Die galaktische Turnfee Nereida Drei

  • Unverarbeitete Konflikte brechen hervor. Es kommt zum Knall...


    Vielleicht kennt jemand von euch die britische Musikgruppe Mesh. In der Zeit, als ich Kapitel 71 schrieb, hörte ich deren neues Album "Looking skyward" auf und ab.

    Das Lied "Tactile" hat es mir angetan, besonders die beiden Zeilen


    "When the world is crashing down around my ears"


    "I thought I knew you better than anyone"


    Dies ist der Kern der nächsten Folge.


    Beide Sätze findet ihr auf deutsch übersetzt in Kap. 71 wieder. Dann werdet ihr wissen, wer damit gemeint ist.


    "Im Freibad Obertupfingen" erscheint am Wochenende.

  • Kap. 71: Im Freibad Obertupfingen


    Sonntag morgen.


    Aus Ingos Sicht.


    Der Tag begann sonnig.

    Ich übernachtete alleine zuhause, da Lisa sich noch um ihren Haushalt kümmern wollte und ich um meinen.


    Mit gemischten Gefühlen packte ich die Schwimmtasche. Schließlich sollte ich heute zum ersten Mal im Badeanzug im Freibad baden gehen! Unter anderem kam in die Tasche mein neuer schwarz-grüner Badeanzug, den ich am Vortag im Beisein von Oksana, Nereida und Lisa gekauft hatte.

    Nach dem Frühstück radelte ich los. Das Freibad unseres Städtchens lag am anderen Rand, etwas abseits, wo der Lärm keine Anwohner stören konnte.

    Es bestand aus dem zwei Meter tiefen 25-Meter-Becken mit vier Bahnen, dem genauso großen Nichtschwimmerbecken bis 1,20 m Tiefe mit Rutschen sowie einem abseits gelegenen Tiefbecken mit Ein-Meter-Brett und Drei- und Fünf-Meter-Turm.

    Umgeben waren die Becken von großzügigen Rasenflächen. Hecken trennten die Rasenflächen von den Becken.

    Das Eingangsgebäude enthielt außer dem Kassenbereich weiterhin Räume fürs Personal sowie Duschen, Toiletten, Umkleidekammern und Spinde. Auch ein kleiner Imbiss war vorhanden.


    Als ich pünktlich um 10 Uhr ankam, sah ich dort schon Lisa warten. Auch Ute und Egon waren gekommen. Wir plauderten miteinander.

    Zehn Minuten später kamen dann Bea, Nereida und Oksana. Herzliche Begrüßung untereinander.

    Als Egon Nereida sah, geriet er ins Grübeln.

    "Ich kenne dich. Ich habe dich irgendwo schon mal gesehen. Ich weiß nur nicht, wo."

    "Keine Ahnung. Ich habe dich noch nie gesehen", meinte sie ratlos.


    Bea bat mich, die schweren Sachen von ihrem Wagen tragen zu helfen. Ich kam mit ihr mit.

    Sie wirkte etwas genervt. Ich fragte sie, was denn los sei. Sie sagte, da kamen mehrere Punkte zusammen, worüber sie sich vergangene Woche geärgert hatte. Die Nachbarn, die über ihr wohnen, haben am Donnerstag in der Küche das Wasser wohl überlaufen lassen, die Decke in Beas Küche muss saniert werden.

    Dann ist sie mit ihrem Auto am Freitag gegen einen Poller gefahren. Die Beule war deutlich zu sehen. Das kostet sie viel Geld, den Wagen und den Poller reparieren zu lassen.

    Und Beas irdische Mutter Brigitta kam in die Klinik, da sie gestürzt war und sich den Arm gebrochen hatte. Somit musste sie auch noch ihren Vater versorgen und die Mutter besuchen. Ihre Schwester Nereida war dabei keine Hilfe.

    Überhaupt Nereida...

    Heute morgen hatte es ihrer ganzen Überredungskunst bedurft, Nereida in Beas Wagen hinein zu bekommen. Ihre Schwester hasste Autofahren. Manchmal fand Bea Nereida echt schwer zu ertragen. Sie wirkte auf Bea wie ein Kind im Körper einer Erwachsenen. Schon als sie Nereida das allererste Mal in der TuFiTa sah, ahnte oder genauer, wusste sie, dass diese Nereida eine schwierige Person war bzw. sein würde. Ihre Abneigung war jedenfalls deutlich erkennbar. Sie hatte nicht nur einige Problemschüler, mit denen sie sich an der Schule herumärgern musste, nun auch noch dazu eine unreife Schwester!

    Bea seufzte.

    Ich legte ihr meine Hand auf die Schulter und tröstete sie, erinnerte sie aber auch daran, dass Nereida ja nicht von der Erde stammte. Sie lächelte wieder und bedankte sich. Mir schien es aber, dass es Bea weiter beschäftigte.

    Als uns Egon länger am Wagen stehen sah, kam er hinterher und half uns beim Tragen.

    Es standen mehrere Leute vor der Kasse, es dauerte etwas. Nereida fand das Stehen langweilig, tänzelte herum und freute sich, fast so wie ein kleines Kind.

    Bea, sowieso schon genervt, wurde das zu bunt und ermahnte sie ausdrücklich, doch endlich mal still zu stehen! Hier mache man das so. Sie schaute echt vergrätzt. Man erkannte deutlich, wie unsicher Nereida da stand. Missmutig befolgte sie die Anweisung ihrer älteren Schwester.

    Egon stand vorne. An der Kasse bezahlte er sogar den Eintritt für uns alle. Fand ich echt nett von ihm!


    Wir ließen uns an einem Platz an der Hecke nieder, der teils im Schatten lag, unweit zum Nichtschwimmerbecken.

    Schätzungsweise 50 Badegäste befanden sich bereits auf den Grünflächen und in den Becken.

    So langsam entkleideten wir uns alle und zogen uns um. Oksana gab Nereida den neuen Badeanzug in die Hand. Meine Jeans und T-Shirt hatte ich schon ausgezogen, saß nur noch in Unterhose da, wollte sie gerade aus- und meinen neuen Badeanzug anziehen, wurde aber von Nereida abgelenkt. Die Frauen wühlten in ihren Taschen, bemühten sich, ihre Oberkörper vor den Blicken anderer zu verbergen.


    Nicht so Nereida. Sie stand aufrecht da, ihr Badeanzug baumelte an der linken Hand; sie trödelte, tänzelte etwas und schaute lächelnd verträumt in die Ferne, war sichtlich gut gelaunt.


    Man konnte ihren kompletten Körper hüllenlos sehen! Eine echt makellose Figur hatte sie, ideal für ein Fotomodell, was sie ja für die Turnanzug-Firma auch mal war. Nichts hing runter, herrlich anzusehende Rundungen, alles wohlgeformt, keine Hautunreinheiten, ein hübsches Gesicht mit ihren dunkelblonden Haaren, wahrhaftig ein Abbild von Schönheit! Die Venus von Obertupfingen. Ich war sehr beeindruckt. Aber irgendetwas an ihr war anders als an anderen Frauen. Aber was? Schon drehte sich Nereida in die andere Richtung, dass ich nur noch ihrem Rücken sah. Egal, nach ihr musste man sich einfach umschauen! Eine echt süße Maus. Galaktisch genial! Einmalig hübsch!

    "Hey Nereida, alle Achtung!" rief Egon, pfiff anerkennend und sprach in etwa das aus, was ich bloß gedacht hatte. Ute boxte ihm dafür verärgert in die Seite.


    Aber was nun kam, erschütterte uns alle.


    Denn Sekundenbruchteile später wurde Nereida von Bea energisch auf die Decke herunter gezerrt, von der Umgebung abgeschirmt, so lautstark belehrt und beschimpft, dass sich etliche andere zu uns umdrehten! Oksana war zwar nicht so rabiat wie Bea, fasste Nereida zwar nicht an, machte ihr aber ebenfalls Vorwürfe. Ganz schön brutal von den beiden, wie ich fand.


    Die arme Nereida! Sie bekam nun Beas geballten Frust ab!


    Nereida hatte kein Schamgefühl. Unbedarft, unbekümmert, wie sie von ihrer Natur aus war. Ihr war nicht bewusst, wie man sich auf der Erde benimmt. Oder sie hatte Oksanas Hinweise in Lauras Lycra Laden einfach vergessen. Und nun saß sie da, wortwörtlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, eingeschüchtert, traurig, sprachlos. Aus ihrer Sicht hatte sie nichts falsch gemacht. Sie stand doch bloß da! Sie verstand die Welt nicht mehr. Bea sah noch finsterer aus als vorher.


    Nereidas schockiert dreinblickendes Gesicht erregte mein Mitleid. Ich ergriff Partei für sie: "Nereida, du konntest das nicht wissen, es tut mir leid, dass man so heftig mit dir umgeht. Lass mich dich trösten." Sie schluchzte.

    Ich schaute Bea und Oksana streng an:

    "Ihr zwei, das fand ich eben ein bisschen zu grob von euch, findet ihr nicht auch? Der Ton macht die Musik!"

    Sie waren zu verblüfft, etwas zu sagen, hatten nicht mit meiner deutlichen Parteinahme für Nereida gerechnet.

    "Schaut doch mal, wie verstört sie ist. So kann man mit Nereida doch nicht umspringen!"


    Lisa umarmte mich still und dankte mir leise. Sie wie auch Ute waren überrascht über die heftige Reaktion von Bea und Oksana.

    Nereida kamen die Tränen. Sie weinte bitterlich! Sie fühlte sich, als wenn ihr die Welt um die Ohren fliegt!

    "Aber sie hat..." stammelten Bea und Oksana, in einer Mischung aus Verblüffung und Verärgerung. Ich unterbrach sie harsch.

    "Ich finde, ihr solltet Nereida um Entschuldigung bitten und die Harmonie wiederherstellen! Seht doch bloß, wie sie weint!"

    Das war mein direkter unmissverständlicher Appell an das Harmoniebestreben der R-Wi-i.


    Die R-Wi-a in Bea schrie gequält auf: Beata, wie konntest du nur!

    Nun waren Bea und Oksana wirklich betroffen, wie gelähmt. Man merkte, wie sie ihr unheilvolles Tun überdachten.

    Ich streckte meine Arme aus und sprach: "Liebe Nereida, komm doch zu mir, ich tröste dich."

    Weg von Bea und Oksana krabbelte sie zu mir her und umarmte mich schluchzend. Ich streichelte ihr liebevoll und sanft ihren Kopf und Rücken.

    Lisa streichelte Nereida ebenfalls. Auch Ute kam und legte Nereida ihre Hand auf.

    Ich fühlte ihren gut gebauten Oberkörper, der sich nun direkt an den meinigen schmiegte. Es fühlte sich gut an.

    Aber darum ging es jetzt nicht. Meine Aufgabe war, Nereida zu helfen, sie vor ihrer Schwester und ihrer Geliebten zu beschützen. Sie sah in mir einen Verbündeten.

    Ich dachte: Du bist bei mir sicher, ich halte zu dir.

    Nereida hatte meinen Gedanken gelesen.

    Sie dachte: Danke Ingo, dass du zu mir hältst. Erst diese grässliche Autofahrt, dann das erzwungene Stillstehen am Eingang und jetzt das hier! Meine eigene Schwester und meine Geliebte gehen so abgrundtief harmonielos mit mir um!


    Tränen kullerten ihre Wangen herunter.


    Ich dachte: Man muss doch liebevoll mit dir umgehen, Nereida, das versuche ich zu tun. Du kannst doch nicht alles wissen, was man auf der Erde macht. Ich beschütze dich.

    Sie dachte: Danke lieber Ingo. Du hast nun zu mir gehalten, und Lisa und Ute auch. Hätte hier keiner von euch zu mir gehalten, wäre ich aufgestanden und hätte mich zurück nach R-Wi getanzt. Da hätte mich niemand aufhalten können! Niemand, nicht mal Bea! Und ich wäre dann in R-Wi geblieben! Ich war jedenfalls kurz davor.


    Ich dachte: Lass dich trösten, liebe Nereida. Bitte bleibe hier, bei mir.

    Sie dachte: Ja, lieber Ingo, ich bleibe bei dir. Du verstehst mich.

    Sie schluchzte noch etwas.


    Beata und Oksana schwiegen bedrückt. Ich schaute sie zornig an. Denen hatte ich es aber gegeben!

    Bestimmt zwei Minuten saßen Nereida und ich so da, schweigend. Ich streichelte sie leicht.

    Ich dachte: Wollen wir jetzt unsere neuen Badeanzüge anziehen und mal in das Wasser gehen? Ich komme mit dir und helfe dir.

    Sie dachte: Ja, aber langsam.

    Wir lösten uns voneinander. Sie lächelte verhalten.

    "Ich wische deine Tränen weg, liebe Nereida", meinte Lisa und bearbeitete mit einem Taschentuch sachte Nereidas verheultes Gesicht. Auch Ute bot ihre Hilfe an.


    Beata kam demütig mit betroffenem Gesichtsausdruck an: "Es tut mir leid, Nereida, dass ich dich so ruppig behandelt habe. Ich hätte mich besser im Zaum halten sollen. Es war die Ungeduld und der Missmut der Tabea. Es hatte sich alles aufgeschaukelt. Bitte verzeih mir."

    So ähnlich zerknirscht bat auch Oksana um Verzeihung.

    Nereida sagte mit einem nachdenklichen Gesicht: "Ihr wart sehr gemein zu mir. Besonders du, Bea! Und ich dachte, ich würde dich besser als alle anderen kennen."

    Sie schaute ernst, wartete ab, da Beas und Oksanas Tat immer noch in ihr nachhallte. Es wurde ungemütlich für die beiden. Das sah man ihnen auch an. Beata war auch traurig. "Das tut mir sehr leid, liebe Schwester. Ich schäme mich für mein Verhalten. Bitte verzeih mir."

    Schließlich sagte Nereida zu ihnen: "Na gut. Bitte nicht mehr mit mir schimpfen. Bedenkt, dass ich Nereida Drei von R-Wi bin."

    Sie reichten einander die Hand, und ich nahm an, dass wieder Frieden zwischen ihnen herrschte.


    "Ich ziehe jetzt meinen neuen Badeanzug an", sagte sie.

    Lisa, Beata, Oksana, Ute und ich schirmten Nereida von der Umwelt ab. Sie stieg in ihren neuen Badeanzug hinein.

    Sie machte immer noch eine gute Figur. Sie war echt ein Hingucker in ihrem farbenfrohen Badeanzug. Oksana band Nereidas Haare in einem Haarknoten zusammen. Nereida schien wieder zögerlich Vertrauen zu Oksana zu fassen. Von Bea schien sie sich noch fern zu halten.


    Nun hieß es für mich: Ingo, zieh den Badeanzug an! Ich entledigte mich meiner Unterhose. Langsam stieg ich in den Badeanzug hinein, streifte die Träger über die Schulter. Zum Glück hatte ich den Badeanzug ja schon mal anprobiert und hatte etwas Übung. Lisa half mir und zupfte die Träger und den Badeanzug zurecht. Geschafft! Das erste Mal in der Öffentlichkeit im Badeanzug! Richtig schön eingepackt fühlte ich mich da.

    Die anderen Frauen hatten auch alle einen an, nur Ute nicht, die einen Tankini trug.

    Wir standen auf, gingen Richtung Becken. Egon blieb zurück, passte auf die Sachen auf.

    "Nereida, bevor wir ins Becken gehen, müssen wir erst duschen", meinte ich.

    "Das ist schön, das mag ich."

    "Es ist aber kaltes Wasser, erschrecke nicht."

    "Oh, danke, Ingo, für die Warnung."

    Das Wasser der Dusche war wirklich kalt, angesichts der hochsommerlichen Temperaturen aber dennoch angenehm und eine willkommene Abkühlung. Nereida juchte: "Brr, das ist ja wirklich kalt!", lief schnell aus dem Wasserstrahl hinaus und schaute gespannt zurück.

    Wir anderen hielten es länger drunter aus. Nereida staunte: "Wie könnt ihr das nur aushalten!"

    "Wir sind es gewohnt", meinte Lisa.

    "Komm, Nereida, nun rein in das große Wasserbecken!" rief Ute.

    "Ja, mit Ingo und Lisa", meinte Nereida und sie ergriff unsere ausgestreckten Hände. Sie traute Bea und Oksana wohl doch noch nicht so ganz. Die nahmen das denn auch betreten zur Kenntnis.

    So stolzierten wir in das Nichtschwimmerbecken hinein. Das Wasser umfing unsere Waden. Wir gingen langsam zum tieferen Bereich.

    "Ein völlig neues Gefühl. Und auch schön warm", bekannte sie strahlend.

    So dachte ich auch, nur dass Nereida das Gefühl von großen Mengen Wasser am Körper meinte; und ich meinte das Gefühl, einen Badeanzug zu tragen.


    Obwohl es für mich eine neue Erfahrung war, fühlte ich fast schon eine Vertrautheit mit den Lycra-Einteilern. In der Vergangenheit waren es eben welche mit Ärmeln, und in der Turnhalle. Hier war es das Wasser, was mit dem Badeanzug zusammen einen neuen Reiz auslöste. Wohlig nahm ich es wahr.


    Ute, Bea und Oksana waren uns voraus gelaufen und warfen sich vergnügt in die Fluten.

    Als die Tiefe etwa 1 Meter erreichte, ließen wir Nereida los. Wir spritzten uns gegenseitig nass. "Das bringt Spaß!", jubelte sie.

    Lisa meinte: "Und jetzt gehe mal langsam in die Knie, Nereida, bis das Wasser an deinen Hals geht."

    Wir machten es ihr vor. Sie tat es, bis ihr das Wasser zum Hals stand. "Hey, überall Wasser um mich herum!"

    "Und nun drück mit deinen Händen das Wasser schnell nach unten!"

    Sie befolgte es, wodurch ihr Dekolleté wieder über die Wasseroberfläche kam. Schön anzusehen, wie es wogte und das Wasser herunterlief!

    "So kommst du wieder nach oben. Mache es mal ein paar Mal", sagte Lisa.

    Sie tat es und fand Gefallen daran, wiederholte es einige Male. Sie lächelte.


    "Nun zeigen wir dir das Untertauchen, bitte schaue genau zu."

    Wir erklärten es ihr. Sie hörte und sah aufmerksam zu. Ich machte es vor, atmete ein, schloss den Mund und die Augen, ging in die Knie, tauchte ganz unter, drückte die Hände nach unten, atmete aus und tauchte wieder auf.

    Ich stand ganz dicht bei ihr und passte auf sie auf.

    Nereida machte es nach, kam nach ein, zwei Sekunden wieder nach oben, schüttelte sich. "Das war ja stark" bekannte sie begeistert.

    "Mach es ein paar Mal. Und auch mal mit Augen auf."

    Auch das klappte. "Es sieht alles verschwommen aus. Und blau."

    "Und atme aus, wenn du dicht unter Wasser bist, und komm dann sofort mit Hilfe deiner Hände wieder hoch", meinte Lisa.

    Sie stellte sich ihr gegenüber und machte es vor, später gleichzeitig mit Nereida.

    Es lief alles glatt, zum Glück. Nereida wurde immer sicherer im Wasser.


    Wir tobten und hatten eine Menge Spaß. Soviel Spaß, dass ich ganz vergaß, dass ich einen Badeanzug trug. Er umgab mich wie eine zweite Haut.

    Bea rief: "Lasst uns auf die Rutsche gehen."

    Sie meinte eine etwa fünf Meter breite Kinderrutsche mit etwa zwei Meter Höhenunterschied, die im Nichtschwimmerbecken endete.

    Nereida war etwas vorsichtig. "Hilfst du mir dabei, Beata?"

    "Klar, liebe Schwester."

    So saß Nereida dann mitten auf der Rutsche, flankiert von Beata und Oksana.

    Ute, Lisa und ich warteten unten im Wasser und feuerten die drei an. Und sie kamen juchzend herunter gerauscht!

    "Oh wie schön", rief die Turnfee, "gleich noch mal!"

    Mit wechselnder Begleitung und wachsender Begeisterung rutschte Nereida jubelnd hinab. Wir alle genossen es sehr.


    Ein charakteristisch gepfiffene Melodie erklang von Land. Ute bemerkte: "Das kommt von Egon, er hat unser Essen fertig. Lasst uns nun herausgehen."

    In der Zwischenzeit hatten sich schon eine ganze Menge Gäste eingefunden, die auch auf der Rasenfläche lagerten.

    Schnell waren wir alle wieder bei unserem Lagerplatz. Wir zogen die nassen Badesachen aus und trockneten uns ab. Diesmal ging es ohne Schimpfen. Nereida bekam einen trockenen roten Badeanzug von Oksana zum Wechseln.


    Ich hatte nochmal kurz Gelegenheit, Nereida hüllenlos und von vorne zu sehen. Nun sah ich es klar:

    Nereida hatte keinen Bauchnabel, wie alle R-Wi-i.

    Als sie auf der Erde im Körper einer Menschenfrau landete, hatte sie diese Winzigkeit bei der Genesis ihres irdischen Körpers übersehen. Nun verstand ich auch Oksanas Reaktion, als sie einst im Kaufhaus meinte, ein Bikini sei nichts für Nereida. Sie wusste, dass Nereida keinen Nabel hatte, wollte ihre Freundin vor fremden Blicken schützen.


    Die anderen Frauen hatten auch alle einen zweiten Anzug mitgenommen. Nur ich und Bea nicht. Bea trug ein Kleid. Ich hatte leider keinen Ersatzbadeanzug. Also musste ich Unterhose und T-Shirt wieder anziehen. Über eine Querstange hängten wir die nassen Badesachen zum Trocknen auf.

    Egon hatte seine Badehose an und meinte zu uns: "Ich habe vorhin schon gegessen, jetzt gehe ich auch mal schwimmen" und verschwand. Er grübelte immer noch, woher er Nereida wohl kannte. Sie sah ihm hinterher, wie er ins andere Becken ging und dort ihrer Meinung nach merkwürdige Bewegungen machte.


    Egon hatte eine kleine Fünf-Liter-Warmhaltekanne für uns hingestellt, mit Gulaschsuppe und Nudeln drin. Hungrig, wie wir nach dem Toben waren, verputzten wir alles recht flott.

    "Hat dir denn das Baden und Rutschen gefallen, Nereida?" fragte Beata.

    "Oh ja, das war toll! Nun weiß ich auch, warum ihr so gerne baden geht."

    "Und wie ging das mit euren Badeanzügen?" fragte Lisa.

    "Der ist schön! Ich habe ihn aber vor lauter Vergnügen gar nicht mehr gespürt!" meinte sie.

    "So ging es mir auch. Das Gefühl, überall am Oberkörper eingepackt zu sein und die Nässe zu spüren, war zuerst neu und ungewohnt, dann aber vertraut und irgendwann selbstverständlich", bestätigte ich Nereidas Aussage.

    "Genau", meinte Oksana, "man denkt nicht mehr drüber nach."


    Nereida kaute den letzten Bissen. Dann fragte sie:

    "Da sind doch noch andere Becken. Egon ist vorhin dort hinein gegangen. Ich will da auch mal hingehen."

    "Lieber nicht, denn das Wasser dort ist tief, der Boden also sehr weit unten. Du kannst nicht schwimmen und würdest da untergehen und ertrinken", warnte Oksana.

    "Da darfst du nur hinein, wenn du schwimmen kannst, Nereida. Du kannst das nicht. Gehe lieber ins kleine Becken zum Toben", sagte Bea kühl.

    Oh je, Bea ist schon wieder nicht sehr nett zu ihrer Schwester!


    Nereida schien es zu merken, sie wandte sich von Bea ab und fragte uns: "Bringt ihr mir das denn bei?"

    "Das geht leider nicht so schnell, da fürs Schwimmen viele ungewohnte Bewegungen koordiniert werden müssen", sagte ich.

    Nereida sank der Mut.

    "Aber du hast gute Voraussetzungen, es schneller zu lernen", meinte Ute.

    Ein Hoffnungsschimmer keimte in Nereida: "Wieso?"

    "Du hast dich schon sehr gut ans flache Wasser gewöhnt. Du hast gelernt, die Luft anzuhalten, mit dem Kopf unter Wasser zu sein und die Augen zu öffnen, jedenfalls für kurze Zeit", fuhr Ute fort.

    "Stimmt, das kann ich nun."

    "Sogar unter Wasser ausatmen schaffst du schon. Das ist ein guter Fortschritt."

    "Ja. Lustig, wenn die Luftblasen perlen."

    "Und du drückst mit deinen Händen das Wasser nach unten und kommst so höher aus dem Wasser. Das ist wichtig z.B. für das Brustschwimmen. Ich könnte mir vorstellen, dass du das schnell schaffen könntest", machte Ute ihr Mut.

    Nereida überlegte. "Also Schwimmen heißt, man drückt das Wasser mit den Armen weg?"

    "Damit hast du einen wesentlichen Punkt erkannt. Und nicht nur mit den Armen, sondern auch mit den Füßen. Es hilft dir nicht nur dabei, an der Wasseroberfläche zu bleiben, sondern auch, um voran zu kommen, vorwärts zu schwimmen. Du bist sehr gut im Lernen, Nereida", lobte Ute sie.

    Nereida lächelte zuversichtlich.

  • ValCurasca du hast Recht.

    Ansonsten findet ihr die Auflösung in Kapitel 72.


    Ursprünglich war Kap. 71 und 72 ein einziges Kapitel, es wurde aber so lang, dass ich es geteilt habe.


    Das Kernthema ist der Konflikt zwischen Nereida und Tabea, dem irdischen Ich ihrer Schwester Bea.

    Es ist eben nicht alles immer eitel Sonnenschein. Auch nicht unter Geschwistern.

    Tabea konnte Nereida noch nie so ganz leiden.

    Ich habe selber sehr darunter gelitten, als ich Kap. 71 schrieb...


    Nereida wird von Ingo und Lisa aufgefangen und die beiden bauen sie wieder auf. Dies ist die positive Variante von Kapitel 71.


    Es gibt noch eine andere Variante, in der sich Ingo und die anderen passiv-gleichgültig gegenüber Nereida verhalten. Nereidas Reaktion darauf ist fatal...


    Ansonsten geht es weiter im Freibad mit Kap. 72

  • Kap. 72: Die Schwimmfee


    Ich war müde, das Toben im Wasser und nun auch noch der volle Bauch nach dem Essen taten das übrige.

    Die anderen sprachen übers Schwimmen und wie man es lernt. Ich hatte Mühe, dem zu folgen.

    Nereida war begeistert und voller Energie: "Schwimmen lernen, das möchte ich! Kommt mit mir ins Wasser! Ute, Lisa, Ingo, Oksana, Beata!" versuchte sie uns zu motivieren.

    "Lasst uns noch warten, bis Egon wiederkommt. Außerdem haben wir gerade gegessen, lasst uns erst mal ausruhen", sagte jemand von uns.


    Still sitzen war aber überhaupt nichts für eine R-Wi-a wie Nereida.

    Sie stand auf und begann zu tanzen, für sich. Die Ausstrahlung, die von ihrem Tanz ausging, war einfach mitreißend. Ihr Körper, eingepackt in dem roten Badeanzug, schien uns wortlos zuzurufen: "Kommt und tanzt alle mit mir!"

    Ich konnte sie beim besten Willen nicht allein tanzen lassen, zog mir meine Hose an, stand auf, tanzte mit. Obwohl ich müde war und überhaupt keine Lust hatte. Sie lächelte mich an, drehte sich ein paar Mal. Es war ein echtes Erlebnis, wie federleicht sie sich bewegte.

    Sie dachte: Beata-ke-re-ses reis dei op oh hob me l mei oh mo te en wer her me l mei.

    Beata konnte nicht anders, als Nereidas Aufforderung nachzukommen. Sie stand sofort auf und tanzte mit ihrer Schwester. Sie war wie ausgewechselt und strahlte, tanzte synchron zu Nereida.


    Während ihres Tanzes breiteten die Schwestern ihre Arme weit aus und umarmten sich dann selber, jede für sich, stampften abwechselnd mit dem linken und dem rechten Fuß auf den Boden, und riefen "Hey!"

    Und das wiederholten sie immer wieder. Dabei drehten sie sich langsam um sich selbst.

    Lisa, Oksana, Ute und ich machten ebenfalls begeistert mit.

    Wir standen alle im Fokus der anderen Badegäste. Einige kamen neugierig näher.

    Die ersten fremden Leute wurden mitgerissen und tanzten mit uns. Fast wie mechanisch!

    Fünf Minuten später waren es schon 30 Leute in Bewegung! Alle waren gut drauf.

    Ein Aufseher kam und rief, wir sollten aufhören, sonst würde er die Polizei rufen.

    Wir waren beinahe wie in Trance, der Tanz machte uns froh, gut gelaunt und unerreichbar für Befehle fremder Leute.


    Der Aufseher schaute Nereida an und wollte sie stoppen, sogar mit Gewalt, wie es schien. Es gelang ihm nicht. Sie durchbohrte ihn mit ihrem Blick, genauso wie sie einst Laura mit ihrem Blick durchbohrt hatte. Er erlag ihrem Zauber, ihrem Tanz - und tanzte selber willenlos mit! Nereida strahlte wie verrückt, tanzte mit vollem Elan weiter! Sie musste doch eine Zauberfee sein, wie konnte das sonst alles passieren? Auch Beata stand ihr in nichts nach. Die beiden R-Wi-a hatten uns alle verzaubert!

    Nun waren sämtliche Leute auf dem Rasen am Tanzen, wohl 100 Badegäste. Was für eine Energie!


    Einer davon fragte uns: "Na, seid ihr satt geworden?"

    "Ja, dicke! Das war echt reichlich, und gut", antwortete jemand anderes.


    Ich schreckte auf. Ich musste erst mal erkennen, wer da redete, was passiert war und schaute mich um. Ute lag neben Oksana und unterhielt sich leise mit ihr, Bea saß aufgerichtet, eine Illustrierte in ihrer Hand. Die anderen Badegäste lagen still auf ihren Decken. Und auch ich lag auf meiner Decke! Lisa ruhte neben mir und schlief. Außer dem klitschnassen Egon stand niemand. Niemand tanzte hier! Nur Nereida tänzelte langsam alleine und für sich an der Hecke.


    Ich hatte geträumt!


    Egon hatte gefragt, und Bea hatte ihm geantwortet. Die anderen schauten sich zu ihm um. Nereida hörte auf zu tanzen.

    Lisa wurde durch die Stimmen und das Gewühl wieder wach.

    "Na dann ist ja alles gut", lachte Egon.


    "Kommt noch mal jemand mit mir ins Wasser und lehrt mich das Schwimmen?" fragte Nereida erneut.

    "Ich komme mit dir", sagte ich. Ute und Oksana hatten auch Lust. Nereida freute sich. Wir zogen uns wieder um, ohne dass Bea schimpfte. Sie hatte wohl dazugelernt. Aber trotzdem war sie nicht gut drauf und blieb auf der Decke sitzen.

    Ute dachte nach. Sie hatte eine Idee. Mal sehen, ob es klappt.


    Mein Badeanzug war nur halb getrocknet, und ich hatte Schwierigkeiten, ihn anzuziehen, da er auf der Haut zu kleben schien. Lisa half mir, damit er wieder gut saß.


    Die Turnfee war jetzt erheblich selbstbewusster. Sie eilte voraus ins Nichtschwimmerbecken, wir konnten ihr kaum folgen! Im hüfthohen Wasser drehte sie sich um und spritzte uns nass! Zuerst ging es drei gegen eine. Oksana wechselte dann auf ihre Seite und half ihr. Ute und ich spritzten zurück, eine richtige Wasserschlacht folgte. Das brachte einen Riesenspaß!


    Während einer kurzen Verschnaufpause dachte Ute an ihr Vorhaben und fragte sie: "Nereida, schau mal, kannst du das auch?"

    Sie ging in die Knie, streckte die Arme nach vorne aus, stieß sich kräftig ab und glitt bäuchlings ein paar Meter auf dem Wasser.

    Nereida schaute ihr zu. "Ich probiere es mal."

    Und siehe da, auch bei ihr klappte es. "Super, Nereida!" riefen wir. Sie strahlte. Oksana und ich taten es ihr nach.

    Ein paar Mal wiederholten wir das ganze. Nereida glitt fabelhaft auf dem Wasser.

    "Probiere es, indem du vorher Luft holst und unter Wasser langsam ausatmest. Wenn du keine Luft mehr hast, hebst du den Kopf aus dem Wasser."

    Ute machte es wieder vor. Nereida folgte ihrem Beispiel. "Puhh!" rief sie nach dem Auftauchen und schnappte nach Luft.

    "Sehr schön, mache es ein paar Mal."

    Wir anderen übten links und rechts von ihr mit.

    "Schön, Nereida!" rief Oksana.

    "Weißt du Nereida, damit hast du ein weiteres Element des Schwimmens kennen gelernt: Das Gleiten auf dem Wasser", erklärte Ute.

    Nereida freute sich über ihre Fortschritte. Ute hatte echt Talent, Nereida zu motivieren, im Gegensatz zu Bea. Dabei ist doch Bea eigentlich die Sportlehrerin und Trainerin!


    Ute machte weiter. Sie erklärte Nereida die Handbewegung des Brustschwimmens: "Hocke dich hin, strecke die Arme nach vorne, stelle die Hände quer und drücke das Wasser mit deinen Armen nach hinten. Dann stelle die Hände flach und führe sie wieder zurück nach vorn. Ich mache es dir ein paar Male vor." Sie tat wie geheißen, und Nereida verfolgte gebannt Utes Bewegungen. "Nun mach du es mal. Ich helfe dir auch."

    Eins muss man Nereida ja lassen: Sie ist ein Naturtalent für Bewegungen. Nach höchstens drei Versuchen machte sie es richtig.

    "Es zieht mich nach vorne, Ute", meinte sie, "ich habe Mühe, stehen zu bleiben."

    "Sehr schön erkannt, denn du drückst das Wasser nach hinten und das zieht dich beim Schwimmen vorwärts."

    Wir sahen an ihrem Gesichtsausdruck, wie sie nachdachte und es begriff.


    "Und nun verbinden wir das mit dem Gleiten von eben."

    Ute stieß sich ab, glitt auf dem Wasser und atmete aus, drückte die Arme nach hinten und hob den Kopf aus dem Wasser, atmete ein.

    Wir machten es nach. Schließlich auch Nereida. Sie kam nicht allzu weit. Wir redeten mit ihr freundlich, machten ihr Mut. Sie schaffte danach schon zwei, drei Züge. Einige Male wiederholte Nereida die Übung. Sie konnte das echt gut.

    "Das klappt schon, aber irgendwas bremst mich. Meine Beine wohl", sagte sie.

    "Das stimmt", meinte Ute, "und dazu kommen wir jetzt. Gehen wir zum Beckenrand."

    Wir anderen machten immer mit.


    Ute forderte Oksana auf: "Mach am Beckenrand mal die Beinbewegungen des Brustschwimmens. Ich erkläre es dann Nereida."

    Oksana stellte sich mit ihrer Vorderseite zum Beckenrand, ging in die Knie, legte ihre Arme auf den Beckenrand und machte die typischen Beinbewegungen im Wasser.

    "So musst du die Beine bewegen. Wie ein Frosch."

    "Was ist denn ein Frosch?" fragte Nereida verwundert.

    Ute schaute ungläubig.

    Um Ute keine Zeit für kritische Nachfragen zu geben, antwortete ich schnell: "Das ist ein kleines Wassertier. Es bewegt seine Beine beim Schwimmen so wie hier Oksana.

    "Ach so."

    "Mache es doch auch mal, ich helfe dir mit deinen Beinen", meinte Ute.

    Sie legte sich auf den Beckenrand und versuchte die Übung zu machen. Es klappte noch nicht. Ute führte ein paar Male Nereidas Beine.

    "Bei jedem Tritt mit meinen Beinen nach hinten fühle ich einen Stoß nach vorne."

    "Sehr schön beobachtet, Nereida. Nicht nur die Arme, auch die Beine treiben dich voran."


    Ich sah ein Regal mit Schwimmgeräten, hatte eine Idee. "Ich hole mal was, Ute."

    Mit diesen Worten ging ich zu einem Schwimmmeister und entlieh mir ein Schwimmbrett. Wie auch schon beim vorigen Schwimmen hatte niemand was zu meinem Badeanzug gesagt, weder das Aufsichtspersonal noch die anderen Badegäste. Es sah ganz natürlich aus!


    Mit dem Schwimmbrett kehrte ich zu den anderen zurück und winkte. "Das könnte nützlich sein, Ute."

    Ute sah mich kommen. "Klasse, Ingo! Nun brauchen wir den Beckenrand nicht mehr."

    Ute zeigte Nereida, wie sie die Beinbewegung mit dem Schwimmbrett durchführen muss.

    Auch das meisterte sie recht gut.

    Dann band Ute die Armbewegungen mit ein und klemmte dafür das Schwimmbrett unter Nereidas Bauch.


    Wir unterstützen Ute, indem wir mitmachten und ihr und Nereida halfen.

    Aber oft standen Oksana und ich da und staunten ob der enormen Lernfortschritte Nereidas.

    Zwar noch etwas hakelig und nicht so geschmeidig, aber deutlich als Brustschwimmen erkennbar.

    Sie wurde immer sicherer, lernte echt schnell! Und wir lobten sie stets, was sie weiter motivierte.


    Schließlich war der Moment gekommen. Ute wurde feierlich.

    "Wir probieren es jetzt mal ohne das Schwimmbrett. Das Wasser trägt dich. Du bist sehr gut davor. Wir sind stets bei dir und helfen dir notfalls. Gib mit deinen Beinen einen Anstoß und schwimme los."


    Was wir noch am Morgen nie für möglich gehalten hatten, trat ein: Nereida schwamm! Sie schwamm, ohne Schwimmhilfen, begleitet von uns. Als wir am anderen Beckenrand ankamen, jubelten wir alle.

    "Du hast es geschafft, Nereida!" riefen Ute, Oksana und ich.

    "Jaaaa!"

    Nereida streckte ihre Arme in die Höhe und tanzte im Wasser.

    Wir umarmten sie freudig.

    "Toll gemacht! Geliebte Zauberfee, du bist ab heute auch Nereida, die Schwimmfee!" lobte Oksana sie.

    Nereida strahlte.

    "Ja, das klingt gut. Ich bin die Schwimmfee! Um sicher zu gehen, probiere ich es nochmal."

    Auch der Rückweg klappte problemlos. Und noch einige weitere Male bewies Nereida, dass sie es tatsächlich konnte!


    Mir kam ein guter Einfall.

    "Soll ich mal Bea und Lisa holen? Ich verrate ihnen aber nichts. Und wenn wir ins Becken kommen, winke ich und du schwimmst zu uns hin. Wir überraschen die beiden."

    "Ja, Ingo, gute Idee, so machen wir das. Hol die beiden mal. Vielleicht mag Bea mich ja dann wieder."

    Dieser Satz ging mir durchs Mark. Ich dachte daran, wie sehr Nereida um Beas Anerkennung rang, nach all den Ärgernissen heute. Sie wollte von Bea für voll genommen werden. Sie wollte, dass ihre Schwester stolz auf sie ist.


    Ich verließ das Becken, dachte nach. Wie kann ich Bea motivieren? Hmm... Nur die R-Wi-a Tinaxana Beata könnte Nereida annehmen. Nur ihre echte Schwester. Bei der kühlen Erdenfrau Tabea hätte sie keine Chance.


    Egon las Zeitung, Bea und Lisa lagen auf den Decken und unterhielten sich. Sie sahen mich kommen.

    "Lisa und Bea, zieht doch bitte noch mal eure Badeanzüge an und kommt mit ins Wasser. Ich möchte euch was zeigen."

    "Gern, Schatz", meinte Lisa und stand sofort auf. Sie hatte ja bereits einen Badeanzug an.

    "Ich möchte heute nicht mehr ins Wasser", sagte Bea missmutig.


    Ich sah ihr fest ins Gesicht: "Bea, ich bitte dich, mitzukommen."

    Sie machte keine Anstalten, was zu tun, lag weiter auf der Decke.


    "Be-a-ta", ich betonte deutlich jede Silbe ihres R-Wi-Namens, "Beata, du tust mir damit einen Gefallen."

    Ein Ruck ging durch sie hindurch. Ich merkte es an ihrem kurzzeitig verzerrten Gesichtsausdruck, aber mein Wunsch war noch nicht stark genug. Sie blieb liegen.


    "Beata, ich bitte dich, lass Tabea hier liegen und komme als Beata mit."

    Sie richtete sich schon mal auf, wurde nachdenklich, ihr Widerstand nahm ab, war aber noch präsent. "Ich weiß nicht so recht."


    "Ich möchte dir was zeigen, worüber du dich freuen wirst, Beata. Es wird dir gut tun."

    Bea setzte sich auf ihren Achtersen. Mein Nachbohren führte langsam zum Ziel.


    "Bitte komme mit als die herzliche und liebevolle R-Wi-a Tinaxana Beata, die ich einst kennen und schätzen gelernt habe."

    Ich hatte sie fast soweit, blickte sie fest, aber freundlich an und lächelte. Sie atmete tief. "Na gut. Deinetwegen."

    "Ja, Beata, ich freue mich. Aber lass Tabea hier, versprochen?"


    "Gut, ich verspreche es."

    Beata zog ihr Kleid aus und ihren Badeanzug wieder an. Sie erhob sich und kam mit, ich war zufrieden.

    Egon blieb zurück.

    Lisa, Beata und ich gingen zum Nichtschwimmerbecken, hinein bis zum hüfttiefen Wasser. Ich forderte beide auf, stehen zu bleiben.

    Nereida, Oksana und Ute standen etwa 15 Meter entfernt.

    Ich winkte ihnen, sie winkten zurück.

    "Beata, schau zu den dreien."

    Was sie dann auch tat.


    Nereida winkte uns zu, legte dann ihren Oberkörper aufs Wasser, streckte die Arme nach vorne, stieß sich vom Boden ab und begann zu schwimmen, in unsere Richtung.

    Beata schaute verblüfft. Sie machte große Augen. Lisa staunte ebenfalls.

    Nereida schwamm näher. Und schon recht sicher! Ute und Oksana begleiteten sie schwimmend links und rechts von ihr.

    Beatas Mund stand offen. Sie begann zu zittern. So viele Gedanken schossen ihr durch den Kopf.

    Kann das wahr sein, was sie da sah? Dahinten kommt ihre eigene Schwester angeschwommen, die bis zum Vormittag noch nie jemals in irgendwelchen Wasserbecken auch immer gewesen ist! Für die das Schwimmen ihr Leben lang ein Fremdwort gewesen ist. Und diese Schwester konnte auf einmal schwimmen?


    Nereida hatte nun die halbe Strecke auf dem Weg zu Beata zurückgelegt. Immer, wenn sie ihren Kopf aus dem Wasser hob, lächelte sie ihre Schwester an.


    "Hey, Nereida kann schwimmen! Das ist ja super!" rief Lisa. Sie schaute mich begeistert an. Ich nickte ihr zu, nahm sie in den Arm.


    Beata konnte nichts sagen, so sehr nahm die Situation sie in Gewahrsam. Sie schaute weiter wie erstarrt auf Nereida.

    Sie sah ihre Schwester heran schwimmen und lächeln und dachte: Wie konnte das sein? Dieselbe Schwester, die von ihr am Vormittag noch nieder gemacht wurde, lächelte sie nun an! Dieselbe Schwester schien nicht mehr nachtragend zu sein, obwohl sie allen Grund dazu hätte! Beata dachte bekümmert daran, dass sie ihr sagte, dass sie nicht schwimmen könne und lieber ins kleine Becken zum Toben gehen solle. Und diese Schwester hatte nun alles getan, um es ihr zu beweisen!


    Beata erkannte auf einmal, worum es Nereida ging, eben dass Nereida um ihre Anerkennung kämpfte. Ihr wurde erneut schmerzlich bewusst, was sie durch ihr Verhalten am Vormittag ihrer Schwester angetan hatte. Ihre Augen wurden feucht.

    Nereida war bis auf zwei Meter herangekommen, hielt an und stand auf, strahlend. "Ich habe es geschafft, Beata-ke-re-ses!"

    Beata weinte vor Freude.

    "Ich bin vollkommen überrascht, was für eine großartige Leistung, ganz toll! Ich bin so stolz auf dich, Nereida-ke-res-te-ses!" und lief ihr entgegen.

    Auch Nereida hatte Tränen in den Augen. Ihre ältere Schwester hatte sie gelobt! Ehrlich und aufrichtig gelobt!

    Die beiden Schwestern umarmten einander, schluchzend. Beata gratulierte Nereida leidenschaftlich. Ich bekam gar nicht alles mit, was sie miteinander sprachen.


    Sie standen dann nur stumm da, dachten so vieles:

    Beata: Liebe Nereida, was mir schwer auf dem Herzen liegt - ich hatte dir leider sehr weh getan, heute Vormittag! Das wollte ich gar nicht. Das war Tabeas Missmut darüber, was ihr die letzten Tage an schlimmen Dingen passiert ist. Du solltest Tabeas Zorn nicht abbekommen. Es tut mir so leid!

    Nereida: Liebe Beata, da habe ich mich so niedergemacht gefühlt, so verstört und traurig war ich.

    Beata: Ich schäme mich sehr. Meine Tat von heute morgen bereue ich zutiefst. Kannst du mir verzeihen?

    Nereida: Ich kann, aber bitte schimpfe nicht mehr mit mir. Auch wenn ich nur deine kleine dumme Schwester bin, die so vieles nicht weiß.

    Beata: Du bist überhaupt nicht dumm! Und du bist nicht klein, sondern ganz groß, liebe Nereida, ich hatte dich unterschätzt. Das Schimpfen soll nicht mehr vorkommen.

    Nereida: Ach Beata, ich wünsche mir sehr, dass du immer meine Schwester Beata bist, und nicht diese Tabea.

    Beata: Ja, Nereida, ich auch. Ich bin auch viel lieber Beata als Tabea. Weißt du, Ingo hatte mich eben gebeten, ins Becken zu kommen. Ich wollte zuerst nicht.

    Nereida: Du bist aber gekommen. Was hat dich umgestimmt?

    Beata: Ingo hatte darauf bestanden, Tabea zurück zu lassen und Beata sollte ins Becken kommen. So ist es auch gekommen.

    Vor dir steht nun Beata. Deine Schwester Tinaxana Beata.

    Nereida: Oh wie schön, liebe Beata!


    Die beiden drückten sich fest aneinander.


    Beata: Ich habe auch eine Bitte an dich: Sollte ich irgendwann wieder komisch reagieren, sprich mich deutlich mit Beata-ke-re-ses an, bitte. Damit hilfst du auch mir.

    Nereida: In Ordnung, Beata, ich werde daran denken.


    Die beiden lösten sich wieder voneinander, erleichtert und froh.


    Wir warteten ab, wussten, dass die beiden Schwestern miteinander kommunizierten, bekamen den Inhalt aber nicht mit.

    Lisa trat auf sie zu, beglückwünschte Nereida herzlich und umarmte sie.

    Ute und Oksana kamen zu uns, freuten sich mit uns.


    Beata und Nereida tanzten umeinander, plumpsten ins Wasser, lachten, standen auf und tanzten weiter. So wie es das Wasser hergab. Ich merkte, nun war die Harmonie wirklich wieder hergestellt!


    Oksana, Ute und ich erzählten Beata und Lisa, wie wir Nereida das Schwimmen beigebracht hatten.

    Beata dankte Ute für ihre erfolgreichen Leistungen: "Du hast das so toll gemacht, woher kannst du das?"

    Ute entgegnete: "Ich hatte es genauso meiner eigenen Tochter beigebracht. Nur hatte sie etliche Tage dafür gebraucht. Nereida hingegen hat ganz schnell gelernt, heute in gerade mal etwa drei Stunden! Sie ist ein wahres Wunder! Noch nie hat jemand so schnell schwimmen gelernt wie sie! Ich bin selber sehr überrascht. Nereida, du bist einmalig klasse!"

    Nereida strahlte: "Danke Ute! Du hast mir das echt gut erklärt. Oksana und Ingo haben mich auch erfolgreich unterstützt. Ich bin total glücklich, dass ich es jetzt kann!"

    "Vielleicht hat auch ein kleines bisschen dein neuer Badeanzug geholfen", lächelte ich.

    "Er fühlt sich gut an, vielleicht gleitet man damit auch wirklich besser durchs Wasser."


    Wir tollten noch vergnügt im Wasser umher. Und Nereida schwamm zwischendurch auch immer mal wieder und freute sich darüber.

    Anschließend gingen wir wieder raus, trockneten uns ab und plauderten zusammen auf der Decke.


    Ute fragte nebenbei Nereida, wie sie Oksana denn kennengelernt hatte.

    "Ich kam heute vor zwei Wochen zum Marktplatz, auf der Suche nach meiner Schwester. Sie war aber nicht da. Es war windig und kalt. Zum Glück trug ich mein langes rotes Kleid. Auf einmal krachte der Donner, ich bekam Angst und rannte nur noch weg."

    Egon bekam große Augen, sein Mund stand offen: "Jetzt weiß ich endlich, woher ich dich kenne! Du warst das, die an dem Gewittertag vor mein Auto lief! Ich hatte dich fast überfahren!"

    Wir alle waren erstaunt. "Pardon Egon, aber ich war so in Panik, dass ich weiter rannte. Ich suchte Schutz", meinte Nereida.

    So hatten Ute und Egon doch noch erfahren, wer da vor zwei Wochen vor ihren Wagen lief!


    Die Sonne verschwand langsam hinter den hohen Bäumen und es wurde kühler.

    Ein schöner Tag neigte sich dem Ende zu.


    Wir verließen das Freibad und plauderten noch vorm Eingang.

    Beata und ich trugen wieder alleine die Sachen zu ihrem Wagen.

    Als wir die Sachen verstaut hatten, sagte Beata außer Hörweite für die anderen zu mir:

    "Ich habe dir sehr zu danken, Ingo. Denn du hast mich heute sehr deutlich und auch notwendigerweise drauf gestoßen, meine Denkweise, mein Reden und mein Handeln gegenüber Nereida zu ändern."

    "Dass es dir bewusst wurde, hat mich auch gefreut. Denn Nereida leidet darunter, oft wie die dumme und unreife kleine Schwester behandelt zu werden."

    "Ja, ich weiß es inzwischen. Als ich es endlich erkannte, tat sie mir von Herzen leid. Die Änderung in mir begann, als du an Tinaxana Beata, die R-Wi-a in mir, appelliert hattest. Besonders beim zweiten Mal, wo ich mitkommen sollte."

    "Richtig. Ich konnte dein Herz nur über Beata anrühren. Und Nereida sucht deine Anerkennung, Beata."

    "Ja, sie hatte verzweifelte Anstrengungen unternommen, dass ich stolz auf sie sein sollte. Sie hat an einem einzigen Tag das Schwimmen gelernt. Das ist phänomenal! Tabea hatte dafür drei ganze Wochen benötigt."

    "Stimmt, das ist eine großartige Leistung von ihr. Jedoch vermisst sie die liebevolle Beata und leidet unter der kühlen Tabea."

    "Ich musste heulen, als ich im Wasser stand und das erkannte! Ich sehe das auch als Problem, meine zwei Persönlichkeiten Tabea und Beata. Denn auch Tabea will zu ihrem Recht kommen. Ich will in Zukunft aber versuchen, sooft wie möglich Beata für sie zu sein."


    "Ich würde mich sehr darüber freuen. Lass dich umarmen, liebe Beata!"

    Sie ließ es geschehen.


    Wir gingen zu den anderen zurück, die noch am Eingang standen.

    Beata meinte: "Nereida-ke-re-ses, du brauchst nicht in meinem Auto mitzufahren, wenn du nicht möchtest. Du müsstest dann mit Ingo mitgehen. Er kennt den Weg. Dein Gepäck musst du aber nicht tragen, ich nehme es im Auto mit. Oksana kommt mit mir mit."

    Nereida war erstaunt. "Danke Beata. Ich hatte mich schon etwas gefürchtet, da wieder mit zu fahren. Danke, dass du mir eine Wahl lässt."

    Sie umarmte ihre Schwester zum Abschied noch mal innig.

    Die anderen gingen dann auch ihrer Wege.

    Ich brachte Nereida nach Hause. Wir plauderten beim Spaziergang über den gelungenen Tag. Ich erzählte ihr von meiner Vorgehensweise, wie ich Bea herumkriegte, nochmal ins Becken zu kommen. Nereida dankte mir sehr für meinen Einfluss auf Bea und umarmte mich dafür!

    Mir fiel mein Tagtraum vom Massentanz ein und erzählte ihn Nereida. Sie war erfreut und fragte mich, wie sie denn in meinem Traum getanzt hatte. Ich wusste es leider nicht mehr. Nereida lächelte verzückt, wechselte das Thema und schwärmte dann groß und breit schon vom nächsten Tag.


    Der Tag, von dem an sie auch beruflich eine Tänzerin sein würde.


    ---------------


    Achtersen (plattdt.) = Hintern, Gesäß

  • Hallo Martin,

    Danke für dein Lob über meine Detailtreue. Danke auch für dein Interesse generell.


    Ein bisschen dafür verantwortlich ist der Zusammenbruch des alten Forums im Dezember 2016, wo ich bis Kap 36 kam, intern bis ca. Kap 50 geschrieben hatte, und zwei Monate später wieder mit Kap. 1 zu veröffentlichen begann, und wo ich in den zwei Monaten aber auch weiter geschrieben hatte.

    Der riesige Vorlauf hat es mir ermöglicht, meine Kapitel immer noch mal zu überarbeiten und weitere kleine Perlen, Details, Querverweise einzufügen.

    Daher werden einige Folgen sehr lang.

    Nereida im Freibad war ursprünglich mal nur EIN Kapitel, aber mir fiel dazu noch so viel ein, dass ich zwei daraus gemacht habe.

    Die R-Wi -Kapitel 58 bis 63 sind ähnlich gewachsen.


    Aber selbst wenn es z.B. Kapitel 72 schon ca. 8 Monate lang gibt, habe ich noch am Tag der Veröffentlichung daran herumgefeilt.

    Wenn ich es hier online stelle, muss ich das Gefühl haben, dass es auch fertig ist, und gut zu lesen ist.


    Viele Grüße

    Desi

  • Danke Martin, Rim und toby.

    Freut mich, dass ihr noch am Ball bleibt.


    Für Statistiker: Bislang habe ich in meiner Turnfeegeschichte ca 124.000 Wörter veröffentlicht, das macht bei 10 Punkt Schriftgröße und einem Satzspiegel von 17x21 cm (Breite x Höhe) etwa 270 DIN-A4-Seiten.


    Das hätte auch ich nie gedacht, dass sich das mal so weit entwickeln würde.


    Zur "Schwimmfee" (und auch Kap. 71). Es hat gleich mehrere Handlungsfäden/Querverweise:

    Nereida lernt schwimmen.

    Der Konflikt Bea zu Nereida kommt zu einem guten Ende.

    Ingo und Nereida baden zum ersten Mal im Badeanzug.

    Ingos Tagtraum.

    Egon kriegt zu wissen, wen er damals (Kap 34/35) beinahe überfahren hätte.
    Warum soll Nereida keinen Bikini tragen.


    Zum Schwimmen lernen von Nereida: Ich habe in einigen Schwimmbadbesuchen mir versucht vorzustellen, wie man schwimmen lernen könnte, hab mir die Bewegungen gemerkt und daraus dann "Die Schwimmfee" geschrieben. Ein paar Vorablektionen lernt Nereida ja schon in Kap. 71.


    Ich selber hatte nie einen Schwimmkurs mitgemacht, hatte mit meinen Eltern das gelernt. Das geschah, wie auch bei Nereida, an einem einzigen Tag. Wobei ich einen erheblichen Vorlauf der Wassergewöhnung benötigte, keine Ahnung wieviele Tage.


    Bei der Beschreibung des Freibads, wo Nereida schwimmen lernt, hatte ich übrigens das Freibad im Blick, wo ich einst schwimmen lernte.Die breite Rutsche ist allerdings ein Produkt meiner Fantasie...


    Ausblick: Kap. 73 wird an den letzten Satz von Kap. 72 anknüpfen.

  • Kap. 73: Nereidas erster Arbeitstag


    Montag Morgen.


    "Ich freue mich schon so, heute geht es endlich wieder los, ich tanze wieder Ballett!"

    Oksana war bestens gelaunt. Ihre Morgenträgheit war durch diese Aussicht wie weggeblasen.


    Nereida ließ sich von Oksanas guter Laune anstecken. Sie brauchte sowieso nur wenig Schlaf. Und Tanzen war ja eh ihre Welt.

    "Und ich tanze mit dir!"

    Ihre Augen leuchteten.


    Die beiden Frauen kamen in Hochstimmung in Großtupfingen an. Irina holte sie gut gelaunt von der Bushaltestelle ab.

    Im Stadttheater wurden sie zusammen mit den anderen von Herrn Scheffler, dem Intendanten, und Sergej Moshnow, dem Ballettchef aus Russland, empfangen.


    Herr Scheffler begrüßte alle Tänzerinnen und Tänzer, hielt eine kurze Rede und erklärte, welche Formalitäten noch zu regeln waren. Die Freude war bei Nereida etwas gedämpft, als sie wieder mit Formularen konfrontiert wurde.

    Aber Oksana half ihr da gerne und füllte mit ihr bzw. für sie die Bögen aus.

    Das Problem mit Nereidas nicht vorhandenem Konto lösten sie, indem Nereida Oksanas Konto angab.

    Jede wurde noch für den Firmenausweis fotografiert.


    Herr Scheffler führte alle durchs Gebäude und erklärte die verschiedenen Räume und Säle.

    Dann ging es endlich zu den Balletträumen, welche neu gestaltet worden waren.

    Im Umkleideraum bekamen sie jeder einen eigenen Schrank für die Straßen- und Ballettkleidung sowie für persönliche Dinge.


    Nereida, Oksana, Irina und die anderen zogen sich um. Die drei hatten alle weiße Strumpfhosen, schwarze Trikots und weiße Schläppchen an. Nereida fand das Anziehen der Lycra-Kleidung immer wieder herrlich prickelnd.

    Im Nachbarraum waren etliche Tische mit Spiegel fürs Schminken eingerichtet. Sie nahmen drei Tische nebeneinander für sich in Beschlag.

    Oksana hatte Nereida in den vergangenen Tagen morgens erklärt, wie es mit dem Schminken geht. So klappte es bei Nereida schon recht gut. Für die Auftritte später würden hier ein paar Maskenbildnerinnen die Tänzerinnen und Tänzer dabei unterstützen.


    Frohgemut kamen sie in den großen Proberaum.

    Sergej empfing gut gelaunt die neue Kompanie. Zu Beginn veranstaltete er ein Tanzspiel, wobei sich die Kompanie namentlich näher kennen lernte. Das war sehr lustig.

    Der Russe machte seinem Ensemble aber auch deutlich, dass sie harte Arbeit erwartete, und viel Übung nötig sein würde.

    Oksana, Irina und die anderen wussten das aber schon aus früheren Tagen. Nereida schreckte das auch nicht ab. Auch das Tanzen lernen auf R-Wi war mit viel Übung verbunden. Sie freute sich sogar schon darauf.


    Nach der Mittagspause, wo die Tänzer in der theatereigenen Kantine speisen konnten, stellte Sergej sein Programm für die neue Spielzeit vor. Das erste Thema lautete: "Wir sind wieder da." Er und Natascha hatten sich einige Choreographien dafür ausgedacht. Sergej ermunterte die Kompanie aber, auch eigene Ideen zum Thema einzubringen.


    Oksana kam da auf die Idee mit dem Willkommens- und Begrüßungstanz aus R-Wi. Nereida war begeistert.

    Beide tanzten Sergej den Tanz vor. Er war beeindruckt und beschloss, den Tanz mit ins Programm aufzunehmen.

    So kam es, dass die neue Ballettkompanie am ersten Tag gut gelaunt begann, unter anderem einen Tanz einzustudieren, der seinen Ursprung etliche zehntausende Lichtjahre entfernt hatte.



    Auch Gunda hatte einen erfolgreichen Tag. Sie begann ihn in Nereidas schwarzem Turnanzug, in dem sie Morgengymnastik machte. Das gehörte zu ihrem festen Tagesablauf, seitdem Nereida sie zuhause besucht hatte.

    Sie kam zum Bewerbungsgespräch zur Firma Walter und Söhne, dort, wo Ingo arbeitete.

    Gunda hatte das Gefühl, dass ihre Gesprächspartner sie genau unter die Lupe nahmen, fühlte sich beim Gespräch aber wohl und selbstsicher und strahlte das auch aus. Ingo hatte vorher mit Paul über die Anforderungen der neuen Stelle gesprochen und Gunda darüber informiert, so dass sie sich optimal vorbereiten konnte und im Gespräch immer eine passende Antwort geben konnte.

    Die Verantwortlichen hatten auch einen positiven Eindruck von ihr.

    Hinter der Hand wurde schon beschlossen, sie einzustellen; man wollte aber die drei anderen Bewerber noch abwarten.

  • Hallo Desi,


    sorry dass ich in letzter Zeit wenig kommentiert habe.

    Du warst sehr produktiv und schaffst es immer wieder unterschiedliche Personen aus deinem riesigen Kreis an handelnden in den Fokus zu rücken, ohne den roten Faden zu verlieren. Man kann sich so schön in der Geschichte tragen lassen.

    Mit Nereida kann man sich so herrlich freuen - und genauso sehr mit ihr leiden. (Bei besonders anrührenden Passagen verschwimmen manchmal die Buchstaben in der Feuchte der Augen.)

    Nicht umsonst führt deine Story die Zugriffs- und Kommentarstatistik an. Du hast was geschaffen, das selbst in diesem sehr "literarisch" geprägten Forum heraussticht.

    Mit Vergnügen lese ich auch weiterhin von der Sternenfee.