Hahn im Korb

  • Hallo zusammen,

    ganz ohne möchte ich euch nicht ins Wochenende lassen.

    Die folgende Story ist die direkte Fortsetzung von "Voyeur in Erklärungsnot". (Noch mal schnell nachlesen, damit der Übergang leichter ist)

    Da sich jedoch der Handlungsrahmen für den Protagonisten ändert, finde ich einen anderen Titel passender, denn mit dem Voyeurismus vom Anfang hat es ja nichts mehr zu tun.



    Gute Unterhaltung.











    Hahn im Korb







    Fetischstory von lycwolf









    Wieder Freitag.



    Unschlüssig stand er am Eingang der Turnhalle.

    Schon die ganze Woche hatte er ein ungutes Gefühl. Öfter als einmal dachte er daran, einfach nicht hin zu gehen. Erpressbar zu sein missfiel ihm aufs Äußerste. Sollten sie ihn doch bloßstellen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als für immer anderen zur Belustigung zu dienen.



    Wenn da nur nicht die anderen Gedanken wären. Jene, die in ihm Wohlgefühle auslösten. Das machte ihm zu schaffen. Konnte er es zulassen, dass ihn das "Sonderturnen" derart erregt hatte?

    Freilich war er am Wochenende total fertig und hatte Schmerzen in Muskelregionen, von denen er bislang nicht mal wusste dass sie existierten. Aber die sportliche Betätigung in der Kleidung seiner Begierde war eine völlig neue Erfahrung für ihn.

    Bereits nachdem seine "Trainerinnen" ihn letzten Freitag verlassen hatten, schenkte das ihm aufgezwungene Turntrikot Freuden in der Lendengegend, die er nicht für möglich gehalten hatte. Eng eingehüllt vom glänzenden Textil, beschäftigte er sich mehrfach mit sich selbst bis der zuvor schon durchgeschwitzte Turnanzug endgültig einer Reinigung bedurfte.



    Diese gestaltete sich gar nicht so einfach. Er musste Sonntags in aller Frühe aufstehen als seine Eltern noch schliefen. Wie hätte er wohl erklären sollen, dass er einen Mädchenbody im lauwarmen Wasser des Waschbeckens auswusch? Er gab sich einige Mühe, hatte extra das sonst nie gebrauchte Handwaschmittel aus der hintersten Ecke der Besenkammer hervorgekramt und den Anzug sorgfältig durchgewalkt und danach klar gespült. Der Lycrastoff fühlte sich nass unwahrscheinlich gut an, und er musste darauf achten seine Gedanken nicht zu weit schweifen zu lassen.

    Bei der Gelegenheit wusch er auch seine einzigen eigenen Kleidungsstücke aus Lycra. Seine Radlerhose und seine schwarzen Lauftights. Letztere glänzten ungewöhnlich stark, was ihm mehr als einmal Hänseleien seitens einiger seiner Fußballkameraden einbrachte.



    "W..ss machs´ dudn da?", fragte verschlafen seine unvermittelt ins Bad kommende Mutter.



    Geistesgegenwärtig wickelte er den Turnanzug in seine Laufhose und stotterte: "I...., ich hab meine Trainingsklamotten ausgewaschen."



    "Das muss man doch nicht mit der Hand waschen. Steck sie doch in die Maschine", erklärte sie, immer noch schläfrig.



    "Ähm...", überlegte er verzweifelt nach einer plausiblen Erklärung. "Da waren ... Grasflecken drauf. Wir waren doch am Mittwoch auf dem Rasenplatz."



    Puhh, dachte er, gut gerettet.

    Seine Mutter schlurfte wieder hinaus und brabbelte noch etwas wie: "Sonst faul wie ein Strick, aber wenn´s um Sport geht...." Der Rest ging zwischen Türen und Flur unter.



    Seine Tights konnte er zum trocknen im Bad aufhängen, aber wohin sollte er mit dem Gymnastikanzug? Er wrang ihn so gut es ging aus, aber mit dieser Restfeuchte konnte er ihn natürlich nicht zusammenlegen.

    In seinem Zimmer kam ihm die rettende Idee. Einen Teil seines Kleiderschranks musste er dafür ausräumen. Den Body hing er, feucht wie er war, ordentlich über eine Kleiderbügel und dann hinein. Darunter auf den Schrankboden, legte er ein Handtuch, das die restlichen Tropfen aufsog.

    Einen Tag später war alles trocken und er konnte das Lycragewand zusammenfalten. Bei diesen Berührungen stieg erneut der Drang in ihm auf, den Anzug anzuziehen. Aber er blieb standhaft, denn sonst hätte er ihn sicherlich erneut waschen müssen.

    Bis zum Ende der Woche versteckte er das Turndress, zusammen mit den ledernen Halbschläppchen zwischen seinen anderen Klamotten.



    Und nun stand er wieder hier vor der Halle, immer noch unentschlossen.

    Die Entscheidung hinein zu gehen oder nicht wurde ihm von der rasanten Ankunft eines Rennrads nebst Fahrerin abgenommen.



    "Du bist also tatsächlich gekommen, Turnfetischist."



    Es war das etwas stabilere Mädel, das die Show-Turn-Gruppe anführte.



    "Es wurden bereits Wetten darüber abgeschlossen ob du kommen würdest", sprach sie während sie mit ihrem Rucksack abstieg und zu ihm trat. "Ich war mir nicht so sicher dich nochmal zu sehen."



    "Selbst wenn euer Video schlechte Qualität hat, bin ich nicht scharf drauf dass es sich verbreitet", antwortete er und sie gingen beide ins Gebäude.

    Vor der Mädchenumkleide wartete bereits die knabenhafte Gymnastin mit dem hellblonden Haar. Auch sie schien fast überrascht von seinem Auftauchen, obwohl sie es ja war, die das kompromittierende Filmmaterial über ihn angefertigt hatte.



    "Na?", fragte sie nicht ohne Spott, "Wie ist dir denn deine Lektion bekommen?"



    Etwas angesäuert warf er ihnen vor: "Wegen euch sitze ich beim nächsten Spiel auf der Ersatzbank. Ich konnte am Mittwoch kaum trainieren, weil mir alles weh tat."

    Die abfälligen Bemerkungen seines Mitspielers über seine, wie dieser es nannte "Mädchenleggings", welche wegen der folgenden nonverbalen Auseinandersetzung eigentlich zu seiner Nichtaufstellung führten, behielt er für sich.



    "Ja, ja", tönte es lakonisch von der zierlichen Turnerin, "Eleganz fordert auch Opfer."



    Sie nahm den säuberlich gefalteten Wettkampfanzug und die RSG-Kappen von letzter Woche entgegen und fragte ihre Kollegin: "Worin wollen wir ihn heute stecken?"



    Diese wandte sich an ihn: "Hast du was mit? Ich meine Gymnastikkleidung?"



    "Eine Radlerhose und Lauftights", gab er Auskunft und zog sie zum Beweis aus seiner Tasche.



    Sie musterten beides, bis die Gruppenleiterin meinte: "Wir gehen heute auch an die Kletterseile, da ist es besser was an den Beinen zu haben. Nimm die Laufhose. Sieht übrigens sehr feminin aus. Hast du Schläppchen?"



    Er nickte.



    "Trikot, Body, oder sowas?"



    "Ich hab´ nur ein T-Shirt mit", sagte er in der Hoffnung vielleicht doch wieder in einen der erregenden Turnanzüge gezwängt zu werden, doch sie meine nur: "Das tut´s fürs Erste. Zieh dich um. Später sehen wir weiter."



    "Und lass ruhig die Unterhose aus", setzte die Blonde kichernd nach, als er bereits in der Jungen-Umkleide verschwand.



    Schnell hatte er sich komplett entkleidet und dachte tatsächlich über die Äußerung von soeben nach. Er hatte seine Laufhose noch nie ohne was drunter angehabt. Der Turnanzug hatte sich ja auch gut an seinen Männlichkeitssymbolen angefühlt. Er zog sie über und stellte bereits kurz darauf fest, dass er sich besser beim Training verausgabte. Zur Ablenkung, denn eine Verhärtung in dieser Region würde echt peinlich werden.

    Jetzt noch die Gymnastikschuhe. Es waren schwarze Kunstlederschläppchen mit Gummisohlen, wie sie letztens auch von der rothaarigen Turnerin getragen wurden.



    Vor dem Spiegel im Vorraum stellte er fest, dass er exakt wie ein Ballettschüler aussah. Das weiße Shirt, die schwarze Hose, die mit ihrem Glanz mehr wie eine Gymnastikhose denn wie eine Lauftight wirkte. Und natürlich die Gymnastikschläppchen an seinen nackten Füßen. Nur gut, dass seine Fußballkumpels ihn nicht so sahen.



    In der Turnhalle waren bereits drei Mädels damit beschäftigt verschiedene Geräte und Matten zu positionieren. Von den dreien kannte er jedoch nur die am weitesten von ihm entfernte. An ihrer Haarfarbe. Eine der beiden anderen kam auf ihn zu und sah ihn an, als wolle sie ihn fragen ob er sich verlaufen habe.

    Er wurde bereits nervös und überlegte krampfhaft was er ihr antworten könnte, als wie zur Erlösung die beiden anderen hinter ihm erschienen.



    Die kräftige Brünette nahm ihn unvermittelt am Arm und schob ihn auf die Bodenturnmatte.



    "Kommt mal alle her", rief sie den anderen Turnmädels mit ihrer gewohnt durchdringenden Stimme zu, die sich daraufhin um sie versammelten. "Wir haben einen Gast zum Probetraining. Er hat letzte Woche schon mal reingeschnuppert. Das ist.....", sie blickte ihn verwundert an, "Wie ...heißt du eigentlich?"



    "Ich ..., ääh ... Frank. Ich bin Frank", stotterte er überrascht.



    "Das ist Frank", wiederholte sie an ihre Mitstreiterinnen gewandt. "Wir waren letztens so sehr bei der Sache, dass wir uns nicht lange mit Bekanntmachen aufhielten", überspielte sie die Peinlichkeit und begann mit der Vorstellungsrunde. Also wussten die neuen Mädels nichts von der "Strafaktion".



    "Das hier ist Kim", erklärte sie und deutete dabei auf die jungenhafte Blonde.



    Die angesprochene erwiderte keck "Hi!", und hob dabei die Hand.



    "Auch Annalena kennst du bereits", und wies auf das feurige Haupt neben ihm.



    "Lena", meinte diese unerwartet zahm und reichte ihm die Hand.



    "Und diese beiden....", erklärte sie während die beiden anderen etwas beiseite gingen, "...sind Meike und Alke."



    Unschwer zu erkennen, Zwillinge. Das wird ja lustig, dachte er. Er hatte schon genug Schwierigkeiten damit bei Nicht-Zwillingen Namen mit Gesichtern zu verbinden, aber diese beiden waren identisch! zu allem Überfluss auch noch gleich gekleidet. Schwarze Gymnastikhose und gelber Turnanzug, kurzarm mit geschlossenem Rücken.



    "Mach dir nichts draus", sagte eine der beiden, offenbar seine Ratlosigkeit bemerkend.

    "Selbst unsere Eltern können uns nur schwer unterscheiden", fügte die andere hinzu.

    Alles in allem begann dieses Training doch viel freundlicher als das letzte.



    "So, genug geplaudert. Ein bisschen Stretching zur Einstimmung", wies die Chefin sie an.



    "Ähhm ...", fragte er sie bevor sie zu weit weg war, "Wie heißt du eigentlich?"



    Sie hatte sich selbst bei der Vorstellung ganz vergessen.



    "Sannah", sagte sie. "Nenn mich einfach Sannah."



    Noch während er darüber nachdachte ob das wohl die Kurzform von Susannah sei, begannen die Dehnübungen.

    Rumpfbeugen, Torsionen und Kniebeugen in einem Tempo und einer Anzahl wie er sie beim Fußballtraining noch nie ausführen musste. Das "zarte Geschlecht" legte ein ganz schönes Tempo vor.



    Für das gemeinsame stretchen bekam er Annalena, die feurige zur Partnerin. Sie setzten sich auf der Bodenmatte gegenüber. Ihre gespreizten Beine schimmerten verführerisch im Blau ihres Ganzanzugs. Nicht vollständig Blau. Typischerweise war auch an diesem Kleidungsstück etwas Grünes, nämlich der Kragen und dünne Seitenstreifen. Seine Füße lagen bei ihren und beide griffen sie jeweils das Handgelenk des Anderen und zogen sich gegenseitig vor und zurück. Das zog ganz schön im Rücken und den Oberschenkeln. Bedingt durch Lenas kürzere Beine lagen ihrer beider Schuhe nicht Sohle auf Sohle, sondern ihre eher an den Innenseiten seiner Schläppchen, fast schon etwas höher. Heute trug sie weiße Gymnastikschuhe und die weichen Sohlen ermöglichten ihren kleinen Füßen sich um seine Knöchel herum zu schmiegen, damit sie genügend Halt fand.



    "He, nicht ganz so stürmisch", klagte sie als er zu kräftig zog.



    Es war eine Art Reflex von ihm, weil sich durch den Anblick seiner Dehnungspartnerin etwas in seiner Laufhose regte, was er versuchte durch körperliche Anstrengung einzudämmen. Hätte er doch nur seine Radler untergezogen, schalt er sich im Geiste.



    Ein Händeklatschen erlöste ihn.

    "So Mädels ...- Entschuldigung", korrigierte sich Sannah, "So Leute, genug gedehnt. Wir machen zum aufwärmen einige Runden Zirkeltraining!"



    Eine ganze Menge von dem was das Gerätemagazin hergab war aufgebaut und wie üblich, machte die kräftige Brünette die Übungen vor. Sie trug heute wieder das gleiche Outfit wie letztes Mal. Den oberschenkellangen, schwarzen Ganzanzug. Aber als sie die ersten beiden Böcke überwunden hatte, offenbarte ein unnatürliches Glitzern dass sie heute eine sehr feine Strumpfhose darunter trug.



    Ah ja, Richtig. Die Kletterseile. Deshalb. Sie sprach ja davon, dass es besser wäre heute etwas an den Beinen zu haben. Nachdem sie an dem dicken Tau bis fast unters Hallendach hochgeklettert war, rutschte sie umso schneller wieder daran herunter, um ohne zu zögern zur nächsten Station zu laufen.



    Eine der langen Sitzbänke diente als Hindernis, das es mit Sprüngen aus der Hocke von links nach rechts mehrfach zu überwinden galt. Eine weitere Bank war schräg an einem der länglichen, mehrteiligen Kästen angebracht und sie balancierte darauf bis nach oben.



    Von hier aus ein Sprung in das kleine blaue Trampolin, das einen auf den nächsten Kasten beförderte. Von dort ging es runter auf eine dicke Sprungmatte, wo sie sich in einer Rolle vorwärts abrollte.



    Ein Slalomspurt durch etliche, aufrecht stehende Stangen und das durchkriechen durch zwei aufeinander folgende Kastensegmente beendete den Parcours.



    Dann ging es auch für die anderen los. Die wieselflinke Kim, heute mit roter Steghose und weißem Body, krabbelte bereits das Seil empor, als Lena, die zweite in der Reihe, noch beim Anlauf auf die Böcke war. Die Zwillinge folgten und er selbst bildete den Schluss.

    Bockspringen hatte er ja ausgiebig geübt und konnte entsprechend mithalten. Als er aber das armdicke Tau in Händen hielt, bahnten sich die Erinnerungen an den Schulsport ihren Weg in sein Gedächtnis. Das konnte er damals schon nicht leiden. Alleine über den dicken Knoten hochzukommen war eine Qual, weil das blöde Seil immer wieder in jede Richtung auswich. Mit viel Anstrengung schaffte er es endlich. Das hochklettern selbst war etwas einfacher. Vor allem die Gummisohlen seiner Gymnastikschuhe gaben guten Halt an dem kratzigen Strick.



    "Das Seil ist nicht so dein Ding, wie?, fragte die Anführerin die bereits am Nachbarseil hochkletterte, also schon wieder einen Umlauf komplettiert hatte und sich anschickte ihn zu überrunden. Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen und kürzte einfach ab indem er sich bereits ab der Mitte wieder hinunterrutschen ließ.



    "Na warte", hörte er es gespielt erzürnt über sich, während er bereits in Hocksprüngen das Bank-Hindernis überwand und die schräge Ebene hinauflief. Das Trampolin meisterte er gut, aber das Abrollen nach dem Sprung vom folgenden Kasten war nicht gerade Elegant.



    "Gleich hab´ ich dich", vernahm er hinter sich, was ihn dazu antrieb sich zu beeilen.



    Beim Slalom kam ihm sein Fußballtraining zu Gute. Er holte genügend Vorsprung heraus um auch beim tauchen durch die Kastenteile vorn zu bleiben.

    Das Ganze schlauchte gewaltig, machte andererseits aber auch richtig Spaß. Trotzdem musste er sich das nächste Mal an den Seilen geschlagen geben. Auch die drahtige Kim in ihrem mattweißen Gymnastikdress zog an ihm vorbei. Für die schmale Blonde schien nichts zu schwer zu sein. Die rote Mähne in dem glänzend blauen Anzug konnte er jedoch noch zwei Runden hinter sich halten bis ein erneutes Händeklatschen das Ende des Aufwärmens verkündete.



    Puhh! Er war ganz schön außer Puste. Ein Blick in die Runde zeigte jedoch, dass es ihm nicht alleine so ging. Ein leichter Schweißfilm, gepaart mit dem sehr glatten Lycra ließ seine Lauftights rutschen. Um diesem mehr Halt zu geben, stopfte er sein T-Shirt in den Bund, statt es darüber hängen zu lassen. Dadurch sah er nun endgültig aus wie ein Ballettschüler.



    "Das treibt den Puls hoch, was?", fragte Meike. Oder war es Alke?



    Gleich ihm schnaufte sie vornüber gebeugt mit hängendem Kopf, die Hände auf die Knie gestützt. Der geflochtene, dunkelbraune Zopf hing ihr dabei bis vors Gesicht. Ebenso bei ihrer Schwester, die daneben stand.



    "Das kannst du laut sagen", antwortete er sobald er wieder genügend Luft bekam.



    Jetzt erst, fiel seinem nach unten gerichteten Blick eine Möglichkeit zur Unterscheidung auf. Die Zwillinge sahen sich zwar zum verwechseln ähnlich und waren gleich gekleidet. Jedoch mit einem Unterschied. Zwar trugen beide die gleichen weißen Wettkampfschläppchen, aber das eine Paar hatte rote Streifen, während das andere Blaue aufwies. Das half ihm natürlich erstmal nicht weiter. Er musste noch herausfinden welcher Name zu Rot, und welcher zu Blau gehörte.



    "OK, Leute", unterbrach die durchdringende Stimme seine Forschungen und holte ihn wieder in die Welt zurück. "Jetzt wo wir einen kräftigen Mann bei uns haben", dabei sah sie zu ihm, "können wir den Mittelteil der Show vielleicht noch etwas ergänzen"



    Sie sprach von ihm als sei er bereits als festes Mitglied eingeplant.

    Da hab´ ich aber noch ein Wörtchen mit zu reden, dachte er sich.



    Sannah stellte sich an die Mitte einer Seite des Bodenturn-Quadrats.



    "Mir schwebt folgendes vor: Frank schlägt von hier aus ein Rad und kommt in der Mitte zum stehen. Ihr beide", dabei zeigte sie auf die Zwillinge, "kommt aus den gegenüberliegenden Ecken mit zwei Flic-Flacs. Ihr müsst alle drei gleichzeitig in der Mitte zum stehen kommen. Frank, du gehst dann leicht in die Grätsche und beugst die Knie. Die beiden anderen stellen sich mit jeweils einem Fuß auf deine Oberschenkel und halten sich mit den Händen an deinen fest während sie sich so weit wie möglich nach außen lehnen. Gleichzeitig veranstalten alle anderen, heute halt nur wir drei, ein Gewusel aus Flugrollen um euch herum."



    Das klang jetzt erst mal sehr theoretisch, aber sie schien ein bestimmtes Bild vor Augen haben.

    Unnötig zu erwähnen wie sehr der erste Versuch fehlschlug. Alle sprangen unkoordiniert durcheinander und eine der Schwestern verfehlte seine Hand und fiel auf die Matte. Da jetzt aber das Gegengewicht fehlte, fiel die andere samt ihm im Schlepptau zur anderen Seite.



    "Stop, Stop! So wird das nichts!"

  • Dankeschön!

    Leider habe ich, außer vom Standpunkt des Zuschauers, keinen direkte Draht zum Turnen oder Artverwandten Disziplinen.

    Es freut mich, dass die teils sehr Detaillierte Schilderung trotz des notwendigen ausführlichen Prosa-Texts gefällt.

    Für mich ist es immer wichtig bei aller Phantasie eine gewisse Plausibilität in die Rahmenhandlung zu bekommen.



    Viel Vergnügen bei den nächsten Kapiteln.

  • Hier geht die Schilderung nahtlos weiter.

    Gute Unterhaltung.











    Alle stellten sich wieder auf der Turnmatte auf.



    "Lasst uns Stück für Stück vorgehen. Zuerst mal nur die Hebefigur alleine. Vom Stand in der Mitte aus. Ab dem Zeitpunkt, wo ihr alle im Strecksprung beieinander steht."



    Frank und die Zwillinge stellten sich wie angewiesen auf.



    "Die Sequenz ist in vier Schritte unterteilt. Auf eins beugst du die Knie, Frank. Auf zwei stellt ihr beiden jeweils einen Fuß auf seine Oberschenkel. Ihr müsst guten Halt haben. Auf drei fasst ihr euch gleichzeitig an den Händen, und auf vier streckt ihr euch so weit es geht nach außen."



    "Und eins...", klatschte die kräftige Brünette in die Hände. Er ging in der Grätsche leicht in die Knie.



    "... und zwei..." Die Füße der Schwestern schmiegten sich an seine Oberschenkel.



    "... und drei..." Er streckte seine Arme seitlich aus und bekam jeweils eine andere Hand zu fassen.



    "... und vier!" Die beiden Mädels lehnten sich nach außen und er bekam mächtig Zug in Armen und Rücken.



    "Und halten! Frank, nicht zu dir heranziehen. Lass die Arme gestreckt!"

    "Meike, die Hand weiter nach außen ... Arm etwas höher ... ja genau so, Alke, Fuß überstrecken ... und lächeln!"



    Aus dem Lächeln wurde ein Lachen, was ihre Formation zusammenfallen ließ. Davon abgesehen klappte es mit der Taktung aber bereits ganz gut.



    "Ich schlage vor", meinte Sannah, "dass ihr ´rüber zu den kleineren Matten geht und die Takte einübt, während wir uns hier um den Aufbau der Flugrollen kümmern, damit wir uns nicht die Schädel an einander einschlagen."



    Die Idee schien einleuchtend. Anstatt wieder nur Durcheinander zu erzeugen, wurden zunächst einzelne Abschnitte perfektioniert.

    Auf der großen Bodenmatte übten die verbliebenen Gymnastinnen eine Flugsequenz ein, bei der sich ihre Bahnen übereinander kreuzten ohne zusammen zu stoßen. Auch das ging nicht ohne blaue Flecke ab. Am leichtesten fiel es natürlich dem schlanken, blonden Wirbelwind. Mühelos hechtete sie kreuz und Quer über ihre Kolleginnen, die sich ihrerseits überkreuzten. Mit der ganzen Mannschaft. pardon, Frauschaft musste der Effekt Atemberaubend sein. Vor allem, wenn man sich die einheitlichen, glänzenden Lycratrikots dazu dachte.



    Meike, Frank und Alke indes verbesserten sich ebenfalls. Wie ein Uhrwerk liefen die Bewegungen ab. Sie fassten sich nun nicht mehr an den Händen, sondern an den Handgelenken, was viel sicherer war. Mit steigendem Vertrauen in ihre Fähigkeiten, wurde der Ablauf fließender und bekam mehr Schwung. Nach einer Weile versuchten sie die Übung noch zu verfeinern. Bereits in der Luft, verlagerten die grazilen Turnmädels ihre Füße von seinem Oberschenkel zu seinem Hüftansatz. Durch den nach außen gelagerten Schwerpunkt war das ohne weiteres machbar. Dies ermöglichte Frank sich gerade zu stellen und sich langsam einmal um seine Achse zu drehen. Das machte den dreien übermütigen Spaß - zu viel, wie sich herausstellte, denn die Konzentration ließ nach und sie fanden sich unversehens in einem verschlungenen Knäuel wieder. Sie lagen am Boden und die Beine des einen Zwillings waren um Franks Oberschenkel geklammert und sie bekam sie nicht mehr entwirrt, da sein Bein ja darüber lag. Zudem drückte der Fuß der anderen sanft auf sein Vergnügungszentrum.



    Das war eindeutig mehr als er ertragen konnte. Gefangen in glänzenden Lycrabeinen, umschlungen von seinem Lieblingsmaterial von total süßen Mädels. Dazu das unbeabsichtigte reiben des Schläppchens an einer sowieso vom scheuern der Laufhose überreizten Stelle.

    Er befürchtete sich zu blamieren. So schnell er konnte kämpfte er sich frei und strebte dem Ausgang entgegen. Seine südlichen Regionen signalisierten unübersehbar Paarungsbereitschaft. Lycrahosen stellen sowas sehr unverhohlen dar.



    "Ähhm... ich muss .. äh... mal kurz raus", rief er den fragenden Blicken seiner Partnerinnen zu, bedacht darauf ihnen nicht den Schritt zu zuwenden.



    Eine Schwachsinnsidee nichts unter der Laufhose zu tragen, dachte er als er außer Atem in der Umkleide ankam. Flugs zog er die Tights aus und streifte statt dessen seine Radler über. Diese waren enger und würden alles etwas besser im Zaum halten. Zum Schluss wieder die verräterische Gymnastikhose darüber. Er musste nur sicher stellen, dass der Stoff seines Shirts zwischen den beiden Beinkleidern lag. Lycra rutscht nämlich auf Lycra nochmals besser als auf feuchter Haut.



    Hoffentlich hab ich mich nicht zu sehr blamiert, dachte er als er bereits wieder zurück wollte. Erst jetzt bemerkte er, dass er offenbar nicht als Einziger heute die Umkleide benutzte. Auf der anderen Bank lagen nämlich Kleidungsstücke und darunter zwei Sporttaschen.

    Oh nein, dachte er, nicht dieser Blödmann. Eine der Taschen konnte er ohne Mühe seinem Fußballkollegen Marc zuordnen. Jenen, mit dem er letztens schon Streit hatte, wegen seiner abfälligen Bemerkungen ihm gegenüber.

    Nichts wie raus, schoss ihm durch den Kopf, bevor wir noch aufeinander treffen. Marc war der Letzte dem er sich in seinem jetzigen Aufzug zeigen wollte. Er sprintete durch den Flur, doch dann hörte er auch schon das klackern von Stollenschuhen auf dem Fliesenboden. Marc kam mit Seb im Gefolge um die Ecke. Wahrscheinlich hatten sie außer der Reihe noch etwas Elfmeterschießen geübt.



    "Ey, wie siehst du denn aus?", fragte dieser langsam in seinem typischen, fast schon debilen Tonfall.



    Frank lief einfach weiter um die Begegnung so kurz wie möglich zu halten. und entgegnete knapp: "So wie man halt zum Turnen aussieht."



    Bereits auf de Treppe zur Halle hinunter hörte er noch: "Turnen?. Du siehst eher aus wie fürs Ballett!", und kurz darauf wesentlich leiser "Passt zu dir!"



    Das hatte jetzt gerade noch gefehlt. Sowas war diesem geistigen U-Boot-Fahrer doch wieder Wasser auf die Mühle. Der würde sich nächsten Mittwoch bestimmt nicht zurückhalten. Aber im Moment hatte er andere Aufgaben zu erledigen.



    Wieder in der Turnhalle standen die anderen zusammen.

    "Alles OK?", fragte Lena, die bei den Zwillingen stand.



    "Ja, ich.... ich musste nur mal .... kurz raus", druckste er herum.



    "Wir wollen die Übungsteile beim nächsten Mal zusammen mit den anderen Kolleginnen im Verbund üben. Wir könnten die restliche Zeit jetzt noch nutzen um noch kurz was am Seil zu probieren", Erklärte die Trainingsleiterin. "Dazu brauchen wir aber jemand kräftiges."



    "Das Seil ist nicht gerade meine Top-Disziplin", meinte er zu seiner Verteidigung.



    "Du sollst auch nicht hochklettern. Das übernehmen Lena und Kim. Du musst nur das Seil straff nach unten ziehen, damit es sich möglichst wenig bewegt. Später, wenn die beiden soweit sind, sollst du es in langsam kreisende Bewegung versetzten. "



    "So wie bei Zirkusartisten?", versicherte er sich verstehend.



    "Genau so."



    Die knabenhafte Blonde erklomm das Seil als erste. An ihrem Arm hingen zwei Halteschlaufen, von denen sie eine ungefähr in der Seilmitte, die andere etwa einen Meter darüber mit einem Schnellverschluss befestigte.

    Als danach der Rotschopf ebenfalls hinaufkletterte, musste er sein ganzes Gewicht unten an den Knoten hängen um das Ausweichen zu verringern.



    Die beiden hielten sich jeweils mit der Hand an einer Schlaufe fest und drückten weiter unten mit dem Fuß gegen das Tau. Sie waren in der Höhe leicht versetzt zueinander, und so machten sie aus dem Seil trotz seiner Spannung eine Zickzack-Linie.



    "Jetzt langsam und gleichmäßig kreisen", wurde er angewiesen.



    Er vollführte kreisende Bewegungen mit dem Seilende und achtete darauf einen möglichst gleichmäßigen Bogen zu beschreiben. Ihm blieb zwischen den dick gepolsterten Matten kaum ein halber Meter. Als die Fliehkraft die Turnerinnen nach außen trieb, wurde es einfacher das Tau in Bewegung zu halten.

    Er riskierte einen Blick nach oben. Wie die beiden Gymnastinnen mit ausgestrecktem Arm und Bein durch den Raum glitten, war Eleganz in Perfektion. Er konnte sich kaum sattsehen an ihrer Grazie, den glitzernden Lichtreflexen auf ihrer Kleidung, Kims biegsamen Körper und dem wehenden, roten Lockenschopf von Annalena.



    "Körperspannung halten!", mahnte Sannah. "Ihr müsst es bis in die Fingerspitzen fühlen. Fußspitzen pointieren!"



    Sie setzten die Korrekturen sofort um.



    Etwas später hielten die schwebenden Gymnastinnen sich mit der bisher freien Hand ebenfalls fest, ließen dafür aber den Fuß vom Seil nach außen wandern. Er musste das Tempo erhöhen, damit ihre Körper in die horizontale gezogen werden konnten. Nun flogen sie vollends. So etwas kannte er allenfalls aus dem Fernsehen, aber nicht von einem regionalen Turnverein. Straff bis in die Zehenspitzen kreisten die Gymnastinnen durch die Turnhalle. Mit effektvoller Beleuchtung und dramatischer Musik untermalt hätte das Weltklasse. Auch die umstehenden Mädels bekamen den Mund nicht mehr zu.



    "Was meinst du, wie das erst im Kostüm wirkt?", fragte der Zwilling mit den Blau gestreiften Schläppchen.



    Die Wettkampfanzüge kannte er ja bereits. Er hatte ihre Wirkung buchstäblich am eigenen Leib erfahren.

    Er nickte zustimmend und ließ kurz darauf die Bewegung zum Ende hin langsam auslaufen.



    "Das war Geil", riefen beide unisono als sie wieder am Boden waren.



    "Wenn das Tau ordentlich geführt wird, ist das alles viel einfacher", wand sich Annalena anerkennend an ihn. Fast wurde er schamhaft Rot wegen des unvermuteten Lobs.



    "So meine Lieben, das war´s für Heute. Lasst uns zusammenräumen"



    Auf dieses Kommando hin, griff sich jede das was ihr gerade am Nächsten war und räumte es wieder an seinen Platz. Das meiste ins Gerätemagazin an der langen Hallenseite. Frank eilte dem Zwilling mit den blauen Markierungen an den Schuhen zur Hilfe. Sie mühte sich gerade mit einer der großen Turnmatten ab. Er fasste auf der Gegenseite mit an.



    "Na", fragte sie, "wie hat dir das Probetraining gefallen?"



    "Anstrengend, Alke", antwortete er etwas außer Puste weil er gerade die schwere Matte hochkant an die Wand gewuchtet hatte.



    "Nee, Meike", korrigierte sie ihn.



    "Sorry"



    "Kein Problem"



    "Anstrengend, aber auch Klasse wegen der vielen unterschiedlichen Übungsteile. Viel besser als letztes Mal. Da war es...", er machte eine Denkpause, "... sehr ... einseitig, äußerst fordernd."



    Er wollte natürlich auch nicht ausplaudern, warum er überhaupt hier war.



    Nachdem sie die letzte Matte ebenfalls hochkant gestellt hatten, waren auch die anderen soweit fertig und strebten langsam dem Ausgang zu. Meikes Schwester war bereits weg, genau wie Annalena. Nur Kim und Sannah standen noch am Ausgang.



    "Ähhm ...", begann Meike zögerlich, als wüsste sie nicht recht wie sie es sagen sollte. "Vorhin als wir ..., also als du ... schnell mal raus musstest ..."



    "Ja, tut mir leid ...", fiel er ihr ins Wort, ".... die Situation.... ich bin halt auch nur ein Mann."



    "Ich sehe das nicht so eng", beschwichtigte sie ihn. "Das kann ja mal vorkommen. Ich meine nur, wenn du keinen Slip oder so drunter tragen willst, warum nimmst du kein Susi?"



    "Wer ist Susi?"



    "Ein Suspensorium."



    "Verstehe nicht."



    "Eierbecher?"



    Jetzt endlich fiel bei ihm der Groschen.



    "Ah, ja. Jetzt hab´ ich´s verstanden. Weißt du, ich bin noch ziemlich neu bei der Sache, und hab´ noch nicht so die Ahnung ..."



    "Ich gehe am Donnerstag in den Gymnastikladen in der Stadt, ein paar neue Sachen kaufen. komm doch einfach mit", forderte sie ihn auf. "Vielleicht kann ich dich etwas beraten."



    "Das ... das wäre toll", antwortete er, "aber ich weiß noch nicht, ob ich überhaupt mit dem Turnen weiter machen will ... deshalb ..."



    "Solltest du aber. Du bist nicht unbegabt."



    Schon wieder ein Lob. Irgendwie begann ihm diese ganze Sache zu gefallen.



    "Ich mach dir einen Vorschlag. Ich warte Donnerstag Abend gegen Sechs am Marktplatz. Wenn du willst, kommst du einfach vorbei, dann gehen wir zusammen, OK? Ich muss los", verabschiedete sie sich.



    "Danke, is Nett von dir.", konnte er ihr noch nachrufen, ehe sie ebenfalls aus der Turnhalle verschwand.



    Sannah und Kim schienen uneinig über etwas zu sein. Zumindest deutete er ihre Gesten so.



    "Wart´ mal noch kurz", hielt ihn die stattliche Brünette auf. "Hast du mal drüber nachgedacht?", wollte sie wissen.



    "Worüber?" Er stand gerade etwas auf dem Schlauch.



    "Über das Angebot bei uns einzusteigen. Wie schon gesagt, halte ich dich zwar für pervers was deine ungewöhnliche Neigung zu Gymnastiksachen angeht, aber ich bleibe auch bei meiner Einschätzung, dass du Talent hast. Zumindest genügend um nicht zu weit aus unserem Rahmen zu fallen."



    "Lasst ihr mir denn eine Wahl?", fragte er in der Überzeugung, dass sie ihn weiter erpressen würden wenn er nicht freiwillig mitmachte.



    "Ich denke, dass ich dich mittlerweile etwas einschätzen kann", antwortete Sannah. "Ich glaube dir, dass du nicht in die Dusche spannen wolltest. Du hast dich wacker geschlagen und deine Strafe verbüßt."



    "Kim", wandte sie sich an die zierliche mit dem momentan etwas säuerlichen Gesichtsausdruck.



    "Och, Menno!", zeterte diese.



    "Komm, gib das Smartphone her."



    Trotzig knallte sie das Gerät in die Hand ihrer Anführerin. Diese wischte und drückte ein paarmal und hielt ihm dann das Display vor die Nase. Vor einem Standbild das unzweifelhaft hier in der Turnhalle aufgenommen war und das einen Typen in einem feuchtglänzenden Turnanzug in Grün und Schwarz zeigte, prangte ein Button mit der Aufschrift "Löschen". Sie drückte darauf und auch auf das folgende Feld, das mit "Bestätigen" beschriftet war. Ein blauer Fortschrittsbalken war zu sehen, dann war das Video gelöscht.



    "Möchtest du unter diesen neuen Rahmenbedingungen bei uns einsteigen?", fragte sie ihn nochmal.



    Er wusste es nicht.

    Nicht nur, dass er nicht wusste was er dazu sagen sollte. In seinem Kopf schienen sich momentan nicht alle Gedanken in eine sinnvolle Richtung zu bewegen.

    Was sollte er antworten? Auf der einen Seite hatte er nie Interesse am Turnen als solches gehabt. Es ging immer nur um die Lycraklamotten. Andererseits hatte es ihm zumindest Heute richtig Spaß gemacht und als Turner konnte er so oft er wollte Lycra tragen.

    Die Gesprächspause dauerte bereits ungemütlich lange.



    "Ich...", begann er noch immer mit sich selbst ringend, "... Ich ... weiß nicht. Muss mir das nochmal durch den Kopf gehen lassen. Ich sag´s euch falls ich nächstes Mal wiederkomme, OK?"



    "Natürlich", antwortete sie. "Denk´ daran, du bist uns willkommen."

  • Hallo Storyfans,

    zum Wochenende hier das nächste Kapitel.

    Viel Vergnügen.











    Mittwoch, Fußball



    Nach der kurzen, aber umso unangenehmeren Begegnung am Freitag mit Marc war er extra früher her gekommen. Er wollte seinem Spott so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten und hatte sich deshalb bereits umgezogen und lief sich auf der Aschenbahn warm. Die Temperaturen waren angenehm, deshalb trug er statt der Lauftights nur seine Radlerhose mit den Fußballshorts darüber. Nach und nach trafen auch die anderen Kameraden ein und taten es ihm gleich.



    "Hallo, Frank. Wie geht´s?"



    Die Stimme gehörte zu Alessandro, der sich neben ihm an seinen entspannten Trab anpasste.



    "Bin nicht so gut drauf", antwortete er. "Und selbst?"



    "Unsere neue Freiterrasse ist endlich fertig. Jetzt brauchen wir nur noch gutes Wetter, dann können wir unseren Gästen endlich einen Biergarten bieten."



    Alessandro war der Sohn des ortsansässigen Pizzabäckers. So ziemlich der mittlerste aus einem Stall von Kindern. Er hatte nur wenig italienischen Akzent, schließlich war er hier geboren und aufgewachsen. Und er war einer seiner ältesten Freunde, schon seit dem Kindergarten.



    "Warum bist du nicht gut drauf?", wollte dieser wissen, während sie weiter ihre Runden abseits von der Hauptgruppe drehten.



    "Ach, ich weiß auch nicht. Momentan geht vieles drunter und drüber. Das mit der Wohnung hat nicht geklappt. Bei jungen alleinstehenden sind Vermieter immer etwas voreingenommen. Wie´s scheint, denken alle wir hätten nichts besseres zu tun als andauernd laute Parties zu veranstalten.."



    "Na das kann man von dir ja wirklich nicht behaupten", bemerkte der Italiener nicht ohne Ironie.



    "Der Fußball macht mir auch nicht mehr so richtig Spaß, bei der veralteten Führung. Der Trainer lässt einfach keine Verbesserungsvorschläge zu. Stillstand ist Rückschritt, das sieht man ja an unserer Tabellenposition."



    "Da hast du Recht", pflichtete er ihm bei. "Ich hab ja auch schon vergeblich versucht neue Spielzüge reinzubringen, damit die Gegner uns nicht immer ins offene Messer laufen lassen. Aber gegen die Rädelsführer ...", dabei wies er im Lauf mit dem Kopf auf die kleine Gruppe die um den Trainer herumstand, "... kommt man nur schlecht an."

    "Blut ist halt dicker als Wasser." Damit spielte er auf die Verwandtschaftsverhältnisse von Trainer, Abteilungsleiter, Stürmer und Mannschaftskapitän an.



    "Weil du gerade die Kerntruppe erwähnst", sagte Alessandro, "Marc hat in der Kabine rumerzählt du würdest lieber Ballettstunden nehmen als Fußball zu spielen, und dass das auch besser deinen Fähigkeiten entspräche. Zumindest seine "Hofnarren" fanden das witzig. Warum nimmt er dich immer wieder aufs Korn?"



    "Toleranz gehört nicht gerade zu seinen Stärken! ich dachte mir schon, dass sowas kommt. Wir haben uns zufällig getroffen."



    Etwas überrascht fragte der Italiener: "Und wie kommt er auf die Sache mit dem Ballett?"



    "Du kannst dir bestimmt vorstellen", antwortete Frank, "Dass Marc in seiner begrenzten Wahrnehmung der Welt nicht mal genau versteht was er selbst sieht. So wie er beispielsweise meine Tights immer als Strumpfhosen tituliert. Allerdings kann ich darüber langsam nicht mehr lachen. Worauf er aber anspielt ist, ich hatte ein "Probetraining" bei den Turnerinnen."



    "Ey Mann, Geil!", rief sein Gegenüber anerkennend aus. "Bei lauter Mädels? Na du bist mir ja einer. Und, wie war´s?"



    "Nicht schlecht. Ich denke ernsthaft darüber nach bei denen mit zu machen."



    "Cool!"



    Die Fußballer sammelten sich am Ende des Platzes, wo bereits die Bälle für das folgende Training bereit lagen.



    "Da ist ja unser Ballettschüler", stellte Marc in abfälligem Tonfall fest, was seine Entourage zu spöttischen Lachen animierte.



    Musste ja so kommen, schließlich hatte er ihm durch die Begegnung in seinen Turnsachen eine Steilvorlage geliefert. Allerdings hatte er für solch engstirniges Verhalten nicht mehr nur Mitleid übrig. So langsam wurde Mobbing daraus.



    "Ich würde mich ja gerne geistig mit dir duellieren, Marc, aber ich merke du bist unbewaffnet", konterte er während er sich einen Ball aus dem Pulk nahm.



    Marc starrte ihn mit offenem Mund an.



    "Vielleicht können dir ja deine Kumpels bei den Worten helfen, die du nicht verstanden hast", antwortete Frank auf den unsicheren Gesichtsausdruck. "Aber an deiner Stelle würde ich mir da nicht so viel Hoffnung machen."



    Jetzt kamen die Lacher aus der anderen Richtung.



    Die Trillerpfeife ertönte.



    "Genug ihr beiden", ermahnte der Trainer, mehr an Frank gewandt, der jedoch bereits dem hinteren Spielfeld zustrebte.



    Trotzdem. Dieser Punkt jedenfalls ging jedenfalls eindeutig an ihn.





    "Machst du mit, Sandro?", forderte er seinen Kumpel zum Partnertraining auf.



    Zunächst kamen zur Auflockerung einige Rumpfdrehungen. Dabei standen sie Rücken an Rücken und übergaben sich so schnell es ging abwechselnd den Ball mit den Händen zur Seite hin. Später auch über Kopf und zwischen den Beinen durch.



    Danach waren Ballführung, Angriff und Verteidigung an der Reihe. Dazu beanspruchte jedes Paar einen Streifen quer über die kürzere Seite des Spielfelds. Beide liefen von außen in Richtung Mitte. Der eine dribbelte mit dem Ball auf den anderen zu. Der ohne Ball versuchte diesen ab der Hälfte des Wegs an sich zu bringen, während der jeweils andere das mit geschickter Beinarbeit zu verhindern suchte. Danach bewegten sie sich wieder entgegengesetzt zum Seitenaus und alles begann von vorn.



    Zwischen Frank und Alessandro verlief diese Übung sehr ausgeglichen, da sie beide ähnlich gut im Mittelfeld waren.



    "Wie iss´n das so beim Turnen?", erkundigte sich Sandro. "So wie früher in der Schule?"



    "Ähnlich", erwiderte Frank der ihm gerade den Ball geschickt abgeluchst hatte und davon dribbelte. "Ähnlich, aber doch... anders. Fast so wie Fußball, nur ohne das Treten. Dafür aber anstrengender."



    "Und mit besserem Ausblick", spielte er auf die Mädels an.



    Aus der Ferne war ein Schrei zu hören.



    "Pass doch auf, du Blödmann!" Unverkennbar Marc, der mal wieder seinem Partner in die Hacken getreten hatte.



    Ein doppelter Pfiff rief die Spieler zusammen.



    Trainingsspiel.



    Es musste nicht lange gewählt werden, denn die beiden Mannschaften formierten sich wie üblich von selbst. Zur Unterscheidung, gab der Trainer der einen Gruppe orangerote Schärpen, welche diese wie den Gurt einer Tasche umlegten.



    "Das bräuchten wir eigentlich nicht", kommentierte Alessandro leise, so dass nur Frank ihn hören konnte. "Auch heute spielen wieder die Blöden gegen uns Normale."



    Frank musste laut lachen. Das entging auch den Gegnern, angeführt von Marc nicht.



    "Dir wird das Lachen schon noch vergehen, Klugscheißer", war der zu erwartende Kommentar.



    "Ich lache nur, weil du anscheinend immer noch mit dem beschäftigt bist, was ich dir vorhin gesagt habe. Ich will dich aber nicht überfordern. Lass uns spielen."



    Außer einem zornigen Blick gab es keine weitere Regung.



    Anpfiff



    Die Gegner waren umgehend im Ballbesitz und Marc preschte aufs Tor zu. Man durfte ihn wegen seiner begrenzten Auffassungsgabe nicht unterschätzen. Als Stürmer war er ungeschlagen. Was ihm an Taktik fehlte, machte er mit Dampframmen gleichem Sprint wett. Mit seinem ständigen Begleiter Sebastian bildete er ein gefährliches Team.



    Tor! 1:0



    War vorauszusehen.

    Aber jetzt war auch die eigene Truppe aufgewacht und störte die anderen bereits früh in ihrem Vorwärtsdrang. Sandro hatte den Ball und Seb kam ihm nicht hinterher, als dieser zu Frank abgab, der seinerseits den freistehenden Vince anspielte. Für diesen sollte das Einlochen eigentlich nur noch Formsache sein.



    "Aus dem Weg, Ballerina!"

    Der Grobmotoriker stieß ihm absichtlich den Ellbogen in die Rippen, wofür Frank ihn noch am Absatz erwischte.



    Tor!



    Pfiff! Kein Tor.

    Der Trainer / Schiedsrichter plädierte auf Revanchefoul.



    "Freistoß"



    Marc lachte hämisch: "Du Schwuchtel!"



    Durch den ungerechtfertigten Freistoß waren jetzt die Gegner wieder am Ball und zögerten nicht diesen Vorteil zu verwandeln.



    2:0



    Das sollte aber erstmal ihr letzter Erfolg sein. Die Truppe um Alessandro und Frank hebelte mehrfach in Folge den gegnerischen Sturm mit simplen Doppelpässen aus und erzielte ebenfalls zwei Treffer.



    2:2



    Gerade schickten sie sich zum dritten Tor an. Frank lief sich frei um eine Flanke anzunehmen, da sah er auch schon seine Nemesis mit Zornesröte im Gesicht auf sich zukommen. Marc ließ sich fallen und die Stollen seiner Schuhe zielten geradewegs auf Franks Schienbein. Seine Version der Blutgrätsche.

    Doch Frank reagierte instinktiv. Wie er es bis zur Ohnmacht geübt hatte, sprang er aus dem Stand in die Höhe und ließ den Foulspieler unter seinen gespreizten Beinen durchrutschen.

    "Might as well - Jump", sang er, bekam wieder zurück auf dem Boden den Ball zu fassen, und:



    Tor!



    3:2



    Erneuter Pfiff



    "Das Tor wird nicht gegeben!", rief der Schiedsrichter, und zeigte statt dessen Foulspiel an.



    Na endlich pfeift er auch mal gegen seinen Neffen, dachte Frank. Das war ja auch unübersehbar.

    Doch was war das? Er konnte es nicht glauben. Der Trainer entschied für die Gegenseite!



    "Das gibt´s doch nicht!", ging Frank den Mann mit der Trillerpfeife an. "Er hat doch das Foul begangen!" und zeigte dabei auf Marc.



    Alessandro zog ihn beiseite, bevor es noch mehr Ärger gab.



    "Lass gut sein", versuchte er ihn zu beruhigen. "Wir haben´s ja alle gesehen, aber die parteiische Entscheidung des Schiedsrichters steht nun mal."



    "Eine Gemeinheit", schnaubte Frank und musste tatenlos mit ansehen, wie Marc den ihm zugesprochenen Elfmeter zum Sieg seiner Gruppe verwandelte.



    2:3 Endstand



    "Geh ´du lieber zu den Mädchen und lerne tanzen, du Tucke!"



    Diese erneute Beleidigung Marcs war zu viel. Frank stürzte sich auf ihn und packte ihn am Kragen.



    "Sofort aufhören!", brüllte ihn der Trainer an. "Oder willst du wieder auf die Ersatzbank?"



    Frank schluckte es runter, war aber nicht zufrieden mit sich. Wie lange sollte er sich diese Ungerechtigkeiten noch gefallen lassen?

    Auf das folgende, abwechselnde Elfmeter schießen hatte er schon gar keinen Bock mehr und so stellte er sich ganz hinten an. Vor ihm hatten Marc und Seb ihre Elfer versenkt und triumphierten ausgelassen.

    Unkonzentriert nahm er Anlauf, erwischte den Ball nicht richtig und pfefferte ihn am Pfosten vorbei.



    "Zieh anstelle der Fußballschuhe doch deine Ballettschläppchen an. Vielleicht triffst du dann besser", verhöhnte ihn sein Gegenspieler und dessen Kumpels lachte ihn schallend aus.



    "Lerne doch lieber Stricken, du ..." Weiter kam er nicht mit seinem Spott, weil ihn ein Fußball mitten ins Gesicht traf.



    "Das war´s jetzt!", konstatierte der Trainer. "Am Sonntag bist du auf der Ersatzbank!"



    Das war der Tropfen, der das Fass endgültig zum überlaufen brachte.



    "Leck´ mich doch!", gab Frank zurück, der sich bereits stinksauer auf den Weg vom Spielfeld machte.



    "Zwei Spiele Sperre!", wurde das Strafmaß erhöht.



    Aber das interessierte ihn nicht mehr und so drehte er sich um und konterte trotzig: "Von mir aus auch Fünf oder Sechs ... mir doch egal ... macht euren Kram doch alleine."



    Angefressen trottete er alleine zurück in die Umkleide. Der Drahtgeflecht-Mülleimer neben dem Eingang bekam seinen Missmut zu spüren.

    Er wechselte lediglich seine Schuhe und zog seine Jacke über. Duschen würde er zu Hause.

    Sie hatten ihm seine Entscheidung abgenommen. In dieser Mannschaft würde er nie mehr Fußball spielen.

  • So, verehrte Liebhaber glatter anschmiegsamer Kleidung.

    Hier nun ein weiteres Kapitel.

    Bitte nicht sauer sein, wenn mal ein paar Tage vergehen. Momentan bin ich lediglich ein Kapitel im Voraus.



    Gute Unterhaltung















    Ein Tag später



    Am Donnerstag beeilte er sich um nach der Arbeit rechtzeitig in der Innenstadt zu sein. Er überquerte den Marktplatz und blieb vor der ehemaligen Markthalle stehen, wo er sich mit Meike treffen wollte. Seinen Entschluss vom Fußball zum Turnen zu wechseln war unterbewusst bereits vor dem gestrigen Eklat in ihm gereift. Es erstaunte ihn, wie leicht er sich gedanklich bereits von seiner früheren Beschäftigung lösen konnte. Er war klar fokussiert auf sein neues Interesse. Bei der Show-Turn Gruppe mitzuwirken.



    Er wusste dass der Laden in den Meike ihn mitnehmen wollte sich in dem kleinen Gässchen hinter der Markthalle befand. Aber sie hatten den Treffpunkt hier vorn vereinbart.

    Das große, alte Gebäude war schon etliche Jahre ein Kulturzentrum / Club mit Livemusik und er verkehrte öfter hier.



    "Hallo Frank, schön dass du gekommen bist."



    Er hatte die Zwillingsschwester nicht gleich erkannt. Sie sah so anders aus als beim Turnen.



    "Oh ... Hallo", sagte er entschuldigend. "Ich hab dich noch nicht mit Brille gesehen."



    Nicht nur das war anders an ihr. Anstatt eines kunstvoll geflochtenen Zopfs, floss ihr hellbraunes Haar glatt über ihre Schultern. Das freche rote Tüllröckchen und die darunter hervor lugenden mattschwarzen Leggings waren ebenso ein Hingucker. Ihr knappes, weit geöffnetes Bolero-Jäckchen offenbarte darunter seidiges Lycra. Offenbar ein Body, wenn nicht gar ein Gymnastikanzug.



    "Die Brille brauche ich zum Sport nicht", erklärte sie. "Wollen wir?"



    Und schon glitt sie mit fließendem Gang voran. Die dunkelblauen Lederballerinas an ihren Füßen unterstrichen ihre durch und durch feminine Erscheinung.



    "Der Laden ist dort hinten herum in der Krämergasse", wies sie mit der Hand in die besagte Richtung.



    "Ich weiß. Ich hab Die Tür schon oft gesehen, wenn ich nach dem feiern aus der Markthalle kam. Ist nämlich direkt gegenüber vom Hinterausgang."



    "Warst du schon mal drin?", wollte sie wissen.



    "Nein. Heute ist Premiere."



    S.G.T., stand in großen Lettern auf dem Schild über der schmucklosen Milchglas-Tür. Darunter war in deutlich kleinerer Schrift "Sabines Gymnastik und Tanz" zu lesen. Kein Schaufenster. Nichts, was außer dem Namen auf ein Geschäft hindeutete. Wozu auch? Wer in diese schmale Sackgasse kam, wusste genau was er wollte.



    Eine Klingel ertönte als er die Tür öffnete und, ganz Gentleman, seiner Begleiterin den Vortritt ließ. Innen war es genauso nüchtern wie von außen. Ein Tresen mit Registrierkasse, an den Wänden einige Regale mit Waren in Kartons und Plastikfolie und einige größere Verpackungen mit der Aufschrift "Lycraworld" auf dem Boden. Das alles wirkte nicht gerade ansprechend.



    "Ich komme gleich", flötete eine melodische, aber unsichtbare Frauenstimme.



    Kurz darauf trat eine Dame mittleren Alters aus einem Durchgang hinter der Regalwand heraus und begrüßte sie fast familiär: "Meike, mein liebes. Lange nicht gesehen!"



    Die beiden umarmten sich freundschaftlich.



    "Deine Schwester hast du nicht mit?", kommentierte sie das offensichtliche.



    "Alke hatte was anderes vor."



    "Aber alleine bist du trotzdem nicht, wie?", dabei schielte sie gespielt lüstern auf ihn.



    "Das ist Frank", stellte Meike ihn vor. "Er will bei unserer Truppe einsteigen."



    Mit Erleichterung in der Stimme sagte die ältere: "Habt ihr also endlich einen Hahn gefunden für euren Korb voller Hühnchen? Susannah redet ja schon ewig davon."



    Sie schüttelte ihm die Hand. "Ich bin Sabine", stellte sie sich ihm vor.



    Das alles wirkte zwar immer noch etwas befremdlich auf ihn, aber die Herzlichkeit war ansteckend. Er lächelte.



    "Was führt euch beider her?"



    "Also ich möchte vor allem den neuem Ganzanzug probieren. Du weißt schon, die Sammelbestellung für den Verein. Und dann brauche ich auch noch neue Schläppchen. Und er...", dabei zeigte sie auf Frank, "... braucht einiges an Trainingskleidung. Du könntest auch gleich Maß nehmen, denn wir benötigen ja auch einen Vereinsanzug für ihn."



    Sabine bedeutete den beiden mit einer schwungvollen Handbewegung ihr zu folgen. Sie traten in einen größeren Raum, der zur Hälfte mit Teppich, zur anderen mit Linoleum ausgelegt war. In der Mitte stand eine Sitzgruppe mit einem Sofa und einigen gepolsterten Hockern. Dahinter befanden sich mehrere Vorhänge und er erkannte darin die Umkleiden. Die gegenüberliegende Wand nahm fast zur Hälfte ein Großer Spiegel ein. Davor waren zwei Holme aus Holz übereinander montiert. Ballettstangen. Den Rest der Wand füllte eine Sprossenwand.



    Den Atem jedoch verschlug ihm die freie Seite des Zimmers. Von hier erstreckten sich unzählige Reihen von Regalen und Kleiderständern, die mehr enthielten als sich sein Fetischistenherz je hatte träumen lassen. Turnanzüge, Gymnastikhosen, Trikots, Ganzanzüge, Turnschläppchen, Ballettbodies, Tutu´s, Spitzenschuhe, Strumpfhosen, Leggings und mehr. In allen erdenklichen Farben, Formen und Größen. Er stand wie versteinert da, als hätte er einen Blick ins Paradies geworfen.



    "Nur zu, schau dich ruhig um", forderte ihn die Besitzerin auf, die sein ungläubiges Starren bemerkt hatte. "Ich kann natürlich nur ein Teil aller Varianten präsentieren."



    Das schien ihm doch sehr übertrieben.



    "Gerade bei den Turnsachen habe ich nur die gängigen Modelle da. Aber ich kann fast jede Ausführung in fast jeder Größe besorgen."



    Wie in Trance ließ er sich von Regal zu Regal, von Kleiderständer zu Kleiderständer treiben und befühlte die Stoffe, ergötzte sich an den Farben und deren Kombinationen.



    "Und du brauchst neue Schläppchen, sagtest du?", fragte Sabine seine Begleiterin.



    "Ja, meine sind an der Sohle schon ganz durchgewetzt."



    "Das selbe Modell?"



    "Ja. Weiß in Leder", antwortete sie. "Das sitzt besser und passt sich perfekt an."



    "Rote oder Blaue Streifen?", hakte Sabine nach.



    "Die letzten waren Blau. Warum nicht mal die roten...?"



    "Auf keinen Fall!", schallte es vom Ausstellungsraum herüber.



    Es war ihm unbewusst herausgerutscht und jetzt trafen ihn die verdutzten Blicke von der Theke her.



    "Entschuldigung ... Ich ... ääh ... meinte nur ..."



    "Was?", fragte Meike. "Warum nicht die roten Streifen?"



    "Nun ja, ...", druckste er fast schüchtern verschämt rum. "Deine Schwester trägt rot gestreifte und deine blau markierten sind die einzige Möglichkeit für mich euch beide auseinander zu halten."



    Daraufhin mussten die beiden Damen laut lachen.



    "Das ist mir noch nie aufgefallen", sagte Meike noch immer glucksend. "Vielleicht geht es den anderen genauso und sie brauchen etwas um uns Zwillinge zu unterscheiden."



    "Er hat Recht", meinte Sabine. "Ihr beiden kauft immer die gleichen Turnsachen, und auch wenn ich euch privat treffe, seid ihr immer gleich gekleidet. Denen, die euch nicht so gut kennen macht ihr es wirklich nicht leicht."



    "Dann wohl doch die Blauen", entschied sie sich.



    "Wo wir gerade dabei sind", wandte sich Sabine geschäftstüchtig an Frank, "Du brauchst doch sicher auch Schläppchen, oder?"



    Er nickte.



    "Schon mal Wettkampfschuhe angehabt?"



    "Nein", antwortete er. "Die kriegt man ja nur in speziellen Läden wie hier und die sind auch recht teuer, oder nicht?"



    "Teuer ist relativ. Bei den andauernd starken Belastungen beim Turnen halten die auch wesentlich länger."



    Ohne ein Gegenargument seinerseits abzuwarten, fragte sie seine Schuhgröße ab, ging zu den Schläppchenregalen und zog zwei transparente Plastikbeutel heraus. Das eine Paar legte sie auf den Tresen.



    "Blau für dich, Meike."



    Das andere Paar reichte sie ihm: "Schlüpf mal in die rein", und zeigte auf die Polsterhocker.



    Nachdem er schnell seine Sneakers abgestreift hatte, packte er die Wettkampfschläppchen aus. Das Leder war weiß und glatt. Die Schuhe waren sehr weich und das Leder verströmte noch seinen "neuen" Geruch.



    "Ich glaub´ die sind etwas knapp", beschwerte er sich als er angestrengt versuchte hineinzuschlüpfen.



    Meike kam ihm zu Hilfe.



    "Du darfst natürlich nicht die dicken Socken anlassen. Schließlich sollen die ja Barfuß so eng anliegen, dass du sie kaum noch spürst."



    Das leuchtete ein und so zog er auch seine Strümpfe aus. Meike reichte ihm einen Karton der so ähnlich aussah wie ein Papiertaschentuch- Spender.



    "Was ist damit?", fragte er verdutzt.



    "Probiersöckchen. Als Mann kennst du sowas natürlich nicht, aber bei der Anprobe ist direkter Hautkontakt nicht üblich."



    Er zog an einem der leicht braungrauen Dinger und sogleich fielen ihm zwei der seltsamen Strümpfe entgegen. Sie waren wie Sneakersocken, allerdings annähernd durchsichtig. Sie dehnten sich erfreulich stark und waren, nachdem er sie übergestreift hatte, fast unsichtbar. Damit kam er schon leichter in die Schläppchen.



    "Dass sie dir zu Anfang etwas knapp vorkommen ist normal", erklärte Meike. "Das Leder passt sich innerhalb weniger Stunden an deine Füße an, dann spürst du sie gar nicht mehr."



    Nachdem die Gymnastikschuhe seine Füße perfekt umschlossen und er die ersten Schritte darin machte, war es für ihn wie eine Offenbarung. Schon jetzt, spürte er sie fast nicht mehr.



    "Mir war klar, dass mit dem Preisunterschied auch ein Qualitätsunterschied zu den Kaufhaus-Schläppchen einher gehen muss. Aber so krass...."



    "Beim professionellen Turnen brauchst du stets einen sicheren Stand, ohne dass die Eleganz darunter leidet", erklärte Sabine. "Beweg´ mal deine Zehen."



    Er konnte mit Leichtigkeit seinen Fuß überstrecken. Die geteilte Sohle ließ das viel einfacher zu als die starren Gummisohlen normaler Schuhe.

    Auf beiden Bodenbelägen fand er Halt, ohne dass ihn die Sohle zu abrupt abbremste. Das war ganz klar eine ganz andere Liga.



    "Na, überzeugt?", frage Sabine Siegessicher.



    Frank konnte nur noch zustimmend nicken.



    Sie übergab Meike ein weiches Paket: "Hier dein Ganzanzug. Probier ihn mal an, derweil gehe ich mit deinem Begleiter zu den Herrentrikots. Brauchst du eine Unteranzug?"



    "Nein", antwortete Meike und zog ihr Bolero-Jäckchen aus wodurch man ihren Lycrabody besser sehen konnte. "Hab´ schon einen Anzug drunter."

  • Sehr schön, Lycwolf. Du schreibst mit guter Beobachtungsgabe.
    Kann mich Rim, Wolpertinger und Schwimmi91 nahtlos anschließen.

    Ich lese übrigens immer so, dass meine aktuelle Lesezeile im Fenster ganz unten ist, und scrolle immer nur eine Zeile weiter. So vermeide ich hastiges Vorauslesen. Erhöht auch die Spannung.
    Bei der Zeile

    Zitat

    "Auf keinen Fall!", schallte es vom Ausstellungsraum herüber.


    musste ich lachen. Wusste ich doch genau, warum Frank das sagte. Weil er mit Entsetzen das einzige Unterscheidungsmerkmal der Zwillinge drohend verschwinden sah.
    Sehr hübsches Detail!
    :)
    Desi

    :) Desi-Badeanzug-HP und Nereida Drei auf desi.tervara.de :)

  • Vielen Dank für die lobenden Kommentare.

    Das geht ja runter wie Öl.



    Die Autoren unter euch können bestimmt nachvollziehen, wie lange man oft an machen Details und Wendungen in der Erzählung feilt. Es ist schön, wenn einem sein Geschreibsel nicht nur selbst gefällt.



    Desi : Interessanter Lese Stil - muss ich unbedingt mal ausprobieren.



    Nochmals Danke!



    Ich kann euch versprechen, dass weitere Kapitel im entstehen sind und ich euch dran teilhaben lasse, sobald sie "druckreif" sind.



    Als jemand, der sich mit den Worten vorstellte: "Ich bin eher ein stilles Forumsmitglied", dreht sich momentan der Größte Teil meiner Freizeit um unsere Leidenschaft. Neben dem eigenen Schreiben möchte ich ja auch kein Kapitel von "Nereida 3" oder "Novemberrain" verpassen. Beeinflussungen dadurch sind nicht auszuschließen.



    Spätestens Ende der Woche geht es weiter.



    P.S. Denjenigen, die den gekonnt platzierten Querverweis im Vorraum des Gymnastikladens überlesen haben, kann ich versprechen, dass das beim nächsten Mal noch etwas deutlicher behandelt wird.