Die galaktische Turnfee Nereida Drei

  • Kap. 64: Gunda kommt zur TuFiTa


    ***Teil 1***


    In der Nacht zu Mittwoch.


    Aus Ingos Sicht.


    Lisa wachte auf, drei Uhr nachts und weckte mich.

    "Ingo, ich war schon wieder auf diesem blöden Planeten. Im Traum."

    Ich nahm sie in den Arm.

    "Ach Lisa, du bist hier bei mir auf der Erde."

    "Ja, ich weiß. Das ganze von gestern Abend nimmt mich noch zu sehr mit."

    "Kann ich nur zu deutlich verstehen. Versuche weiter zu schlafen. Ich bin bei dir."

    "Ja, mal sehen. Danke, dass du da bist."

    Ich küsste sie sanft auf die Wange. Sie legte sich hin und schlief nach einer Weile wieder ein.



    Mittwoch morgen.


    Auch morgens berichtete Lisa mir wieder von Träumen, die mit dem vorigen Abend zu tun hatten.

    Sie sagte niedergeschlagen: "Ich glaube, ich gehe heute Abend doch nicht zur TuFiTa. Nereida und Bea würden mich immer wieder an diesen komischen Planeten erinnern. Ich brauche Abstand."

    "Wenn du meinst, dann mach das doch. Es ist in Ordnung."

    "Danke Schatz."


    Ich ging wie gewohnt zur Arbeit. Allerdings musste ich auch oft an diese geradezu fantastische Reise denken. Ist ja nichts alltägliches.



    Mittwoch Abend.


    Dunkle Wolken zogen auf. Gerade vor den ersten Regentropfen kam ich noch trocken in der Turnhalle des TSV Obertupfingen an.

    Ich wartete dort ab. Es war viertel vor sieben, in Kürze sollte wieder die TuFiTa beginnen und ich hatte wieder Julias roten Turnanzug an. Er gefiel mir immer noch echt gut.


    In der Damen-Umkleide.

    Nereida trug wieder ihren schwarzen Turnanzug Nereida-III. Sie sprach frohgemut mit den anderen.

    Zwei Überraschungen geschahen:

    Die erste: Gunda tauchte auf. Damit hatte ich gar nicht gerechnet!

    Die zweite: Lisa kam nicht. Wovon ich ja wusste.


    Nereida freute sich sehr über Gunda. Die beiden umarmten einander lange.

    Sie stellte Gunda den anderen vor. Die TuFiTa-Frauen freuten sich, dass sie gekommen war.

    "Ich bin Gunda, Ingos Schwester. Ich bitte um etwas Nachsicht, da ich komplett untrainiert bin und gerate schnell außer Puste."

    "Alles klar, Gunda, du machst dann nur so gut mit, wie du kannst", meinte Christina lächelnd.

    "Wir nehmen Rücksicht auf dich, Gundi", meinte Nereida erfreut. Gunda war froh.


    Aber Nereida wurde umso bedrückter, ja weiter die Uhr Richtung 19 Uhr ging. Sie wartete auf Lisa.

    Aber Lisa kam nicht.

    Oksana bemerkte Nereidas traurige Grundstimmung und umarmte sie. Nereida ließ es geschehen, es tröstete sie aber nicht besonders.


    Beata war schon in der Halle, sie hatte vorher ja ihre Mädchenriege trainiert. Sie trug den rot-weißen Vereins-Turnanzug, der ihr immer noch fabelhaft stand.


    Ich sah die Frauen alle gut gelaunt in die Halle kommen, bis auf Nereida mit einem bedrückten Gesicht. Bei Nereida war das bedenklich. Lisa war nicht unter ihnen, genauso wie sie mir es mitgeteilt hatte. Aber dafür kam Gunda! Was für eine Überraschung! Schick sah sie aus, in dem schwarzen Nereida-III-Turnanzug!

    Gunda strahlte, als sie mich sah, kam und umarmte mich.

    "Hallo lieber Ingo!"

    "Hallo Gundi, schön, dass du gekommen bist! Ich bin echt überrascht!"

    "Ja, ich möchte das doch mal ausprobieren. Beim Turnfest hat mir eure Vorführung gefallen und Nereida hat mich eingeladen mitzumachen."

    "Das freut mich sehr. Schick siehst du aus, in deinem schwarzen Turnanzug, Gundi."

    "Danke, den hab ich von Nereida bekommen. Er sitzt sehr bequem. Viel, viel besser als die kratzigen, engen, altmodischen Turnanzüge aus der Schulzeit. Und sieht auch gut aus."

    "Das merkt man, du strahlst ja."

    "Oh ja, Ingo. Ich fühle mich auch wohl. Dein roter Turnanzug sieht aber auch gut aus."

    "Danke, ich mag ihn auch gern. Den hatte mir Julia geschenkt."


    Als Julia ihren Namen hörte, kam sie zu uns.

    "Hallo Ingo, hallo Gunda, sprecht ihr über mich?" fragte sie neugierig.

    "Ja, wir sprachen über meinen Turnanzug. Und dass du ihn mir geschenkt hattest."

    "Das ist fast richtig. Ich hatte eine Bedingung daran gestellt."

    "Welche Bedingung denn?", fragte Gunda.

    "Dass Ingo in der TuFiTa bleibt und weiterhin mit uns Frauen turnt", meinte Julia.

    "Tja, Julia, und heute Abend trage ich schon zum sechsten Mal hier deinen Turnanzug."

    "Hey, schon so oft? Ich bin verblüfft und begeistert."

    "Hier kommt er ja auch zu Ehren."

    Wir lachten.


    Beata besprach währenddessen mit Christina, was sie für die Stunde vorhatte. Beatas Plan war, Christina zur Co-Trainerin zu machen, sie hatte sie in den vergangenen Monaten dementsprechend ausgebildet und hatte vor, demnächst mal Christina probeweise die Stunde leiten zu lassen. Christina sollte bald extern ihren Trainerschein machen.


    Beata wies nach dem Gespräch mit Christina die Frauen an, die Sportgeräte nach ihren Plänen aufzustellen. Dann wurde sie von ihrer Schwester Nereida gerufen, die auf einer Turnbank verdrießlich an der Seite der Halle saß, zu Boden guckte und sich mit dem Händen auf der Bank abstützte. Für Nereida, die fast immer irgendwie gut gelaunt und in Bewegung war, war das ein seltener, beunruhigender Zustand.

    Wir anderen waren alle gut drauf.


    Nur die beiden Schwestern nicht. Nereida und nun auch Beata wirkten sehr gedrückt. Ich konnte mir gut vorstellen, warum. Ich ging zu den beiden, während die anderen Frauen mit dem Aufbauen beschäftigt waren.

    "Hallo ihr zwei."

    Sie saßen da und schauten mich verhalten an. Nereida sagte nichts, schaute dann wieder betreten zu Boden.

    "Hallo Ingo. Wie geht es dir? Und wie geht es Lisa? Wo ist sie?" fragte Beata gedrückt.

    "Mir geht es eigentlich gut. Lisa ist bei sich zuhause und liest in ihren Fachbüchern."

    "Warum kommt sie nicht zur TuFiTa?"

    "Sie hat die Nacht sehr schlecht geschlafen und schlecht geträumt. Sie sagt, sie braucht erst mal Abstand von allem. Sie sucht Ablenkung. Sie will in ihren Büchern lesen. Das sagt sie jedenfalls, aber sie ist nicht konzentriert dabei, sie ist so durcheinander. So nachdenklich. So still. Und niedergeschlagen."

    Nereida dachte an den vorigen Tag, stützte sorgenvoll den Kopf mit ihren Armen auf die Beine und schluchzte.

    Beata fragte vorsichtig: "Wann kommt sie denn wieder?"

    "Weiß ich nicht. Sie konnte es mir nicht sagen. In so einem Zustand habe ich sie auch noch nicht erlebt. Meine Versuche zu trösten haben einfach nicht gewirkt. Lisa sagte, sie würde das hinkriegen, aber sie ist im Innern furchtbar traurig. Sie hatte mich hier hergeschickt, ohne Widerrede. Sogar ich durfte nicht bleiben. Sie wollte nur alleine sein und nichts und niemanden sehen."


    Tränen traten in Nereidas Augen. Es ging ihr so nahe. "Ich kann heute nicht mitmachen, ich fühle mich so mies!", schluchzte sie.

    Nereida stand auf, lief an uns vorbei, in die leere Damen-Umkleide hinein.

    Beata sah bedrückt ihrer Schwester hinterher, war auf dem Sprung, ihr zu folgen, blieb aber sitzen und schaute nur geknickt zu Boden.


    Ich setzte mich zu ihr und umarmte sie still. Sie ließ es geschehen. "Ach Bea...". Sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter. Einen Moment saßen wir da. Beata weinte leise, ich versuchte sie zu trösten. So hatte ich Beata in der Turnstunde noch nie erlebt. Sie war nicht mehr die souveräne Trainerin Tabea, sondern nur noch ein trauriges Mädchen, eine verzweifelte R-Wi-a.

    Sie winkte dann Christina. Diese kam zu uns hinüber, worauf ich Beata los ließ.

    "Übernimmst du heute bitte die Stunde, Christina?" bat Beata sie matt.

    "Ja, kann ich machen. Bea, was ist denn mit dir?"

    "Meiner Schwester geht es nicht gut, und ich fürchte, mir auch nicht."

    "Dann ruhe dich aus, Bea, ich übernehme heute mal die Führung. Du hast mich gut vorbereitet. Mache dir darum keine Sorgen. Kann ich etwas für dich tun?"

    Beata schüttelte den Kopf, woraufhin Christina zurück zu den anderen lief und Anweisungen gab.

    "Danke Ingo, dass du mich getröstet hast. Das war nett von dir", sagte Beata tonlos zu mir, mit einem Anflug eines Lächelns. "Du kannst jetzt beruhigt zu den anderen gehen. Ich bleibe hier."

    "Gern geschehen, liebe Beata. Wenn du Hilfe brauchst, rufe mich."

    Sie nickte freundlich.

    Ich stand auf und ging zu den Frauen, guckte aber zurück zu Beata.

    Sie blieb auf der Turnbank sitzen und sah nachdenklich aus.

    Beata wäre ihrer Schwester liebend gern hinterher gelaufen, fühlte aber, dass Nereida alleine sein wollte.


    Christina rief, und wir liefen uns alle im großen Kreis warm.


    Beata schaute Christina und der TuFiTa zu. Es gefiel ihr, was Christina machte, aber sie konnte sich nicht daran freuen, denn sie musste immer wieder an Nereida und Lisa denken.


    Nereida war derzeit im leeren Umkleideraum, tänzelte herum und dachte an Lisa.

    Nereida: Liebe Lisa, hier Nereida, darf ich mit dir sprechen?


    Lisa: Ach Nereida, ich würde gerne alleine sein. Ganz alleine.

    Nereida: Aber liebe Lisa, kann ich irgendetwas für dich tun?

    Lisa: Kannst du. Lass mich ganz alleine.

    Nereida: Lisa, ich möchte dir so gerne helfen.

    Lisa: Nereida, ich habe schlecht geschlafen, ich hatte Albträume von der R-Wi-Welt.

    Nereida: Und du fühlst dich durcheinander?

    Lisa: Ja. Ich bin durcheinander. Das war alles sehr viel für fünf Stunden. Zu viel.

    Nereida: Und du fürchtest, damit nicht klar zu kommen?

    Lisa: So ist es.

    Nereida: Und du fürchtest dich davor, allein gelassen zu werden?

    Lisa: Ja. Die Zeit alleine in deinem Haus war furchtbar. Ich hatte große Angst.

    Nereida: Und wie fühlst du dich jetzt?

    Lisa: Auch alleine.


    Nereida dachte für längere Zeit nichts.


    Lisa: Nereida? Hörst du noch zu? Bist du noch da?

    Nereida: Ja, Lisa.

    Lisa: Komm doch bitte vorbei, ich möchte nicht alleine sein.

    Nereida: Wenn du das möchtest, komme ich.

    Lisa: Ja, bitte, Nereida.

    Nereida: Ich mache mich sofort auf den Weg, Lisa.


    Nereida drehte sich schnell, konzentrierte sich auf Lisas Wohnung, und die Lichter nahmen sie mit in Lisas Wohnzimmer.


    Ein paar Sekunden nach Nereidas Abreise ging Beata doch noch in den nun leeren Umkleideraum, um ihre Schwester zu trösten. Nereida war nicht mehr da. Beata seufzte, machte von innen die Tür zu, setzte sich auf eine Bank, stützte ihren Kopf mit den Armen auf den Knien ab und dachte nach. Sie dachte an ihre Schwester, wie betroffen und traurig sie war, weil Lisa nicht kam. Beata selbst war auch noch genauso traurig. Sie dachte an gestern und an Lisas Glück und Unglück. Vielleicht ist Nereida jetzt bei Lisa. Beata beschloss, die Ruhe zu genießen und abzuwarten, bis Nereida sich bei ihr melden würde. Und sie vertraute Christina, dass sie die TuFiTa auch gut alleine führen kann.


    Nereida landete inzwischen tänzelnd in Lisas Wohnzimmer.

    "Nereida!" rief Lisa erfreut. Sie sprang auf.

    "Lisa, liebe Freundin!"

    "Oh wie schön, dass du kommst, Nereida!"

    "Ich konnte dich einfach nicht alleine lassen, Lisa. Nicht noch einmal."

    Die beiden Frauen umarmten einander und schluchzten.


    Lisa zog Nereida auf ihr Sofa und ließ sich darauf plumpsen. Sie sah geschafft aus.

    "Liebe Nereida, ich habe so viel denken müssen, das hat mir eine schlechte Nacht und Albträume beschert und ich bin so durcheinander. Ich muss zu mir selbst finden."

    "Du hast gestern ja auch viel Fremdes, Neues, Gewöhnungsbedürftiges und auch Seltsames erlebt."

    "Das stimmt. So viele Eindrücke, es war einfach zu viel für mich! Und zwar sowohl schöne Sachen als auch nicht so schöne Sachen."

    "Lisa, ich habe versucht, das Schönste dir, Oksana und Ingo zu zeigen. Und dass es harmonisch und liebevoll zugeht."

    "Es war ja auch schön, Nereida. Wie ich schon sagte. Wenn die Sache mit dem Alleingelassensein nicht wäre. Ich möchte nicht alleine sein. Bleib bitte bei mir." Sie schluchzte.

    Nereida nahm Lisa in den Arm, dachte nach.

    "Lisa, hat man dich denn früher mal alleine gelassen, was dich sehr verstört hat?"

    Sie nickte. "Ja, als ich ein kleines Kind war."

    "Magst du mehr erzählen?"

    "Meine Eltern und meine Geschwister waren eines Tages nicht mehr da. Ich war da in einem dunklen Raum alleine und schrie und weinte."

    Bei der Erinnerung an die Vergangenheit kamen ihr die Tränen. Nereida drückte sie sachte.

    "Und als du in meinem verdunkelten Haus warst, dachtest du da an dieses Erlebnis?"

    "Ja! Es war fast wie damals. Alle waren weg! Ich rechnete schon mit dem Schlimmsten. Zum Glück kamen damals meine Eltern wieder zurück. Bitte lass mich nicht allein, Nereida!" schluchzte sie.

    "Ich bleibe bei dir, Lisa. Ich lasse dich nicht allein. Drück dich an mich."


    Lisa kuschelte sich an sie. Sie spürte durch den Turnanzug Nereidas warmen Körper, den gleichmäßigen Herzschlag, ein schönes Gefühl. Sie atmete ruhig, fühlte sich geborgen, geschützt. Nereida die galaktische Turnfee war da. Und sie blieb da. Ging nicht fort. Ließ sie nicht zurück.


    Es tat Lisa gut, die bloße Gegenwart Nereidas zu spüren. Auch Nereida fühlte einen Frieden, der keine Gedanken, Worte oder Tanz benötigte.

    Beide blieben so für ein paar Minuten liegen, verweilten in dem schönen Augenblick, kuschelten aneinander, sagten nichts, dachten nichts.

    Lisas Gesicht sah dann wieder fröhlicher aus. Sie löste sich aus der Umarmung und schaute Nereida freudig an:

    "Danke liebe Nereida, dass du für mich da bist und mich still in den Arm genommen hast. Danke, dass du auch einfach mal nichts gesagt oder gedacht hast. Ich fühle mich auch schon nicht mehr so allein. Wie machst du das bloß? Du bist doch eine Zauberfee."


    Nereida strahlte. "Gerne geschehen! Ich freue mich für dich, Lisa. Was möchtest du tun?"

    "Wollen wir beide ein bisschen tanzen, Nereida?" fragte Lisa mit einem Lächeln.

    Diese Frage brauchte man Nereida nicht zweimal zu stellen. "Aber ja, Lisa."

    "Ich ziehe auch deinen Turnanzug wieder an."

    "Da warte ich doch gerne."

    Lisa ging in ihr Schlafzimmer, zog ihr Kleid aus und dafür den schwarzen Nereida-III-Turnanzug an.

    So ging sie zurück ins Wohnzimmer, wo Nereida sie schon im gleichen Turnanzug erwartete.

    Sie umarmten einander und spürten sich intensiv, tänzelten umeinander und waren wieder froh.

    Die Leichtigkeit des Tanzens umfing beide, sie waren gut gelaunt und freuten sich.


    "Oh, das ist schön, Nereida. Schade, dass die anderen nicht hier sind."

    "Wir können ja zu ihnen kommen."

    "Ein netter Vorschlag. Aber es regnet draußen ziemlich doll, wir würden recht nass werden."


    "Ich könnte uns beide dahin tanzen. Natürlich nur, wenn du willst. Ich habe ja versprochen, dich vorher zu fragen."

    "Ja, das wäre gut. Aber das kriegen dann ja alle mit."

    "Nein, denn wir tauchen im Umkleideraum auf. Ich denke an Bea und gebe ihr Bescheid."

    "Aber Bea leitet doch die TuFiTa."

    "Heute nicht, sie hat sich von Christina vertreten lassen. Ich habe ihre Gedankensignale empfangen. Sie sitzt gerade alleine in der Damen-Umkleide."

    "In Ordnung, mach das, Nereida. Ich komme mit dir."


    Nereida dachte an Beata: Tinaxana Beata, liebe Schwester, ich komme gleich mit Lisa in die Damen-Umkleide geschwebt.

    Beata: Oh super, Nereida!

    Nereida: Ja, wir haben die Missstimmung bereinigt und die Harmonie wieder hergestellt.

    Beata: Du bist klasse, liebste Schwester!

    Nereida: Danke! Sorge mal dafür, dass niemand sonst in der Umkleide ist.

    Beata: Ja, Nereida, das mache ich. Bis gleich.


    Nereida und Lisa tanzten umeinander, fassten sich an den Händen und lachten vergnügt. Sie umfing das Licht, es wurde immer intensiver und nahm die beiden mit in die Damen-Umkleide der Turnhalle.


    Beata erwartete hocherfreut die beiden allein. "Hallo Lisa! Schön, dass du da bist!"

    "Bea! Ich freue mich auch. Deine Schwester hat mich aufgemuntert. Sie hat mir meine Niedergeschlagenheit genommen. Sie ist eine echte Zauberfee!"

    Nereida strahlte.

    Beata freute sich und umarmte Lisa zur Begrüßung, danach drückte sie Nereida innig an sich. Danke ke-re-ses, dachte sie.

    "Dann lasst uns mal in die Halle gehen. Lisa, die anderen wissen noch nichts von deiner Ankunft."

    "Na, die werden sich wundern", strahlte Lisa.

    Beata erzählte den beiden leise, was sie vorhatte. Nereida und Lisa waren begeistert.

    Alle drei gingen frohgemut zur Hallentür.



    ***Teil 2***



    Währenddessen waren wir mit unserem Aerobic-Teil durch. Christina als Leiterin hat es auch gut gemacht. Sie war als Trainerin lange nicht so hart und streng wie Beata. Gunda musste dennoch kürzer treten, da sie die viele Bewegung und Anstrengung nicht gewohnt war. Wir gingen umher, während der Puls sich langsam wieder beruhigte. Für danach hatte Christina eine Tanz-Einheit angekündigt.


    "Schade, dass Bea, Nereida und Lisa nicht da sind", bedauerte Gunda, "ich hätte gerne mit ihnen getanzt."

    "Ja, ohne sie sind wir nicht komplett", sagte Femke.

    "Stimmt. Sie kommen aber bestimmt wieder, davon bin ich überzeugt. Lasst uns aber vorm Tanzen nochmal im Schritttempo im großen Kreis traben", meinte Christina.

    Die Frauen und ich gingen langsam los.


    "Ich wünsche mir fest, dass Lisa, Bea und Nereida zurückkommen", rief Gunda laut hörbar aus.

    Wir lächelten und dachten dasselbe.


    Zehn Meter, bevor wir an der Tür zur Damen-Umkleide vorbei gingen, öffnete sich plötzlich die Tür!


    Und heraus kamen gelaufen - Nereida, Beata UND Lisa!

    Alle drei strahlten, lachten und riefen laut: "Ja, wir sind zurück! Fangt uns doch!"


    Und liefen vor uns schnell davon, im großen Kreis.

    Ich wunderte mich, dass Lisa dabei war! Sah ich doch nur Nereida und später Beata in die Umkleide gehen! Hatten Nereida und Beata Lisa überredet? Und vor allem wie hatten sie es angestellt? Wie haben sie sie hergeholt?


    Christina rief laut zu uns: "Gundas Wunsch ist wahr geworden, hurra! Los, Mädels, hinter ihnen her!"

    Sie hatte uns und mich, den 'Hahn im Korb' eingeschlossen, 'Mädels' genannt, ich musste schmunzeln.


    Wir zehn staunten wegen der schnellen Wunscherfüllung, machten uns dann aber rasch an die Verfolgung. Es ging eine Runde um die Halle, wir hatten sie fast eingeholt, dann liefen die Gejagten in die Hallenmitte und begannen dort zu tanzen. "Tanzt mit uns!", rief Beata begeistert. Auch Lisa und Nereida sahen glücklich aus!

    Wir stellten die Verfolgung ein und tanzten mit ihnen zusammen.

    Gunda war begeistert und tanzte mit uns.


    In einer kleinen Pause umarmte ich Lisa: "Wie schön, Schatz, dass du hier bist. Und du siehst wieder glücklich aus."

    "Ja, ich freue mich auch. Nereida hat es geschafft, sie hat mich aus meinem Tief geholt."

    Nereida hörte ihren Namen, kam zu uns und freute sich mit uns.

    "Liebe Nereida, du hast die Harmonie wieder hergestellt", meinte ich froh, "ich danke dir vielmals."

    Nereida strahlte. "Ja, gerne, ich musste das einfach. Es war eine Herzensangelegenheit."


    Für eine Tanzübung von Christina sollten wir uns jeweils zu dritt zusammentun.

    So kamen Lisa, Gunda und ich zusammen. Wir fassten einander an den Händen, bildeten ein Dreieck und drehten uns um unseren gemeinsamen Mittelpunkt. Und drei andere Dreiecke taten es genauso.

    Christina stand in der Mitte aller vierer Dreiecke.

    "Und nun dreht euch nicht nur um euch selbst, sondern rotiert auch noch alle im Uhrzeigersinn um mich", rief sie.

    Das brachte Spaß! Gunda und Lisa juchzten fröhlich, die anderen Frauen ebenso. Eine Minute ging es so.

    "Und bleibt stehen! Wer von euch mir am nächsten steht, geht im Uhrzeigersinn zur nächsten Dreieck-Gruppe."

    Das waren Nereida, Kerstin, Marion und ich. Ich fand mich bei Oksana und Ute wieder, und Nereida kam zu Gunda und Lisa.

    "Fasst euch an den Händen und dreht euch wieder. Diesmal andersherum und auch andersherum um mich."

    Ute und Oksana strahlten ebenfalls, als wir umeinander drehten.


    Ich sah zum Nachbarkreis, wo Nereida, Lisa und Gunda tanzten. Ein sonderbarer Anblick: Alle drei trugen den schönen schwarzen Turnanzug Nereida-III. Ich rief ihnen laut zu: "Ihr tragt alle Nereida-III."

    Nereida wurde das da erst bewusst und sie rief fröhlich aus: "Ja, nicht nur ich, sondern wir drei sind Nereida Drei!"

    "Stimmt!", riefen Lisa und Gunda, und alle drei wiederholten Nereidas Worte mehrfach: "Wir drei sind Nereida Drei!"

    Die anderen blieben prompt stehen, guckten und staunten. Ich rief zu allen: "Lisa, Gunda und Nereida tragen alle den gleichen Turnanzug namens Nereida-III!"

    "Ist ja irre, dass Nereida einen Turnanzug trägt, der so heißt wie sie selber", meinte Ute erstaunt, "denn ihr Vorname ist doch sehr selten. Und Drey ist doch ihr Nachname, oder?"

    "Ja", rief Nereida strahlend, wohl wissend um den Gleichklang ihres Nachnamens Drey und der Zahl III, "den Turnanzug habe ich in diese Welt gebracht. Darum heißt er so wie ich."

    Ich merkte, dass einige von uns Nereidas Aussage nicht verstanden.

    Aber da rief die galaktische Turnfee schon: "Lasst uns weiter tanzen!"

    Und wir drehten wieder umeinander.


    "Und nun stellt euch in einem einzigen großen Kreis um mich auf, fasst euch bei den Händen. Dreht euch alle um mich", sagte Christina die nächste Übung an.


    Wir bildeten einen großen Kreis und umkreisten Christina, die in der Mitte in ihrem Aubergine-farbenen Turnanzug stand und lächelte.

    Da rief Beata laut: "Mädels und Ingo, diesmal hat Christina unsere TuFiTa alleine geleitet. Sie hat es eben im wahrsten Sinne des Wortes ausgedrückt: Alles dreht sich heute um sie. Wir drehen uns um sie! Mädels, unsere Christina hat es ganz toll gemacht. Und ich finde, das ist einen ganz großen Applaus wert!"


    Wir applaudierten alle kräftig. Christina fühlte sich mächtig geschmeichelt, wurde fast rot und meinte: "Danke Bea, danke euch allen!"


    "Ich habe dir sehr zu danken, du hast mich toll vertreten, als es mir nicht gut ging. Wir haben dir zu danken", bekannte Beata, "und zum Zeichen unserer Anerkennung und Freude, lauft jetzt alle zu Christina und umarmt sie!"


    Christinas Augen weiteten sich, als sie elf Frauen und mich von allen Seiten auf sich zukommen sah. "Wahhh, Hilfe!" rief sie, wollte weglaufen. Zu spät. Oksana und Beata erreichten sie zuerst und umarmten sie, die anderen hängten sich um Oksana und Beata und so fort. Ein großes Knäuel, wie um einen Torschützen beim Fußball!

    Was natürlich auch schön war, dass ich beim Umarmen Gundas schwarzen und Femkes lila-weißen Turnanzug fühlen konnte, was ich auch genoss.


    Moment mal. Femkes schöner Turnanzug. Ich muss sie danach fragen. Aber da drangen wir auch zu Christina durch und umarmten sie.


    "Oh danke schön, ihr alle. Bin überwältigt! Ich möchte euch auch noch etwas sagen."

    Wir versammelten uns alle vor ihr.

    "Ich fand diese Stunde auch wieder sehr schön, alles ist glatt gelaufen, meine Übungen kamen bei euch gut an, wir hatten eine tolle Stimmung und keine ist verletzt. Danke schön!"

    Wir applaudierten noch mal.


    Christina fuhr fort: "Und ich möchte mich auch ganz besonders bei Gunda bedanken, die heute das erste Mal bei uns ist. Sie hat toll mitgemacht! Einen warmen Applaus für Gunda bitteschön!"

    Alle klatschten erneut Beifall.

    Gunda fühlte sich auch geschmeichelt, so wie vorher Christina. "Danke schön, ich habe mich bei euch sehr wohl gefühlt. Und ihr habt mich nett aufgenommen, obwohl ich doch nur wenig Ausdauer und Kraft habe. Und nicht schlank bin."

    "Liebe Gunda, so hat beinahe jede bei mir angefangen. Es ist absolut nicht schlimm. Einen ersten und guten Schritt hast du heute getan. Weg vom Sofa, hin zur TuFiTa", meinte Beata mit einem Lächeln.

    "Und Ausdauer und Kraft kommt mit der Zeit. Das hat auch positive Auswirkungen auf deine Figur", sagte Oksana.

    "Du hast es in der Hand. Tue den zweiten Schritt. Ich würde mich freuen, wenn du wiederkommst", lächelte Christina.

    "Und ich auch. Wir alle würden uns freuen", strahlte Nereida. Ich freute mich auch für Gunda.

    Aufmunternde Rufe für Gunda wurden laut.

    "Danke. Ich möchte es gern. Nur muss ich immer lange 50 Kilometer hier her fahren und zurück, da ich in Gruntenhausen wohne und arbeite und dort meine kranke Mutter pflege."

    "Dafür finden wir auch noch eine Lösung", sagte ich, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie. Doch halt! Wenn es wahr würde, was ich gestern früh gehört habe...

    "Das wäre schön." Gunda lächelte mich an.

    "Oh ja, Gundi, ich freue mich auf jeden Fall, wenn du wiederkommst", meinte Nereida.

    Die anderen pflichteten ihr bei.

    "Gunda, wenn du mal nach Obertupfingen ziehen solltest, werde ich dir auf jeden Fall beim Umzug helfen", versprach Silvia, "und ihr andern, macht ihr mit?"

    "Klar!" riefen wir.

    Gunda freute sich.

    Ich sagte zu allen: "Und ich möchte mich bei Nereida bedanken, dass sie beim Turnfest Gunda eingeladen hatte, bei uns mitzumachen."

    Applaus erscholl für Nereida, die sich darüber freute.


    "Und auch dafür, dass Nereida es geschafft hat, Lisa heute her zu bringen", rief Beata.

    "Ja! Ja! Nereida, meine Liebste!", jubelte Oksana am lautesten. Die anderen klatschten Beifall.

    Die galaktische Turnfee strahlte. Auch Lisa lächelte.


    Somit endete diese Turnstunde zur Zufriedenheit aller.

    Ich schaute zu Femke. Da fiel es mir wieder ein. Femke! Ihr Leoparden-Turnanzug, den ich mal anziehen wollte! Ich drehte mich zu ihr. Wie beginne ich es bloß? "Ähm, Fem..."

    "Wollen wir mal am Sonntag ins Freibad? Da soll das Wetter wieder besser sein", unterbrach Ute mit ihrer markanten lauten Stimme meine Frage.

    Lisa war dafür. "Aber gern!"

    "Ich komme auch mit", versprach ich.

    "Das mit dem Wetter sieht aber nicht so doll aus", meinte Silvia. Andere waren ebenso Silvias Meinung.

    Denn es regnete gerade draußen, und nicht zu knapp.


    Ute sah schon ihren Vorschlag abgeschmettert, als Beata ihr zur Seite sprang: "Ich glaube, es wird schön. Ich komme auch, und bringe Nereida mit." Die Turnfee lächelte.

    Oksana schlug sich dann ebenfalls auf die Seite Utes.

    Ute war dennoch zufrieden. Sie wollte auch noch ihren Mann Egon mitbringen. "Also 10 Uhr am Freibad. Wir klären das weitere am Telefon. Wer von den Neinsagern dennoch kommt, darf gerne zu uns stoßen. Wer keinen Badeanzug hat, nimmt einfach einen Turnanzug mit."


    Turnanzug. Das was das Stichwort! Nun aber. Femke stand allein, wollte gerade gehen, die anderen waren etwas entfernt. Ich sprach sie an. "Femke?"

    "Ja, Ingo?" Sie sprach schnell, sah mich prüfend mit ihren braunen Augen an. So bestimmt. War das schlecht? Ich dachte nach.

    "Ich, äh, wollte wissen, ob..."

    "Ob was?" unterbrach sie mich. Sie schien es eilig zu haben.

    Ihr Blick ging mir durch und durch. Ich verlor meinen roten Faden. Was wollte ich eigentlich sagen?

    Ich stotterte.

    "...ob du dir vorstellen kannst, ähm, ..."

    "Machs kurz, ich werde gleich abgeholt, und es regent Pfeifenstiele."

    Pfeifenstiele? Wieso Pfeifenstiele? Was bedeutet das?

    "Und?" fragte sie kurz angebunden, fast auf dem Sprung.

    Ich war so verwirrt, dachte an Pfeifenstiele, dann ans Freibad, dass ich sagte: "...ob du dir vorstellen kannst, zum Freibad zu kommen?"

    "Nein, Sonntag habe ich Sinn in was anderes. Tschüss Ingo!"

    Sie drehte sich um und eilte der Damen-Umkleide entgegen.

    Ich stand da wie ein begossener Pudel. Wieso konnte ich sie nicht einfach nach ihrem Turnanzug fragen? Was hatte sie für eine Macht, dass es mir nicht gelang?

    Als ich mich umdrehte, sah ich noch die anderen Frauen miteinander plaudern. Sie hatten mein Gespräch mit Femke zum Glück nicht mitbekommen.


    Ach ja, ich wollte Gunda das ja noch von der Firma berichten.

    Die Frauen zogen sich dann langsam in die Umkleide zurück. Beata, Lisa, Nereida, Gunda und ich standen noch zusammen.

    Ich erzählte Gunda vor der Mut machenden Nachricht von meiner Firma und erklärte ihr, wie sie weiter vorgehen solle. Sie strahlte, dankte mir, auch für die E-Mail, umarmte mich feste und verschwand auch zur Umkleide.


    Beata machte Lisa und Nereida und mich leise auf ein kleines Problem aufmerksam: Lisa trug ja nur ihren Turnanzug und Sportschuhe, so konnte sie durch den Dauerregen nicht nach Hause kommen, denn sie hatte ja keine Straßenkleidung und -schuhe mit. Und auch keinen Haustürschlüssel!

    Beata hielt Nereida und Lisa zurück, schickte sie in die leere Männer-Umkleide, von wo aus Nereida mittels Verschiebetanz Lisa trocken und unentdeckt von den anderen nach Hause brachte und kurze Zeit später wiederkam. Ich hatte leider nicht soviel Glück wie Lisa, fuhr mit meinem Fahrrad, und kam wie ein begossener Pudel zuhause an. Und das zum zweiten Male heute, nur diesmal mit echtem Regen! Den anderen TuFiTa-Frauen ging es aber auch nicht besser. Bis auf Femke, Beata, Nereida und Oksana. Immerhin sorgte der starke Regen dafür, dass Nereida ihre Abneigung gegen das Autofahren zurückstellte und sich mit Oksana von Beata mitnehmen ließ.


    Bei diesem Mistwetter bekam ich schon meine Zweifel, ob es am Sonntag im Freibad besser sein würde. Aber man sollte ja Optimist sein.




    Zu Kap. 65

  • Lieben Dank Rim und Martin!


    Ja, Nereida und auch Lisa durchleiden Höhen und Tiefen. Glaubt mir, ich habe mit den beiden mitgelitten...

    Und Ingos vergebliche Bemühungen um Femkes Turnanzug, jaja. Ist so eine Art "Running gag"...


    Apropos Femke:

    Zu Femkes Ausdruck "es regent Pfeifenstiele", was Ingo auch noch irritiert hat:

    Es gibt eine niederländische Redewendung "het regent pijpenstelen", die Femke eins zu eins wortwörtlich übersetzt hat.

    Bei uns heißt es: "Es gießt in Strömen" oder "es schüttet wie aus Eimern"


    Und "ich habe Sinn in" kommt von "ik heb zin in" und bedeutet "ich habe Lust auf"


    Viele Grüße

    Desi

  • Rim Sehr wahrscheinlich. Mit der R-Wi-Gedankenübertragung ginge es bestimmt besser.


    Desi

    Hab mir jetzt mal dein neuestes Kapitel durchgelesen.

    Kein Wunder, dass derart empathiebegabte Harmoniewesen durch das Mitfühlen mit Lisa schier aus der Bahn geworfen werden. Aber es gibt ja noch die "Turnfee", die ihr möglichstes tut um die Sache wieder hin zu biegen.


    Ein Wunder, dass Gunda keinen Herzanfall bekam als die drei vermissten just in dem Moment auftauchten, als sie sie herbei sehnte.

    Schön auch die Beschreibung der Tanznummer und überhaupt des Trainings.


    Bin auch gespannt, ob nicht irgendwann mal der Transport mittels "Verschiebetanz" auffällt und somit auch die Abstammung von Bea und Nereida. Fragen zur seltsamen Ähnlichkeit von Nereidas Namen und der Modellbezeichnung des Turnanzugs wurden ja gerade nochmal von den Ereignissen des Turntrainings überspielt


    Hoffentlich funkt es nicht zu sehr zwischen Ingo und Femke, (Bei dem Namen sehe ich, wohl wegen der Namensähnlichkeit, immer Famke Jansen vor mir und diese würde ich auch gerne mal im Leoparden-Turnanzug sehen) denn das könnte zu Stress zwischen Ingo und Lisa führen.


    Mal sehen was der "Badetag" so bringt.

  • Danke lycwolf  

    Ja, Nereida und Beata sind sehr mitfühlend. Was ja (gute) Feen auch auszeichnet.

    Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass Gunda sich ja gar nicht zum plötzlichen Erscheinen der drei äußert... (muss das mal ergänzen)


    Der Verschiebetanz findet ja im Verborgenen statt und bleibt von den anderen TuFiTa-Frauen unentdeckt. Die einzigen, die die wahre Herkunft von Nereida und Beata kennen, sind Oksana, Lisa, Ingo und Gunda. Beim nächsten TuFiTa-Mittwoch (dauert noch) wird die Herkunft der beiden wieder Thema sein.

    Bis zum Badetag dauert es auch noch einige Kapitel. Dazwischen passiert noch einiges.


    Die Beziehung Femke-Ingo finde ich auch sehr reizvoll.

    Es ist aber noch zu früh zu erwähnen, dass die beiden sich ineinander verlieben werden und Gunda mit Lisa eine lesbische Beziehung eingehen wird... (nee nee, das passiert nicht! Oder doch?!? Ach, Quatsch.)

    Was auf jeden Fall stimmt, ist, dass Femkes Turnanzug Ingo weiterhin beschäftigen wird... mein "Running-Gag".


    Ausblick auf Kap. 65:

    Es wird von Lisa und Bea handeln, unter anderem.

    Und von einem Auftrag.

    Und von einem Turnanzug.

    Es ist einfach eine nette Geschichte.

    Scheinbar unbedeutend. Aber auch nur scheinbar.

    Wird voraussichtlich am Sonnabend 6.1.18 veröffentlicht.

  • Herzlich willkommen Lisa_Marie1972 :-)


    Und vielen Dank für dein Lob für Kap. 64 meiner Turnfeegeschichte. Freut mich.

    Ist es (auch) dafür, dass eine meiner Hauptcharaktere "Lisa" heißt?

    Wenn du Lust hast, kannst du ja die anderen Kapitel auch lesen (vielleicht hast du das ja schon).

    Stöber einfach mal herum, auch bei den anderen Geschichten.

    Wenn du magst, kannst du gerne in unserem Forum "Mitglieder Vorstellung" etwas von dir und dem hautengen Stoff berichten, siehe Mitglieder Vorstellung


    An alle:

    Wie versprochen nun Kapitel 65 "Rosalanja Smukapia"

    (Da kommt Lisa auch wieder vor).

  • Kap. 65: Rosalanja Smukapia


    Donnerstag Nachmittag.


    Beata hatte ihre letzte Schulstunde beendet, kehrte voll beladen vom Einkaufen nach Hause zurück.

    Sie bereitete ihr Mittag zu, setzte sich dann gemütlich an ihren Esstisch.

    Nach dem Essen bestückte sie ihren Geschirrspüler und schaltete ihn ein.

    Sie ging in ihr Wohnzimmer, wollte sich um die Korrektur einer Klassenarbeit kümmern.

    Da wurde ihr bewusst, dass jemand an sie dachte. Ein "Ferngespräch" aus R-Wi. Sie begann langsam im Raum zu tänzeln.


    Lorinda: R-Wi-alo Tinaxana Beata ke-re-whenn-inne, hier Lorinda Dantsamona.

    Beata: R-Wi-alo Lorinda, wie schön, von dir zu hören! Wie geht es dir?

    Lorinda: Danke, gut. Ich wollte dir noch mal sagen, wie sehr ich mich gefreut habe, dich endlich mal wieder gesehen zu haben.

    Beata: Das fand ich auch genauso! Ich war ja lange Zeit nicht mehr zuhause.

    Lorinda: Wo warst du denn so lange?

    Beata: Auf dem Planeten Erde in der Milchstraßengalaxie. Da bin ich jetzt übrigens auch.

    Lorinda: Hey, so weit weg! Was machst du denn da?


    Beata erzählte Lorinda von ihrer Vergangenheit als Tabea, von ihrer Rolle als neue Tochter von Brigitta und Hans Drey.


    Lorinda: Ach so war das. Ich verstehe. Um die Harmonie für Brigitta und Hans zu bewahren, wurdest du Tabea. Und Nereida hatte dich wiedergefunden?

    Beata: Genau. Und drei Erdenbewohner hatten Nereida dabei geholfen. Du kennst sie: Ingo, Oksana und Lisa.

    Lorinda: Alle drei? Ist Lisa etwa auch von der Erde?

    Beata: Ja. Sie lebt hier in der selben Siedlung wie ich.

    Lorinda: Du Beata, Lisa hat meine Verletzung geheilt, sie ist eine echte Heilerin!

    Beata: Lisa ist auch auf der Erde eine Heilerin.

    Lorinda: Wirklich? Aber sie trug die beiden Heilkreise auf ihrem Turnanzug.

    Beata: Sie wurde von Altidantsa Sweliana zur Heilerin in R-Wi ernannt. Das war kurz, bevor wir dich trafen. Ich war dabei!

    Lorinda: Ach daher kommt das. Nur habe ich jetzt ein Problem.

    Beata: Welches Problem denn, Lorinda?

    Lorinda: Ich habe von Lisas Heilkräften erzählt, unter anderem Rosalanja Smukapia, meiner anderen Freundin. Du kennst sie ja auch.

    Beata: Rosalanja, oh ja, lange nicht gesehen...


    Sie seufzte beim Gedanken an ihre andere Freundin.


    Beata: ...natürlich kenne ich sie. Und was ist mit ihr?

    Lorinda: Rosalanja und die anderen alle haben mir von eigenen Gesundheitsproblemen erzählt, und ob Lisa auch mal zu ihnen kommen könnte, um ihnen zu helfen.

    Beata: Das geht nicht, da Lisa eine Erdenfrau ist und hier lebt. Sie kann den Intergalaktischen Verschiebetanz nicht tanzen.

    Lorinda: Aber DU kannst ihn. Und du kannst sie doch mitnehmen.

    Beata: Das stimmt. Aber Lorinda, da wiederum habe ich ein Problem.

    Lorinda: Was denn für ein Problem?

    Beata: Sie wird nicht mitkommen wollen.

    Lorinda: Warum denn nicht?

    Beata: Weil mir und Nereida einst ein Missgeschick passiert ist.


    Beata erzählte Lorinda von dem Drama um Lisa in Nereidas Haus.


    Lorinda: Oh, das ist ja echt unglücklich gelaufen! Wie schrecklich für Lisa!

    Beata: Ja, das tut mir immer noch so leid. Nereida und ich waren sehr betroffen!

    Lorinda: Oh Beata... Dann verstehe ich, dass Lisa nicht mitkommen will. Könnte ich mit Rosalanja auf die Erde kommen?

    Beata: Das geht leider nicht, den Intergalaktischen Verschiebetanz können und dürfen nur die R-Wi-i vom Außenministerium tanzen. Also zum Beispiel Nereida, Kollato, Perenda und ich.

    Lorinda: Ach ja, stimmt. Was machen wir denn da?

    Beata: Hm... Kollato erzählte mal, dass auch Fernheilen möglich sei.

    Lorinda: Oh ja, da bitte ich dich mal ein gutes Wort bei Lisa für mich und Rosalanja einzulegen.

    Beata: Ich versuche es. Vielleicht klappt es. Zumal Lisa auch wie wir fern kommunizieren kann.

    Lorinda: Das ist ja schön. Dann kann ich sie auch direkt fragen.

    Beata: Nein, liebe Freundin, lass das lieber mich machen. Ich frage sie lieber hier vor Ort. Ich kenne sie genauer.

    Lorinda: Gut. Danke Beata-ke-re-whenn-inne! Sag Lisa ganz lieben Dank und Gruß von mir.

    Beata: Das richte ich ihr aus!

    Lorinda: Und sprich dann mit Rosalanja. Hauduh Beata!

    Beata: Das mache ich. Hauduh Lorinda!


    Das intergalaktische Gedankengespräch war zu Ende. Beata dachte für sich: Da sieh mal einer an, wer von den Erdbewohnern auf R-Wi den größten Eindruck bei den R-Wi-i hinterlassen hat. Nicht Oksana und Ingo, denen R-Wi gefiel, sondern Lisa, der die größte Panne passierte.


    Sie griff zum Telefon, wählte Lisas Nummer.

    Beata hätte einfach an Lisa denken können, doch sie bevorzugte die Kommunikation nach Art der Erdbewohner über Telefon. Dazu war sie schon zu lange selber eine Erdenfrau.


    "Guten Tag, hier Lisa Ellbrede, wer spricht?"

    "Hallo Lisa, hier Bea."

    "Oh hallo Bea, schön, dass du anrufst. Was gibt es denn?"

    "Ich bekam eben gerade einen, naja, Anruf."

    "Wer hat dich denn angerufen?"

    "Lorinda. Lorinda Dantsamona."

    "Das ist ja nett. Was möchte sie denn?"

    "Zuerst möchte sie dir danken, dafür, dass du sie geheilt hast. Und dich ganz lieb grüßen."

    "Das habe ich doch gerne gemacht. Das freut mich sehr. Grüße sie mal wieder lieb zurück."

    "Das werde ich tun. Nun hat Lorinda aber von dir weiter erzählt, und eine Freundin von ihr hat ebenfalls ein Gesundheitsproblem."

    Lisa nahm eine abwehrende Haltung ein.

    "Ich verstehe. Du willst mich also wieder nach R-Wi mitnehmen, oder?"

    "Das wäre der erste von drei Wegen. Aber da erinnere ich mich, dass du das nicht möchtest."

    Lisa reagierte nicht darauf. Sie hatte einen eigenen Vorschlag:

    "Lorinda könnte doch ihre Freundin mit zur Erde nehmen, oder?"

    "Das wäre der zweite Weg, das geht aber auch nicht, da sie beide den Intergalaktischen Verschiebetanz nicht können. Es wird auch nicht gern gesehen, da nur bestimmte R-Wi-i das tun dürfen. Und ebenso ungern gesehen wird, wenn ich sie hierher bringe. Und Lorindas Freundin ist verletzt, sie kann derzeit nur eingeschränkt tanzen. Selbst wenn sie es dürfte, könnte sie es verletzungsbedingt nicht."

    "Tja, wenn das nicht geht, was ist denn der dritte Weg?"


    Beata holte tief Luft. "Du kannst sie fernheilen."

    "Meinst du, Bea, dass das klappt? Also über ganze Sternensysteme hinweg?"

    "Kollato sprach davon, als wir auf den Platz der Großen Harmonie waren. Er war davon überzeugt. Wir könnten es zumindest mal ausprobieren.

    "Stimmt, ich erinnere mich jetzt. Es wäre einen Versuch wert."

    "Klasse! Hast du Zeit, dann würde ich jetzt zu dir kommen."

    "Mit dem Lichttaxi?"


    Beata lachte. "Nein, ich komme herkömmlich, mit meinem Wagen."


    "Dann habe ich noch etwas Zeit, hier aufzuräumen."


    "Vielleicht ist das gar nicht schlecht, Lisa, falls wir ein wenig tanzen werden. Keine Panik, wir bleiben auf der Erde! Bis gleich dann."


    "Ja Bea. Tschüss."


    ---------------


    15 Minuten später war Beata bei Lisa zuhause.


    Sie schilderte Lisa das Thema nochmal.


    Lisa meinte: "Also ich habe noch niemanden über die Ferne geheilt, und schon gar nicht über Galaxien hinweg. Ich weiß auch nicht, wie es funktioniert."

    "Wir könnten Kollato fragen. Ich kommuniziere mit ihn und ich klinke dich in das Gespräch mit ein."

    "Ja, mach das, Bea."


    Beata konzentrierte sich auf Kollato.

    Beata: R-Wi-alo Kollato Folsomio, hier Tinaxana Beata. Lisa hört mit. Ich habe eine Frage.

    Kollato: R-Wi-alo Beata, hallo Lisa, wie kann ich euch helfen?

    Beata: Wir möchten von dir wissen, was Fernheilen für Voraussetzungen benötigt. Und wie Lisa das machen kann. Und ob das auch von der Erde aus funktioniert.

    Kollato: Eigentlich sollte es auch von der Erde aus klappen. Lisa wurde ja von Altidantsa offiziell zur Heilerin ernannt. Und du, Lisa, müsstest dazu den Turnanzug mit den Heilkreisen tragen.

    Lisa: Aber den habe ich hier nicht. Ich habe nur den schwarzen Turnanzug Nereida-III hier.

    Kollato: Dann müsste Beata dir den Turnanzug mit den Heilkreisen tanzen.

    Beata: Ich kann Lisa zwar einen Turnanzug tanzen, aber nicht einen mit den Heilkreisen. Das kann und darf, glaube ich, nur die Oberste Bewahrerin der Harmonie, also Altidantsa.

    Kollato: Stimmt.

    Lisa: Können wir nicht Altidantsa um Erlaubnis bitten? Jemand von uns dreien?

    Kollato: Ich werde sie fragen. Wenn sie es macht, wovon ich ausgehe, wird sie mit euch Kontakt aufnehmen. Bis gleich.


    "Na, da bin ich ja mal gespannt", meinte Lisa.

    "Ich auch. Ich geh mal kurz zu meinem Auto und hole meine Tasche."


    Beata ging rasch hinaus und holte ihre Sporttasche herein. "Hier ist mein Turnanzug drin. Den werde ich wohl gleich brauchen. Ich ziehe ihn sofort mal an."

    "Muss ich meinen auch anziehen?", fragte Lisa.

    "Ich glaube nicht, du wirst ja einen neuen bekommen. Du kannst aber deine Sachen schon mal ausziehen."

    Lisa ließ die Jalousien herunter, zog sich aus. Beata zog ihre Sachen aus und ihren Turnanzug an. Es war der Nereida-III.

    Sie warteten.


    Kollato meldete sich wieder: Hallo Beata und Lisa, hier noch mal Kollato. Altidantsa hat es befürwortet. Sie hat gerade zu tun, wird sich in ein paar Minuten dann aber direkt an euch beide wenden. Macht dort, wo ihr seid, schon mal Platz frei zum Tanzen.

    Beata: Machen wir. Danke Kollato! Hauduh!


    Beata und Lisa räumten den Wohnzimmertisch zur Seite und warteten.


    Drei Minuten später rief Altidantsa die beiden.

    Altidantsa: Liebe Tinaxana Beata, liebe Lisa Ellbrede, Kollato Folsomio hat mir von eurem Wunsch erzählt. Lisa-ke-re-da-da, ich finde es klasse, dass du fernheilen möchtest. Wie schön! Ich helfe dir dabei. Zur Heilerin für R-Wi habe ich dich ja schon ernannt. Du bekommst einen neuen Turnanzug, den wird Tinaxana Beata dir tanzen. Sie weiß, wie es geht. Ich werde Tinaxana Beata die zwei Kreise der Heilung zusenden, und sie wird sie dir in deinen neuen Turnanzug einweben. Damit ist dir dann die Fernheilung möglich. Und nur dir. Ich selber kann R-Wi jetzt nicht verlassen, sonst wäre ich persönlich gekommen. Jedoch tanze ich mit euch, wenn auch nur hier auf R-Wi. Und nun tanzt, ihr beiden! In Gedanken bin ich bei euch.


    Beata und Lisa begannen zu tanzen.

    Sie drehten um einander, hoben die Arme und wirbelten umher.

    Die Lichtbänder erschienen, kreisten um die Tänzerinnen.

    Beide strahlten.

    Lisa fühlte sich sehr leicht, fast schwerelos.

    Sie tanzte begeistert weiter.

    Beata: Lisa, drehe dich zu mir hin und tanze weiter.

    Lisa: Ja, Bea.

    Lisa tat wie geheißen.

    Beata lenkte das Licht wie eine Spule um Lisas Körper, es umschloss ihren Körper und ihre Arme.

    Beide nahmen Altidantsas Stimme wahr, die sagte: "iai al ti dant sa swe li ja na sen ner dai ke re li sa el bre da sir kler ne e el bre däl se i gän oh ke re ti na xa na be ja ta foe re demm"

    Zwei leuchtende konzentrische Kreise erschienen zwischen den beiden. Beata führte Altidantsas Anweisung aus. Sie schob tänzelnd die Kreise zu Lisas leuchtenden Körper. Das Licht wurde zu Fäden, die ineinander verwoben. Daraus formte sich Lisas neuer Turnanzug! Das Licht verschwand und Lisa fühlte den neuen Anzug, zwar eng, aber kuschelig an ihrem Körper.

    Als beide langsamer tanzten, sprach Altidantsa zu ihnen in Gedanken.

    Altidantsa: Liebe Lisa, du hast nun einen neuen Turnanzug erhalten mit den beiden Kreisen der Heilung. Damit kannst du nun auch fernheilen.

    Lisa: Ganz vielen lieben Dank liebe Altidantsa Sweliana!

    Beata: Ich danke dir auch für das schöne Geschenk für Lisa, liebe Altidantsa Sweliana.

    Altidantsa: Gern geschehen, ich freue mich für euch beide!

    Lisa: Liebe Altidantsa, wie mache ich das mit dem Fernheilen?

    Altidantsa: Lisa-ke-re-da-da, wenn du fernheilen willst, ziehe deinen neuen Turnanzug an, tänzele, hebe deine Arme über deinen Kopf und konzentriere dich auf die Person, die du heilen willst. Du fühlst, wie deine Energie beim Empfänger ankommt und wirkt. Mit deinen Händen und Fingern kannst du deine Heilenergie steuern. Und die Heilkreise auf deinem Turnanzug leuchten unterdessen. Natürlich funktioniert das auch, wenn die zu heilende Person genau vor dir liegt. Dann kannst du sie auch direkt berühren.

    Lisa: Oh vielen Dank, liebe Altidantsa Sweliana. Ich werde es heute noch probieren.

    Altidantsa: Liebe Lisa, das freut mich sehr. Probiere es aus. Ich bin stolz auf dich. Bis irgendwann mal wieder. Ich denke an Dich, Lisa-kere-da-da und dich, Tinaxana Beata! Eure Altidantsa Sweliana.


    Die beiden dankten Altidantsa noch mal. Die Verbindung zu R-Wi war wieder unterbrochen.

    Lisa betrachtete sich im Spiegel genau.

    Sie hatte den lila glänzenden langärmeligen Lycra-Turnanzug an, den auf der Vorderseite zwei große goldglänzende konzentrische Kreise zierten.

    "Hey Bea, schau mal, ich habe ja genau so einen Turnanzug an wie einst auf R-Wi, dieselbe Form und Farbe! Das hast du schön gemacht, danke sehr!"

    "Ja, bitte schön, Lisa. Eine kleine nette Erinnerung an R-Wi."

    "Oh Bea, das freut mich. Nun habe ich den schönen Turnanzug bekommen, und ich möchte die Wirkung auch mal ausprobieren."

    "Dann kannst du ja mal gleich an sie denken, Lisa."

    "Wie heißt sie denn?"

    "Rosalanja Smukapia."

    "Könntest du mich vorher denn mal mit ihr bekannt machen?" bat Lisa.

    "Das mache ich doch gern. Ich schalte dich in die Kommunikation wieder ein."


    Beata dachte intensiv an Rosalanja. Als sie Antwort bekam, lächelte sie.

    Beata: Rosalanja Smukapia, R-Wi-alo! Hier Tinaxana Beata.

    Rosalanja: R-Wi-alo Tinaxana Beata-ke-re-da-da! Lange nichts von dir persönlich gehört! Oh, was freue ich mich!

    Beata: Ich freue mich auch! Stimmt, es ist sehr lange her. Wie geht es dir, Rosalanja?

    Rosalanja: Gut, bis auf meinen linken Fuß. Deswegen bin ich heute zuhause. Und wie geht es dir?

    Beata: Mir geht es gut. Übrigens, Lorinda sprach vorhin mit mir. Darum spreche ich nun mit dir.

    Rosalanja: Ah ja. Sie hatte mir alles berichtet, als wir uns vor kurzem trafen.

    Beata: Du meinst vom Tanzen auf dem Platz der Großen Harmonie?

    Rosalanja: Genau. Und Lorinda erzählte mir, dass sie dort von einer Heilerin kuriert worden ist. Und du kennst sie.

    Beata: Genau, ich möchte sie dir jetzt vorstellen, sie ist hier bei mir. Rosalanja, hier ist Lisa. Lisa Ellbrede.

    Rosalanja: R-Wi-alo Lisa-ke-re-hel-bre-de-in-ne!

    Lisa: Hallo Rosalanja, ich grüße dich.

    Rosalanja: Nett, dich kennen zu lernen.

    Lisa: Ganz meinerseits.

    Rosalanja: Ich habe von dir gehört, wie du meine Freundin Lorinda geheilt hast.

    Lisa: Ja, vor zwei Tagen.

    Rosalanja: Könntest du nun zu mir kommen?

    Lisa: Das geht leider nicht. Zwischen uns liegen Welten.

    Rosalanja: Wo bist du denn?

    Lisa: In Obertupfingen.

    Rosalanja: Habe ich ja noch nie gehört. Wo ist denn Obertupfingen?

    Lisa: Auf der Erde.

    Rosalanja: Wo ist denn die Erde?


    Rosalanja war ratlos. Sie als R-Wi-a konnte überhaupt nichts mit den Orten Obertupfingen und Erde anfangen.

    Und Lisa stand als Erdenbewohnerin vor dem Problem, einer Außerirdischen telepathisch zu erklären, wo sich denn die Erde im Weltall befindet. Wie zu erwarten, war auch Lisa vollkommen ratlos. Sie schaute Beata achselzuckend an.


    Lisa: Oh, Bea, wo bin ich denn überhaupt? Wo ist die Erde?

    Beata: Lisa, Rosalanja, der Planet Erde liegt im Galaxienhaufen der Lokalen Gruppe, dort in einer Balkenspiralgalaxie mit Namen Milchstraße, weiterhin im dortigen Orion-Arm, und Sonnensystem Sol.

    Rosalanja: Danke Beata. Das ist ja wirklich sehr weit weg! Und du, Beata, bist du auch da?

    Beata: Ja, ich lebe hier. Und meine Schwester Scherata Nereida auch. Mit Erlaubnis von Altidantsa.

    Rosalanja: Hey, super, Beata. Aber wie willst du mich denn heilen, Lisa?

    Lisa: Über Fernheilung. Ich bin auch hier eine Heilerin. Und die Oberste Bewahrerin der Harmonie, Altidantsa Sweliana, hat mich für R-Wi zur Heilerin ernannt, als ich da war, und nun auch zum Fernheilen.

    Rosalanja: Dann fang doch bitte an, liebe Lisa Ellbrede.

    Lisa: Sehr gerne. Liebe Rosalanja, wie kann ich dir helfen, was tut dir weh?

    Rosalanja: Ich bin mit meinen linken Fuß mal verkehrt aufgetreten und habe ihn verknackst. Er tut sehr weh beim Gehen und Tanzen.

    Lisa: Danke liebe Rosalanja, ich beginne jetzt. Setze dich mal hin, entspann dich. Fühle meine Wärme kommen.


    Lisa überlegte, wie es funktionieren könnte, erinnerte sich an Altidantsas Worte. Sie schloss die Augen, hob ihre Arme über den Kopf, tänzelte leicht, spürte, wie die kosmische Energie sie erfüllte und dachte fest an Rosalanja und deren linken Fuß. Sie dachte die folgenden Worte langsam, bedächtig und ruhig.


    Liebe Rosalanja, ich schicke dir meine heilende Wärme, meine Energie.

    Sie taucht in deinen Fuß ein.

    Spüre, wie sie sich sanft ausbreitet.

    Sie löst die Störung auf.

    Deine Gelenke beruhigen sich.

    Sie werden wieder geschmeidig.

    Dein Fuß hört auf, weh zu tun.


    Beata bekam Lisas Gedanken mit. Sie sah die Ringe von Lisas Turnanzug aufglühen und Lisas Hände leuchten. Dabei strahlte Lisas Gesicht eine Freude aus, voller Harmonie.

    Beata freute sich mit ihr.

    Rosalanja nahm Lisas sanfte und beruhigende Stimme wahr, sah ein Licht auf ihrem Fuß, fühlte auf einmal eine wohltuende Wärme und ein Kribbeln in ihrem schmerzenden Fuß. Dieses Kribbeln und die Wärme verdrängten den Schmerz immer weiter aus ihrem Fuß, bis der Schmerz vollständig verschwand.


    Lisa merkte über Galaxien hinweg, dass Rosalanjas Fuß schmerzfrei wurde.

    Das Licht von Lisas Händen und von ihren zwei Ringen erlosch, Lisa nahm ihre Hände wieder herunter.


    Lisa: Liebe Rosalanja, dein Fuß sollte nun nicht mehr schmerzen.


    Rosalanja: Hey Lisa, es funktioniert! Mein Fuß tut nicht mehr weh! Danke!


    Lisa: Gern geschehen, liebe Rosalanja. Ich freue mich auch sehr.


    Rosalanja: Oh, du bist so klasse, Lisa-ke-re-el-bre-de-in-ne! Ich kann wieder auftreten ohne Schmerzen!


    Lisa: Bitte schön, Rosalanja! Und ich muss dir was gestehen: Dies eben war meine allererste Fernheilung!


    Rosalanja: Und es hat auf Anhieb funktioniert! Wie schön! Das hast du toll gemacht! Ich tanze hier zu deinen Ehren!

    Liebe Lisa, ich würde dich zu gerne mal sehen.


    Lisa: Ich komme hier leider nicht weg, aber ich kann mich mal beschreiben. Ich bin etwas größer als Beata und zwei Jahre älter als sie. Ich habe blaue Augen und kurze Haare. Ich trage einen langärmeligen lila Turnanzug mit den zwei goldglänzenden Heilkreisen.

    Wenn du mal Beatas Schwester Nereida zu Hause besuchst, findest du da ein Bild von mir an der Wand.


    Rosalanja: Ich kann mir dich in etwa vorstellen. Dann werde ich doch mal Nereida besuchen.


    Beata: Hey Rosalanja, hier Beata. Freut mich auch total, dass dein Fuß wieder in Ordnung ist! Allerdings ist meine Schwester Scherata Nereida zur Zeit nicht zuhause. Sie ist auch hier auf der Erde.


    Rosalanja: Ach ja, wie schade, Beata. Aber dennoch, danke euch beiden, und danke ganz besonders Lisa!

    So möchte ich mich dann von euch verabschieden. Vielleicht sehen wir einander doch mal.


    Beata: Man soll nie nie sagen. Freut mich, Rosalanja, dass Lisa dir helfen konnte.


    Lisa: Ich fand es auch schön. Mach es gut, liebe Rosalanja.


    Rosalanja: Danke und Hauduh ihr beiden!


    Die intergalaktische Verbindung war wieder gekappt.


    Beata und Lisa schauten sich gegenseitig an und fielen einander in die Arme.

    "Oh, Bea, ich freue mich so! Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist!"

    "Ja, Lisa, du bist ganz große Klasse! Ich bin auch überwältigt. Ich wusste zwar von Kollato, dass es möglich ist, aber habe es noch nie in Wirklichkeit erlebt."

    Die beiden drückten sich noch einige Zeit aneinander.

    Lisa löste sich dann von Beata. Sie schaute kurz in den Spiegel.

    "Und mein neuer schöner lila Turnanzug mit den Goldkreisen hat dazu beigetragen, Rosalanja zu kurieren."


    "Genau. Er steht dir echt gut. Bewahre ihn in Ehren."


    "Bea, das mache ich, keine Frage! Aber was hältst du davon, wenn ich den neuen Turnanzug nächsten Mittwoch bei der TuFiTa trage?"

    "Gute Idee, Lisa. Aber sag vorher keinem was von deinem neuen Turnanzug. Niemanden. Und auch ich werde stillhalten. Ich bin gespannt auf Nereidas Gesicht."

    "Und auf die Gesichter von den anderen. Ich schweige auch. Ich komme einfach zehn Minuten später. Ja, so machen wir das, Bea."

    Die beiden Frauen kicherten wie zwei Mädchen, die einen schelmischen Plan ersonnen hatten.


    Beata verabschiedete sich schließlich von Lisa und fuhr zufrieden zurück nach Hause.




    Zu Kap. 66

  • Möglicherweise erweitert der neue "Fernheilungs-Turnanzug" Lisas Fähigkeiten auch auf der Erde. Vor allem da ihre Fähigkeiten so sehr ausgeprägt sind, dass sie selbst über kosmische Distanzen hinweg besser heilen kann als auf R-Wi ansässige Heiler.

    Vielleicht erholt sie sich durch ihre Erfolge von ihrem "R-Wi-Trauma" und stattet der anderen Welt irgendwann doch wieder Besuche ab.


    Eine Anmerkung hätte ich noch zu deiner stellaren Ortsangabe der Erde. Ich hatte es mir damals verkniffen als du es zum ersten mal beschrieben hattest, weil es ja letztlich nur wieder meine Pedanterie ist. Aber ich möchte anmerken, dass es in der Astrophysik noch keinen Konsens darüber gibt, ob die Michstraße eine reine Spiralform aufweist oder eine Balkenspirale ist. Eigentlich klar, da man das Ganze ja nicht von Oben betrachten kann und die Erkenntnisse beide Annahmen zu gleichen Teilen stützen.

  • Danke Rim, toby und Lycwolf für eure Daumen hoch, und das sogar bei einem doch recht abgefahrenen oder "abgespactem" Kapitel wie das mit Rosalanjas Fernheilung durch Lisa.


    Lisa besitzt mit ihrem neuen Turnanzug ein recht machtvolles Kleidungsstück. Und nur sie kann darin wirken. Würden andere Lisas Turnanzug anziehen, würde er keine heilende Wirkung auf Dritte entfalten. Derlei Missbrauch hat Altidantsa einen Riegel vorgeschoben. Ich habe natürlich auch schon daran gedacht, dass Ingo Interesse daran bekundet. Aber der weiß nichts von diesem Anzug. Noch nicht. Auf der Erde wissen nur Lisa und Beata davon. Die beiden haben vereinbart, dass Lisa den neuen Turnanzug bei der nächsten TuFiTa trägt. Wartet ab. Zu weiteren intergalaktischen Ausflügen haltet einfach die Augen offen.


    Wo befindet sich denn nun die Erde im Weltraum, und welche Form hat die Milchstraße? Ich freue mich, dass hier ein Gedankenanstoß mich erreicht hat. Ich muss anmerken, dass ich beim Recherchieren im Internet den Begriff Balkenspiralgalaxie fand und in meiner Geschichte hatte ich ihn Beata in den Mund gelegt ohne ihn genauer zu prüfen. Pardon, Lycwolf. Aber wenn die Experten sich selber nicht einig sind - vielleicht müssten sie mal die R-Wi-i fragen. Ich hoffe, es stört den allgemeinen Leser nicht weiter, mit dem Fokus auf Hoffnung auf weitere extraterrestrische Lycra-Abenteuer.


    Zu Rosalanja Smukapia und ihrem Namen.

    Ihr erster Name ist eine für mich wohlklingende Zusammenführung von Rosalie und Anja.

    Ihr zweiter Name wird auf dem i betont und hat zwei Bedeutungen:

    Smuka- bedeutet schmuck, hübsch und -pia die Pflichtbewusste, die Gerechte (lateinisch) und Liebling, Schatz (indisch)

  • Deine Phantasiegeschichte regt immer noch an, gerne auch weiterhin.

    Wo befindet sich denn nun die Erde im Weltraum, und welche Form hat die Milchstraße?


    Nach neuesten Erkenntnissen mutmasslich eine Balkenspirale, von innen ist das aber schlecht feststellbar, da weiter entfernte Sterne vor lauter Staub nicht mehr sichtbar sind und im fernen Infrarot, für das der Staub durchsichtig ist, Sterne nicht mehr leuchten.


    Die Ortsangabe stimmt für unsere Eigenzeit, auf derartige Distanzen ist eine Gleichzeitigkeit allerdings in der Realität nicht mehr möglich, ausser man setzt die Lichtgeschwindigkeit als Maximalgeschwindigkeit ausser Kraft (z.B. durch Telepathie).


    Vielleicht erklärt es Tabritisca einmal genauer?

  • Kap. 66: Nachrichten für Xenia und Bernd


    Aus Ingos Sicht.


    Freitag Abend. Ich war alleine zuhause.


    Das Telefon klingelte.

    "Hier Ingo."

    "Hallo Ingo, hier Bernd."

    "Hey Bernd, was für ein seltener Anruf."

    "Ja, ich muss doch mal anrufen."

    "Hast du was bestimmtes?"


    Bernd holte tief Luft.

    "Ich möchte dich um was bitten."

    "So kenne ich dich ja gar nicht. Das muss ja ein echtes Opfer sein."

    "Naja, so schlimm ist es nicht. Es ist aber auch nicht einfach."

    "Sprich, was du möchtest. Ich reiße dir nicht den Kopf ab. Du kennst mich doch."

    "Ja, klar. Ich möchte dich um eine Telefonnummer bitten."


    Ich staunte.

    "Von wem denn?"


    Bernd seufzte.

    "Von der Tanzmaus."

    "Du meinst, von Xenia?"

    "Ja. Sie geht mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf. Seit dem Turnfest."

    "Weißt du denn, wer Xenia ist, und wo sie wohnt?"

    "Nein, keine Ahnung."

    "Sie ist Lisas Schwester."

    "Und wo wohnt sie?"

    "In Kassel."

    "Ah ja. Und hast du ihre Nummer?"

    "Nein. Aber Lisa."

    "Kannst du Lisa dann mal darum bitten?"

    "Sicher. Ich kümmere mich darum. Gleich heute noch. Ich schicke dir dann die Nummer."

    "Danke Ingo, auf dich ist Verlass."

    "Gern geschehen."


    Na so was, hat Xenia doch mehr Eindruck auf Bernd gemacht als ich dachte.

    Mein Skatbruder sucht also seine Tanzmaus.


    Ich rief Lisa an.

    "Hallo Schatz."

    "Hey Ingo, mein Lieber."

    "Lisa, kann ich mal zu dir kommen?"

    "Ich bin gleich mit der Wäsche durch. Ja, komm doch, Schatz. Ich freue mich."

    "Bis dann, Lisa."

    "Tschüssi!"


    Ich fuhr mit meinem Auto zu Lisa. Es hatte gerade begonnen, Bindfäden zu regnen.

    Sie erwartete mich bereits. Wir nahmen auf dem Sofa Platz.


    "Und, Lisa, wie geht's dir?"

    "Sehr gut. Ich hatte gestern ein tolles Erlebnis."

    "Was hast du denn erlebt?"


    Lisa berichtete mir von Beatas Besuch gestern. Sie erzählte, wie sie und Beata Kontakt mit der R-Wi-a Rosalanja aufgenommen haben, und von der gelungenen Fernheilung per Gedankenübertragung.


    Ich staunte nicht schlecht, umarmte sie.

    "Hey Schatz, da hast du ja was ganz Tolles getan! Ich bin beeindruckt!"

    "Ich bin auch so froh! Dass es überhaupt geklappt hat, und dass Rosalanja nun wieder schmerzfrei ist. Und wie schnell alles ging!"

    "Ich glaube, du bist zum Heilen geboren, Lisa."

    "Genau. Schon heftig, das denke ich manchmal. Tanzen, die Arme heben und an die betreffende Person denken."

    Wir beide verharrten noch ein wenig, dachten an Lisas Heilungserfolg.


    "Und ich habe per Post eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier bekommen", unterbrach sie die Stille.

    "Wer hat dich denn eingeladen?"

    "Tante Svea. Ich habe sie lange nicht mehr gesehen."

    "Wer ist denn eingeladen?"

    "Nur ich und meine beiden Geschwister."

    "Und wohin musst du fahren?"

    "Nach Hamburg. Sie muss wohl dorthin gezogen sein."

    "Und wann?"

    "Den Samstag in drei Wochen. Ich werde von Großtupfingen mit dem Zug nach Kassel fahren, und von dort aus mit den anderen beiden weiter."

    "Das ist ja schön. Grüße sie auch mal von mir."

    "Mach ich, klar."

    Lisa dachte nach, wohl an ihre Tante.


    Bis sie mich dann fragte: "Hattest du denn ein Anliegen heute?"

    Ich atmete einmal tief durch.

    "Ja, Lisa. Ich möchte dich um was bitten."

    "Um was denn?"

    "Mich rief Bernd an, mein Skatbruder."


    Lisa wurde hellhörig. "Was wollte er?"


    "Bernd möchte Xenias Telefonnummer haben", meinte ich.


    Lisa lachte auf einmal laut los.

    "Oh Schatz, das ist ja urig!", rief sie aus.


    "Wieso?"

    "Stell dir vor, vor ein paar Tagen hatte Xenia bei mir angerufen. Ich hatte wegen der Stresssituation der vergangenen Tage nicht mehr daran gedacht."

    "Und was wollte Xenia?"

    "Bernds Nummer haben!"

    Wir schauten uns gegenseitig an und prusteten.

    "Xenia, meine hyperaktive Schwester, die Tanzmaus, ist tatsächlich verliebt", sinnierte Lisa.

    "Und Bernd, mein Skatbruder, auch."

    Wir schauten uns an und grinsten.

    "Ich hole mal mein Telefon, mit Xenias Nummer", meinte Lisa.

    "Und ich meins, mit Bernds Nummer."

    Wir schrieben die Nummern voneinander ab.

    "Lasst uns die Nummern per Textnachricht verschicken. Und zwar gleichzeitig", schlug Lisa vor.

    "Gute Idee."

    Wir schrieben jeder eine Nachricht mit der gewünschten Nummer. Ich schrieb Xenias Nummer an Bernd, Lisa schrieb Bernds Nummer an Xenia.

    Lisa zählte rückwärts: "3 - 2 - 1 - Senden!"

    Zeitgleich drückten wir auf den Sendeknopf.

    'Nachricht verschickt' stand auf unseren Mobiltelefonen.

    "Da bin ich doch mal gespannt, wer wen zuerst anruft", kicherte Lisa.

    "Das würde ich auch gern mal wissen."

    Wir beide dachten noch eine Weile nach, mit den Gedanken an das künftige Paar.

    "Ob das was wird? Xenia wohnt ja schließlich in Kassel. Und wo wohnt Bernd?" fragte Lisa.

    "In Untertupfingen. In dem Ort wohnt auch meine Mutter im Altersheim."

    "Das ist doch recht weit auseinander", bemerkte Lisa.

    "Das stimmt. Das könnte ein Problem werden. Muss es aber nicht."

    "Wieso?"

    "Bernd ist Handelsvertreter. Er ist oft unterwegs, im ganzen Land, auf Geschäftsreise. Ob er auch manchmal in Kassel ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er seine Zeit selber gut einteilen kann und darf."

    "Na dann ist das ganze ja etwas einfacher für die beiden."


    Im Abstand von ein paar Sekunden gaben unsere Telefone ein Signal.

    "Danke für Xenias Nummer. Ich werde sie mal überraschen." las ich Bernds Nachricht vor.

    Und Lisa las Xenias Nachricht: "Danke Lissi, supergenial. Er ahnt bestimmt nichts. Ich rufe ihn gleich mal an. GLG Xeni."


    Wir beide schauten uns an und grinsten.


    Kurze Zeit später klingelte Lisas Telefon nochmal.

    "Hallo Lisa, hier Oksana!"

    "Hey Oksana, schön dich zu hören. Wie geht's dir?"

    "Mir geht es gut und Nereida ebenfalls. Und dir?

    "Gut. Ingo ist hier."

    "Schön. Nereida und ich haben morgen was vor."

    "Was habt ihr denn vor?"

    "Wir wollen morgen nach Großtupfingen, bummeln, und auch zu Lauras Lycra Laden. Willst du mit?"

    "Gerne, ich habe da noch nichts vor! Da wollte ich schon immer mal hin! Kann Ingo mitkommen?"

    "Ja natürlich. Erzähl ihm das mal."

    Lisa berichtete mir von Oksanas und Nereidas Plan.

    "Dann können wir ja mit meinem Wagen fahren", schlug ich vor.

    Lisa erzählte es Oksana.

    "Nereida möchte mit dem Bus fahren. Sie mag nicht mit Autos fahren. Der Bus fährt 9.10 Uhr ab Busbahnhof. Wollen wir um 9 Uhr uns dort treffen?"

    "Ich frag mal Ingo."

    Ich hatte nichts dagegen.

    "Ja, geht klar, Oksana. Ich beziehungsweise wir freuen uns darauf."

    "Wir auch, Lisa. Bis morgen."

    "Ja, bis morgen."


    Kaum hatte Oksana aufgelegt, bekam ich einen Anruf! Diesmal von Gunda. Sie war guter Laune. Sie hatte am Donnerstag noch die Onlinebewerbung an meine Firma geschickt und meine Tipps beherzigt. Nun bekam sie heute eine E-Mail mit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch am Montag. Ich freute mich mit ihr, erzählte es später Lisa, die ebenfalls beeindruckt war.


    Ich übernachtete bei Lisa. Wir hatten übrigens jeder ein paar Kleidungsstücke beim anderen deponiert. Und ich konnte ja auch einen von Lisas Turnanzügen anziehen. Was ich schließlich auch tat. Wie auch Lisa. Wir hatten einen schönen Abend, turnten zusammen und genossen die gemeinsame Dehnübung. Es prickelte noch immer wie am ersten Tag, wo wir uns begegneten.


    Als Lisas Stereoanlage das Lied "Lift me up" von Moby vorspielte, während wir dazu tanzten, musste ich grinsen.

    "Warum grinst du, Schatz?" fragte sie neugierig.

    "Ich glaube, Moby muss auch von R-Wi kommen."

    "Wieso?"

    "Er singt doch: 'Lift me up, higher now, Ama', was ja 'Hebe mich empor, höher, jetzt, Mama' bedeutet."

    Lisa musste herzlich lachen.

    "Stimmt, Ingo", meinte sie vergnügt, "vielleicht kennen Nereida und Beata ihn ja."




    Zu Kap. 67

  • ´Plain talking - take us so far ...´

    Jetzt hast du mir wieder ein Ohrwurm implantiert, böser Desi!

    Die ganze Zeit beim lesen musste ich darüber schmunzeln, wie gekonnt dieses "Bindekapitel" verschiedene Enden wieder schließt oder zumindest wieder aufnimmt damit sie im Gedächtnis bleiben. Und darüber hinaus die Weichen für weitere Kapitel stellt.

    Ich befürchte, dass "Nereida 3" zu deinem Lebenswerk wird. Ein Ende ist nämlich noch nicht absehbar (warum auch, solange es so interessant bleibt)

    Persönlich begrüße ich jedenfalls, dass demnächst mehr von Xenia zu lesen sein wird, ein Charakter der unheimlich viele Möglichkeiten bietet. Klasse, dass beide unabhängig voneinander in den Anderen verknallt sind und jetzt auch gleichzeitig die begehrten Telefonnummern erhalten haben.

  • Danke, Martin toby und Lycwolf!

    Dass Mobys Musik ins Ohr geht, dafür kann ich nichts! Ist halt galaktisch, nicht wahr?

    Ich hatte schon längst festgelegt, dass "ama" das R-Wi-Wort für "Mama" ist, als ich zufällig "Lift me up, lift me up higher now ama" hörte... So kam ich zum letzen Absatz von Kapitel 66.

    Beim Schreiben einiger Kapitel, besonders bei denen, die von der Welt R-Wi handeln, hatte ich oft über Kopfhörer Mobys Musik gehört.


    Übrigens: Demnächst werde ich Nereida auch an anderer Stelle veröffentlichen. Später mehr.


    Das Jonglieren mit den Handlungen, bedenkt, ich habe nicht weniger als sechs (!) Handlungsstränge in Kap. 66 zu Wort kommen lassen.

    Das konnte ich auch nur machen, weil ich genügend Zeit hatte, das alles zu schreiben und zu kombinieren.


    Ich kann mir sehr gut vorstellen, was Ihr jetzt lesen wollt. Ihr sollt es kriegen. Am 13.1. erscheint Kapitel 67. Klein, aber fein.

  • Kap. 67: Skatbruder an Tanzmaus


    Bernd fasste sich ein Herz. Er hatte Xenias Nummer und Namen im Adressbuch seines Telefons eingetragen, klickte nun auf ihren Namen.

    Der Wählvorgang mit den charakteristischen Begleitpieptönen lief ab. Bernd war ganz schön aufgeregt.


    Die Nummer war besetzt!

    Sie telefoniert wohl gerade, dachte er.

    Bernd legte auf und wartete.


    Seine Geduld währte nur 10 Sekunden. Gerade wollte er wieder anrufen, als sein Telefon klingelte.

    Seine Augen glaubten ihm einen Streich zu spielen, als er den Namen des Anrufers auf dem Display las: Xenia!

    "Hier Bernd am Rohr, hallo!"

    Kurz war es still am anderen Ende, dann meldete sich eine etwas schüchterne Frauenstimme:

    "Hey Bernd, ich bin es, Xenia!"


    "Hey Xenia, was für eine Überraschung! Ich hatte eben gerade versucht, dich anzurufen."


    Xenia war ganz angetan. "Ja, ich auch! Da war besetzt!"


    "Genau wie bei mir! Zwei Seelen, ein Gedanke!"


    "Jaaaa!"


    "Xeni, ich muss dir was gestehen: Du hattest damals einen großen Eindruck auf mich gemacht, bei dem Turnfest."


    "Oh Börni, mir geht es genauso! Als du da standst und mich ansprachst, wurde mir ganz anders."


    "Ich habe gemerkt, dass du da recht sprachlos warst. Dabei warst du vorher noch voll die Tanzmaus."


    "Das stimmt, das mache ich für mein Leben gern! Und die Tänzerinnen und Tänzer waren ja auch spitze!"


    "Ich fand die auch super! Alle Achtung! Aber sag mal Xeni, wollen wir uns mal irgendwo treffen?"


    "Sehr gern, Börni. Wann denn und wo?"


    "Ich habe von Ingo gehört, dass du in Kassel wohnst. Ich habe beruflich nächste Woche da zu tun. Wie wäre es, wenn wir uns dort mal treffen?"


    "Das fände ich toll, ey! Hast du schon ein Hotel gebucht?"


    "Ja, im Gasthof Düsseldorfer Hof."


    "Hübsches Lokal, das Düss. Kenne ich gut."


    "Wollen wir uns denn da mal treffen? Nächsten Dienstag Abend?"


    "Spitze, Börni, da habe ich Zeit. Um 19 Uhr dann, zum Essen?"


    "Jo, Xeni. Ich trag ne schwarze Leggings, und du?"


    "Ich bin die rote Xeni, Börni!"


    "Dann hast du bestimmt wieder eine rote Leggings an?"


    "Logo. Rote Leggings und rote Haare!"


    "Bis dann, lütte Tanzmaus!"


    "Jo, großer Skatbruder, freue mich auf dich!"


    Sie legten auf.


    Bernd erfasste eine große Ruhe, ein breites Lächeln lag auf seinem Gesicht. Er glitt mit seinen Händen über seine glänzende Leggings und dachte voller Vorfreude an seine Tanzmaus in ihrer roten Leggings.


    Xenia sprang zuhause im Dreieck, reckte ihre Faust zur Decke.

    "Ja! Ja! Ja!"

    Sie konnte sich gar nicht mehr einkriegen, so freute sie sich.

    Beim Telefonieren mit Bernd hatte sie echt Mühe, ruhig zu bleiben.

    Rasch legte sie ihre Lieblingsmusik auf und tanzte in ihrem Zimmer auf und ab,

    die Energie, die sie befeuerte, musste erst mal abgebaut werden.


    Xenia war in Hochstimmung. Phänomentastisch!




    Zu Kap. 68