdem nicht mehr kontaktiert. Ich hoffe, ihr seid uns nicht böse. Wie gesagt, es diente alles zu Beatas Schutz."

    Die Schwestern grinsten.

    Leo verstellte ein wenig seine Stimme: "Übrigens: Tabea, die Sternenfee hat dich gerettet."

    Beata schaute ungläubig. "Leo, das ist der einzige Satz, den ich während meiner Komazeit als 16-jährige mitbekam, exakt so gesprochen wie jetzt von dir. Warst du das etwa auch?"

    "Tja, ein weiteres Rätsel ist gelöst. Du hast Recht, Beata. Ich war es, ich hatte dir diesen Satz damals eingeflüstert."

    Beata und Nereida waren froh. Sie tanzten noch miteinander.


    Leo, Nereida und Beata gesellten sich dann zu der TuFiTa.
    Die übrige TuFiTa hatte nichts von den weiteren R-Wi-Besucherinnen mitbekommen, welche sich im Hintergrund hielten.

    Die Gruppe aus Schweden war gerade fertig mit ihrer Kurzvorführung, verbeugte sich.
    Sie bekamen von uns viel Applaus.

    In der Nähe pries ein Eisverkäufer seine Ware an.
    Leo gab uns allen Kugeleis in der Waffel aus. Unser Jubel war ihm sicher.
    Der zarte Schmelz war genau das Richtige nach dem leckeren Essen und der Mittagshitze.

    Alle bekamen wir ein Eis, Nereida zuletzt.

    Hier zog Nereida alle unsere Blicke auf sich, als sie kostete, sich schüttelte und laut ausrief:

    "Ohh wie kalt ist das denn! Und das mögt ihr?"
    Schließlich hatte sie noch nie Eis gegessen. Beata klärte sie darüber im Stillen auf.

    Marion, Femke und Silvia standen ein wenig abseits. Die drei beobachteten Nereida.

    Silvia meinte verächtlich: "Unsere Turnfee Nereida Drey von Ervy ist schon wieder mal drollig drauf."


    "Ja, komisch und weltfremd ist sie. Weiß doch jeder, dass Eis kalt ist", zog Femke über Nereida her.


    "Die ach so süße Nereida, unser Turnküken, ist wohl in einem eislosen Tanzkloster in der Schneiderei aufgezogen worden. Da hat sie echt einen Schaden wegbekommen", lästerte Marion.


    "Stimmt, Marion", grinste Silvia.
    Die drei lachten.

    Sie hätten das wohl nicht getan, wenn sie gewusst hätten, dass sie abgehört wurden.

    Dorisanda stand mit Tallenna unweit von ihnen, sie hatten alles mitbekommen. Dazu brauchten sie keine Gedankenkommunikation, denn Silvia, Femke und Marion sprachen laut genug.
    Sie beschlossen, die Lästerschwestern auf den rechten Weg zurückzuführen und holten Leo gedanklich mit ins Boot.
    Wörtliche Rede hätte die drei nicht beeindruckt, dachten sie.
    Also drangen sie gedanklich in sie ein.

    Dorisanda als Mutter von Nereida nahm sich die übelste der Lästerinnen vor. Sie dachte:
    Sag mal Marion, findest du, dass es richtig ist, so über Nereida herzuziehen?

    Marion blickte erstaunt um sich, sie glaubte, irgendwer spräche zu ihr.
    Zehn Meter entfernt standen zwei ältere Damen, die die Turngruppe beobachteten. Die können das nicht gewesen sein. Sonst sah sie keinen.
    Sie dachte: Äh, was ist das denn nun? Wer spricht da? Woher kommt das?

    Ich bin dein Gewissen, Marion. Findest du, dass es richtig ist, so über Nereida zu lästern? Dass du so über sie herziehst, ist einfach unter aller Kanone. Sie kann sich nicht wehren.

    Ähm... aber sie liefert doch immer einen Grund. Sie ist scheinbar eine von uns, benimmt sich aber irgendwie anders, sonderbar, naiv, seltsam.

    Das alles ist kein Grund, über sie herzuziehen. Schon mal überlegt, dass Nereida aus einem ganz anderen Kulturkreis stammen könnte, wo es kein Eis gibt?

    Pardon, das hatte ich nicht bedacht. Ist das so?

    Ja. Sie kann eben vieles nicht kennen, was für dich alltäglich ist.

    Ach so ist das. Woher kommt sie denn?

    Von weit weg. Näheres kann ich dir nicht mitteilen, um dir keine weiteren Gründe zum Lästern zu liefern. Gehe in dich und überdenke dein Tun. Schließe Frieden mit Nereida.

    Tut mir leid. Ja, mache ich.

    Erzähle es Nereida persönlich, was du gesagt hast und dass es dir leid tut. Erst wenn du mit Nereida darüber gesprochen hast, werde ich dich nicht länger beanspruchen.

    Danke.

    Ich zähle auf dich. Gehe zu Nereida. Unsere Kommunikation ist vorerst beendet.

    Marion war still. Sie bemerkte überrascht, dass Femke und Silvia genauso still waren.
    Sie berichtete zögernd den anderen von ihrer Unterredung. Die anderen dachten an die ähnliche Erfahrung, die sie selber gemacht hatten. Alle drei gleichzeitig. Das stimmte sie erst recht nachdenklich.
    Sie kamen zu dem Schluss, dass irgendetwas Unheimliches von ihnen Besitz ergriffen hatte. Etwas, bei dem es nicht ratsam war, es zu hintergehen zu versuchen. Ihre Reue war erkennbar.

    Alle drei bewegten sich gesenkten Hauptes auf Nereida zu. Von ihnen unbemerkt, gingen Dorisanda und Tallenna hinter ihnen her.
    "Du, Nereida?" kam es fast einstimmig.

    Die Turnfee tänzelte alleine, drehte sich um. Die anderen TuFiTa-Mädels sprachen noch mit den Schwedinnen.
    "Silvia, Marion, Femke, was ist los?"

    Zerknirscht begann Marion zu reden: "Wir müssen dir was gestehen."


    "Wir drei haben über dich böse hergezogen", bekannte Silvia.


    "Ja, wir haben schlimme Dinge gesagt, weil du so anders bist", fügte Femke hinzu.


    "Und sonderbar manchmal", so Marion.


    "Was du auf jeden Fall wissen sollst: Es tut mir leid", bekannte Femke.


    "Uns auch", sagten die anderen betreten.

    Dorisanda und Tallenna aus der Ferne nahmen es wohlwollend zur Kenntnis. Sie hörten dem Gespräch noch zu, zogen dann ihres Weges.

    Nereida hörte Femke, Marion und Silvia aufmerksam zu, sah sie fest an.
    Vor kurzen hatte ihre Mutter an sie gedacht: Nereida-ke-re-da-da, ich habe zusammen mit Tallenna und Leo drei von deinen lästernden Gruppen-Mädels auf den Weg der Harmonie zurück gebracht. Sie werden dich darauf ansprechen. Sie wissen nun, dass du von einem anderen Kulturkreis kommst, aber nicht von welchem.

    "Soso, was habt ihr denn über mich gesagt?" fragte die Turnfee.

    Die drei wiederholten ihre Worte von vor zwanzig Minuten.

    Nereida war betroffen. Naja, sie tat so. Aber ein wenig war sie es doch auch wirklich.
    "Echt gemein von euch. War das alles?"

    Femke, Silvia und Marion erzählten auch von früheren Missetaten.

    "Nun, das ist echt fies von euch. Ich kann doch nichts dafür, dass ich anders bin."

    "Deswegen tut es uns ja auch leid. Gibt es in deiner Heimat denn wirklich kein Eis?"

    "Nein. Und auch keine Disco mit Hits der 80er. Und keine Felder voller Sonnenblumen."

    "Pardon Nereida. Kannst du mir verzeihen?" bat Marion. Femke und Silvia stimmten mit ein.

    "Ja, das mache ich. Gebt mir nacheinander eure Hände, als Zeichen der Versöhnung, und versprecht mir, dass ihr nicht mehr über mich herzieht."

    Die drei versprachen es und gaben Nereida die Hand.
    Nereida vergab ihnen, umarmte die drei. Man sah ihnen an, des es ihnen leid tat.
    Nereida als R-Wi-a konnte auch die Gedanken der drei lesen. Keine Häme war mehr zu erkennen.

    "Ich verzeihe euch. Sprecht in Zukunft lieber mit mir als über mich."
    Die drei stimmten ihr zu.

    "Danke übrigens für den schwarzen Turnanzug, beste Nereida", kam es aus Femke hervor.

    "Ja, auch von mir", fügte Marion schüchtern hinzu.

    "Von mir auch. Du gibst dir solche Mühe und wir hatten dir nicht mal gedankt", bekannte Silvia.

    "Alles klar, die Turnanzüge habe ich gerne für die TuFiTa gemacht.

    Und nun lasst uns hier gemeinsam eine schöne Zeit haben."

    Danke für eure positiven Gedanken.

    Ja, Nereida muss man einfach gernhaben. Ich bin vernarrt in sie...

    Danke auch dir ValCurasca für deine Links zu Führerstandsmitfahrten. Nein, du nervst nicht damit, ich schaue mir gelegentlich auch mal solche Filme an.

    Die Fahrt von Bregenz nach Dornbirn habe ich mir angesehen, weiter die von Lindau über St. Margrethen bis St. Gallen.

    Von Ulm südwärts habe ich 15 Minuten gesehen.

    Mein Lieblingsfilm ist übrigens dieser (9 Minuten Ausschnitt, verschneite Bergenbahn Finse/Norwegen, Musik "Everloving" von Moby):


    Code
    1. https://www.youtube.com/watch?v=atyvdC15HFA


    Du willst alles sehen? (Bergen - Oslo, 07 Std 14 min, inkl. Tunnels) Bitte schön:


    Code
    1. https://www.youtube.com/watch?v=z7VYVjR_nwE


    (Der obige Filmausschnitt beginnt bei 2:34:50)


    Zurück zu Nereida.

    Kap. 108: Da geht es durch Dornbirn. Da kommen zwei Damen. Da wird es an einer Stelle auch mal unschön. Da kommt ein Geheimnis ans Licht. Das erwartet euch noch diese Woche...

    Kap. 107: Auf nach Dornbirn (2)


    Ich erinnerte mich, er hieß Walter Schmidt, oh nein...
    Es ließ mir keine Ruhe, ich musste mal schnell was nachprüfen.
    Ich rief meine Mutter kurz an und teilte mit, dass wir nun im zweiten Zug Richtung Dornbirn sitzen. Sie freute sich über meinen Anruf, wünschte uns viel Spaß. Telefonverbindung also in Ordnung.

    Ich ging zu Xenia und fragte sie, wie denn das Wetter sich entwickeln würde. Sie hantierte an ihrem Smartphone. In Süddeutschland und westliches Österreich heiter und sonnig, so ihre Antwort.

    Und was sagte der Tupfinger Tagesspiegel? Sie suchte die Schlagzeilen heraus und las sie mir vor. Datum von heute. Stimmte mit meiner Printausgabe von heute morgen überein. Internetverbindung also in Ordnung. Ich atmete auf.

    Dann wurde sie neugierig und fragte nach dem Grund. Ich erzählte ihr von einer Geschichte, in der ein Zug mit einem Lokführer namens Walter Schmidt nach einem Stromausfall in ein Paralleluniversum geschleudert wurde.

    Sie grinste und meinte: "Oh Ingo, lies nicht so viele Science-Fiction-Geschichten und halte sowas nicht für bare Münze. Alles nur erfunden."


    Ich entgegnete: "Und das sagt mir eine, deren Tante Präsidentin einer extraterrestrischen Zivilisation ist. Und zwei Abgesandte dieser Zivilisation sitzen nur drei Reihen weiter."


    Xenia beteuerte mit großen Augen: "Das ist ja was gaaanz anderes."
    Und nach einer Weile etwas leiser: "OK, OK, du hast mich überführt. Was diese Erde, diese Galaxis sowie R-Wi noch an Überraschungen für uns bereit halten, wissen wir nicht. Und der Walter Schmidt aus der Geschichte muss ja nicht unser gleichnamiger Lokführer sein."

    So gerieten wir ein wenig ins Philosophieren über unser Dasein, das Weltall und den ganzen übrigen Kram wie z.B. Leggings und Turnanzüge.

    Der Zug setzte ohne jegliche sichtliche Veränderung seine Fahrt fort.
    Abgesehen davon war es gerade mittags, an einem schönen Sommertag, wo ein Lichtausfall im Zug wohl nur von mir beobachtet wurde. Und es gab keine Tunnel auf unserem Weg.

    Nereida stand auf und erkundete den Zug. Zehn Minuten später kehrte sie mit leuchtenden Augen zurück: "Zwei Waggons weiter findet ein Tanzen statt, wollt ihr mitmachen?"
    Und wie wir das wollten! Arnold, Oksana und Marion blieben beim Gepäck zurück, wir anderen folgten Nereida in den Tanzwaggon. Der war fast komplett leer, nur Klappsitze an den Fenstern.


    Etwa 30 Leute führten dort einen Tanz auf, gekleidet in violetten Leggings und weißen Oberteilen. Andere standen am Rand, sangen und klatschten. Nereida und Beata schauten höchstens eine halbe Minute genau hin und konnten sofort korrekt mittanzen! Ich bewunderte die zwei R-Wi-a dafür! Die Teilnehmer aus der anderen Gruppe fanden das auch erstaunlich. Lisa und Xenia hatten es auch in Nullkommanix gelernt.
    Wir machten alle mit, egal, ob wir es konnten oder nicht, irgendwie klappte das schon. Der Spaß stand im Vordergrund. Nach einer gewissen Zeit gingen Lisa, Gunda und Femke zurück, damit Arnold, Oksana und Marion auch mal tanzen konnten.

    So verging die Zeit schnell. Eine Durchsage mahnte uns, zu unserem Gepäck zurück zu gehen, in einer Viertelstunde würden wir ankommen. Wir machten uns auf den Weg.

    "Dann sind wir bald in der Schweiz, oder?" fragte Nereida. Irdische Geographie war nicht ihre Stärke. Viele lachten.

    "Nur wenn der Lokführer sich verfährt", versuchte Silvia so gelassen wie möglich Nereida aufzuziehen.

    "Aha. Hat der denn nicht so ein Navi-Gerät?"
    Sie hatte sowas mal in Irinas Auto gesehen, daher kannte sie den Begriff.

    Xenia griente. "Wenn der Lokführer schon Walter Schmidt heißt, muss er eines dabei haben."

    "Dann fahren wir also nicht in die Schweiz?"

    Marion rollte mit den Augen. Den Titel für die ihrer Meinung nach dümmste Turnschwester hatte sie innerlich längst Nereida verliehen. Nun gewann Nereida mit ihren Aussagen einen weiteren deutlichen Vorsprung.
    "Ach Nereida, davon war doch nie die Rede. Wir fahren nach Österreich!"

    "Ins Bundesland Vorarlberg, liebe Schwester", ergänzte Beata.

    "Achso. Ich dachte, Dornbirn liegt in der Schweiz."

    Viele lachten.

    Ich schritt ein.
    "So ganz unrecht hat Nereida nicht. Es hätte so kommen können.

    Denn es gab 1919 eine Abstimmung, wo sich das Vorarlberger Volk für Beitrittsverhandlungen mit der Schweizerischen Eidgenossenschaft entschied. Jedoch verhinderte der Vertrag von Saint Germain (Aufteilung Österreich-Ungarns nach dem 1. Weltkrieg) diese Pläne. Die Schweizer lehnten den Beitrittswunsch auch ab, da sie dann zu viele Deutschsprachige und Katholiken in ihrem Land gehabt hätten. So blieben die Vorarlberger bei Österreich.
    Dorthin fahren wir nun. Wir müssten die Grenze übrigens demnächst passieren."

    Die Turnfee lächelte mir zu. Ich freute mich, dass ich ihr beistehen konnte.

    Zurück in unserem Waggon schauten wir aus dem Fenster. Wir befuhren auf der Vorarlbergbahn eine unscheinbare Brücke über den Grenzfluss Leiblach, und hatten dann österreichischen Boden erreicht!

    Auf der einen Seite waren die hohen Berge des Bregenzerwaldgebirges zu sehen, auf der anderen Seite fuhren wir direkt am Bodensee entlang. Nereida blickte vollkommen fasziniert auf die weiten blauen Fluten des Bodensees. Auch wir anderen genossen die geniale Aussicht!

    Wir passierten Bregenz, schließlich verringerte der Zug die Fahrt, unser Ziel kam in Sichtweite.

    Ich dachte, hoffentlich verfährt sich der Zug auf den letzten Kilometern nicht, und wir landen auch noch tatsächlich in der Schweiz, in St. Margrethen, Kanton St. Gallen.


    Dann hätte Nereida Recht gehabt...

    Danke euch!
    Ursprünglich wollte ich Kap. 107 als Ganzes veröffentlichen, dann fiel mir der Seitenhieb zur "Zugfahrt" ein, vor zwei Wochen. Ich finde, ValCurasca hat einen glaubhaften Grund für das Ausfallen der Beleuchtung genannt.
    Da ich ja in Nereida vernarrt bin, war es mir wichtig, ihre Empfindungen beim Gucken durch das Zugfenster festzuhalten.
    Sie kommen sich näher, Lycwolf. Die Gruppen.
    Heute noch geht es weiter mit Ingo und seinen Gedanken zur Zugfahrt, den Rest von Kap. 107 ...

    Ja zb mit Nereida III bist du eine Weile beschäftigt oder die Lycwolfschen Kreationen zu Papier sind auch gut zum lesen. Novemberrain und die Rivalen sind qualitativ nicht so hochwertigt.

    Einspruch!

    Lieber Rim, du bist eindeutig hier derjenige Verfasser mit der größten poetischen Ader.

    Diese Qualität kann ich nicht erreichen, darin bist du einmalig.

    viele Grüße

    Desi.


    (ich habe deine Antwort an den Grafen hier ins Thema Novemberrain verlinkt, da es eher hierher gehört.)