Zweite Chance

  • Hallo Freunde anschmiegsamer Körperverhüllungen.

    Bereits kurze Zeit nach Ende des "Hahn im Korb" inspirierte mich ein hier veröffentlichtes Bild zu einer neuen Geschichte. Es sollte eine Kurzgeschichte werden und ein grobes Gerüst nebst Anfangskapiteln war an einem regnerischen Sommerabend im Anschluss an eine Dienstreise im Mittelrheintal bereits fertig. Schon damals war

    klar, dass es eine "längere" Kurzgeschichte würde, doch letztlich hat sie den Umfang des "halben Hahns" erreicht.

    (Die Rheinländer dürfen über dieses Wortspiel jetzt lachen und den anderen erklären was daran lustig ist)


    24 Kapitel, jedoch einige eher kurz, was eine Veröffentlichung in 13 Portionen bedeutet.


    Tut mir leid, aber da müsst ihr jetzt durch.

    Gute Unterhaltung








    ZWEITE CHANCE


    Fetischstory von lycwolf







    1.


    Erst jetzt fiel ihm auf, dass das Haus wieder bewohnt sein musste. Entweder hatte er bislang nicht darauf geachtet, oder es gab nichts, das seine Aufmerksamkeit erregt hätte. Es war eines der hier typischen Siedlungshäuser. Im Grundaufbau wie das, welches er selbst bewohnte. Als sein Vater vor einem knappen Jahr als letzter der Eltern gestorben war, gab er seine Wohnung in der Stadt auf und zog wieder nach Hause.

    Alle Bauten in dieser Siedlung glichen einander. In den fünfziger Jahren als Arbeiterwohnungen für eine längst nach China verlagerte Industrie errichtet, entsprachen sämtliche Häuser dem gleichen Bauplan. Ein Stockwerk plus ausgebautem Spitzgiebeldach. Mit der Zeit hatten die meisten der Häuser An- und Umbauten erfahren. Einigen wurde lediglich eine Garage oder ein Car-Port zugefügt, andere wurden verlängert oder gar aufgestockt. Dennoch war der uniforme Baustil stets präsent wenn man heute durch die Siedlung ging.


    Seit er wieder hier wohnte nahm er den Bus zur Arbeit. Zweimal am Tag kam er an dem Haus vorbei, das als letztes in der Reihe stand. Hier endete die Siedlung an einem kleinen Waldstück. danach folgten Felder, der Reiterhof und ein weiterer Landwirtschaftlicher Betrieb. Insgesamt waren es kaum sechs Kilometer bis zum Randgebiet der Stadt. Bis zu seinem Arbeitsplatz natürlich noch weiter. Besagtes Haus stand etwas isoliert, da das Grundstück davor brach lag und vor dem nächsten Gebäude eine

    "Hinterhof"-Werkstatt ihren Abstellplatz hatte.


    Das Siedlungshaus war eines derer, die zur Auflockerung des Straßenbilds quer zur sonstigen Anreihung stand. Trotzdem erkannte man auch hier dieselbe Architektur. Der Vorgarten war lange Zeit verwildert. Jetzt aber war der Wildwuchs gemäht und schuf somit die Bühne für das, was ihn erst darauf aufmerksam machte. Dort wo der vorgelagerte Rasen im Rechten Winkel hinter die Giebelfassade führte stand etwas ungewöhnliches. Es war Blau, zylindrisch, lag horizontal und schien aus dem gleichen Material zu bestehen wie ... ja, wie was eigentlich? Er suchte nach dem korrekten Ausdruck. Turnmatten. Ja, das war es. Das etwa eins zwanzig lange Ding sah aus wie

    eine zylindrische Turnmatte. An seiner Unterseite traten vier weiß getünchte Holzpfosten heraus. Auf einen Schlag wurde es ihm klar. Das war ein Übungspferd. Man benutzt es als Trainingsgerät fürs Voltigieren.

    Vage Erinnerungen stiegen in ihm hoch. Noch konnte er sie nicht zuordnen, aber einige Wissensbrocken bahnten sich ihren Weg durch seine Gehirnwindungen. Die "Turner hoch zu Ross" mussten viele ihrer Übungen zunächst auf einem "Holzpferd" einüben, da das richtige Pferd nicht beliebig lange gleichmäßig im Kreis laufen konnte und ein Abrutschen hier zumindest nur dem Turner weh tat. Im ersten Viertel des blauen Fass-Pferdes war deutlich der Gurt mit den Griffen zu sehen, der normalerweise beim richtigen Huftier direkt nach den Vorderläufen um den Bauch geschnallt wird.


    Voltigieren war damals zu seiner Schulzeit sehr beliebt als Freizeitsport. Das lag vor allem daran, dass der Turnverein mit dem Reiterhof zusammenarbeitete und eine sogar recht erfolgreiche Volti-Riege stellen konnte. Nicht das selbe Pferdegestüt das nur unweit über dem Hügel war, sondern am anderen Ende des Orts. Obwohl, wenn er recht überlegte, meinte er schon mal Werbung für Voltigieren auf diesem Reiterhof gelesen zu haben.

    Eigentlich machten das damals nur die Mädchen. Jungs in eng anliegenden Ganzkörper-Turnanzügen und Gymnastikschläppchen hatten es schwer mit der Akzeptanz unter Ihresgleichen.


    Der Bus war schon weit an dem Haus vorbei, doch immer neue, lang verdrängte Erinnerungen kamen in seinen Sinn. Er hätte damals auch gerne mal so einen Anzug getragen. Zu Schläppchen hatte er sowieso immer einen besonderen Hang. Aber er war als Kind sportlich immer etwas unbeholfen. Dazu noch auf einem wogenden Pferderücken - so weit ging seine Begeisterung für die Kleidung nicht. Die Neigung zu Lycrakleidung jedoch hatte er behalten und über die Jahre sogar ausgebaut. Auch wenn er zu Hause öfter mal in Gymnastikanzüge, Leggings und Schwimmbodies schlüpfte, traute er sich in der Öffentlichkeit lediglich Radlerhosen und Lauftights zu. Seine Exfrau stand dem relativ neutral gegenüber. Gelegentlich ermutigte sie ihn auch dazu. Zumindest wenn sich unter sich alleine waren, spielte öfter mal die Lycrakleidung mit.

    Na ja, dachte er, das hatte der Ehe weder geschadet noch genutzt. Irgendwann hatten sie sich einfach auseinander gelebt. Es war niemandes Schuld, es ging einfach nicht mehr. Trotzdem hatte ihn die erste Zeit der Trennung sehr belastet.

    Der Bus hielt an. Hier musste er raus. Ein neuer Arbeitstag wartete auf ihn. Die Gedanken von eben waren sofort verflogen.








    2.


    Es war Wochenende. Die Wäsche und den Hausputz erledigte er wie üblich in seinem Lieblingsoutfit. Ein Gymnastikanzug aus dunkelblauem, fast schwarzem Samt, bei dem die Schulterpartie und einer der halblangen Ärmel aus seidig glänzendem, glatten grünen Lycra bestand. Normalerweise hätte er dazu Glanzleggings und lederne Ballettschläppchen kombiniert, aber bei dem derzeit zu säubernden Schmutz war ihn das zu schade. Er renovierte nämlich eins nach dem anderen die Zimmer, was nicht nur neue Böden, sondern vor allem Elektroinstallationen auf der Höhe der Zeit bedeutete. Auch die sonstigen Wände waren deswegen aufgerissen. Es galt also nicht nur normalen Staub zu wischen, sondern auch Sand und Steine. Aus diesem Grund entschied er sich für Laufhosen und robustere Gymnastikschuhe aus Leinentuch mit Gummisohle.


    Der Postbote stutzte zwar ein wenig als er ihm das Päckchen vom Internethändler mit dem Namen eines südamerikanischen Stroms aushändigte, reagierte aber weiter nicht auf seinen ungewöhnlichen Aufzug. Im Paket befand sich ein Paar seiner liebsten Standard-Ballettschuhe. Die letzten waren mittlerweile zerschlissen und nicht mehr tragbar. Für 15 Euro bekam er butterweiche Lederschläppchen bei denen selbst die Gummispange bereits angenäht war. Die durchgehende, schmale Sohle war ein Zugeständnis an den niedrigen Preis. Normalerweise favorisierte er geteilte Sohlenflecken, die lediglich unter der Ferse und den Ballen als Schutz vor Abnutzung dienten. Diesmal bestellte er sie in Weiß. In nächster Zeit würde er sie wohl nur auf der Couch oder im Bett, vor allem bei der partnerunabhängigen Liebe tragen.


    Als er am frühen Nachmittag mit der Revierreinigung fertig war, beschloss er einen kleinen Spaziergang um die Siedlung herum zu machen. Um nicht weiter aufzufallen beschränkte er sich auf seine Lauftights. Das seidig, schwarz schimmernde Beinkleid vom französischen Zehnkampf-Händler konnte durchaus auch als Legging durchgehen. Die Lauftypischen Attribute, wie Reflektorstreifen und ähnliches hielten sich in Grenzen. Gemessen an Ihrem hochwertigen Aussehen, war der Preis lächerlich gering. Leider hatte er versäumt sich beim Modellwechsel noch einige davon zu sichern, denn der Nachfolger fügte sich in den derzeitigen Kundengeschmack ein und war optisch für ihn vollkommen indiskutabel. Ein simples T-Shirt und seine Wanderschuhe komplettierten sein Outfit.


    Zunächst führte sein Weg direkt aus der Bebauung hinaus ´runter zu der kleinen Quelle, welche nur nach starkem Regen sprudelte. Dem Lauf des kleinen Bächleins folgend begegnete er den typischen Spaziergängern, meist mit Hund. Wie die wohl reagieren würden, wenn ich im Turnanzug mit Schläppchen hier entlangwanderte?, fragte er sich ährend er wie es auf dem Dorf üblich ist jeden entgegenkommenden höflich grüßte.


    Vor der Stelle wo der Rinnsal sich seinen Weg durch das weitläufige Wiesengebiet bahnte, bog er rechts ab den Hügel hinauf. Der Weg führte zwischen dem Rand des Wäldchens, welches das Wohngebiet auf dieser Seite umgab und der angrenzenden Felder entlang. Der Spätsommer wurde immer wieder unterbrochen von kräftigen Schauern und auch auf seinem Weg standen noch einige Pfützen. Doch heute war es sonnig und angenehm mild.


    War es Zufall oder hatte er diese Route unterbewusst genommen? Nach einer weiteren halben Stunde führte sie ihn genau an dem Haus mit dem Volti-Pferd vorbei. Insgeheim interessierte er sich doch dafür wer dort wohl die turnerischen Ambitionen hatte. Vielleicht konnte er jemanden sehen. Obwohl, er machte sich keine allzu großen Hoffnungen. Schließlich war Voltigieren eher der Jugend vorbehalten. Allenfalls sah man mal junge Erwachsene, aber niemand in seinem Alter.


    Während er diesen Gedanken nachhing, erreichte er die Ausfallstraße zur Stadt hin. Deren Verlauf folgte er auf der anderen Seite bis er zum Ortseingang kam. Oder Ortsende, je nach Blickwinkel. Neben der Umzäunung des besagten Grundstücks verlief ein Pfad an dieser Seite des Wäldchens entlang.

    Das Haus wirkte unbewohnt. Eine graue Plastikplane deckte das Übungspferd ab. Davor standen auf dem Rasen noch zwei aufrechte Holzkästen. Etwa dreißig Zentimeter in Quadrat und einen dreiviertel Meter hoch. Sie waren ungefähr fünf Meter voneinander weg platziert und er konnte sich keinen Reim darauf machen.


    Aufschlussreicher war da schon die Wäschespinne auf die sein Blick fiel als er dem Pfad entlang der Hinterseite des Gebäudes folgte. Auf ihr hingen ausschließlich Kleidungsstücke aus Lycra zum trocknen und das erhöhte sein Interesse ungemein. Es waren zunächst zwei der typischen Voltigieranzüge, hochgeschlossen mit langen Armen und Beinen sowie Stegschlaufen an denselben. Aufgrund der gewollten Dehnbarkeit des Materials ließ sich nicht auf die Größe und damit auf das mögliche Alter der Trägerin schließen. Oder des Trägers, schließlich gab es mittlerweile mehr männliche Voltis als früher.

    Der auffälligste war zugleich der eigentlich schlichteste. In einem kräftigen Rot gehalten, wies er auf den Außenseiten der Beine, sowie über die Schultern und entlang der Ärmel breite weiße Streifen auf. Ein übliches Design für Vereinskleidung. Auch der nur durchschnittliche Glanzgrad sprach dafür. Der andere verlangte nach einem zweiten und sogar dritten Blick. Seine Grundfarbe war schwarz, aber über Brust und Rücken, einen der Ärmel einschließend zog sich in leichtem Schwung ein abgesetztes Muster. Wie ineinander verflochtene Schlangen sorgten Streifen in unterschiedlichen Abstufungen von Blau und gelegentlich Grau und Weiß für Auflockerung ohne zu plakativ zu wirken. Dieser Ganzanzug glänzte wesentlich stärker als der Rote.

    Er sah an sich herab und befühlte seine schimmernden Tights. Genauso glänzte jenes Teil.

    Nachdem er sich überzeugt hatte alleine auf dem Pfad zu sein, gab er seinem Drang nach sich nochmals anzufassen. Er mochte den glatten Stoff unter seinen Fingern und das darüberstreicheln erregte ihn jedes Mal. Er gebot sich Einhalt, denn die Laufhose stellte jegliche Erregungszustände schonungslos zur Schau.


    Ein Paar Leggings fand sich ebenfalls auf dem Trockengestell. Mittleres Blau ohne jeden Schnickschnack und von seidigem Schimmer. Wem immer das Zeug gehören mochte, Sie oder Er hatte Geschmack. Das spiegelte sich auch in den beiden Turnanzügen wieder, die sich ebenfalls auf der Leine tummelten. Obwohl, einer davon könnte auch ein Badeanzug sein. Aus der Entfernung und der Art wie er aufgehängt war ließ sich das nicht mit Gewissheit sagen. Jedenfalls zeigte er eine verwaschene Farbmischung aus grünen bis gelben Pinselstrichen mit gelegentlichen Sprengseln aus Blau. Insgesamt eine Farbe ähnlich wie Limetten.

    Der Gymnastikanzug war klassischen Zuschnitts. Runder Halsausschnitt, kurze Ärmel, geschlossener Rücken und regulärer Beinschnitt. Beim Material wechselten sich Bordeauxrotes Glanzlycra und Auberginefarbener Samt so aufreizend ab, dass er zu gerne gesehen hätte wie er angezogen aussieht.


    Um nicht doch noch zur öffentlichen Erregung beizutragen, beschloss er seinen Weg nach Hause fortzusetzen. Die restliche dreiviertel Stunde seines Spaziergangs nahm er nur noch undeutlich wahr, so sehr kreisten seine Gedanken um die Kleidungsstücke. Solange es noch sommerlich war musste er unbedingt ein Auge auf das Haus werfen.


    Eines war sicher: Er und seine Hand würden heute Abend noch jede Menge Spaß haben.

  • Eine nette Geschichte, die mich neugierig auf weitere Folgen macht. Z.B. wem die Voltis gehören.

    Natürlich freue ich mich auch über deine Anspielungen wie z.B. den "Internethändler mit dem Namen eines südamerikanischen Stroms" oder das "seidig, schwarz schimmernde Beinkleid vom französischen Zehnkampf-Händler".

    Desi

  • Interessante und schön geschriebene Geschichte, bin mal gespannt wie es weiter geht.

    Auch mal gut, die Dinge aus der Sicht von uns Älteren zu lesen.

    Denn Lycra gefällt allen Altersschichten.

    Was mich nur etwas verblüfft, ist dass der Erzähler an den auf der Wäschespinne aufgehängten Lycrasachen doch so viele Details erkennt, die eigentlich nur im angezogenen Zustand sichtbar sind.


    Gruß Wolpertinger

  • Dann will ich euch auch nicht länger warten lassen.

    Voila!









    3.


    Anfang der Woche hielt er stets die Augen offen, wenn er mit dem Bus an dem Haus vorbeifuhr. Die Wäschespinne war zwar leergeräumt, aber die Plane über dem Ersatzpferd schien unberührt. Verständlich, da sich Aprilartig Regen und Sonne stündlich abwechselten. Am Mittwochabend jedoch wurde seine Hartnäckigkeit belohnt. Dazu war ihm auch noch das Glück hold in Form eines langsamen LKW-Gespanns das den Bus zum kurzen Anhalten veranlasste.

    Auf dem Holzpferd turnte der rote Voltigieranzug, ausgefüllt von einer brünetten Frau mittleren Alters. Genau konnte er ihr Gesicht nicht sehen, aber sie mochte sogar in seinem Alter sein. Jedenfalls war es kein halbwüchsiges Mädchen das hier auf Knien elegante Figuren übte. Was er sehen konnte, wirkte wie Yoga auf einem Pferderücken.


    Kaum zu Hause, war er auch schon wieder auf dem Weg durch das Wohngebiet. Die Chance mehr von ihr sehen zu können wollte er sich nicht entgehen lassen. Es machte ihn regelrecht blind, sonst wäre er sicher nicht offenen Auges in die ältere Dame gerannt, kaum zehn Meter von seinem Ziel entfernt. Sie war wirklich nett und sympathisch, aber wie es ältere Menschen halt nun mal so an sich haben, hatte sie immer ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Nun wollte er natürlich nicht unhöflich sein und führte geduldig ein ausuferndes Gespräch mit der Seniorin. Allerdings war er sich nicht sicher, ob er immer die passenden Antworten gab, denn ein Auge spähte andauernd über die gebeugt stehende Dame hinweg und auch sein Gehirn arbeitete sicher nur mit einer Hälfte an ihrer Unterhaltung.


    Die Voltigiererin (keine Ahnung ob dieser Terminus korrekt ist) war mittlerweile vom Pferd abgestiegen und jetzt konnte er auch sehen wofür die hochkant stehenden Kisten auf dem Rasen gut waren. Die Sportlerin balancierte nämlich auf einer Slackline, die über jene Kästen verlief. Jenseits davon schien das wie ein Sicherheitsgurt breite Kunststoffseil schräg im Boden zu verschwinden. Um das Seil so straff zu halten, brauchte es im Boden kräftige Ankerösen. Am ihm zugewandten Ende konnte er ein Ratschenschloss erkennen.


    Erst der erneut einsetzende Regen ließ die betagte Nachbarin zu Ende kommen. Leider gewann er dadurch nichts, denn auch die Frau im roten Voltianzug beendete ihre Balanceübung, beeilte sich das Holzpferd abzudecken und verschwand im Haus noch ehe er mehr von ihr sehen konnte.

    Die immer mehr durch seine Kleidung dringende Nässe ließ ihn über seine ganze Aktion schmunzeln. Was hatte er sich denn dabei gedacht? Jedenfalls nichts sinnvolles. Hätte er wie ein Spanner von Bürgersteig aus zusehen wollen? Wie hätte er sich gerechtfertigt? Sie angesprochen?

    Vielleicht, aber eigentlich musste er sich erst mal selbst darüber klar werden, was er sich überhaupt von ihr versprach.








    4.


    Für die nächsten Tage beschloss er fürs Erste einfach abzuwarten. Sollte er sie noch mal beim Training antreffen würde er seinen Charme spielen lassen und sie in ein unverfängliches Gespräch verwickeln. Ob sie Neu hier sei, wie es ihr hier gefalle und ob sich schon eingelebt habe. Möglicherweise konnte er auch einige Kenntnissen übers Voltigieren zur Sprache bringen. Ein klein wenig wusste er noch von einer Schulfreundin die ebenfalls diesen Sport ausübte.


    Und nicht nur den, kam er ins Grübeln. Seit über dreißig Jahren hatte er nicht mehr an sie gedacht. Seltsam, dass die jüngsten Ereignissen einen Schwall an erfolgreich verdrängt geglaubten Erinnerungen wieder ans Licht brachte.

    Jenes Mädel hatte alles zur Verfügung was man sich wünschen konnte. Sie stammte aus einem wohlhabenden Elternhaus und konnte sich auf alle möglichen Freizeitaktivitäten konzentrieren. Turnen, Ballett, Reiten und eben die Kombination daraus, das Voltigieren. Mit einer Freundin zusammen hatte sie sogar ein eigenes Reitpferd.

    Nein, ihr fehlte es echt an nichts.


    Doch das Alltagsgeschäft riss ihn aus seinen Gedanken. Ein befreundeter Elektriker hatte geklingelt. Er wollte seine selbst verlegten Strippen nochmals kritisch überprüfen, bevor er die Wände wieder zu putzte. Für die zeitaufwändigen Arbeiten der Renovierung brauchte er keine Firma, aber bei der Elektroinstallation wollte er sich absichern. Auch das spätere anklemmen wollte er lieber dem Fachmann überlassen. So weit war aber alles OK, was bedeutete, dass er den kommenden Samstag wohl eher mit Spachtel und Glättkelle in Latzhosen, denn in Gymnastikbekleidung verbringen würde.









    5.


    Es dauerte ein paar Tage bis er wieder Zeit fand sich mit der Voltigiererin zu befassen. Bei dem angenehmen Wetter beschloss er ein wenig zu joggen. Nicht gerade sein Lieblingssport, doch ab und an musste er sich dazu zwingen. Der leichte Trab führte ihn entlang des gleichen Wegs wie letztens sein Spaziergang. Nur dass er diesmal in die Wohnsiedlung abbog, anstatt um sie herum zu gehen.


    Schon von weitem sah er das Objekt seiner Begierde. Sie balancierte wieder auf der Slackline vor dem Holzpferd und machte nicht den Eindruck besonders sicher auf dem schmalen Gurt zu stehen. Sie trug diesmal gelbe Capritights und darüber etwas, das wie ein Badeanzug in multiplen Regenbogenfarben aussah. Die Erschütterungen seines Laufs ließen keine klare Observierung zu, doch es schien als trüge sie an der Seite des ihm zugewandten Schienbeins eine recht hässliche Narbe. Möglicherweise war das der Grund für ihre Balanceunsicherheit.


    "Ganz schön sportlich", eröffnete er die Unterhaltung noch von weitem.


    Sie sah ihn an und sprang vom Seil herunter. Ob vor Schreck oder geplant vermochte er nicht zu bewerten.


    "Danke, gleichfalls" antwortete ihm eine eher leise aber dennoch kräftige Stimme.


    Er ließ seinen Lauf langsam ausklingen um auf ihrer Höhe zum Stehen zu kommen. Mögliche weitere Konversationsansätze waren unter seiner Schädeldecke bereits abrufbereit. Dann aber passierte das am wenigsten wahrscheinliche überhaupt.


    Es war Sie.

    Kein Zweifel.

    Trotz mehr als dreißig Jahren Trennung erkannte er die Augen in dem Gesicht, das ihm vor langer Zeit einmal so viel bedeutete. Seine gute Laune, ja sogar seine gesamte Lebensplanung für die kommenden Tage brachen auf einen Schlag zusammen.


    Dies war der Moment, wo in einem Italo-Western von Sergio Leone die Kamera erst abwechselnd die Opponenten bis zum Oberkörper zeigt. Dann nur noch die Gesichter um schließlich zu den unkonventionellen Tönen Ennio Morricones nur noch die jeweiligen Augenpartien Cinemascope-füllend präsentiert.


    Worten, die bereits auf dem Weg von seinem Sprachzentrum zum Mund waren, konnte er keine Stimme mehr verleihen.

    Doch auch in ihrem Blick lag Wiedererkennen. Sie stockte ebenfalls und in ihren Augen lag etwas, das man zwar nicht Reue, doch zumindest Trauer nennen konnte.


    "Ähh ..., ja ...", äußerte er stockend ohne einen Plan was er sagen sollte. "Bis dann...."


    Er musste weg hier. Einfach weiter. Sie nickte ihm zu, sagte aber nichts.


    Mechanisch trabte er wieder an. Ohne seine Umwelt wahrzunehmen lief er mehrere Querstraßen weiter bis er an der kleinen Parkanlage ankam. Sein Puls raste und der Boden unter ihm schien nachgeben zu wollen. Er musste sich auf eine der Parkbänke setzen.

  • Tja, wer weiß was da noch passiert und worauf sich die Geschichte letztlich konzentrieren wird?

    (Außer mir natürlich).

    Ich find toll, dass sie die Phantasie der Leser anregt, denn genau das bezwecke ich damit. Manches ist halt sehr visuell detailliert beschrieben, anderes wiederum nur angedeutet um der Vorstellungskraft genügend Freiraum zu lassen.

    Demnächst mehr.

  • Ja, die Cliffhanger.

    Mal ehrlich, die sind doch das Salz in der Suppe bei mehrteiligen Geschichten, oder?

    Aber es geht ja auch schon wieder weiter.






    6.


    Was für ein scheiß Tag.

    Jetzt hatte er endlich die Scheidung hinter sich, die Eltern unter der Erde, renovierte das Haus um mit einer neuen Perspektive in den nächsten Lebensabschnitt zu treten. Sogar eine vage Hoffnung auf jemand gleichgesinntes zu treffen - und dann sowas.

    Er fühlte sich schlecht. Nicht nur seelisch, sondern sogar körperlich. Es war weniger die Erinnerung selbst als vielmehr die Wucht, mit der jene längst vergessenen und weit verdrängten Geschehnisse ohne Vorwarnung in sein Leben zurück traten.

    Mit rationellem Denken kam er hier nicht weiter, denn eigentlich waren es Dinge aus der Jugend mit denen ein Erwachsener nach so langer Zeit abgeschlossen haben sollte.


    Doch er fürchtete bereits etwas anderes und das war ihm unangenehm. Niemand kannte ihn besser als er sich selbst. Es war eine Gabe und manchmal auch eine Bürde die eigene Psyche fast unabhängig wie von außen betrachten zu können.

    Was, wenn da trotzdem immer noch was zwischen ihnen war?


    In gemessenem Schritt trottete er nach Hause. Es ging wieder und innerlich rügte er sich, derart die Fassung zu verlieren. Er wollte das Thema abhaken, doch so richtig gelang es ihm nicht.

    Also machte er sich daran die Rohrschellen und sonstigen nötigen Befestigungen für die Installationen im Keller fest zu bohren. Danach lenkte ihn die Hausarbeit ab. Das Fernsehprogramm und eine halbe Flasche trockener Silvaner übernahmen die restliche Betäubung bis zum Einschlafen.






    7.


    Am nächsten Morgen, Sonntag, fuhr er schon zeitig los. Die neu markierte Wanderroute durch das hügelige Felsenland mit all seinen Burgruinen und Klettervorsprüngen hatte er schon seit langem mal wieder abgehen wollen. Ein Hangrutsch machte vor drei Jahren eine neue Wegführung notwendig, die einige interessante neue Aussichtspunkte versprach. Bei dem milden Wetter hatte er sich für seine Laufhosen aus schwarzem Lycrastoff entschieden. Bei jeglichen Formen des Outdoor-Sports stieg kontinuierlich die öffentliche Akzeptanz derartiger Kleidung und so konnte er das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.


    "Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?"

    Dieser Stoßseufzer eines jeden Wanderers beschäftigte ihn auf dem Atem raubenden Anstieg. Doch er hatte bewusst diese Richtung gewählt, denn nach den anfänglichen Strapazen würde der weitere Weg sich größtenteils auf gleichbleibendem Höhenniveau um die Bergkuppen schlängeln.


    Wie üblich genoss er das freizügige Gefühl seines Kunstfaser-Beinkleids, das selbst bequeme konventionelle Hosen einengend wirken ließ. Es war diese Ambivalenz der eng ansitzenden Tights zu der völlig unbehinderten Bewegungsfreiheit die seine Schritte erleichterte. Das Musikprogramm seines mp3-Players hätte gut zu der Burgruine zu seiner Rechten gepasst. Eine Mischung aus Folkrock und Progressive Rock mit ausgedehnten, gewiss nicht Radiotauglichen Titeln. Doch er ließ das Gemäuer ohne weitere Beachtung hinter sich. Zu oft war er schon hier gewesen.


    Allmählich wurde der Weg flacher und er konnte die sauerstoffreiche Luft des Waldes genießen.

    Er vermied es angestrengt nicht an das Wiedersehen mit seiner alten Freundin zu denken. Was natürlich Blödsinn war, denn "nicht" an etwas zu denken bedeutet ja zunächst und grundsätzlich "doch" daran zu denken.


    Nach gut zwei Stunden erreichte er den neuen Aussichtspunkt und er musste gestehen, dass sich die Mühe gelohnt hatte. Mitten am Vormittag konnte er noch ungestört das grandiose Panorama bewundern. Links die zur Rheinebene abfallenden Hügel, geradeaus der Fernblick über das Flachland bis zu der blauen Kontur des Odenwalds. Rechts der Rücken oberhalb des nächsten Tals, gespickt mit schroffen Sandsteinfelsen. Er wusste wieder warum es ihm in seiner Heimat so gut gefiel.

    Die Musik hatte er abgestellt um die Natur um sich herum mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. An Stelle des heute morgen ausgefallenen Frühstücks genoss er seine kleine Vesper aus Brot, Wurst, Käse, rohem Paprika und etwas Obst zum Abschluss.


    Natürlich dachte er an Gestern.


    Doch noch während er so sinnierte, unterbrach ihn die Ankunft weiterer Wanderer. Genauer gesagt Wanderinnen. Wie üblich kamen sie schnell ins Gespräch über die Natur im Allgemeinen und die herrliche Aussicht im Speziellen. Die beiden Ortsfremden waren etwas jünger als er, aber eine davon passte zumindest Ansatzweise in seine Vorstellungswelt. Im Gegensatz zu ihrer etwas burschikos wirkenden Begleiterin, verhüllte sie ihre femininen Reize nicht mit schlabbriger Wanderkleidung. Gleich ihm trug auch sie Running-Tights. Jedoch waren diese Matt und in ihrer Grundfarbe hellgrau. Die Nahtführung, sowie diverse abgesetzte Elemente in dunkelgrau, verbunden mit Ziernähten in Neongrün präsentierten ein strammes, trotz seiner Muskulosität elegantes Paar Beine, welches die Leggings prall ausfüllte. Zwar war dies das einzige Stück Lycrakleidung, doch die Art wie junge Frau ihr T-Shirt seitlich verknotete und so den Blick bis hinauf zum Taillenbund gestattete, zeugte von einer gewissen Präsentationslust.


    Er musste sich zurückhalten sie nicht andauernd anzustarren, während er die beiden über die Gegend und die landschaftlichen Besonderheiten aufklärte. Sie schlossen sich ihm für den weiteren Weg an und die nette Unterhaltung fand ihre Fortsetzung. Leider wurde in deren Verlauf immer klarer, dass egal wie sehr er sich anstrengen mochte, er nie die perfekt proportionierte Füllung der Lycratights würde berühren können. Offensichtlich waren die Beiden nur an ihrem eigenen Geschlecht interessiert und darüber hinaus auch schon ziemlich lange zusammen. Fast wie ein altes Ehepaar.

    Trotzdem bleiben sie für den Rest der Wanderung eine angenehme Abwechslung.


    Etwas wehmütig schaute er ihnen nach, als sich ihre Wege zu guter Letzt trennten. Ihm fehlte wohl die Berührung eines weiblichen Körpers in seiner favorisierten Kleidung.

    Erneut dachte er an das gestrige Wiedersehen und Erinnerungen an früher traten ihm wieder in den Sinn.






    8.


    Es war ein milder Frühsommertag. Die Schulferien standen bevor und er war zufrieden mit sich und der Welt. Seit einigen Wochen häuften sich die Gelegenheiten an denen Sie ihm Aufmerksamkeit schenkte. Einige seiner Mitschüler fragten sich schon was Sie nur an diesem unförmigen Loser fand, und in der Gruppe hielt sie eher Abstand zu ihm.

    Doch immer wenn die anderen nicht dabei waren, war sie ganz anders. Mit seiner flapsigen Art konnte er sie stets zum Lachen bringen und man merkte wie wohl sie sich dabei fühlte nicht der von Ihr erwarteten Rolle entsprechen zu müssen.


    Sie, das war das begehrteste Mädchen seiner Jahrgangsstufe. Jede Woche zog sie mit einem anderen durchtrainierten Schönling um die Häuser und gab das Nachwuchsmodel. Alle waren scharf auf sie. Manche Menschen sind halt von der Natur begünstigt - andere eben nicht.


    Es war die Zeit in der Leggings noch Gymnastikhose hießen und Turnkleidung noch mehrheitlich schwarz zu sein hatte. Jene Zeit, in der Vorturnerinnen wie Jane Fonda und ihr europäisches Pendant Sydney Rome den neuen Bewegungstrend "Aerobic" propagierten. Man konnte sich dem ständigen Anblick ungewohnt bunter und glänzender Gymnastikkleidung allerorts nicht entziehen.


    Und Sie zählte zu denjenigen, die nur zu gerne auf diesen Zug aufsprangen und zeigten wie attraktiv sie in solchen Sachen wirkten. Ganz im Gegensatz zu ihm war sie eine wahre Sportskanone. Neben den angesprochenen Disziplinen wie Aerobic, bzw. Rhythmischer Gymnastik, stand auch noch Ballett, Reiten und Voltigieren auf ihrem Freizeitprogramm.

    Aber schon damals hatte ihn seine Zuneigung blind gemacht. Nicht nur zur Person, sondern auch zu ihrer Kleidung aus Lycra. Blind gegenüber ihrer Oberflächlichkeit, und blind gegenüber ihrer materiellen Einstellung. Jungs waren für sie nur dann interessant, wenn sie ihr zu Diensten sein wollten, ihr bei allem möglichen halfen. Darüber hinaus musste der potenzielle Partner gutaussehend und modebewusst sein. Jemand zum Angeben. Ein fahrbarer Untersatz war ebenfalls von Vorteil und vor allem musste er finanzielle Mittel vorweisen um all ihre materiellen Wünsche zu erfüllen und sie in die angesagtesten Lokale und Diskotheken auszuführen.


    All das hatte er nicht. Seine Eltern waren nicht wohlhabend und das kleine Siedlungshäuschen musste portionsweise abgestottert werden. Seine Kleidung musste praktisch, preisgünstig und lange haltbar sein. Für ein Moped war kein Geld vorhanden, selbst wenn er seine gesamte Freizeit ausschließlich mit Zeitung ausgetragen verbracht hätte. Es reichte gerade mal sie zum Italiener einzuladen. Nein, er entsprach ganz und gar nicht ihrer Welt.


    Trotzdem wollte sie sich sogar vorsätzlich immer wieder mit ihm treffen. Wenn sie ohne andere zusammen waren, schien sie in einer anderen Welt zu sein. Ohne das übliche Imponiergehabe spätpubertärer Jugendlicher konnten sie sich über alles unterhalten, miteinander lachen und Spaß haben.


    An besagtem Tag waren sie durch das Wiesental am Ortsrand spaziert und saßen eine ganze Weile auf der kleinen Bank neben der Quelle, die nur zu wenigen Zeiten des Jahres Wasser hervorbrachte. Beide verstanden sich prächtig und es wurde richtig romantisch. Zwischen ihnen knisterte es, was nicht nur an dem hellen, glänzenden Lycrabody lag welcher aus dem Bund ihrer Jeans hervortrat.


    "Was ist....", fragte er als sie unvermittelte eine Knutscherei anfing, "... mit deinen ... anderen Freunden?"


    Doch gerade hatte sie nur noch ihn im Visier. Ihn, den Uninteressanten. Ihn, den Loser, das fünfte Rad am Wagen

    .

    "Das sind doch ...", murmelte sie wann immer ihre Zunge Gelegenheit dazu bekam, "... nur so Typen die mir geben was ich will. Aber manchmal ...", Wieder untersuchte sie ihn auf Mandelentzündung, "... steht mir der Sinn nach was anderem."


    Ermutigt ließ er seine Hand vorsichtig über das glatte Material ihrer Oberbekleidung streifen und fühlte sich umgehend wie im siebten Himmel. Schon so oft hatte er sich ausgemalt, wie sich die seidigen Gymnastiksachen auf ihrem Körper wohl anfühlen mochten. Leider waren im Schulsport die Geschlechter getrennt und so konnte er nur selten einen Blick auf sie erhaschen. Wenn sie all ihren Mitschülerinnen die Schau stahl, in ihrem perfekt anliegenden Gymnastikanzug den sie über den glänzenden Leggings trug. Mit roten Ballettschläppchen an den Füßen schwebte sie geradezu wie die gleichnamige Bezeichnung des Turngeräts es forderte. Hochkonzentriert und elegant, die sonst wallende Löwenmähne am Hinterkopf zusammengebunden.

    Oder auf dem Reiterhof, Wo sie auf dem wippenden Rücken des Pferdes absolute Körperspannung von den Fingern bis zu den Zehenspitzen bewies. Der Ganzanzug in Türkis-metallic betonte ihr erregendes Muskelspiel.


    Und jetzt durfte er es fühlen. Die taktile Sensation an seinen Fingerspitzen.

  • Und wieder etwas neuer Lesestoff um die Phantasie auf Touren zu halten.

    Gute Unterhaltung.






    9.


    Wieder zurück in seiner "Baustelle" hing er noch lange seinen Jugenderinnerungen nach.

    Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte er nicht sagen was ihn damals mehr faszinierte. Der perfekte Mädchenkörper als solcher, oder die anschmiegsame Kleidung darüber.


    Er musste an sein erstes Mal denken. Nicht an "das" erste Mal, sondern sein erster physischer Kontakt mit der dehnbaren Kunstfaser, die ihn sein Leben lang begleiten sollte.

    Schon als Kind war seine Neigung latent. Rückblickend begann es wohl bereits im Kindergarten, als ihn die Beweglichkeit der Erzieherin beim spielerischen Sport faszinierte. Gleichsam ihre Bekleidung die alles verhüllte, jedoch jegliche ihrer eleganten Bewegungen zum Fest machte. Natürlich nahm er selbst das in dieser Deutlichkeit nicht wahr und erst viel später in seinem Leben erinnerte er sich daran. Seit dieser Zeit entwickelte er auch ein Faible für das Tragen von Gymnastikschläppchen. Weich und fast unfühlbar erlaubten sie unbeschwerte Bewegung beim Sport und auch sonst. Leider mussten sie später dem in der

    Schule herrschenden Gruppenzwang zu regulären Turnschuhen weichen und er trug sie allenfalls noch als Hausschuhe.


    Beim stöbern auf dem Dachboden, das verwirrende Leben der Pubertät war gerade im Gange, stieß er auf eine Kiste mit alten Turnklamotten seiner Mutter. Die Sachen waren zwar nicht von der seidig glänzenden Beschaffenheit die er später favorisieren sollte, doch auch ihnen war die große Dehnbarkeit zu Eigen.

    Ein mattschwarzer Gymnastikbody, kurzärmelig mit rundem Halsausschnitt fiel ihm als erstes in die Finger. Das Material fühlte sich - ihm fehlten die Worte es gebührend zu beschreiben - einfach gut an. Erst strich er sich damit über seine Wange, dann befühlten seine Lippen das anziehende Gewebe. Gleich einem Säugling, der die Welt über die größtmögliche Ansammlung von Nervenenden erkundet. Eine Eigenart die er selbst als Erwachsener nicht völlig abgelegt hatte.


    Die Erinnerung daran, wie er wohl am besten in dieses "Ding" hineinkam war ihm so präsent wie an jenem Tag. Die größte Öffnung befand sich oben am Hals, wenngleich er nicht dachte, dass sich das Material derart weit dehnen ließ. Doch er war bereits vollkommen davon eingenommen und so war es lediglich eine Frage der Zeit, bis seine eigene Kleidung auf dem staubigen Boden lag. Wenn überhaupt, dann würde er den Body nur nackt über seinen Körper streifen können. Nachdem beide Beine von dem dehnbaren Stoff eigezwängt waren, musste er jede Menge Balance aufwenden um nicht der Länge nach hin zu schlagen. Dann zog er das Kühle Gewebe nach Oben über seinen jugendlichen Leib und spürte zum ersten Mal die Erregung die es ihm bescherte. Dass er nicht schon jetzt unter Blutarmut im Gehirn litt war der Tatsache zu verdanken, dass er sich überlegen musste wie er jetzt wohl die Arme hineinbekam. Unter Aufbietung sämtlicher Anstrengungen hatte er es schließlich geschafft.

    Das Gefühl des "umspannt seins" war unbeschreiblich. Zentimeter um Zentimeter betastete er seinen stramm verpackten Leib. Keine Ahnung wie lange das dauerte, doch irgendwann konnte er nicht mehr anders. Die bereits häufig geübten Bewegungen an seinen sich entwickelnden Genitalien gingen ihm leicht von der Hand. Doch in der engen Lycrahülle war alles anders. Bereits nach zwei, dreimal zupacken setzten seine Sinne kurzzeitig aus und er musste sich überlegen wie man Kleidung von Hand wäscht und vor allem ungesehen wieder trocknet.


    In der Folgezeit hatte er mit dem Gymnastikanzug und später auch mit einer nicht minder erregenden, ebenfalls schwarzen Strumpfhose jede Menge Spaß. Letztere war nicht wie Strumpfhosen sonst waren. Egal wie sehr sie sich dehnen mussten, sie blieben immer undurchsichtig. Manchmal und unter größtmöglicher Vorsicht schlief er sogar in diesen Sachen und genoss die Enge die zugleich sehr freie Bewegungen ermöglichte.

    Von jenem Tag an war er infiziert.







    10.


    Es dauerte ein paar Tage bis er sie wieder sah. Bis dahin drehten sich all seine Gedanken nur noch um sie. Auch seine Träume wurden von ihrem Anblick bestimmt. Die Wolke des Glücks auf der er schwebte war eine völlig neue Erfahrung.

    Sie hatte wieder einen ihrer "Dienstboten" an der Hand. Ein durchtrainierter Sportler mit wenig Hirn aber umso größerer Geldbörse. Offenbar hatte er sie neu eingekleidet. Die glitzernde dunkelblaue Steghose, die sich wie eine Gymnastikhose an ihre perfekten Beine schmiegte, der hellgraue Lycrabody im Schnitt eines Badeanzugs und darüber ein weit ausgeschnittenes, fast zerfranstes T-Shirt-Kleid, welches von einem breiten Gürtel an ihrer Taille zusammengehalten wurde hatte er bislang nicht an ihr gesehen. Mit diesem Outfit, das alle Blicke auf sich zog, war sie mal wieder Vorreiter in Sachen Mode.

    Tatsächlich lief wenige Wochen später die gesamte deutsche Frauenwelt so herum.


    Wie üblich ließ sie ihn in dieser Clique unbeachtet. Sie hatte ja genügend andere Spielkameraden und Bewunderer. Klar tat ihm das weh, doch das romantische Beisammensein letztens verklärte seine Sicht auf die Dinge.

    Noch am gleichen Abend sah er sie wieder. Er hatte den Nachmittag mit einigen seiner wenigen Kumpels in der Stadt verbracht, während Sie mit ihrer neuesten Eroberung losgezogen war. Als sammele sie Trophäen. Wie die ihrer Sportwettbewerbe.


    Der Bus brachte ihn und seine Freunde nach Hause, doch zumindest zu zweit hingen sie noch eine Weile am Park unweit der Haltestelle ab. Später blieb nurmehr er selbst übrig und machte sich auch langsam Gedanken über den Heimweg.

    In jenem Moment setzte der Schönling sie an der Haltestelle ab und fuhr dann mit vollständig aufgerissenem Gashahn davon. Sie hatte ihn nicht bemerkt und fummelte gereizt an ihrer Handtasche herum. Dabei murmelte sie einige abfällige Bemerkungen.


    "Brauchst du Hilfe?", erkundigte er sich.


    Sie zuckte überrascht zusammen, fand aber sofort wieder ihre Fassung und begrüßte ihn herzlich.


    "Ja, der blöde Reißverschluss klemmt und ich komme nicht an den Wohnungsschlüssel", verriet sie ihm, "und bei uns ist keiner zu Hause."


    "Dann warte doch hier noch etwas." So genau wusste er selbst nicht was er damit bezweckte, doch sie setzte sich tatsächlich neben ihn.


    Sie benahm sich wieder ganz normal, nicht so überheblich und eingebildet wie vorhin. Eigentlich wollte er sie diesbezüglich zur Rede stellen, traute sich dann aber nicht. Um wieder so einen glücklichen Moment zu erleben wie letztens, ließ er es ihr durchgehen.

    Sie redeten über die Schule, die bevorstehenden Ferien und das folgende letzte Jahr und was sie danach machen wollten.

    Er selbst hatte noch keinen konkreten Plan, aber sie schwärmte davon wie sie in der Modebranche arbeiten wollte. Und von einem Traummann um den sie alle beneiden würden. Mit viel Geld um ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen. All dies nahm er nicht für bare Münze, sonst hätte er bereits jetzt merken müssen, dass er ihr das alles nicht bieten konnte. Doch sie erzählte farbenfroh von allen möglichen exotischen Orten welche sie bereisen wollte. Er ließ sich von ihrem Enthusiasmus mitreißen. Auch als sie als Alternative angab Sport zu studieren und erfolgreich im Turnen oder Voltigieren zu sein. In die Olympia-Auswahl wollte sie es schaffen.


    All diese Perspektiven imponierten ihm. Noch mehr gefiel ihm, als sie dort weiter machten wo sie letztens aufgehört hatte. Sie schmolz unter seinen tastenden Händen dahin, genauso wie auch er der Welt entrückt war. Das befühlen ihres makellosen, von Lycra eingehüllten Körpers legte jegliche Vernunft in ihm lahm.

    Eine gewisse Vertrautheit stellte sich ein. Sie musste nicht sagen wie er sie anfassen sollte und er brauchte nicht zu fragen.

    Es war bereits dunkel als sie das heftige "rummachen" beendeten. Wie sie ihn ansah - das konnte nur Liebe sein.


    "Ich glaub´ ich muss jetzt", schickte sie sich zum Aufbruch an.


    "Warte", hieß er sie und griff sich ihre Handtasche. Mit etwas Geduld und viel Geschick hebelte er den Schlitten über die verbogenen Zähne und der Verschluss ließ sich öffnen.


    Das brachte ihm zum Abschluss nochmals einen heftigen Kuss ein.


    "Danke", hauchte diese sinnliche Elfe leise als sie ihn verließ.


    Er selbst lehnte sich auf der Bank zurück, verschränkte die Arme im Nacken und war zufrieden mit sich und der Welt.

    Sehr zufrieden.

  • lycwolf : Niemand drückt sich so eloquent aus wie du. Danke Lycwolf für diese Wortperlen:

    Gleich einem Säugling, der die Welt über die größtmögliche Ansammlung von Nervenenden erkundet.

    Sie schmolz unter seinen tastenden Händen dahin, genauso wie auch er der Welt entrückt war.

    Danke", hauchte diese sinnliche Elfe leise